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Montag – 2. Wandertag im Rothauser Land

18 Juni 2012 Kein Kommentar

Als der Wecker des Garmin piepst, muss ich mich erst mal orientieren: Es ist 7.00 Uhr und ich bin im Brauereigasthof Rothaus.
Mit dieser Erkenntnis bin ich dann schlagartig wach, denn heute steht unsere Wanderung mit Anita auf dem Plan, und darauf haben wir uns beide besonders gefreut!

Also aufstehen, duschen, anziehen, FrĂŒhstĂŒck! Die RucksĂ€cke haben wir (bis auf das Vesper) bereits gestern schon gepackt..!

Im Brauereigasthof Rothaus gibt es morgens ab 7.00 Uhr FrĂŒhstĂŒck, was ausgesprochen Wanderer-freundlich ist!
Auf das Wetter trifft das heute aber leider nicht zu: Draußen ist mal wieder alles Grau in Grau. April-Wetter..!
Davon lassen wir uns die Wanderlaune aber nicht vergraulen, notfalls werden wir die geplante Tour eben auch im „Taucheranzug“ absolvieren.

Unter Taucheranzug verstehen wir: Mit Regenjacken (Kapuze oben), Regenhosen und die Raincover ĂŒber den RucksĂ€cken!

Im Restaurant ist dann wieder das tolle FrĂŒhstĂŒcks-Buffet aufgebaut, das wir schon von unserer letztjĂ€hrigen SĂŒdsteig-Runde (1. Schwarzwald-Wanderidee) her kennen. WĂ€hrend Claudia sich einmal mehr an der tollen MĂŒsli-Auswahl begeistert ist, greife ich lieber gleich zu den Spiegeleiern mit Speck. Dazu Kaffee und Brötchen.
Da wir im Hotel mit Lunch-Paket gebucht sind, ĂŒberreiche ich der freundlichen Bedienung unsere GetrĂ€nkeflaschen und bitte sie höflich um gesĂŒĂŸten Schwarztee fĂŒr unterwegs. Auch das ist hier eine SelbstverstĂ€ndlichkeit!
Unterdessen richtet Claudia uns noch zwei Brötchen mit Wurst und KÀse, als Vesper und bekommt dazu unaufgefordert zwei Streifen Alufolie gebracht, zum Einpacken.
Doch, hier fĂŒhlt man sich als Wanderer schnell zu Hause!

Irgendwann gesellt sich dann Anita zu uns und wir besprechen bei einer gemeinsamen Tasse Kaffe, die heutige Tour: Von Rothaus aus wollen wir, durch das Mettma-Tal hinunter wandern, zum SchlĂŒcht-Tal. Dazu werden wir immer dem Mittelweg folgen.
Aus ihrer Erfahrung heraus schlĂ€gt uns Anita vor (sie ist ausgebildete WanderfĂŒhrerin), lieber eines unserer Autos am Zielpunkt zu parken, um von der Busverbindung unabhĂ€ngig zu sein.

Wenn ich diese Tour alleine wandere und anschließend mit dem Bus zurĂŒckfahren muss, dann habe ich vorsichtshalber immer einige ungelesene Zeitungen dabei – fĂŒr alle FĂ€lle..!„, schmunzelt sie mit einem Augenzwinkern.
Aber bei diesem Wetter sollten wir uns darauf lieber nicht einlassen..!

Zur Information: Am Zielort ist zwar direkt eine Bushaltestelle, aber leider ohne jede Unterstell-Möglichkeit. Und der Linienbus steuert diese abgelegenen Punkte natĂŒrlich auch nur in grĂ¶ĂŸeren AbstĂ€nden an! Daher empfehlen wir, entweder ebenfalls ein zweites Auto am Zielort zu deponieren, oder die Tour lieber umgekehrt zu wandern: Mit dem Bus also zum Zielort zu fahren und dann eben von dort aus (bergauf) nach Rothaus zurĂŒck zu wandern. So kommt man unterwegs nicht unter Zeitdruck!

Wir brechen auf und fahren nun zuerst einmal mit zwei Autos ins SchlĂŒcht-Tal, um eines davon dort zu parken. Danach kehren wir mit dem zweiten Auto zurĂŒck nach Rothaus und starten von hier aus unsere Tour.
Und es kommt natĂŒrlich, wie es kommen musste. Kaum sind wir losmarschiert, fĂ€ngt es auch schon an zu nieseln! Dieser Nieselregen ist dann aber einer von der ganz „linken“ Sorte: Er fĂ€ngt ganz harmlos an und nimmt dann kontinuierlich zu, bis er das Niveau eines krĂ€ftigen Regenschauers erreicht hat. Wehe dem, der da nun nicht rechtzeitig reagiert und sich wetterfest macht!

FĂŒr mich steht da auch immer meine Canon-AusrĂŒstung etwas im Mittelpunkt: Unter normalen UmstĂ€nden trage ich die Kameratasche stets griffbereit vor dem Bauch. Entscheide ich mich jedoch erst einmal dafĂŒr, die Regenjacke aus dem Rucksack zu holen, dann kommt sofort die FotoausrĂŒstung in den dort frei gewordenen Platz! Ab diesem Augenblick fotografiere ich dann eben nur noch mit der kleinen Lumix weiter, da ich diese einfach in die schĂŒtzende Hosentasche stecken kann.

Aber Petrus Àrgert uns heute schon gewaltig: Kaum sind wir nÀmlich umgezogen, hört es auch schon wieder auf!
Hey Anita..!„, lache ich daher. „Ich dachte, Du wolltest bei Petrus tolles Wanderwetter fĂŒr uns bestellen..?
Hm…„, schmunzelt sie spontan zurĂŒck. „Da muss ich wohl noch etwas ĂŒben..!

DafĂŒr hat sie aber einen lohnenden Abstecher fĂŒr uns parat: Etwa ein Kilometer abseits des Weges, liegt ein großes Lupinenfeld versteckt auf einer Waldlichtung, weiß sie. Klar, dass wir uns das gemeinsam anschauen! (Siehe Abstecher auf der Googlemap!)
Stramm ĂŒber einen durch Ă€lteren Hochwald fĂŒhrenden Wirtschaftsweg marschierend, erreichen wir das Feld schon nach wenigen Minuten und sind begeistert. UnzĂ€hlige, lila blĂŒhende Lupinen leuchten uns schon von weitem zwischen den BĂ€umen entgegen.
Leider ist der Großteil der BlĂŒtenkerzen im Augenblick noch geschlossen, aber schon in ein paar Tagen muss das hier wohl unglaublich aussehen! Die Blumen stehen dicht an dicht und so verzichte ich auf den Versuch, noch nĂ€her an die BlĂŒten heran zu kommen. Dabei hĂ€tte ich sicher viele von ihnen zertreten..!

Inzwischen kommt sogar schon wieder die Sonne heraus und daher wechsle ich optimistisch zurĂŒck auf die Canon und verzichte damit auch auf Regenhose und Jacke. Noch ein paar Lupinen-Bilder mit dem Tele, dann ziehen wir zurĂŒck, zum eigentlichen Wanderweg.

Anita und Claudia scheinen es dann aber plötzlich recht eilig zu haben, denn die beiden legen nun einen ordentlichen schritt vor. Aber es ist ein Leichtes sie zu bremsen, dazu muss ich einfach nur die Kamera-Tasche öffnen. FĂŒr gute Fotos sind die beiden nĂ€mlich immer zu haben und Motive finden sich unterwegs derzeit genĂŒgend.

Bei vier ausgefallen schönen BlĂŒten des Schlangen-Knöterichs bleibe ich stehen und machen einige Fotos. Dann gesellt sich plötzlich (unbeabsichtigt) Claudia ins Bild, denn sie taucht mit ihrer Lumix hinter den BlĂŒten auf. Warum eigentlich nicht? So fotografieren wir uns plötzlich gegenseitig beim Schlangen-Knöterich-Fotografieren..! (Unten fĂŒr alle Hobby-Fotografen einmal die Möglichkeit zum direkten Vergleich. Lumix LX-2 gegen Canon 600D: Beide Fotos in RAW, aber 10 Megapixel gegen 18 Megapixel!)

Nach einigen Kilometern erreichen wir dann die Schaffhauser SĂ€ge und folgen ab dort nun fĂŒr einige Zeit der Landstraße in Richtung Schönenbach. Das ist zwar etwas nervig zu gehen, wegen dem harten Asphalt, dafĂŒr herrscht hier kaum Verkehr. Bis zum Rastplatz, an dem sich der Mittelweg wieder von der Straße entfernt und dann der Mettma folgt, passiert uns nicht ein einziges Auto.

DafĂŒr ist die Waldluft schwanger vom betörenden Duft unzĂ€hliger BlĂŒten und KrĂ€uter. In einer Linkskurve schwenken wir dann auf den gepflegten Rastplatz mit Tischen und BĂ€nken ein, und folgen nun dem Mittelweg hinunter, zum Bachbett der Mettma.
Aber auch hier gibt es immer wieder Interessantes zu sehen, das uns zum Verweilen bringt: Direkt am Wegrand blĂŒhen drei wunderschöne Exemplare der Ă€hrigen Teufelskralle. Sie gehört eigentlich zu den Glockenblumen und lockt mit ihrem Duft Schwebfliegen an, die sich dann oft sehr zahlreich zwischen den „Krallen“ tummeln.

Vorbei an der ehemaligen KlausenmĂŒhle, erreichen wir dann irgendwann die Landstraße nach Brenden und steuern dort die Bushaltestelle an. In ihrem WartehĂ€uschen befindet sich eine Sitzbank, auf der wir nur kurz verweilen wollen. Endlich kann ich mich mal wieder kurz hinsetzen und, zur besseren Durchblutung der FĂŒĂŸe, die Schuhe öffnen. Pause..!

Anita und Claudia packen sofort ihre Vesper-Brötchen aus, wĂ€hrend ich mich aber lieber nur mit dem im Tee enthaltenen Zucker begnĂŒge.
Bedingt durch meine 18 GefĂ€ĂŸ-OP’s im rechten Bein, ist meine Blut-Versorgung im Fuß inzwischen so reduziert, dass mir dort nachher sogar das zur Verdauung zusĂ€tzlich im Bauch benötigte Blut fehlen wĂŒrde. Und da ich (nach dem Wahnsinns-Abendessen von gestern!) wohl auch nicht gleich vom Fleisch fallen werde, verzichte ich lieber..!

DafĂŒr angle ich mir nach kurzer Ruhezeit das Stativ vom Rucksack und baue die Canon direkt vor dem WartehĂ€uschen auf. Ich möchte unbedingt noch eine Gruppenaufnahme von uns allen haben, und wenn nicht jetzt, wann dann?
Ich ziehe noch einen der beiden 270er Speedlite’s aus der Fototasche, um ihn zur Fernauslösung der Canon zu verwenden und stelle dann den Bildausschnitt ein. Kamera auf Fernauslösung – und fertig..!
Die MĂ€dels sind unterdessen ganz interessiert in die Wanderkarte vertieft, so dass ich sie mit dem ersten Schuß völlig ĂŒberrasche, denn beide kauen gerade mit vollen Backen!
Bitte lĂ€cheln! Nicht so blöööd – dankeschön..!
That’s life..! (Unten!) Und immer ganz harmlos kucken..!

Nach einiger Zeit marschieren wir dann wieder weiter und werden prompt erneut von Petrus ĂŒberrascht.
Ach, Anita..!„, schmolle ich gekĂŒnstelt, wĂ€hrend alles lacht.
Ja, ich weiß..!„, schmunzelt sie zurĂŒck. „Ich werde daran arbeiten..!
Vielleicht solltest Du ja einfach mal Deine Beziehungen spielen lassen und ein paar TannenzĂ€pfle da hochschicken..?„, sinniere ich möglichst ernsthaft und deute mit dem Daumen nach oben.
Gute Idee..!„, mischt sich nun auch Claudia ein.

Inzwischen sind wir unter dem dichten BlĂ€tterdach eines großen Bergahorns stehen geblieben und warten einfach ab. Keiner hat Lust, schon wieder in den Taucheranzug zu schlĂŒpfen.
Der Regen lĂ€sst dann auch schnell wieder nach und wir ziehen weiter. „Na also..!„, rufe ich Anita lachend zu. „Geht doch..!

Kurz darauf kommt dann sogar wieder mal kurz die Sonne heraus und lĂ€sst das Wasser rasch verdampfen. Dadurch wird es nun richtig schwĂŒl – April-Wetter..!
In bester Laune (aber nun doch noch einmal im Taucheranzug!) erreichen wir dann irgendwann die oberen AuslÀufer des Mettma-Stausees und stellen fest, dass dem Seespiegel bestimmt gute drei Meter zur normalen Wasserlinie fehlen. Da wird wohl gerade Strom produziert, indem aufgestautes Wasser durch die Turbinen abgelassen wird?

Wir ĂŒberqueren die Staumauer und ĂŒberlegen erst drĂŒben, auf welcher Seite wir nun eigentlich weiter ziehen wollen. Ein Blick in die Karte zeigt uns aber, dass sich beide Wege weiter unten wieder treffen werden. Also wandern wir nun auf der rechten Talseite weiter, immer Mettma-abwĂ€rts.

Der Rest dieser Wanderung ist dann schnell erzĂ€hlt: Nach knappen zwei Kilometer stoßen wir wieder auf den anderen, linken Weg und folgen ihm nun bis zur LochmĂŒhle, einem Anwesen an der Landstraße Riedern – Berau.
Die TalwÀnde steigen dahinter dann auf beiden Seiten immer höher auf und es wird dazwischen zunehmend schattig. So schwindet leider auch das Licht zum Fotografieren immer weiter und ich lasse die Canon dann auch bis zum Auto in der Tasche.

Aber es sei mir hier doch noch eine ganz persönliche Anmerkung erlaubt. Durch das stĂ€ndige Bergabgehen brennen meine Fußsohlen am Ende der Tour ziemlich. Am Auto angekommen bin ich dann heilfroh, endlich meine Wanderstiefel ausziehen zu können und mich hinsetzen zu dĂŒrfen.
Jetzt im Stehen (und vielleicht im Regen!) noch lange auf den Bus warten zu mĂŒssen, wĂ€re fĂŒr mich eine Qual gewesen, der man sich nicht zwingend aussetzen muss: Anita hatte also absolut Recht mit ihrem Vorschlag, lieber ein Auto am Ende der Wanderung zu parken..!

ZurĂŒck in Rothaus, bringen wir nur kurz unsere Stiefel und die RucksĂ€cke auf’s Zimmer, dann treffen wir uns unten an der Bar mit Anita noch zu einem Kaffee. Und anschließend gönne ich mir auch noch ein erstes TannenzĂ€pfle, danach geht’s zum Duschen.

Das heiße Wasser bringt unsere Lebensgeister dann schnell so weit zurĂŒck, so dass ich auch gleich noch die neuen Bilder aufs Laptop lade und sogar ein erstes Foto mit Kommentar auf Facebook poste. Danach richten wir uns zur zweiten Runde „gegen“ Reinhold Götte, dem KĂŒchen-Chef. Mal sehen wer heute „gewinnt“..!

Nun, diesbezĂŒglich sind die Fronten natĂŒrlich schnell geklĂ€rt, denn dazu stellt auch heute wieder nur Reinhold die Bedingungen:

MenĂŒ

Bunte Salate vom Buffet
angemachte GemĂŒsesalate
und gartenfrische Blattsalate,
hausgemachte Dressings,
Bauernbrotkracherle und Sonnenblumenkerne

***

Aus dem dampfenden Suppentopf

Rahmsuppe von heimischen Reh
mit gebratenen Steinchampignons
und preiselbeeren

***

Hauptgerichte zur Wahl

Rumpsteak vom Grill
mit Röstzwiebeln und hausgemachter KrÀuterbutter,
GemĂŒse vom Freiburger Markt,
Pommes Frites
oder

Eglifilet nach Konstanzer Art
mit Champignons, TomatenwĂŒrfeln
in KrÀuterbutter gebraten
mit glasierten GemĂŒsen
und Bandnudeln

***

Unsere vegetarische Alternative
KaiserstĂŒhler GemĂŒsekarusell
mit frischen GemĂŒsen vom Vörstetter BĂŒhlerhof,
Spiegelei und Petersilliekartoffeln

***

Zum Abschluss etwas SĂŒĂŸes
Hausgemachtes Parfait
vom Rothauser Tannenschössling
mit warmen Beeren

Wir beginnen mit dem Salat-Buffet dann auch etwas vorsichtiger, als gestern. Und Claudia nimmt sich sogar nur eine halbe Suppe! Aber als dann das perfekt medium gegrillte Rumpsteak kommt, sind wieder alle guten VorsĂ€tze beim Teufel – Mann ist das Klasse..!

Absolut erwĂ€hnenswert ist dann aber auch noch das Parfait von Tannenschösslingen: Reinhold lief mir heute Morgen nĂ€mlich noch vor unserer Wanderung in die Arme und hatte eine große SchĂŒssel Fichtentriebe unter dem Arm. Die hatte er da gerade selbst im Wald gepflĂŒckt und das Parfait davon war nun natĂŒrlich auch wieder entsprechend edel! (Davon werde ich mir bei ihm auch noch das Rezept holen!)

Langer Rede, kurzer Sinn: Reinhold hat mit seinem KĂŒchenteam auch die zweite Runde gegen uns gewonnen. Gegen dieses Wahnsinns-Essen kann man einfach nicht anwandern, wir nehmen also auch weiterhin zu..!

Unser Fazit des zweiten Tages:

Eine tolle, sehr abwechslungsreiche Wanderung mit Anita. Von Rothaus aus, durch das Mettma-Tal bis hinunter, zur SchlĂŒcht-MĂŒndung. 16,6 Kilometer mit nur 156 Höhenmeter im Anstieg, dafĂŒr aber 574 Höhenmeter im Abstieg!
Dauer: 7,0 bis 8,0 Stunden. Das kontinuierliche, leichte Bergabgehen ist recht anstrengend!


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