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Zur Küchenschellen-Blüte ins Elsass

27 März 2013 Ein Kommentar

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Der Wetterbericht verheißt auch für den heutigen Sonntag nichts Gutes – trotzdem wollen wir einen Ausflug wagen, schließlich ist gerade „Küchenschellen-Zeit“! Und dafür haben wir diesmal sogar einen Geheimtipp erhalten: Im Elsass, oberhalb von Westhalten und am Zinnkoepfle soll es sie noch in „Massen“ geben, verrieten uns Insider. Klar, dass wir diesem Tipp nachgehen!

IMG_9990Wir haben es am Morgen nicht eilig und lassen uns vom Navi gemütlich zum Ziel führen. Um 11.45Uhr stehen wir dann abmarschbereit vor dem Auto, wo Claudia aber zuerst noch ein paar Streichel-Einheiten verteilen muss: Mehrere Esel haben uns am Parkplatz (Rue des Fleurs) in Westhalten nämlich lautstark begrüßt.
Dann muss ich mich kurz orientieren, da am Parkplatz zwar eine große Schautafel Einblick in die lokale Flora und Fauna bietet, jedoch keinen Wegweiser zum Einstieg in den Rundweg beinhaltet. Ich frage kurzerhand ein paar französische Wanderer, die – als Elsässer – immer noch deutsch sprechen.

IMG_9991Dann ziehen wir los. Den Einstieg in den Rundweg markiert ein roter Holzpfeil, am östlichen Ortseingang von Westhalten. Hier folgen wir einem geteerten Sträßchen steil hinauf,  in die Weinberge. Da wir von Beginn an viel fotografieren, holen uns die französischen Wanderer bald wieder ein und wir kommen ins Gespräch. So erhalten wir auch gleich noch einige Tipps, zu den besten Standorten der Küchenschellen.

Nun kann man sich eigentlich nicht mehr verlaufen, denn der rote Pfeil prangt immer wieder, unübersehbar groß, an Trockenmauern und Felsen entlang des Weges.
Von den elsässischen Wanderern erfahren wir dann auch gleich noch den französischen Namen der Küchenschellen: Anémone Pulsatille. Und wir finden ihn zusätzlich auch noch an einem Wegweiser, der uns direkt zu den Küchenschellen-Vorkommen am Strangenberg führt.

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So trotteln wir eine ganze Weile vor uns hin und erreichen langsam die Kuppe des Weinbergs. Irgendwann finden wir dann einen kleinen Rasen voller winziger, weißer Blütchen, die uns jedoch gänzlich unbekannt sind. Und da man sich in dieser Vorfrühlingszeit über jedes noch so kleine Farbtupferchen freut, machen wir auch davon noch schnell ein paar Fotos. (Wenn jemand dieses unscheinbare Kräutlein kennt, informiert uns bitte!)

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Unsere Französischen Wanderfreunde bleiben inzwischen etwas zurück, da sie am Wegrand wilden Feldsalat gefunden haben und diesen pflücken. Doch dann rufen sie plötzlich laut und deuten aufgeregt ins welke Gras, direkt neben dem Weg. Hastig kehren wir zu ihnen zurück und sehen sie dann auch: Die ersten Küchenschellen 2013! Ganz tief ducken sich die lila Blütenköpfchen ins noch welke Gras, und sind so vom Weg aus kaum zu sehen.

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Nun packt uns natürlich das „Fotofieber“! Während sich Claudia entlang des Weges auf weitere Motiv-Suche begibt, wechsle ich die Objektive der Canon. Heute habe ich zum allerersten Mal das große Canon-Zoom 100 – 400mm dabei und bin natürlich gespannt, auf die ersten Fotos damit.
Claudia macht mich inzwischen auf immer neue Blüten-Gruppen aufmerksam und ich schieße bald Bild um Bild.
IMG_0025Dann kommen uns aber plötzlich mehrere Familien entgegen, deren Kinder hinter den Büschen fröhlich „Verstecken“ spielen – inmitten der Küchenschellen.
Claudia und ich sehen unsere französischen Mitwanderer daher fragend an, aber die zucken nur wortlos mit den Schultern. So sind wir eben – schweren Herzens – ebenfalls still, schließlich sind wir ja Gäste in ihrem Land! Und als kurz darauf dann auch noch ein Reiter über die Blumenwiese galoppiert, zuck auch Claudia nur noch mit den Schultern! „C’est la vie..!“
Aber irgendwann spricht sie dann doch leise aus, was ich mir schon die ganze Zeit über denke: „Die Franzosen gehen mit Ihrer Natur wirklich viel, viel lockerer um, wie wir! Und trotzdem haben sie so unglaublich viel davon..!“ Und sie meint damit nun nicht nur die Küchenschellen, denn hier im Elsass führt wirklich auf jeden Gipfel auch eine Straße hinauf – sogar in den Vogesen.

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Irgendwann folgen wir dann einem ausgetretenen Trampelpfad, links zwischen Schlehen in die Wiese hinein. Es ist der offizielle Wein- und Pflanzenlehrpfad Sentier botanique et viticole.
IMG_0085Hier liegen oberhalb der Weinreben ausgedehnte Kalk-Magerrasen, deren nährstoffarme Böden einen idealen Lebensraum für viele Pflanzenarten bieten, die man sonst vielleicht eher im Mittelmeerraum erwarten würde: Zittergras, Wilder Thymian, Kartäuser-Nelken, Sonnenröschen und natürlich auch wunderschöne Orchideen. Aber auch seltene Schmetterlinge – und wie am Kaiserstuhl – Smaragdeidechsen!
Ein echter Geheimtipp also, für alle Natur- und Foto-Freunde, den man sich unbedingt für’s Frühjahr merken sollte. Und auch wir werden dem Strangenberg in diesem Jahr ganz bestimmt noch den einen, oder anderen Besuch abstatten!

P1060239Der Pfad dreht nun in einem leichten Bogen nach Westen, und folgt dem flachen Bergrücken des Strangenbergs. Wir kommen inzwischen aber kaum noch vorwärts. Immer wieder liege ich im trockenen Gras auf dem Bauch und schieße mit dem Tele Foto um Foto. So flach über dem Boden habe ich eine tolle Perspektive und kann das schwere Objektiv zudem wunderbar mit der Hand abstützen. Fokussiert wird mit dem abklappbaren Display der Canon.

Gott sei Dank, habe ich mit Claudia diesbezüglich eine Gattin, die für meine Begeisterung Verständnis aufbringt und nicht nur immer an die nächste „Wäsche“ denkt! Aber auch sie schießt inzwischen Bild um Bild, so dass ich Euch hier auch immer mal wieder ein Foto von mir präsentieren kann.

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Das schwere Telezoom hat den großen Vorteil, dass man beim Fotografieren auf sicherer Distanz zu den Pflänzchen bleiben kann. Vor allem die völlig unscheinbaren Blütenknospen sind dabei nämlich sehr schnell zertreten, oder auch zertrückt, wenn man nicht höllisch auf seine Ellenbogen aufpasst! (Oben!)
IMG_0053Irgendwann ist dann die erste (4GB) Speicherkarte der Canon voll und ich setze die nächste ein. Das sind bisher also etwa 170 18 MP-Fotos in RAW-Qualität!
Das sollte doch eigentlich für einen schönen Bericht im Blog reichen..!„, schmunzle ich an Claudia gewandt. Sie lacht und nickt mit dem Kopf. Trotzdem können wir uns nur schwer losreißen. Aber wir haben ja auch noch ein kleines Stück Weg vor uns, schließlich wird uns der Rundweg ja über das Zinnkoepfle führen.
Kurz darauf führt uns der Weg dann wieder zurück, auf das geteerte Weinsträßchen. Wir passieren zwei kleine Parkplätze und erreichen im Sattel eine Wegekreuzung. Hier zieht der Lehrpfad scharf links zurück, in den Hang des Strangenberg. Links hingegen führt das Wirtschaftssträßchen direkt hinunter, nach Westhalten. Wir halten uns hier aber noch geradeaus und folgen nun dem Sträßchen wieder hinauf, in Richtung Zinnkoepfle.

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Oben angekommen, finden sich einige Info-Tafeln im Wald, unmittelbar neben einem weiteren Parkplatz. Dann dreht der Weg nach links und folgt dem Bergrücken des Zinnkoepfle, einem locker bewaldeten Bergkamm.
Wo sich der Wald etwas später öffnet, rastet gerade eine deutsche Wandergruppe. Wir passieren sie und versuchen uns gleich einen kleinen Vorsprung zu erarbeiten, um auch weiterhin in Ruhe fotografieren zu können.
IMG_0120Dann neigt sich der Weg abwärts, immer in Richtung Süden, nach Soultzmatt. An ein paar Büschen gedeihen hier prächtige Flechten (Baumbärte), die man in dieser Größe auch nicht alle Tage sieht. Wir machen ein paar schnelle Fotos und hören dann auch schon wieder die Wandergruppe von hinten herankommen.
Nicht, dass wir vielleicht etwas gegen Wandergruppen hätten, aber sie bewegen sich in etwa genauso schnell wie wir, nur um etwas lauter! Und ist man erst einmal von ihnen eingeholt, dann dauert es meist ewig, bis man wieder etwas Abstand zu ihnen hat. Leider braucht man dann natürlich auch keine Ausschau mehr nach irgendwelchen Tieren zu halten!

IMG_0118Der Weg wird nun immer steiler und nimmt bald den Charakter eines steilen Felsenpfades an. So windet er sich in S-Schlägen abwärts und gewährt uns dabei immer wieder herrliche Ausblicke, über das unter uns liegende Soultzmatt.
Kurz bevor wir wieder geteerte Wirtschaftswege erreichen, wird es dann plötzlich noch einmal richtig „grün“! Hier haben nämlich immergrüne Efeu-Ranken die absolute Oberhand über alle flankierenden Gehölze und Mauern des Pfades gewonnen. Ein hübscher Farbtupfer, in der sonst noch recht triesten Landschaft.
Der noch verbleibende Weg zum Auto ist nun schnell erzählt: In ein paar Serpentinen schlängelt sich der Wirtschaftsweg durch den Weinberg abwärts und zieht dann unter dem, in großen Buchstaben im Weinberg prangenden Schriftzug Zinnkoepfle, schnurstraks nach Osten, dem Städtchen Westhalten Entgegen.

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Nur noch wenige Meter durch das hübsche Winzerstädtchen, dann stehen wir wieder vor unserem Auto – und den Eseln, die uns erneut recht lautstark begrüßen..!

Unser Fazit: Eine tolle Weinberg-Tour für’s ganze Jahr! Kleine Rundwanderung, 8,9 Kilometer – 350 Höhenmeter – Dauer ca. 3 Stunden.  Im Bereich des Zinnkoepfle leider nicht mit dem Kinderwagen machbar!

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Ein Kommentar »

  • Dodd'l sagt:

    super schöne Bilder ;-*

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