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Zur Mandelblüte an den Kaiserstuhl

28 März 2012 Kein Kommentar

Als wir gegen Neun das Haus verlassen, scheint bereits die Sonne. Trotzdem liegt hier oben im Hochschwarzwald immer noch so einiges an Schnee. Im Schatten sind viele Nordhänge sogar noch richtig weiß! Kein Wunder also, dass es uns heute wieder hinunter zieht, in den Frühling. Heute wollen wir mal nachsehen, wie weit am Kaiserstuhl die Mandelblüte ist..!

Anfänglich sieht es unterwegs gar nicht besonders erfolgversprechend aus. In Freiburg blühen nur ein paar Forsythien-Büsche in den Vorgärten. Erst hinter Umkirch sehen wir dann auch andere Frühlingsboten: Wilde Narzissen! Ganze Wiesen sind hier, rechts und links der Straße, weiß und gelb gepunktet!

Erst als wir am Vogelsang-Pass den Kraterrand des Kaiserstuhls passieren, fallen uns erste, rosa gefärbte Büsche und Bäume an den Hängen auf – blühende Mandelbäume.
Claudia jubelt im Auto und ist gleich völlig aus dem Häuschen! Sie hatte sich das für heute so sehr gewünscht und unterwegs – so nach und nach – den Glauben an die Erfüllung dieses Wunsches dann etwas verloren. Aber hier am Kaiserstuhl gehen die Uhren manchmal eben doch anders, als im Rest der Republik..!

In Oberrotweil halte ich mich rechts und folge engen, verwinkelten Gassen in Richtung Bischoffingen. Gegenüber eines Weingutes ist dann die Abzweigung zum Friedhof, hier parken wir neben der Kapelle.

Die Wanderstiefel sind rasch geschnürt, aber eigentlich kaum notwendig: Schließlich soll das heute ja mehr ein Foto-Spaziergang werden, als eine größere Wanderung. (Aber wer Claudia kennt..!)

Schon direkt neben dem Auto fange ich an zu fotografieren: Tief hängende Mandelblüten glühen buchstäblich im Gegenlicht der noch tief stehenden Sonne. (Sommerzeit!) Man muss sich wirklich davon losreißen, um irgendwann weiter zu kommen.

Den GPS-Track können wir heute wohl auch vergessen..!„, teile ich meiner besseren Hälfte dann irgendwann mit.
Warum denn das..? Du hast den Garmin doch eingeschaltet..!„, erwidert sie erstaunt.
Ja, klar..!“, lache ich zurück. „Aber wenn sich unsere User diese Spiralen durch den Weinberg dann auf der Googlemap einmal genauer anschauen, dann müssen sie eigentlich davon ausgehen, dass wir hier sturztrunken herum-getorkelt sind..!
In der Tat kommen wir kaum mehr vorwärts, sondern wechseln eigentlich immer nur noch die Straßenseite, von einem Fotomotiv, zum Nächsten. Aber so wollten wir es ja auch gerne haben..!

Inzwischen hat uns die Straße durch den Weinberg aber doch schon einige Meter hinauf gebracht, denn wir können bereits die ganze Rheinebene überblicken, bis hinüber zu den Vogesen.
Schau mal..!„, schmunzelt Claudia dann auch zwischendurch. „Die haben ebenfalls noch Schnee, da drüben..!
Und sie hat natürlich Recht. Deutlich sehen wir die weißen Hauben auf den höchsten Gipfeln.

Unterdessen können wir – noch etwas über uns – auch schon den Pavillon der Mondhalde ausmachen und stellen mit einem Schmunzeln fest, dass wir den steilen Aufstieg bis bisher kaum bemerkt haben: Klar, wir sind ja auch alle 5 Meter stehen geblieben, um zu fotografieren! (Insgesamt über 300 Bilder!)

Vor einem Mandelbäumchen stehend, lenkt dann plötzlich eine Hummel mit ihrem lauten Brummen meine Aufmerksamkeit auf sich. Es ist reiner Zufall, dass ich gerade das 250er Tele auf der Canon habe, und so lege ich los – die Sonne optimal im Rücken!

Manchmal braucht man eben auch einfach nur etwas Glück..! (Das Foto oben ist das schönste von insgesamt 28 Bildern mit ihr – alle frei aus der Hand geschossen!)

Kurz darauf erregt eine Narzisse meine Aufmerksamkeit und erst im Sucher sehe ich dann plötzlich auch die kleine Spinne, die innerhalb der Blüte – direkt am Stempel – auf Insekten lauert! Sie ist unglaublich gut getarnt und daher kaum auszumachen.

Inzwischen habe ich erfahren, dass es sich dabei um die Veränderliche Krabbenspinne handelt. Sie kann die Farbe ihres Körpers der jeweiligen Blüte anpassen und wartet dort auf deren Bestäuber. Dabei überwältigt sie sogar Bienen und Wespen, die viel größer sind als sie selbst!

Für solche Motive lege ich mich dann auch schon mal auf den Boden, um Fotos von ihnen zu bekommen und Claudia weiß das. Kein wunder also, dass mein Verhalten sofort ihre Aufmerksamkeit erregt – und dabei geht es ihr nun wirklich nicht um die Klamotten, die dabei vielleicht schmutzig werden könnten..! Nein, sie fragt nur neugierig nach, was ich denn gefunden hätte und fotografiert dann ihrerseits mich beim Fotografieren – ein gutes Team!

Als ich wieder aufstehe und mich etwas abklopfe, ziehen gerade zwei andere Wanderer zügig an uns vorbei und anstatt unseren Gruß zu erwidern, schütteln sie nur die Köpfe. Claudia feixt auch sofort:
Denen konntest Du gerade ganz genau gesehen, für wie durchgeknallt sie uns gehalten haben..!„, meint sie fröhlich.
Die hübsche Gruppe Veilchen, direkt am Wegrand nur wenige Meter weiter, sehen die Beiden natürlich auch nicht. Und ich bin schon wieder auf den Knien..!

Hier verlassen wir nun die Weinbergstraße und ziehen über einen Graspfad weiter aufwärts, immer in Richtung Mondhalde. Kurz darauf führt er (Geländer-gesichert!) über ein paar Stufen aber schon wieder hinauf zum Sträßlein, das – nach einigen Serpentinen – nun wieder zu uns zurückkehrt.
Direkt unterhalb eines Bänkleins blühen hier ein paar große Kaiserstuhl-Anemonen, die ich leider nur mit dem Tele etwas näher heran holen kann.

Oben, am Pavillon angekommen, beratschlagen wir dann kurz, wie weit wir der Mondhalde heute folgen wollen und entschließen uns, noch über das Kiechlinsberger Eck zum Galgenberg zu wandern. Dort haben wir vor, uns rechts zu halten und nach Oberbergen abzusteigen. Diesen Weg kennen wir am Kaiserstuhl bisher noch gar nicht. Zeit also, ihm endlich mal einen Besuch abzustatten.

Aber das sollte dann doch noch etwas dauern, denn der Buchenwald auf der Mondhalde ist übersät, mit blühenden Anemonen. Erneut schießen wir Bild um Bild und kommen so auch hier nicht mehr vorwärts. Aber es sollte ja ursprünglich auch ein Fotospaziergang werden, nicht wahr..?

Kaum haben wir dann endlich die Straße am Kiechlinsberger Eck überquert, kommt prompt der nächste Fotostopp: Hier blühen nämlich unzählige Schlehenbüsche direkt am Wegrand und mit dem Tele kann ich mich da natürlich ebenfalls wieder richtig austoben. Claudias hinweis, dass links auf der Wiese auch schon einige Primeln blühen würden, überhöre ich dann aber vorsichtshalber (nach einem Blick auf die Uhr!).

Nun ziehen wie einen wunderschönen (uns bisher unbekannten) Waldweg hinunter und treffen auf halber Höhe wieder auf die ersten Reben. Die sind inzwischen alle geschnitten und stehen da, wie die Zinnsoldaten: alle in Reih‘ und Glied!

Nach ein paar weiterer Fotos bin ich dann endgültig (Foto-)satt und packe die Canon weg. So erreichen wir dann auch recht zügig Oberbergen und halten uns dann nur noch rechts, um zurück zu gelangen, nach Oberrotweil.
Auf der Höhe des Schwimmbades geht es noch einmal etwas aufwärts, bevor wir – immer auf der Höhe der untersten Weinterrasse – wieder unserem Auto entgegen streben.

Zufrieden packen wir dort wieder alles ein und verlassen den Frühling wieder – zumindest bis auf Weiteres. Aber schon bald wird er ja auch bei uns Einzug halten, im geliebten Hochschwarzwald..!

Unser Fazit: Ein toller „Foto-Spaziergang“ zu unzähligen Frühlings-Motiven. Wir haben dann auch viel mehr mit nach Hause gebracht, als wir Euch hier überhaupt zeigen können! Sogar echtes Lungenkraut, Traubenhyazinthen, Smaragd-Eidechsen und Schlüsselblümchen waren darunter. Es lohnt sich also in jedem Fall, in nächster Zeit auch mal selbst loszuziehen..! (Genügend Speicherkarten mitnehmen!)

Insgesamt 9,7 Kilometer mit 257 Höhenmeter im Anstieg. Dauer? (Mit gut dreihundert Fotos, über 5 Stunden!)


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