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Zugspitztour, 1. Etappe: Ehrwald – „Gatterl“ – Knorrhütte

25 August 2013 4 Kommentare

P1070759Um Sechs piepst der Garmin. Waschen und ein schnelles, gemeinsames Frühstück im Vorzelt, dann herrscht auch schon die übliche Hektik beim Packen der Rucksäcke. Fast die ganze Nacht über hat es geregnet, doch nun scheint Petrus ein Einsehen zu haben. Als wir das Gepäck in unser Auto verladen und nach Ehrwald fahren, sieht das Wetter schon wieder recht vielversprechend aus.

IMG_4408Die kurze Fahrt führt uns im Westen um die Zugspitze herum, sozusagen „hinter“ den Wetterstein. In Ehrwald folgen wir dann der Ausschilderung hinauf, zur Ehrwalder Almbahn.
Man könnte natürlich auch mit dem Zug fahren und die Tour in Ehrwald am Bahnhof starten, aber zugegeben: Wir sind keine Freunde von langen Asphaltstrecken und wenn sie sich vermeiden lassen, dann greifen wir zu!
Wir parken unser Auto auf dem großen Parkplatz der Talstation, dann schultern wir die Rucksäcke und gehen die wenigen Meter hinüber, zu den Gondeln. An der Kasse geben wir noch Bescheid, dass wir unser Auto ein paar Tage stehen lassen werden, für alle Fälle! Dann nehmen wir die Rucksäcke von den Schultern und besteigen unsere Gondel.

Die Talstation der Ehrwalder Almbahn liegt auf 1.112 Metern n.IMG_4417 N. Die 8er-Kabinen bringen einen von dort aus dann aber zügig hinauf, auf 1.505 Meter und ersparen einem so nicht nur eine Weg-Strecke von 2.275m, sondern zudem auch noch die ersten 400 Höhenmeter, die durchweg über Asphalt verlaufen!

Schon nach kurzer Zeit stehen wir so oben vor der Bergstation und orientieren uns kurz. Dann ziehen wir zielstrebig los, in Richtung „Gatterl“.

Schon alleine das Wort „Gatterl“ löst in Claudia aber wieder ein leichtes Krampfen aus, wie ich erkennen kann. Weiß der Geier, warum – aber irgendwo muss sie wohl wieder etwas aufgeschnappt haben, das ihr höllischen Respekt einflöst!
Lass‘ es auf Dich zukommen..!“ rate ich Ihr. „So schlimm kann das doch garnicht werden..!
Sie nickt nur und kommt dann schmunzelnd an meine rechte Seite. So wandern wir die ersten Meter unserer Zugspitztour mal wieder Hand in Hand aufwärts.

IMG_4433Schon nach kurzer Zeit werden wir davon aber bereits wieder abgelenkt: Mehrere Jungrinder kommen von der Weide direkt auf uns zu. Die wollen aber natürlich keinen Streichel-Einheiten, sonder vielmehr das Salz von verschwitzten Händen lecken! Wir lassen ihnen die kurze Freude und ziehen wenig später weiter.

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Der Weg ist in diesem Bereich noch ziemlich breit und auch von der Steigung her, recht moderat zu gehen. Dafür ist das Bergpanorama bereits umso beeindruckender! Unsere Tour führt hier nämlich durch das Geisbachtal aufwärts, das genau zwischen dem Wetterstein-Massiv (links) und der Mieminger Kette (rechts) liegt.
IMG_4459Nach kurzer Strecke erreichen wir dann die kleine Pestkapelle und folgen hier dem schmalen Pfad links aufwärts, der ein gutes Stück des breiten Weges abkürzt. Und hier hat man nun auch zum ersten Mal das Gefühl, „richtig“ in den Bergen zu wandern.
Das Weglein führt uns direkt hinauf zur Hochfelderalm, die wir links passieren.

Die Hochfelderalm markiert dann auch den Beginn unserer eigentlichen Bergtour! Der Anstieg wird nun nämlich sichtlich steiler, während sich unser Pfad links in die steile Flanke des Wetterstein-Massives hineinschmiegt. Genauso hatten wir uns unsere  Zugspitztour im Vorfeld vorgestellt – Klasse!
IMG_4465Und auch die höhere Vegetation bleibt nun immer weiter zurück, die letzten Bäume passierten wir bereits kurz nach der Hochfelderalm. Hier herrschen nun für ein paar Höhenmeter noch Latschen vor, dann gibt es nur noch niederes Gras und Alpenblumen.

Inzwischen beobachten wir aber etwas besorgt, wie die Wolken aus dem Tal immer weiter zu uns heraufziehen und bald treibt der Wind dann schon erste, dichte Nebelfetzen vorbei. Es wird zunehmend feucht und somit auch deutlich kühler. Und dann fängt es ganz sachte an zu nieseln. Unwillkürlich legen wir einen Gang zu, als ob wir so vor dem Wetter weglaufen könnten.
Ich beobachte das feine Geniesel aber sehr aufmerksam, schließlich haben wir diesbezüglich auf unserer Kungsleden-Tour viel gelernt. Auf gar keinen Fall möchte ich nämlich den richtigen Zeitpunkt verpassen, um unsere Texapore-Jacken und die Regenhosen anzuziehen!

IMG_4476Tut man das nämlich auch nur einen Augenblick zu spät, so ist man auch unter dem Wetterschutz schon nass. Und das erhöht dann die Luftfeuchtigkeit durch Verdunstung dieser Feuchtigkeit über die Körperwärme so weit, dass es selbst unter atmungsaktivem Gewebe wie GoreTex oder Texapore zu starker Kondenswasser- Bildung kommt! (Aber zu früh möchte man ja auch nicht in die Regenklamotten hinein, es könnte ja schließlich wieder aufhören!)

IMG_4471Aber den Gefallen tut uns Petrus heute nicht und so halte ich kurz darauf an und lege den Rucksack ins Gras, um mich Wetterfest zu machen. Claudia folgt meinem Beispiel wortlos.
Das geht bei uns inzwischen ziemlich schnell, da wir seit Schweden darin eine richtig Routine entwickelt (und auch die Regenklamotten immer griffbereit) haben!

Dann erleben wir eine kleine Überraschung: Wohl durch den leichten Regen herausgelockt, sitzt ein hübscher Alpensalamander mitten auf dem Weg. Und dann noch einer, und noch einer, und noch einer..!
Es werden immer mehr und ich fühle mich vorne bald dazu genötigt, jedesmal nach hinten zu rufen:
Achtung, Salamander..!
IMG_4474Schließlich möchten wir ja keinen dieser seltenen Lurche zertreten!

Inzwischen nimmt der Regen ganz  langsam, aber kontinuierlich zu und irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ich die Kapuze der Regenjacke ebenfalls hochziehe. Die immer noch darunter befindliche, grüne SWR4-Kappe dient mit ihrem breiten Schild als zusätzlicher Regenschutz für die Brille.
Unser Pfad führt uns immer noch durch die Wetterstein-Flanke aufwärts. Er wird nun aber zunehmend schmaler und felsiger. Etwas weiter vor uns kann ich schon seit einiger Zeit einen Sattel erkennen, bin mir aber nicht sicher, ob das schon das „Gatterl“ ist. Seit der Bergstation habe ich diesen Begriff (Claudia zuliebe) ganz bewusst vermieden. Ich gehe jedoch davon aus, dass sie das ebenfalls weiß. Schließlich haben wir uns die Bilder im Internet ja oft genug (gemeinsam) angeschaut.

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Am „Gatterl“ werden wir die grüne Grenze nach Deutschland überschreiten, gleichzeitg mit dem Gebirgskamm des Wettersteins. Ab dann befinden wir uns auch wieder innerhalb des Zugspitzplatts.

Inzwischen regnet es so stark, dass ich die Canon samt Tasche im Rucksack, unter dem zusätzlichen Schutz des Raincovers verstaue. Ab jetzt wird nur noch mit der kleinen Lumix fotografiert.
Dann erreiche ich linker Hand ein Drahtseil-Geländer.
P1070752Das Gatterl..?„, höre ich Claudia durch das laute Prasseln des Regens auf meiner Kapuze fragen und nicke nur. Sie ist unmittelbar hinter mir und wirkt nun völlig gelassen.
Das ist wieder mal typisch, denke ich mir und muss trotz des Wetters schmunzeln. Claudia hat im Vorfeld immer viel mehr Angst vor einer bestimmten Situation als später, wenn sie diese Situation dann meistern muss..!

Ich lasse sie an mir vorbei, um im Aufstieg auch ein paar Bilder von hinten zu bekommen. Ruhig und konzentriert meistert sie die erste Kletter-Passage und wartet dann mit sicherem Stand, bis ich nachkomme. Der Regen macht nun natürlich alles noch rutschiger und somit auch noch gefährlicher, als diese Stelle ohnehin schon ist!

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Aber Claudia ist ganz ruhig und konzentriert und reagiert spontan auf jedes meiner Kommandos, für bestimmte Perspektiven:
„Stopp..!“ – „Etwas mehr nach rechts..!“ – „Jetzt ganz ruhig halten..!“
Nur so können auch unter solchen Bedingungen dann Fotos entstehen, wie diese hier. Denn bitte glaubt mir: Im „Vorbei-Gehen“ schießt die nun keiner mehr..!

P1070757Dann passieren wir endlich das „Gatterl“ und befinden uns damit wieder auf deutschem Boden.
Wie..? War das etwa schon alles..?„, will Claudia da wissen, kaum dass sie oben ist. Sie möchte mit diesem lockeren Spruch aber natürlich nur die fühlbare Anspannung der Situation abbauen und ahnt da noch nicht, dass es nun gleich wieder so weiter gehen wird, wie bisher!
Der Nebel ist inzwischen ziemlich dicht geworden und verhindert so die „schlimmsten“ Tiefblicke in den ausgesetzteren Passagen. Allerdings lässt er einen manchmal auch Abgründe vermuten, wo bei klarer Sicht überhaupt keine wären! Und das führt dazu, dass man oft etwas angespannter und verkrampfter geht, als eigentlich nötig wäre. Das kostet natürlich zusätzlich Kraft.

P1070758Langsam meldet sich da dann natürlich auch der Hunger und wir machen uns auf die Suche nach einem halbwegs sicheren Stand, um etwas zu essen. Vor allem der Durst plagt mich schon eine ganze Weile, aber bisher wäre selbst zum Trinken kaum Gelegenheit gewesen. Eine Möglichkeit zum Sitzen gibt es hier oben natürlich nicht und auch die Rucksäcke bleiben während der „Pause“ auf dem Rücken.

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So begnügt sich jeder mit ein paar Bissen von seinem Vesperbrot und etwas süßem Tee. Das muss dem Körper zur Brennstoff-Ergänzung reichen. Dann ziehen wir auch schon wieder weiter.
Hätten wir klare Sicht, dann würden wir unser Tagesziel, die Knorrhütte, wohl schon lange sehen können. Statt dessen legt der Regen noch einmal kräftig zu, so dass wir erneut richtig „eingeseift“ werden.

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Schwitzt Du eigentlich..?„, fragt mich Claudia dann irgendwann und deutet auf meine neue Regenhose.
Nein.., überhaupt nicht..!„, antworte ich ihr, völlig verduzt. Erst jetzt wird mir nämlich wieder bewußt, dass wir ja Regenhosen (über den Wanderhosen) tragen! Trotz aller Anstrengung hatte ich das völlig vergessen, da man unter den Neuen überhaupt nicht mehr schwitzt, obwohl es Hardshell-Hosen sind. (Hardshell steht als Synonym für absolut wasserdichte Sportbekleidung!)

P1070774Zum ersten Mal haben wir heute nämlich die dünnen GoreTex-Regenhosen von Berghaus an, die uns vom Bergfreunde Online-Shop zum Testen überlassen worden sind.
Unglaublich..!“ muss ich lachend zugeben und Claudia schmunzelt nur. (Sie hatte die Hosen nämlich ausgesucht!)

Endlich sehen wir dann die Knorrhütte hinter Wolkenfetzen auftauchen und freuen uns nun auf die Möglichkeit, uns endlich einmal hinzusetzen. Seit wir heute morgen aus der Seilbahn-Gondel ausgestiegen sind, hatten wir dazu nämlich keine Gelegenheit mehr gehabt. Und ein kühles Hefeweizen dürfte inzwischen wohl auch so richtig auf der Zunge zischen!
IMG_4490Wir beziehen unser reserviertes Zimmer und gehen gleich anschließend heiß duschen. Dann lassen wir den Tag in der Gaststube der Knorrhütte ganz gemütlich auslaufen.

Aber schon um Neun verziehen wir uns auf unser Zimmer, wo wir wohl den Schlaf der Gerechten schlafen. Die unglaubliche Ruhe hier oben, zusammen mit der reinen Höhenluft auf 2.051 Metern n. N.  und dem monotonen Prasseln des Regens an der Fensterscheibe, lassen uns nämlich die Anstrengungen des Aufstieges rasch vergessen und in einem erholsamen Schlaf versinken..!

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Unser Fazit zum ersten Tag:  9,4 Kilometer, mit 780 Höhenmeter im Anstieg, und 231 Höhenmeter im Abstieg, verlangen eine solide Grundkondition, sowie absolute Trittsicherheit! Eine vorhandene Höhenangst muss unbedingt überwunden werden können! Gute (atmungsaktive!) Regenkleidung ist dringend angeraten!

DownloadGPS-Track[urldisplaymode=nomap]

 

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Zugspitztour – Unsere „Vorab-Erkundung“Zugspitztour, 2. Etappe: Knorrhütte – Gipfel – Reintalangerhütte

4 Kommentare »

  • Guido sagt:

    Wieder schön und sehr aufmerksam beschrieben; will sofort Etappe 2 lesen 😉

  • Rainer (author) sagt:

    Dann mach‘ „hinne“ Guido, die dritte Etappe ist auch schon online..! 🙂 LG, Rainer

  • Manu sagt:

    Endlich in Ruhe Zeit, die Berichte zu lesen,… toller Bericht… mama hatte glaub echt Glück mit dem Wetter. Ohne Nebel wäre das glaub ich echt ne Herausforderung geworden…

  • Rainer (author) sagt:

    Das war auch so noch Herausforderung genug, Manu – sie wusste ja, wie weit es da hinuntergeht..! 🙂

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