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Zu den Frühlings-Enzianen am Roßberg

11 April 2012 Kein Kommentar

Nachdem Ostern so ziemlich veregnet war, wollten wir die positive Wettervorhersage zum Dienstag nach den Feiertagen für ein ganz besonderes Wander-Highlight nutzen, und den Frühlingsenzianen am Roßberg, auf der Schwäbischen Alb, einen Besuch abstatten.

Wie wir erfahren haben, blühen sie bereits, und der Regen der vergangenen Tage sollte diese Blüte – nach einem sehr trockenen Frühjahr – nun eigentlich noch unterstützen..!

Einmal mehr zieht es uns also aus dem Hochschwarzwald, hinüber auf die rauhe Alb. Und sollten wir Glück haben und die blaue Rarität dort tatsächlich blühend antreffen, dann wird das unsere lange Anfahrt auch allemal wert sein! Bei uns im Hochschwarzwald ist nämlich leider nur der Gelbe Enzian zu finden, überwiegend in der Feldbergregion.

Das Navi führt uns nach Öschingen, einem Stadtteil von Mössingen, das etwas südlich von Tübingen auf der mittleren Alb  liegt.
Oberhalb einer Haarnadel-Kurve im Ortskern folgen wir den Wegzeichen (blaues Dreieck) und parken etwas unterhalb des Auchertweges, der uns über viele Stufen aus dem Städtchen hinaus führt. Wo wir die Häuser verlassen, folgen wir einem schmalen Wiesenpfad weiter aufwärts und in den Buchenwald hinein. So erreichen wir bald einen breiteren Wirtschaftweg, dem wir nun nach rechts folgen.

Auf ihm schlendern wir die ersten Kilometer in Richtung Osten, bis kurz vor Genkingen. Der Wanderweg führt über lange Strecken kräftesparend bergab und gibt uns so Gelegenheit, nebenher gemütlich nach den ersten Frühlingsboten auf der Alb zu sehen und diese Frühblüher auch direkt mit denen im Hochschwarzwald, und sogar in der Rheinebene zu vergleichen.

Dann sehen wir aber plötzlich direkt neben dem Weg etwas völlig Alb-typisches, das zwar auch im Schwarzwald vorkommt (Wutachschlucht), uns aber immer wieder fasziniert. Ein kleines Bächlein, das hier dem Öschenbach zufließt, zeigt im Bachbett eine ausgeprägte Versinterung. Natürlich sind wir sofort völlig fasziniert und bemühen uns, das Pänomen im Foto festzuhalten.

Da es sich bei der Schwäbischen Alb um ein großes Karstgebiet handelt, versickert das Regenwasser meist sehr rasch in porösem Kalkgestein. Dort löst es (mittels des in der Luft aufgenommenen Kohlendioxides) den Kalk und führt ihn dann aus dem Berg, wodurch die zahlreichen Höhlen der Alb entstehen. Wieder an der Luft, scheidet es diesen gelösten Kalk wieder aus, der sich nun überall im Bachbett absetzt und Sinter bildet.

Unmittelbar vor Claudia ist sehr deutlich zu sehen, wie die einzelnen Steine von diesem Sinter zusammengebacken sind. Fast könnte man meinen, hier habe jemand das Bachbett ausbetoniert..!

Kurz darauf heißt es dann etwas aufpassen und die Konzentration auf die Orientierung zu lenken: Wo der HW-1 links hinauf führt, in Richtung Roßberg, halten wir uns noch ein paar Meter gerade aus und folgen erst dann dem scharfen Wegeknick, rechts aufwärts. Nach etwa 600m erreichen wir in einer leichten Rechtskurve eine Kreuzung und halten uns hier nun links. Der rustikale Waldweg ist durch den Regen der letzten Tage ziemlich „tief“ und erfordert daher etwas Aufmerksamkeit. Außerdem ist er durch einige Holzberge verlegt, die – nass – recht glitschig sind!

Dann erreichen wir oben jedoch den Waldrand und treten – bei blauem Himmel und Sonnenschein – auf eine saftige Frühlingswiese hinaus. Nur wenige Meter sind es nun noch bis zum breiten Wanderweg, der uns schnurstracks nach Genkingen führt.
Wo wir die Straße erreichen, halten wir kurz an und setzen uns dort auf das einsame Bänklein. Und eines von Claudias leckeren Vesperbroten und ein paar Schlucke Tee, bringen uns die Lebensgeister schnell wieder zurück.

Nach dem Überqueren der Straße folgen wir dann dem breiten HW-1 hinauf, zum Schützenhaus und über den Rinderberg weiter, bis zur Straße.

Hier wurde die Wegführung verlegt, der HW-1 folgt nun nicht mehr direkt der Straße (wie in älteren Karten und Wanderführern vermerkt), sondern führt etwas weiter links, über die Wiesen.

Wir empfinden es als sehr angenehm, die harte Wanderautobahn endlich verlassen zu dürfen und über weichere Wiesenpfade zu gehen. Die federn nun fast jeden Schritt nach..!

Inzwischen sehen wir direkt hinüber, zum Roßberg und unsere Augen suchen die Wiesen schon heimlich nach blauen „Tupfern“ ab. Aber noch ist nichts von den Enzianen zu sehen.

Dann verlassen wir den Wiesenpfad und folgen noch hundert Meter Asphalt, bevor uns ein Wegweiser steil, links über die Wiese hinauf führt. Nun haben wir bereits den Roßberg unter den Füßen und freuen uns über die tollen Abenteuerpfade, die uns zum Wanderheim am Gipfel führen: Noch 1 Kilometer!

Leider scheint der Wetterbericht aber auch mit dem zweiten Teil der Vorhersage Recht zu behalten: „Gegen Nachmittag vom Westen her Eintrübung und einzelne Niederschläge..!“

Inzwischen ist die Sonne nämlich verschwunden, und mit Ihr leider auch das tolle Licht zum Fotografieren.

Ob wir wohl noch trocken zum Auto kommen..?„, fragt mich Claudia nachdenklich, mit einem Blick zum Himmel und ich zucke etwas abwesend die Schultern. Im Augenblick mache ich mir nämlich eher Sorgen um die Fotos von den potentiell vorhandenen Enzianen, auf der anderen Seite des Roßbergs, als ums Nasswerden! Die Regenklamotten haben wir ja schließlich eingepackt.
Ohne es zu bemerken habe ich den Schritt inzwischen aber so beschleunigt, dass wir oben am Roßberg eine weitere Verschnauf-Pause brauchen. So nehmen wir an der Feuerstelle des AV-Wanderheimes noch einmal kurz Platz und trinken auch ein paar Schlucke Tee.

Dann ziehen wir aber endgültig hinunter, in Richtung der Enzian-Wiesen. An einer tollen Aussichtsstelle machen wir noch ein paar schnelle Fotos, dann haben wir aber beide keine Ruhe mehr: Jetzt wollen wir endlich die Enziane sehen..!

Noch einmal stolpern wir, über richtig idyllische Pfade, durch den Wald abwärts. Durch die laublosen Bäume können wir dann schon bald das Grün der Wiesen erkennen, denen wir zustreben. Und dort unten, so wissen wir von früher, müssen die Frühlings-Enziane sein. Außerdem hat mir eine diesbezügliche Email-Anfrage (vor Ostern) auf dem Rathaus in Mössingen, eine sehr freundliche Antwort (mit Foto!) gebracht: Es sollten also zumindest schon vereinzelte Blüten da sein..!

Unten angekommen, dann die große Enttäuschung: Wir stöbern bestimmt schon eine halbe Stunde durch das niedere Gras der Wiesen, rechts und links des Weges, aber nichts! Nicht eine einzige Enzian-Blüte ist zu finden! Und jedesmal, wenn etwas Blaues vor uns im Gras aufleuchtet, stellt es sich beim Näherkommen dann als Traubenhyazinthe heraus.

Ziemlich gefrustet beginne ich daher, noch einige andere Motive zu Fotografieren, bevor ich die Kamera endgültig wegpacke. Meine Stimmung ist am Boden!

Während Claudia nicht aufgeben möchte und noch etwas weiter abseits des Weges sucht, hake ich für mich die Enziane innerlich ab und schlendere langsam wieder in Richtung Öschingen. Und dann leuchtet es vor mir plötzlich erneut blau aus dem Gras. Diesmal aber deutlich intensiver, als bisher. Und es werden beim Näherkommen dann auch keine Traubenhyazinthen, sondern tatsächlich: Frühlingsenzian..! Endlich, ich habe doch noch welchen gefunden!

Claudia kommt auf meinen Zuruf sofort im Laufschritt herbei gerannt und ist ebenfalls ganz aus dem Häuschen. Sie drückt mich vor Freude, bevor wir uns dann beide mit den Kameras über die leuchtenden Blüten hermachen. Und so liegen wir kurz darauf auch beide am Boden, aber stets bedacht, ja keine der jüngeren Blüten zu zerdrücken, die man kaum sehen kann.

Ein älteres Ehepaar passiert uns und schüttelt nur die Köpfe, während sie heimlich miteinander tuscheln. Sie hätten uns auch ruhig den Vogel zeigen können. Aber, ob die wohl gesehen haben, was wir da so begeistert fotografieren? Ich denke nicht..!

Dann kommt jedoch etwas später noch ein weiteres Ehepar vorbei, und die sehen ganz genau, was wir da tun. Und sie haben auch noch einen tollen Tipp für uns:

Weiter hinten, an den Schaf-Stallungen hat es noch viel, viel mehr, als hier..!

Dankeschön, aber für heute sind wir buchstäblich „satt“, und mehr als fotografieren können wir auch nicht. Aber für nächstes Jahr werden wir uns das ganz bestimmt merken! Und vielleicht scheint dann ja sogar die Sonne..?

Glücklich und zufrieden packen wir dann irgendwann die Kameras ein und ziehen vollends hinunter, nach Öschingen, zu unserem Auto. Nein, anschließend habe ich dann nichts mehr fotografiert! Welches Motiv hätte denn da nun auch noch mithalten können..?

Unser Fazit: Eine ganz tolle Tour mit unglaublichen Fotomotiven für alle Naturfotografen. Neben dem (fünfblättrigen) Frühlingsenzian, findet man auf der Schwäbischen Alb im Spätsommer (August bis November) übrigens auch noch den vierblättrigen, gefransten Enzian. Beides sind wahre Raritäten und natürlich entsprechend geschützt! Dass der Frühlingsenzian am Roßberg aber noch in solchen Mengen vorkommt ist einzigartig und wohl ein absoluter Glücksfall.

Strecke: 13,1 Kilometer – 538 Höhenmeter – Dauer: ca. 6,0 Std.

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