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Zum Sonnenuntergang auf den Feldberg

20 August 2012 Ein Kommentar

Die Idee war beim Samstag-Nachmittags-Kaffee spontan geboren worden: „Warum ziehen wir eigentlich unsere geplante Sonntagswanderung nicht einfach auf den heutigen Abend vor..?“ frage ich Claudia.
Sie schaut mich zuerst überrascht an, ist dann aber spontan einverstanden, denn auch für morgen sind wieder tropische Temperaturen von über 35°C angekündigt. Da macht Wandern keinen Spass mehr..!

Und wo willst Du hin..?„, möchte sie noch wissen.
Nun..,“ erkläre ich ihr schmunzelnd. „Derzeit ist auch der Nachthimmel absolut wolkenlos und somit völlig sternenklar. Und es herrscht zudem auch gerade Neumond. Ideale Bedingungen also, um endlich mal die Milchstraße zu Fotografieren..!

Noch inspiriert vom letzten Perseiden-Wochenende, ist Claudia da natürlich sofort wieder mit dabei!
Feldberg..?„, fragt sie spontan und ich nicke nur: „Feldberg..!
Dort sind wir einerseits hoch genug, um eventuell abends in den Tälern entstehende Nebelschleier unter uns zu lassen und zudem auch noch weit genug weg, von jedem Licht-Smog!

Gemütlich richten wir uns, und fahren dann der endlosen Autokarawane entgegen, die sich derzeit jeden Abend vom Feldberg herunter wälzt, in Richtung B31.
Es scheint langsam leer zu werden, oben am Berg..!“ schmunzelt Claudia irgendwann, gut gelaunt.

Als wir dann am Haus der Natur ankommen, warten auch nur noch ein paar Wanderer auf den Bus nach Titisee und die letzten Autos verlassen den großen Parkplatz.
Wir finden einen optimalen Platz genau an der Straße, gegenüber dem Feldberger Hof. Als wir dann unsere Stiefel schnüren und ich den Garmin einschalte ist es bereits 19.30 Uhr.
Verrückt..!“ lacht Claudia nur mit einem Kopfschütteln. „Alles fährt heim, und wir kommen gerade erst an..!
Ja.., immer schön gegen den Strich bürsten..!“ frotzle ich ebenfalls belustigt. „Kennst mich doch..!

Aber auch ein paar andere scheinen wohl unsere Idee gehabt zu haben, denn vor uns marschiert gleich eine ganze Familie in Richtung Feldberg-Gipfel. Und die obligatorischen Mountain-Biker sind ja ohnehin immer unterwegs.
Das tut der Stimmung hier oben aber keinen Abbruch, denn es ist jetzt trotzdem geradezu gespenstisch still, am Berg! Und wo wir Schatten-Bereiche verlassen, taucht die tiefstehende Sonne bereits alles in ein ganz intensives, goldenes Licht.
Wir folgen anfangs nur dem breiten, geteerten Weg in Richtung Gipfel und biegen dann am Wegweiser scharf rechts ab. Hier folgen wir nun schmalen Pfaden (Westweg), hinauf zum Seebuck.

Nun habe ich es plötzlich ziemlich eilig, da ich unbedingt den Sonnenuntergang vom alten Fernsehturm aus, noch erwischen will. Während mir der Schweiß bald in den Augen brennt, höre ich Claudia hinter mir nur noch tief atmen. Schneller..!

Wo wir den Wald verlassen, nötigt uns dann die Aussicht doch zu einer kurzen Verschnauf-Pause. Wir sehen vor uns hinunter, zum Feldberger Hof, und drüben, im Süden bis zu den Alpen.
Du hattest Recht..!„, nötigt sich Claudia zwischen ihren Atemzügen bereits eine Bestätigung ab. „Dort drüben zieht sich in den Tälern bereits Dunst zusammen..!

Ich sehe es auch und habe es nun auch nur noch eiliger, endlich hinauf zu kommen, zum Seebuck. Wir sind aber schon fast unterhalb der Liftstation, also kurz vor dem Bismarck-Denkmal.

Oben angekommen, sehen wir dann endlich die untergehende Sonne. Und nun auch den Feldberggipfel mit der Wetterstation und dem Fernmeldeturm.
So lassen wir es dann auch deutlich gemächlicher angehen, denn die gewünschten Sonnenuntergangs-Fotos von hier oben, sind bereits „im Kasten“!

Gemütlich ziehen wir daher hinüber, zum Gipfel und treffen im Grüble-Sattel wieder auf die Familie von vorher. Sie sind den gemütlicheren Weg herauf gekommen und haben den Seebuck ausgelassen. Nun lassen wir uns für die restlichen Meter so richtig Zeit und genießen diese unglaubliche Atmosphäre hier oben, am höchsten Punkt Baden-Württembergs, in vollen Zügen.

Wo sich heute mittag noch Menschenmassen aus dem Lift zwängten, herrscht nun eine unglaubliche Ruhe. Es ist, als ob die Natur einmal tief durchatmen würde! Nur der Wind treibt hier noch ein leises Kling-Klong der Glocken unzähliger Jungrinder zu uns herüber, die über den Sommer hier oben weiden. Sonst herrscht nun absolute Stille..!

Wir brauchen dann auch ewig, bis wir endlich ebenfalls am Gipfel ankommen. Aber uns läuft ja nun auch nichts mehr weg. Nur die Kamera möchte ich noch gerne auf dem Stativ positionieren und manuell fokussieren, bevor es völlig dunkel wird.
Dazu muss ich aber erst mal „raten“ wo sich wohl später die Milchstraße am Nachthimmel befinden wird, denn die möchte ich natürlich unbedingt auf den Fotos drauf haben!

Wir gesellen uns dann auch erst einmal zu den „Gleichgesinnten“ auf den Bänken. Die bereits erwähnte Familie ist da, ein einsamer Radfahrer, und wir. Und kurz darauf stößt dann auch noch ein nettes Ehepaar aus Neustadt hinzu.
Als wir uns mit ihnen in normaler Lautstärke unterhalten, empfinden wir das schon selbst fast als lästige „Störung“. Man kommt sich fast vor, wie in einer Kirche und ist geneigt, zu flüstern, um diese unglaubliche Atmosphäre zu erhalten! Dann tauchen aber auch schon die ersten Sterne am Himmel auf und ich entferne mich ein paar Meter von der Gruppe, um das Stativ mit der Kamera zu positionieren.

Ich schalte nun an der Canon (600D) alles ab, was an Automik überhaupt abzuschalten ist (Autofokus und Stabilizer) und aktiviere die Spiegelverriegelung, um auch alle Erschütterungen durch den Spiegelschlag beim Auslösen zu vermeiden. Dann aktiviere ich noch die zusätzliche Rauschreduzierung für Langzeitbelichtungen und schließe den Fernauslöser an. Ich schieße alle Bilder in RAW und belichte jeweils mit  f/4 bei 30 Sekunden und 3.200 bis 6.400 ISO. (Standard-Objektiv EF-S 18-55mm 3,5 – 5,6 IS)

Schon die ersten Bilder wirken phantastisch (zumindest im Display der Kamera), so dass ich nur wenig korrigieren muss. Und auch die Milchstraße befindet sich genau über der Spitze des Fernmeldeturms – Volltreffer..! Dem unvermeidlichen Bildrauschen werde ich mich dann später, bei der Nachbearbeitung in Lightroom widmen.

Nun habe ich alle Zeit der Welt und zeige Claudia nebenher den Polarstern, und wie sie ihn (über den großen Wagen) am Himmel findet. Längst sind wir schon für uns alleine am Gipfel, nur drüben in der Wetterstation brennt noch ein einzelnes Licht.
Auf dem Rücken im Gras liegend, schauen wir hinauf zu den unzähligen Sternen der Milchstraße und verfolgen einmal mehr die Bahn der ISS, die auch heute Nacht wieder unglaublich hell über uns hinweg zieht.
Es ist selbst hier oben am Feldberg-Gipfel eine ganz phantastische, warme Sommernacht. Nur ein milder Wind, vergleichbar einem Fön, weht über den Gipfel, ohne uns frösteln zu lassen. Selbst um 00.30Uhr messe ich noch 19°C, direkt am sonst eher „rauhen“ Feldberg-Gipfel!

Leider herrscht am Himmel über Deutschland aber auch nachts reger Flugbetrieb und die blinkenden Lichter der Flugzeuge stören natürlich jede Langzeitbelichtung. So warte ich immer ab, bis am Firmament mal wieder etwas Ruhe einkehrt, bevor ich die nächste 30-Sekunden-Aufnahme starte.

Aber selbst hier oben am Feldberg bemerken wir beim Fotografieren den „Lichtsmog“ der umliegenden Städte ziemlich. (Beachte dazu bitte auch den linken, unteren Bildrand bei der ersten Nachtaufnahme oben!). Insbesondere Freiburg strahlt natürlich mächtig aus der Rheinebene zu uns herauf.

Gegen halb Eins packen wir  dann zusammen und machen uns auf den Weg hinunter, zum Haus der Natur. Wir benutzen nun natürlich ebenfalls den breiten, geteerten Weg und meiden den Pfad durch das kleine Wäldchen, über den wir vorhin herauf gekommen sind. Wir wollen nachts im Naturschutzgebiet schließlich kein Wild bedrängen.

So ziehen wir im Schein unserer Stirnlampen dann ganz gemütlich hinunter, zu unserem Auto und können es bereits jetzt kaum erwarten, unsere Nacht-Aufnahmen endlich auf dem großen Computer-Bildschirm zu betrachten!

Was für ein tolles Abenteuer..!

Hier nun abschließend auch noch ein paar Tipps, falls Ihr unser Abenteuer nachmachen wollt:

Sucht Euch für Aufnahmen der Milchstraße unbedingt eine klare Neumond-Nacht aus! Wenn Ihr einen strahlend hellen Vollmond am Himmel habt, ist keine Milchstraße zu sehen, da sie vom Mond völlig überstrahlt wird! Mit der Belichtungszeit von oben könnt Ihr spielen. Nehmt die angegebenen Werte einfach als Anhalt, benutzt dabei aber unbedingt ein Stativ, so wie den Selbst-, oder Fernauslöser!

Hier findet Ihr einen guten Mondkalender

Achtung: Ihr müsst an Eurer Kamera den Autofokus unbedingt abschalten können, da der nachts nicht mehr scharfstellen kann! Also manuell, und bereits vor Einbruch der Dunkelheit scharfstellen! (Nachher seht Ihr nichts mehr!)

Die Wanderung selbst ist eigentlich nur ein besserer „Spaziergang“: 7,5 Kilometer mit insgesamt 250 Höhenmeter im Anstieg. Dafür liegt aber der Spass-Faktor (nicht nur für Hobby-Fotografen!) dann umso höher!

Download GPS-Track [urldisplaymode=nomap]


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Ein Kommentar »

  • Sigrid Beyer-Ziegler sagt:

    Absolut faszinierende Aufnahmen!
    Auch die Verdeutlichung des Lichtsmogs ist sehr eindrucksvoll. Aber auch beängstigend.

    Wir waren vom 22.Oktober bis zum 28.Oktober dieses Jahr wieder im Schwarzwald unterwegs und haben in dieser Zeit u.a. zweimal eine Feldbergtour gemacht.
    Bei toller Inversionswetterlage war es am 23. über 20 Grad warm (auf dem Feldberggipfel!), wir haben geschwitzt wie die Pferde… und am 27. machten wir dieselbe Tour dann im Schneesturm und die Eiskristalle haben uns schnell in die tieferen Gefilde gejagt 🙂
    Da wir aus verschiedenen Gründen in diesem Jahr unseren Urlaub nur „Tröpfchenweise“ und überwiegend zu Hause verbracht haben und uns erst im Oktober diese Woche gönnen konnten, wurden wir vom Schwarzwald (Danke Feldberg) voll entschädigt: Innerhalb einer Woche Sonnenbaden und Schneeschippen… was will man mehr ;-)?

    GLG Sigrid

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