Home » Allgemein

Winterspaziergang von St. Märgen nach St. Peter

6 Februar 2012 Kein Kommentar

Minus 16° C ist zwar kalt, aber eigentlich noch nicht problematisch. Man erweitert einfach den Zwiebelschalen-Look noch um eine weitere Lage, und schon wird einem wieder warm. (So weit die Theorie..!)
Allerdings zeigt uns das Außenthermometer im Auto auch nicht die „gefühlte Temperatur“ an, denn die treibt uns nach dem Außssteigen doch rasch die Tränen in die Augen..!

Die Gefühlte Temperatur, der sogenannte Windchill-Effekt, beschreibt eigentlich etwas ziemlich Fieses: Wir wissen alle, dass kalte Luft recht trocken ist. Durch den Wind wird nun kontinuierlich hautnahe – relativ warme und feuchte Luft – vom Körper abgeführt, und von kalter, trockener Luft ersetzt. Auf diese Weise wird auf der Haut jedoch eine Erhöhung der Verdunstungsrate hervorgerufen. Und die für diese Verdunstung erforderlich Energie (Wärme) wird nun einfach zusätzlich aus der Körperoberfläche abgezogen. So kühlt diese aber noch weiter ab und man heizt nun mit seiner Körperwärme eigentlich nicht mehr sich selbst, sondern die Umgebung..!

Die Schneeschuhe in der Hand, ziehen wir im Norden von St. Märgen das schmale Sträßlein hinauf, in Richtung Rankmühle. Der eisige Wind bringt sofort die Haut unter meinem Oberlippenbart zum Spannen, ein deutliches Zeichen dafür, dass mein Hauch im Bart gefriert. Und er treibt mir auch sofort Tränen in die Augen, obwohl ich eine Sonnenbrille trage.
Immer wieder bleiben wir daher kurz stehen und drehen uns zurück, nach St. Märgen – mit dem Rücken zum Wind.
Den hätte ich mir früher manchmal beim Surfen gewünscht..!„, raune ich Claudia in einer solchen Pause zu und knete nebenher kräftig die eiskalten Finger meiner rechten Hand.
Ja..!„, erwidert sie gepresst. „Ist wohl n‘ schöner Vierer..!

Wir werden wohl erst ganz oben am Waldrand etwas Schutz vor dem Wind finden, denke ich mir. Denn dieser kommt hier nun genau von halbrechts, über die freie Fläche. Und ich mache mir inzwischen auch schon etwas Sorgen, wie wir überhaupt die Schneeschuhe anlegen sollen, mit unseren tauben Fingern. Die MSR-Lightnings mögen zwar die besten Schneeschuhe der Welt sein, aber genauso beschissen sind sie leider auch anzulegen..!

Als wir weiter oben dann endlich doch etwas Windschatten finden, holt mir Claudia die dünneren Fleece-Handschuhe aus dem Rucksack. Mit den dicken Goretex-Handschuhen hätte ich zum Schneeschuhe-Anlegen nämlich viel zu wenig Gefühl, und ganz ohne Handschuhe würden mir dabei wohl endgültig die Finger abfallen. Und als ich mit den tauben Fingern – trotz Fleece-Handschuhen – gar nicht mehr weiter komme, hält mir Claudia grinsend ihren Kaffeelöffel hin (Klaus, ich höre Dich bis hierher lachen!). Diese „Geheimwaffe“ hat sie immer dabei, aber normalerweise schaffe ich es auch ohne..!

Inzwischen passiert uns ein älteres Ehepaar im Stechschritt. Er in Cordhosen, sie ohne Handschuhe und  Claudias Blick spricht Bände, auch wenn sie nichts sagt.
Dann sind wir endlich abmarschbereit und testen noch kurz den Schnee: Er ist tief und total verharscht, die Lightnings greifen in ihm ohne einzusinken – klasse!

Noch ein Wort zur derzeitigen Schnee-Situation auf der Strecke St. Märgen – St. Peter: Da es lange nicht mehr geschneit hat, ist der Wanderweg inzwischen völlig ausgetreten. Man bräuchte also eigentlich überhaupt keine Schneeschuhe, um nach St. Peter zu kommen. Aber das konnten wir ja vorher nicht ahnen und außerdem gibt es hier immer genügend Möglichkeiten, dem „Trampelpfad“ auszuweichen. Und unter uns: Auf Schneeschuhen geht es sich halt doch allemal angenehmer..!

Inzwischen sind wir weiter im Westen endlich im Lee des Kapfenbergs angekommen und genießen nun den herrlichen Sonnenschein bei absoluter Windstille. Ganz langsam werden da auch die Finger wieder warm und sogar die Zehen spüre ich schon bald wieder. Das heißt nun aber nicht, dass es wirklich „warm“ geworden wäre: Lediglich der Windchill-Effekt hat sich verflüchtigt! Trotzdem ist es aber immer noch so kalt, dass mir kurz darauf beide Kamera-Akkus zusammenbrechen werden! Ich hätte sie mir wohl doch gleich in die Hosentasche stecken sollen.

Am Anfang der Tour war das Fotografieren aber jedes Mal eine richtige Überwindung gewesen, da ich immer erst den rechten Handschuh ausziehen muss, bevor ich die Kamera überhaupt heraus holen kann. Und mit dem dicken Goretex-Handschuh läßt sie sich nicht bedienen, geschweige denn den Objektivdeckel abnehmen..!

Inzwischen folgen wir dem ausgetretenen Pfad (immer etwas versetzt) in den Wald hinein und erreichen eine ersten Rastplatz. Das Brünnele ist richtig dick vereist und die kleine Wassertret-Stelle zugefroren – zumindest fast..! Auf dem Eis haben sich aber – wohl durch den aufsteigenden Dunst des „wärmeren“ Wassers – sehr filigrane Eiskristalle gebildet. Die sind wunderschön anzusehen! Leider kann ich die Kamera in der Kälte und dem schlechtem Licht kaum ruhig genug halten, um sie im Macro-Bereich wirklich scharf zu fotografieren. (Man möge mir das bitte nachsehen!) Trotzdem werde ich das Foto unten einfügen.

Kurz darauf verlassen wir dann den Waldschatten wieder und genießen erneut die Strahlen der Sonne auf unserer Haut. Obwohl man sie eigentlich kaum spürt, wärmt sie einem doch irgendwie die Seele und man fühlt sich gleich viel besser..!

Parallel zum Waldrand ziehen wir nun über die Anhöhe und beobachten nebenher ein paar Langläufer in der Loipe, links unter uns.
Na.., ganz langsam kommen sie nun doch aus ihren Löchern..!„, schmunzelt Claudia dazu. Tatsächlich nimmt nun sowohl die Anzahl der Langläufer, als auch die der Wanderer sichtbar zu. Es ist inzwischen ja auch schon nach Elf.

An einer Waldecke sehen wir dann zum ersten Mal unser Ziel in der Ferne – St. Peter. Auch das Kloster ist in der klaren Luft schon ganz deutlich auszumachen.
Wir ziehen rechts hinauf und nutzen dabei die Möglichkeit unserer Schneeschuhe, um einfach immer mal querfeldein „abzukürzen“. Nein, natürlich geht es uns dabei nicht um den kürzeren Weg, sondern vielmehr um den unberührten Schnee, über den wir auf diese Weise ziehen dürfen. An einem Bänklein hält Claudia dann unvermittelt an:
Schau mal..!„, ruft sie. „Hier sieht man mal richtig schön, wieviel Schnee es tatsächlich hat. Ist doch einiges..!

Im Wald wird es dann wieder etwas „enger“! Hier hat man nun schon eher Probleme, dem schmalen, tiefen Trampelpfad auszuweichen, den viele Wanderer-Füße in den Schnee getreten haben. Aber auch das gelingt uns immer wieder, zumal die MSR-Lightnigs unter diesen Bedingungen (im Harsch) unglaublich greifen und so fast alles zulassen. Nicht ein einziges Mal kommt einer meiner Schneeschuhe beim ausgelassenen Auf und Ab ins Rutschen.

Wir sehen dieses „Ausweichen“ nun einfach als willkommene Trainings-Einheit für den Umgang mit den Schneeschuhen an, denn in der Ebene kann schließlich jeder mit ihnen laufen..!
Aber gerade bei diesem etwas verzwickten Gehen auf den schmalen Graten neben dem Trampelpfad, lernt man doch ziemlich gut, was man ihnen zutrauen kann. Und wer unseren letzten Bericht gelesen hat, der weiß inzwischen wohl, wie wertvoll dieses Wissen manchmal sein kann!

Und wieder verlassen wir den Wald auf eine breite Wiesen, die man derzeit natürlich nicht sehen kann. Aber wie im Sommer, bieten sie uns auch jetzt wieder wunderschöne Fernblicke, hinüber zu den höchsten Gipfeln des Schwarzwaldes. Aber auch in die Rheinebene. Wir passieren den Vogesenblick und erreichen dann kurz darauf auch die kleine Vogesen-Kapelle.

An dieser Stelle ist Claudia dann totunglücklich, weil sich schon zu Hause ein Foto der Vogesenkapelle im Schnee gewünscht hat und genau in diesem Augenblick der Akku meiner Canon zusammenbricht. Und auch der Ersatz-Akku ist inzwischen viel zu kalt, um noch Leistung zu bringen: Er streikt ebenfalls, obwohl er ganz frisch geladen ist! Also kommen beide erst mal in die warme Hosentasche und es gibt heute (leider) kein Foto der Vogesenkapelle..!

Wir ziehen weiter und nähern uns nun ganz langsam St. Peter. Immer wieder erhaschen wir schon tolle Blicke hinunter, auf das Städtchen und sein Kloster. Aber auch hinüber, zum Hornhof-Häusle, wo wir auf unserer Kandel-Tour so liebevoll aufgenommen worden sind und bei Sandra und Frank sogar im Heu schlafen durften!
Schon bald hat sich dann auch schon der erste Akku wieder erholt und ich bekomme nun doch noch ein paar Fotos, für diesen Bericht. (Das war für mich übrigens das erste Mal, dass ich wegen der Kälte Probleme mit den Kamera-Akkus hatte!)

Hinunter, nach St. Peter bleiben wir uns treu, und ziehen erst mal noch über unberührte Schneefelder abwärts. Irgendwann müssen wir dann aber die Straße überqueren und ab da nimmt der Schnee nun doch zusehends ab. Etwa auf halbem Weg hinunter ziehen wir die Schneeschuhe daher aus und tragen sie.

Nun müssen wir nur noch zusehen, wie wir wieder zurückkommen, nach St. Märgen. Aber auch da haben wir Glück, denn als wir unten in St. Peter ankommen, wartet dort schon der Bus nach Hinterzarten auf uns, der durch St. Märgen hindurch fährt.
So stehen wir dann schon eine halbe Stunde später, glücklich und zufrieden, vor unserem Auto und verstauen Schneeschuhe, Stöcke und Rucksäcke  im Kofferraum.
Inzwischen ist uns richtig warm geworden und auch das subjektive Empfinden besagt, dass die Temperatur inzwischen kräftig gestiegen ist. Umso überraschter sind wir dann, als wir einen ersten Blick auf das Außenthermometer unseres Autos werfen und es uns immer noch -12,0° C anzeigt! So leicht läßt man sich täuschen. Aber jetzt macht uns das nichts mehr..!

Fazit: mit etwas Neuschnee ein toller Schneeschuh-Spaziergang, der absolut auch für Anfänger geeignet ist! Rückkehr mit dem Linienbus. (2,40 Euro / Person).
Strecke: 8,3 Kilometer  –  168 Höhenmeter im Anstieg  –  Dauer ca. 3,0 Std.


Download Track [urldisplaymode=nomap]

Größere Kartenansicht 

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.