Home » Allgemein

Zur Märzenbecher-Blüte ins Wolfstal

14 März 2012 Kein Kommentar

Die Anfahrt aus dem Hochschwarzwald dauert zweieinhalb Stunden und ist anstrengend. Dafür wartet jedoch eine traumhafte Achtstunden-Wanderung auf uns, die immer wieder auf’s Neue tolle Highlights zu bieten hat: Unzählige Märzenbecher, leuchtende Sumpfdotterblumen, Wasserfälle, Felsen, Ruinen und als Zugabe dann auch noch Biberspuren..!

So ist sie halt, die Schwäbische Alb: Rauh, schön und immer wieder für echte Überraschungen gut! Es ist dann auch noch ziemlich triest und bewölkt, als wir uns mit Wolf Herder und seiner Frau Sabina treffen. Claudia und sie waren einst Kolleginnen, als wir noch in Echterdingen bei Stuttgart gewohnt haben. Wolf ist ausgebildeter Wanderführer und übt diesen Job mit viel Herzblut und einem unglaublichem Wissen über Natur und Geschichte unserer Heimat aus: Ein wahres Lexikon in Wanderstiefeln! Ihr findet ihn über die Interessengemeinschaft Albgästeführer.

Es war auch sein Vorschlag gewesen, diese Tour wie beschrieben zu gehen und natürlich hat er wieder mal mit allem Recht! Und als dann auch noch die Sonne hervorkommt, ist dieser Wandertag einfach perfekt..!

Die Autos parken wir etwas hinter Anhausen (Hayingen), auf dem Wanderparkplatz am Ende der Straße. Gleich zu Beginn überqueren wir dann die junge Lauter und folgen ihr auf dem parallel verlaufenden Wanderweg, in Richtung Südosten. Das Große Lautertal, in dem wir hier unterwegs sind, beeindruckt immer wieder durch schroffe Felswände, aber auch durch den unregulierten Lauf des Flüssleins, das hier in wilden Kurven der Donau entgegen strebt.

Schon vom Weitem fallen uns die hellen Stellen am Fuße einiger Bäume auf und es ist Claudia, die bald ganz verzückt ruft: „Schaut mal, hier hat es Biber..!“
Natürlich statten wir diesen „Spänplätzen“ unseren Besuch ab, um einige Fotos davon zu machen.

Auch die Biber im Hochschwarzwald sind vermutlich wieder über die Donau und ihre Zuläufe eingewandert, so dass ihre Population hier natürlich schon viel ausgeprägter ist, als bei uns. Und somit natürlich auch Ihre Spuren. Kaum einer, der ufernahen Bäume wurde verschont!

Leider sehen wir aber auch heute wieder keinen dieser Holzfäller persönlich. Die großen Nager sind leider überwiegend nachtaktiv und verlassen ihre „Biberburgen“ meist erst in der Dämmerung. Interessant vielleicht, Biber besitzen bis zu 23.000 Haare pro Quadratzentimeter (der Mensch gerademal 200)! Und selbst davon kann ich nur noch träumen..!

Respekteinflößend ist die größe der einzelnen Späne, die ein Biber jeweils abnagt! Laut Wikipedia soll ein einzelner Biber sogar einen 60 cm durchmessenden Baum in nur einer Nacht fällen können – beeindruckend! Und wie wir selbst sehen können, schrecken sie auch vor noch stärkeren Stämmen nicht zurück. Nicht einmal vor harten Eichen..!

Als sich das Flüßlein dann etwas vom Weg entfernt, hören wir hinter einem Karsthügel ein zunehmen stärker werdendes Rauschen und ein beachtlicher Wasserfall stürzt sich kurz darauf – über mehrere Kaskaden – einige Meter hinunter. Auch hier weiß Wolf wieder, dass in den 50er Jahren Kanuten eine Durchfahrt frei sprengen wollten, heute – im Naturschutzgebiet – undenkbar!
Knapp daneben befindet sich ein beeindruckender Quelletrichter, in dem doch einige Liter Wasser pro Sekunde aus dem Boden quellen.
Kurz darauf erreichen wir ein recht neues Schild, auf dem die geplanten Lauter-Zeichen dargestellt und beschrieben sind – selbst Wolf ist davon beeindruckt!

Dann finden wir unmittelbar neben dem Weg plötzlich einen kleinen, aber recht auffallenden Farbklecks: Blühender Seidelbast! Er liefert sich mit wenigen anderen Frühblühern in jedem Frühjahr ein Wettrennen und ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Frühling bereits Einzug hält.

Wir sind inzwischen alle richtig gut „drauf“ und genießen diese Albrunde in vollen Zügen. Auch die ersten Märzenbecher-Wiesen haben wir hier im Lautertal nun schon gesehen, aber leider haben Holzarbeiter den Zugang zu ihnen (und wohl auch einige tausend Pflänzlein) mit unzähligen Bäumen verlegt. Nicht nur Claudia blutet da das Herz.

„Das darf doch nicht wahr sein..!“, sagt sie nur leise, während ich mich mit Wolf über solche und ähnliche Entscheidungen am „grünen Tisch“ unterhalte. „Bürokraten..!“, schimpft auch er leise.

Aber unsere Stimmung hellt sich schnell wieder auf, als wir die nächsten Biberspuren finden.Und hier waren nun wohl wohl richtige „Spezialisten“ am Werk, die selbst vor einer ausgewachsenen deutschen Eiche nicht zurück schrecken. Doch, wir sind zugegebener Maßen beeindruckt, denn mit solchen Leistungen der kleinen Nager hätten wir nun doch nicht gerechnet..!

Kurz darauf überqueren wir die Lauter über einen schmalen Steg und sehen im flachen Uferwasser große Laichklumpen liegen.

Die scheinen aber nicht nur von Kröten zu stammen, denn die Eier unterscheiden sich teilweise doch deutlich voneinander. Zumindest zweierlei Arten kann ich schon von hier oben aus unterscheiden.

Und dann hellt sich Claudias Gesicht plötzlich noch weiter auf:
„Jaaah.., Märzenbecher..!“, höre ich sie laut jubeln als Wolf irgendwann stehenbleibt und in den Wald hinein deutet. Auch ich kann sie jetzt sehen und sie liegen zudem auch noch alle wunderschön in der Sonne. Perfekt zum Fotografieren..!

„Sorry..!“, entschuldige ich mich dann auch schon mal vorab bei den anderen, als ich die Canon herausziehe, denn das, was nun kommt, dauert erfahrungsgemäß etwas länger. Aber Wolf lacht nur:
„Deswegen sind wir doch hergekommen, oder..?“

Die Waldhänge links und rechts des Weges sind übersäht mit in voller Blüte stehenden Märzenbechern! Und wie schon in den Wutachflühen, leuchten auch hier zwischen ihnen überall „zinnoberrote“ Flecken: Kelchbecherlinge!

Als ob dieser Pilz in einer Symbiose mit den Märzenbechern leben würden, findet sich die Rarität auch hier wieder in recht großer Anzahl.
Nur die Stimmung von Wolf ist diesbezüglich etwas bedrückt, denn er weiß, dass ihre Anzahl von Jahr zu Jahr zurückgeht und zeigt uns auch gleich noch warum: Überall sehen wir kleinere, noch unscheinbare Exemplare zertreten in den Fußspuren unbedachter Fotografen liegen..!

„Ich kann das einfach nicht verstehen..!“, macht er sich nur leise Luft über diese Dummheit.  Dann zeige ich ihm aber die ersten Märzenbecher-Fotos im Display der Kamera und schon ist er wieder am Strahlen! Im Gegenzug macht er mich auf ein paar schöne Exemplare des Roten Kelchbecherlings aufmerksam, die ich mit der Kamera erreichen kann, ohne andere dabei zu zertreten!

Wir schießen Bild um Bild und Claudia sieht mir dabei ständig über die Schulter.
„Dort hat es noch ein paar besonders Schöne..!“ – „Und hier..!“, „Und dort..!, „Und dort drüben auch noch..!“
Ich komme ihren Wünschen bald kaum mehr hinterher, muss sie aber hier vor Missverständnissen unbedingt in Schutz nehmen:
Direkt zwischen unzähligen Märzenbechern kniend, fällt es einem wirklich nicht besonders schwer, auf diese Weise „auszuflippen“. Vor allem wohl auch deswegen, weil wir nicht vor einem kultivierten Gartenbeet stehen, sondern es sich ausschließlich um wild wachsende Pflanzen handelt. Und hier ist gleich auch noch der ganze Wald von ihnen weiß gesprenkelt – unglaublich..!

Irgendwann sind wir dann satt, zumindest was Märzenbecherfotos angeht und ziehen weiter, in Richtung Lauterach. Der Weiler besitzt einen wunderschön restaurierten Burgfried, dessen Turm Claudia wieder ganz spontan Respekt einflößt. Einen Turm von unten anzuschauen, löst ihre Höhenangst eben genauso sicher aus, wie man mit Speck Mäuse fängt!
Wolf und ich steigen im Inneren des Turmes schon mal hinauf, zur Aussichtsplattform und irgendwann stehen dann plötzlich auch die Mädels neben uns.

Ich weiß zwar nicht wie Sabina das Wunder vollbracht hat, aber Claudia steht doch tatsächlich – wenn auch etwas breitbeinig – neben mir! Na denn..!
Hier genehmigen wir uns nun auch eine erste, längst verdiente Pause und selbst die hat bei Wolf richtig Stil. Er zieht nämlich ein Bügelfläschle aus dem Rucksack: „Schäfleshimmel“ – eine schwäbische Bierspezialität der kleinen Privatbrauerei Berg aus Ehingen auf der Alb.

Wirklich edel, kann ich Euch nur versichern, nachdem ich einen Schluck davon probiert habe!

Von hier oben haben wir aber auch eine tolle Aussicht über das Große Lautertal und Wolf hat natürlich auch hier wieder allerhand zu erzählen. Während ich ihm zuhöre, beobachte ich unten auf der Wiese einen Wanderschäfer mit seiner Herde. Sogar die ersten Lämmchen sind schon da..!
Nach dem Vesper packen wir zusammen und steigen wieder ab. Während ich noch ein Foto von Claudia auf der Treppe im Inneren des Turmes mache, schließt Wolf hinter uns die „Falltüre“, ein Regenschutz.

Vorbei an der Laufenmühle, einer historischen Mühle mit Einkehrmöglichkeit, ziehen wir nun hinüber zum Wolfstal. Hier ist sogar heute (Dienstag) viel los, der Parkplatz neben der historischen Tuffstein-Säge ist voll. Am Wochenende werden hier bei schönem Wetter dann sogar wieder ganze Busladungen von Besuchern abgesetzt werden, denn die Märzenbecher-Blüte im Wolfstal ist inzwischen eben ziemlich bekannt.

Gleich am Eingang zum Wolfstal bittet dann jedoch der Naturschutz um Unterstützung: Eine neues Holzschild macht auf die Schutzbedürftigkeit unserer Kelchbecherlinge aufmerksam, die auch hier noch recht zahlreich vertreten sind.
Nur kurz dahinter sehe ich aber schon etwas gelb blitzen und möchte es zuerst gar nicht wahrhaben: Im Bachbett blühen bereits erste Sumpfdotterblumen! Und knapp daneben finden wir dann sogar auch noch einige gelbe Blütensterne von Scharbockskraut!

Sogar Wolf ist nun etwas überrascht, wie früh die Natur hier ‚dran ist. Aber wir halten uns nicht lange mit dem Staunen auf, denn zwischen Spaziergängern hindurch sehen wir schon wieder ganze Wiesen von Märzenbechern leuchten. Auch hier sind die Hänge links und rechts des Weges übersäht von weißen Sprenkeln. Und auch hier blitzt es wieder überall dazwischen herrlich „zinnoberrot“..!

Ich habe schon wieder die Canon in der Hand und bin damit am „Nerven“. Dafür bringen wir dann aber auch wieder tolle Bilder für diesen Bericht mit nach Hause.
Kurz darauf ziehen wir dann vollends durch das Wolfstal hinauf und halten uns oben links. Vorbei am Vogelhof erreichen wir Erbstetten. Unterwegs wechsle ich jedoch noch einmal die Objektive, um ein Rudel Damhirsche weiter heran holen zu können. Ganz gemütlich liegen diese in ihrem Gehege und lassen sich nicht stören. Erst ein lauter Zungenschnalzer bringt mir ihre Aufmerksamkeit für das Foto unten.

Der Weg führt nun leider fast ausschließlich über Asphalt und so tun mir auch bald die Füße weh. Aber da müssen wir nun durch und hinter Erbstetten geht es dann auch schon wieder in den Wald hinein. Steil führt uns Wolf durch einen lichten Buchenwald hinauf, zum Wartstein.
Unterwegs passieren wir noch den Heumacherfels, eine beeindruckende Felsformation die zwar mitten im Wald liegt, aber exponiert genug gelegen ist, um uns noch einmal einen phantastischen Fernblick zu gewähren. Auf dem Bänklein machen wir daher erneut eine kurze Rast, bevor wir vollends hinüber ziehen, zum Wehrturm der Ruine Wartstein.

Wolf fragt mich irgendwann, ob wir vielleicht noch hinauf wollen, auf den Turm der Ruine Wartstein, aber Sabina hat mir die Antwort bereits abgenommen. Sie ist mit Claudia schon fast auf halber Höhe. Na denn..!

Oben steht Claudia dann wieder ziemlich verkrampft da und benötigt sogar den Arm von Wolf für ein Foto.

Kurz darauf steht sie dann – etwas unterhalb – völlig frei auf einem Felsen, hoch über dem Lautertal (Bild oben mitte!) und kann überhaupt nicht verstehen, dass Sabina ihr dorthin nicht zu folgen vermag..!

Schallendes Gelächter erfüllt da noch einmal, das friedliche, im Sonnenuntergang daliegende Lautertal, „Mädels“ eben..!

Als wir wieder unten im Tal ankommen, sind wir doch alle etwas „geschafft“. Der letzte Abstieg hat noch einmal ordentlich „Körner“ verbraucht. Dafür genießen wir nun jedoch die friedliche Stille, entlang der ruhig dahinfließenden Lauter und hoffen insgeheim, vielleicht doch noch einen frühen Biber zu sehen. Aber die schlafen wohl doch noch alle..!

Kurz darauf erreichen wir dann wieder die Autos und verabschieden uns dort doch ziemlich rasch, denn wir haben nun noch etwa zweieinhalb Stunden Heimfahrt vor uns. Und auch unsere Wanderfreunde müssen noch zurück, nach Stuttgart.
Aber es war mal wieder ein wundervoller Wandertag gewesen. Danke Wolf..!

Unser Fazit: Strecke 19,9 Kilometer – 466 Höhenmeter im Anstieg – ca. 8,0 Std.

Download Track [urldisplaymode=nomap]

Größere Kartenansicht 

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.