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Zur Märzenbecher-Blüte im Finstertal

3 April 2013 Ein Kommentar

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Sie sind spät dran in diesem Jahr, die Märzenbecher und Küchenschellen. Und während am Kaiserstuhl bereits die ersten Mandelbäume blühen, schieben auf der rauhen Alb mancherorts gerade mal die ersten Märzenbecher ihre Blütenknospen durch eine immer noch geschlossene Schneedecke. Verrückte (Wetter-)Welt..!

IMG_0331Ostermontag: Endlich mal wieder blauer Himmel und Sonnenschein! Claudia hat frei und wir wollen dieses selten gewordene Wetter natürlich nutzen, um endlich mal wieder eine schöne Wanderung zu unternehmen. So fehlt uns eigentlich nur noch ein interessantes Ziel dafür: Die Märzenbecher-Blüte würde sich derzeit anbieten, aber die Standorte im Wolfstal, oder auch in den Wutach-Flühen sind inzwischen zu bekannt und bei diesem Wetter viel zu überlaufen.
So setzen wir uns an den PC und recherchieren kurz nach anderen Standorten. Das Finstertal auf der Schwäbischen Alb wird diesbezüglich öfter genannt und wir setzen nach: Wolf Herder, ein erfahrener Alb-Wanderführer, der diese Region sonst eigentlich wie seine Westentasche kennt, hat aber auch noch nichts von diesem Standort gehört. Und das macht ihn für uns natürlich noch interessanter! Wir sehen uns daher mal die regionale Karten in BaseCamp an und werdIMG_0332en darauf hin dann noch aufmerksamer: Eng zusammenlaufende Höhenlinien lassen uns nämlich ein langes, tiefes Trockental erwarten. So wechseln wir auch noch in Google-Earth, um Real-Bilder von oben zu sehen und sind endgültig fasziniert – das ist es! Im oberen drittel, dort wo die Talwände langsam zurückweichen und flacher werden, sollen die Märzenbecher blühen und ein einsames Foto in „Panoramio“ zeigt uns dort dann auch gleich eine ganze Wiese blühender Pflanzen! Das ist es, steht für uns fest!

Während sich Claudia bereits richtet, sehe ich mir die Karte noch einmal etwas genauer an. Wir wollen unser Auto gerne in Talhof, im oberen Donautal abstellen. Wenn wir dann aber direkt gegenüber der Straße ins Finstertal starten, wird das nur eine recht kurze Wanderung! Andererseits sind da aber auch noch Schloss Werenwag und der Eichfelsen in Reichweite, die man ebenfalls in diese Tour integrieren könnte, wenn man die einzelnen Punkte nur richtig miteinander verbindet..!

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Die Anfahrt vom Hochschwarzwald aus dauert etwa 75 Minuten, dann Parken wir unser Auto in Talhof, direkt hinter dem Bahnübergang. Von hier aus folgen wir dann gleich der 500 Meter der Straße, nach rechts (Donau-abwärts). Erst dort, auf halber Strecke nach Langenbrunn, können wir nämlich die junge Donau überqueren. Unwillkürlich wird hier dann der Blick hinauf gezogen, zu Schloss Werenwag, das wie ein Adlerhorst auf dem Karstfelsen prangt. Nun führen uns geteerte Wirtschaftswege wieder zurück, in Richtung Westen. Ihnen folgen wir jetzt bis nach Oberhausen, einem kleinen Weiler in einer Flußschleife. Dort werden wir die dann Donau erneut überqueren und unseren Aufstieg, hinauf zur Hochfläche, über dem Donautal beginnen.

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Unterwegs passieren wir unterhalb den Eichfelsen, ein impossanter Aussichtspunkt, von dem aus regelmäßig die schönsten Postkarten-Motive des oberen Donautales geschossen werden. (Ein Tipp für Fotografen: Die Tour so legen, dass Ihr dort oben am Nachmittag ankommt, dann habt Ihr die Sonne im Rücken!)

IMG_0337In dieser Zeit macht das Donautal vegetationsmäßig auch noch nicht viel her. Wir sehen lediglich ein paar frisch angenagte Bäume in Ufernähe, die von der Emsigkeit der hier ansässigen Biber zeugen. Die sind selbst im Winter aktiv, weil sie ihre kontinuierlich nachwachsenden Nagezähne auch in der kalten Jahreszeit ständig abnutzen müssen. Ein gut gefettetes Fell mit bis zu 23.000 Haaren pro Quadrat-Zentimeter (Mensch: 600) verhindert dabei, dass sie Wasser nass werden!
Die hätte ich jetzt auch gerne..!„, schmunzelt Claudia und klopft dabei ihre kalten Hände zusammen. Trotz Sonnenschein und blauem Himmel ist es jetzt, um Zehn Uhr, immer noch recht kalt: Wir haben gerade mal 2,5°C und tragen beide Handschuhe!
Kurz vor der Flußschleife überqueren wir dann eine hübsche, kleine Hängebrücke, die hier den Donau-Radweg einmal mehr über die Donau führt. Bis nach Beuron sind es gerade mal 500m und ein wahrer Schilderbaum gibt uns erschöpfend Auskunft, über alle möglichen Wander-, und Rad-Ziele.
Kurz darauf überqueren wir auch die Straße noch ein weiteres Mal und folgen dann auf der anderen Seite dem ansteigenden Waldweg.

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An der Straße haben wir den westlichsten Punkt unserer Tour passiert und befinden uns nun also schon wieder auf dem „Rückweg“, zum Eichfelsen. Eine liegende Acht beschreibt unseren Wanderweg heute wohl am ehesten. Das war die einfachste Möglichkeit, Eichfelsen, Finstertal und Schloss Werenwag in einer einzigen Tour miteinander zu verbinden. Aber auch hier, beim Aufstieg durch den Wald, ist dIMG_0351ie Vegetation noch weit zurück. Nur vereinzelte Stauden von Nieswurz schaffen etwas (Foto-)Abwechslung. Der Frühblüher ist einer der ersten Necktarspender in dieser Vorfrühlingszeit!

Kurz vor dem Eichfelsen passieren wir noch den Felsengarten. Man sollte vielleicht kurz inne halten, denn hier kann man – informativ angelegt – die Flora des Felsenraumes im Oberen Donautal bewundern. Aber in diesem Frühjahr ist auch hier natürlich noch nicht viel zu sehen. So ziehen wir nach einem kurzen Schlenker vollends hinüber, zum Aussichtspunkt auf dem Eichfelsen.

Die Felsnase ragt 100 Meter frei auf und bietet bestechende Weitblicke ins obere Donautal. Donauabwärts sehen wir auf gleicher Höhe Schloss Werenwag am Felsen kleben, uns direkt gegenüber, auf der anderen Talseite liegt Burg Wildenstein im gleißenden Dunst des Gegenlichtes.

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Wir schießen ein paar Fotos und genießen die Idylle für einen Augenblick, denn so einsam haben wir diesen bekannten Aussichtspunk nur selten erlebt. Dafür gibt er auf Fotos aber gerade recht wenig her. In ein paar Wochen hingegen, wenn die Wiesen im Tal wieder saftig sind und die Bäume ihr volles Mai-Grün tragen, dann werden die Donau-Felsen wieder strahlend weiß daraus hervorstechen..! (Unbedingt nachmittags Fotografieren, wenn die Sonne schon IMG_0366im Südwesten steht und das Licht im Rücken ist..!)

Nun wollen wir aber endlich zu unseren Märzenbechern, schließlich sind wir ja wegen ihnen hergekommen! Der Weg führt nach kurzer Strecke noch an einem hübschen Pausenplatz mit Sitzbank vorbei, dann geht es nur noch abwärts, immer in Richtung Finstertal. Unten angekommen, werden wir dann nur noch wenige Meter von unserem Auto entfernt sein, wo wir die Tour begonnen haben. Die erste, unserer zwei Schleifen (liegende Acht) wird dort also bereits vollendet sein.

Am Wegekreuz halten wir kurz an und trinken einen Schluck des heißen Tees, den wir von zu Hause mitgebracht haben. Dann ziehen wir wieder links aufwärts, ins Finstertal hinein.
Der anfangs freie Weg wird im Schatten der näher rückenden Wände dann bald zunehmend „weißer“ und immer schwerer zu gehen.P1060301 Bald ist sogar eine Schneehöhe erreicht, wo man auch mit Schneeschuhen hätte gehen können.
Du weißt, wie ich den Winter liebe..,“ sagt Claudia neben mir irgendwann. „…aber inzwischen habe ich wirklich genug von ihm..!
Ich nicke nur und suche nebenher die Talhänge links und rechts nach Märzenbechern ab – aber Fehlanzeige!

Hier unten liegt einfach noch viel zu viel Schnee, für blühende Märzenbecher..!„, fluche ich vor mich hin. „Wahrscheinlich weiter oben..!“ Aber das ist wohl auch mehr Hoffnung, denn Realität.
Dabei habe ich extra wieder das neue Zoom und das schwere Vanguard-Stativ mitgeschleppt, um tolle Fotos schießen zu können, ohne den Pflanzen dabei zu nahe kommen zu müssen. Das ärgert mich nun umso mehr! Dann ruft Claudia aber plötzlich:
Kelchbecherlinge..!

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Wo es Kelchbecherlinge gibt, dort gibt es erfahrungsgemäß auch Märzenbecher! Wir fanden sie nämlich sowohl im Wolfstal zur Märzenbecher-Blüte, als auch in den Wutachflühen!
Ein prüfender Rundblick, während ich den Rucksack mit dem Stativ und die Fototasche abnehme, zeigt jedoch keinen einzigen Märzenbecher im ganzen Umkreis. Also mache ich mich mit der Canon erst mal über den Scharlachroten Kelchbecherling her. Und der ist ja eigentlich auch eine weitaus größere Rarität, als die Märzenbecher selbst.

IMG_0385Dann findet aber Claudia, die inzwischend – die Talwände nach Märzenbechern absuchend – langsam weiter gegangen ist, auch die ersten Blüten. Ganz vereinzelt drücken sie hier durch die noch geschlossene Schneedecke, unmittelbar neben dem Weg.
Märzenbecher-Knospen am ersten April..!„, schmunzle ich kopfschüttelnd. Dieser Frühling ist wirklich spät dran! Aber was soll’s – solche Fotos hat auch nicht jeder..!

Nun baue ich doch das Stativ auf und wechsle auf das große Objektiv. Es ist einfach phantastisch, wie nahe man damit solche Motive heranholen kann. Und wenn ich den Zweifach-Extender noch zusätzlich verwenden würde, dann verdoppelt sich die Motiv-Größe erneut, ohne dass ich dazu die Distanz vergrößern müsste: Das wären dann mit dem CMOS-Sensor ((400mm x 2) x Faktor 1,6) = 1.280mm (äquivalent KB!)

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Und gerade unter den gegebenen Bedingungen ist mir das große Tele sehr wichtig, denn unter der geschlossenen Schneedecke treiben bestimmt gerade noch viele weitere Märzenbecher aus, die man – ohne sie überhaupt zu sehen(!) – zertreten würde, wenn man sich den bereits Blühenden nähert!
So schieße ich ganz ruhig und direkt vom Weg aus, Bild um Bild und Claudia findet mir inzwischen immer wieder neue Motive, oder fotografiert mich auch mal selbst beim Fotografieren.

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Sie findet mir sogar eine kleine Blütengruppe direkt über dem Weg, die ich mit dem Tele direkt von unten fotografieren kann! Ich baue das Stativ mitten auf dem Weg, unmittelbar darunter auf. Weitere Passanten – die ich dadurch vielleicht stören könnte – gab es bisher nämlich gar nicht. Das Finstertal ist also noch ein echter Märzenbecher-Geheimtipp! Nur die großen Blütenwiesen, wie wir sie vom Wolfstal und den Wutachflühen her kennen, haben wir bisher leider noch nicht gefunden. Dafür kommen hierher aber auch keine Ausflugs-Busse mit Touristen her, wie es leider im Wolfstal inzwischen der Fall ist!IMG_0417

So fotografieren wir uns langsam das Finstertal hinauf und schießen dabei unzählige Fotos. Wenn wir uns dabei wieder etwas weiter bewegen, dann trage ich das Stativ mit der Kamera einfach über der Schulter, während Claudia den (fast leeren) Rucksack übernimmt. Dann werden die Märzenbecher aber wieder deutlich weniger. Irgendwann kommt uns von oben doch noch eine große Gruppe Wanderer entgegen und fragt uns ganz gezielt danach. Sie haben im oberen Teil des Finstertals nämlich bisher nicht eine einzige Blüte gesehen!

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Ich verstehe das gar nicht..,“ meint der Führer der Gruppe ziemlich enttäuscht. „Sonst sind die Hänge hier immer weiß, vor lauter Blüten..!“ Aber in diesem Jahr schein wohl auch hier alles anders zu sein.
Da wir nun wissen, dass wir weiter oben nichts mehr zu erwarten haben, packen wir zusammen und verstauen Tele und Stativ wieder am Rucksack. Dann ziehen wir vollens hinauf, auf die Albhochfläche.

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Irgendwann folgen wir einer Abzweigung scharf rechts, dann führt uns ein breiter Wirtschaftsweg schnurstracks in Richtung Schloss Werenwag. Leider sieht man von außen nicht viel davon und der Zugang ist natürlich verwehrt, da das Schloss bewohnt ist. So ziehen wir rechts daran vorbei und folgen dem HW-2 (Schwäbische Alb-Südrandweg) wieder hinunter ins Finstertal.
Das ist noch einmal mit etwas Konzentration verbunden, da der teilweise steile Pfad recht schlammig, und damit sehr rutschig  ist. Dann stehen wir aber kurz darauf auf dem geteerten Weg, der zur Straße und damit auch zu unserem Auto führt. Noch ein schneller Schuß hinauf, zu Schloss Werenwag, dann entledigen wir uns unserer Rucksäcke und Wanderstiefel. Und auch dieser Wandertag ist wieder einmal wunderschön gewesen..!

Unser Fazit: Bedingt durch den Schnee auf den Wegen, eine richtig kernige Frühjahrstour! Strecke: 17,3 Kilometer mit 774 Höhenmeter im An-, und Abstieg. Dauer (ohne Fotoarbeiten) ca. 5 Stunden.

Download GPS-Track_[urldisplaymode=nomap]

HD-Finstertal


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Ein Kommentar »

  • Naturundsport sagt:

    Hallo Claudia und Rainer!
    sehr schön gestalteter Blog!
    Wunderschöne Aufnahmen von unserer Heimat Schwäbische Alb!
    Vor allem das Obere Donautal hat schon was besonderes!

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