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Die Küchenschellen-Blüte am Kaiserstuhl

25 März 2011 Kein Kommentar

In jedem Frühjahr gibt es für uns einige feste „Verabredungen“, die wir unbedingt einhalten möchten. Dazu zählt beispielsweise ein Besuch der Märzenbecher-Blüte, die Krokus-Blüte und natürlich auch die Blüte der Küchenschellen am Kaiserstuhl.

Obwohl die Kuhschelle, wie die gewöhnliche Küchenschelle auch genannt wird, längst auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht, ist sie hier am Kaiserstuhl noch recht häufig und damit natürlich auch ein echter Puplikums-Magnet. Vor allem Sonntags hat man daher kaum eine Chance, die Blüten in Ruhe zu fotografieren.

Um diesem Rummel zu entgehen, haben wir unseren Foto-Termin auf den Donnerstag dieser Woche gelegt und hatten dann auch wieder einmal so richtig Glück mit dem Wetter: Blauer Himmel, Sonnenschein und 20°C – Herz was willst Du mehr?

Wir erreichen den Kaiserstuhl über Bötzingen und den Vogelsang-Pass. Nach dem Passieren von Alt-Vogtsburg parken wir unser Auto auf dem Wanderparkplatz am Badberg (Wassertretstelle). Von hier aus wenden wir uns nach rechts und folgen dem Wanderweg in Richtung Altvogtsburg. Etwa auf halber Strecke entspringt links eine kleine Thermal-Quelle mit erstaunlich warmem Wasser.

Im Ort angekommen, folgen wir noch ein kurzes Stück dem geteerten Feldweg, aufwärts in die Weinberge. Nachdem wir die Häuser hinter uns gelassen haben, nehmen wir die erste Abzweigung rechts und folgen der gelben Raute. Bald endet auch dieser befestigte Weg und wir schreiten über die typischen Grasmatten des Kaiserstuhls.
Hier sollte man seine Schritte mit etwas Bedacht setzen, denn viele Schlüsselblumen und Veilchen wachsen hier mitten auf dem Weg und sind in diesem Frühstadium nicht immer gleich zu sehen. Hunde bitte an die Leine nehmen – NSG!

Bald bleiben die Weinreben zurück und wir haben einen wunderschönen Blick hinunter, nach Altvogtsburg und auch hinüber zum Badberg, in Richtung Oberbergen.
Nun wird es aber bald steiler und ich komme doch etwas ins Schnaufen: Der Preis für tolle Fotos, denn die begehrten Küchenschellen wachsen natürlich erst ganz oben, am „Gipfel“!

Bald erreichen wir dann die ersten Blüten und haben abermals Glück: Es ist trocken und absolut windstill!
Meist weht hier oben nämlich ein ziemlich kräftiger Wind über die Gipfel der „Schellinger Alpen“, dem die zarten Pflänzchen natürlich nichts entgegen zu setzen haben. Dann werden gute Aufnahmen, besonders im Macrobereich, oft zum reinen Glücksspiel. Wir können uns heute jedoch buchstäblich neben sie legen und in aller Ruhe fokussieren – tolle Foto-Bedingungen!

Doch dann geschieht leider das, was in einem Naturschutzgebiet eigentlich auf gar keinen Fall passieren darf: Ich sehe in den Augenwinkeln eine schnelle Bewegung und wende den Kopf.

„Achtung Hund..!“, kann ich Claudia nur noch zurufen, dann ist er aber auch schon an uns vorbei. In gestrecktem Galopp stürmt er den Grashang hinunter und dort in den Wald hinein. Ein großer, schwarzer Schäfer-Mischling, völlig alleine unterwegs und ganz bestimmt mit einer frischen Wildfährte „in der Nase“, so zielstrebig wie der gerade war! Und prompt kommt unten dann auch schon ein Reh aus dem Wald heraus geschossen, diesen Köter im Schlepp! Erleichtert sehe ich aber, dass er gegen das Reh keine Chance hat – es ist deutlich schneller!

Inzwischen joggt eine junge Frau fröhlich hinter uns vorbei, Kopfhörer auf und eine Hundeleine über die Schulter gebunden.
Erst als ich sie sichtlich verärgert frage, ob sie ihren Hund nicht endlich an die Leine nehmen möchte, bekommt sie mit, was überhaupt los ist! Nun stürmt sie ihrerseits den Hang hinunter, ihrem Liebling hinterher, um ihn wieder einzufangen.

Nach diesem Negativ-Erlebnis packen wir erst mal zusammen, um ein Pausenplätzchen zu suchen. Inzwischen meldet sich auch bei uns der Hunger und das Erlebnis hat mir zudem die Lust, zu fotografieren, erst mal etwas vergrämt.

Wir ziehen den Pfad über den Grashang hinunter, in Richtung Eichelspitzturm und treffen unten auf eine fröhliche Wandergruppe – lauter Männer.
„Wenn ihr vielleicht Küchenschellen sucht, da oben hat es welche..!“, rufe ich ihnen zu und bekomme dann auch gleich die richtige Antwort, natürlich in bestem Allemannisch:
„Hää-naiii..! Unseri Kuchi’schelle‘ hem-ma hitt däheim g’losse..!“

„Priiima..!“, prustet Claudia da nur noch los und der Ärger ist damit auch schon wieder verflogen.

Wir halten uns dann links und folgen dem Trampelpfad hinauf, auf die Kuppe. Dort wenden wir uns dann erneut nach links, in Richtung Badberg und steuern das Bänkchen am Waldrand an. Hier, in der Sonne, lassen wir uns nieder und packen unser Vesper aus. Zum ersten Mal sitzen wir dieses Jahr im T-Shirt draußen – herrlich!

Nach einem gemütlichen Vesper folgen wir dem herrlichen Wiesenpfad hinüber, zum Schelinger Kreuz und dann den steilen Stich hinauf, auf den Badberg. Das ist für uns der allerschönste Weg am Kaiserstuhl.
Aber auch hier treffen wir nun überall auf Küchenschellen und ganze Büsche von Veilchen. Als ich den Weg verlasse, um ein besonders schönes Exemplar zu fotografieren, scheuche ich eine große Smaragdeidechse auf. Ich habe sie leider erst gesehen, als sie sich bewegt hat. Sie verharrt noch einmal kurz, und ich kann sie so eine Sekunde lang bewundern, bevor sie unter einem großen Stein verschwindet. Danach widme ich mich wieder meinen Veilchen.

Etwas weiter ist der Winkel des Grashanges dann günstig, um noch einige Macro-Aufnahmen von Küchenschellen gegen die Sonne zu machen. Das gelingt einem nur ganz selten, da man dazu mit dem Objektiv ja unter die Blüten kommen muss und dann auch noch die richtige Richtung zur Sonne braucht! Aber seht selbst…!

Auch Claudia ist plötzlich in ihrem Element: Sie hat Bienen entdeckt, die – mit prall gefüllten „Höschen“ – in den Küchenschellen nach Nektar suchen. So schießt sie nun Bild um Bild, wohl wissend, dass dabei nur ein ganz geringer Prozentsatz wirklich gut wird. Aber sie hat es ebenfalls geschafft und dabei eine ganz respektable Ausbeute erzielt!

Und dann ist da wieder dieser auffallende Vogelschrei, der uns heute schon mehrfach „elektrisiert“ hat: Der Ruf des Wiedehopf! Leider ist es uns bisher aber noch nicht gelungen, auch mal einen von ihnen zu sehen – schade!

Am Badberg hat es dann wieder „Küchenschellen ohne Ende“! Ich fotografiere noch ein paar Pflanzen mit Claudia im Hintergrund, so sieht man auch einmal schön unseren Weg, den wir gekommen sind. Leider ist die Tiefenschärfe (trotz kleiner Blende und Weitwinkel!) dabei nicht über den gesamten Bereich des Bildes zu bekommen.

Wir ziehen weiter und sehen am Badberg dann auch noch einige Inseln mit wilden Narzissen in den Hängen. Wir nehmen jedoch Abstand davon, sie aufzusuchen. Dabei würden wir wohl mehr kaputt machen, als gut wäre. Gerade jetzt, im Frühjahr, sind viele Plänzchen oft noch gar nicht richtig wahrzunehmen. Man zertritt sie also, ohne es überhaupt zu bemerken! Daher: Lieber auf dem Weg bleiben – NSG!

Oben, auf dem „Gipfel“ des Badberges (438m) treffen wir dann noch ein freundliches Ehepaar,
das sichtlich enttäuscht ist, weil sie bisher noch gar keine Küchenschellen gesehen haben. Sie sind von Oberbergen aus aufgestiegen. Als wir ihnen dann aber erzählen, was sie etwas weiter vorne erwartet, sind sie völlig aus dem Häuschen!

Hier geht es nun noch einmal einen steilen Stich hinunter, und drüben wieder hinauf (Vorsicht bei Nässe!). Dann führt uns der Wegaber nur noch sanft bergab und direkt über Oberbergen erreichen wir auch wieder die Kulturzone der Reben.
Hier lohnt sich nun noch ein genauerer Blick in die sandigen Halden: Ameisenlöwen! Die kleinen Trichter dieser Räuber sind meist nämlich nur von denjenigen zufinden, die ganz gezielt nach ihnen suchen!

An der Abzweigung halten wir uns dann erneut links und queren kurz darauf noch eine der wärmsten Stellen, der ganzen Südseite. Hier hat es erfahrungsgemäß sehr viele Smaragdeidechsen und wir präparieren dafür sogar extra die Kameras – heute jedoch leider umsonst!
Zum Abschluss folgen wir noch dem (sehr) steilen Pfad (Trittsicherheit – vorsicht bei Nässe!) hinab, zur Wassertrete-Stelle und dem Parkplatz mit unserem Auto, wo einmal mehr ein wunderschöner Wandertag zu Ende geht!

Unser Fazit: Eine wunderschöne, kleine Abenteuer-Wanderung! Naturfotografen kommen voll auf ihre Kosten! Steile Anstiege erfordern etwas Trittsicherheit, vor allem bei Nässe! Nicht mit dem Kinderwagen machbar, Kindertrage wäre hingegen ideal! Achtung Naturschutzgebiet, Hunde bitte an die Leine, Fahrradfahren ist verboten!

Rundwanderung – 6,6 Kilometer mit 290(!) Höhenmeter! Die Tour ist auch vom Vogelsang-Pass, oder von Oberbergen aus, machbar.

Und vielleicht auch noch ein kleiner Tipp für alle, die nicht regelmäßig im „Macro-Modus“ fotografieren: Schaut Euch vorher besser noch mal an, wie man den AF-Modus auf Punktmessung umstellt. Denn nur so bekommt Ihr die Stempel der Blüten scharf!

Empfohlene Hintergrund-Karte für den Garmin: Topographische Karte Süddeutschland, 1:25.000

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg i. Br. – Kaiserstuhl, 1:50.000
ISBN-13: 978-3-89021-598-3

Download GPS_Track[urldisplaymode=nomap]



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