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WI – 7. Etappe, von Todtmoos nach Höchenschwand

2 September 2011 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 7 von 9 in der Serie Schwarzwaldwanderidee

Der Garmin piepst schon eine ganze Weile, aber ich kann ihn einfach nicht ausschalten, weil meine Hand immer noch schläft! Irgendwie habe ich mir darin im Schlaf wohl selbst das Blut abgestellt..!
Trotzdem haben wir in dieser Nacht auch im Hotel Schwarzwaldgasthof-Rössle wieder super geschlafen und fühlen uns herrlich erholt. So ziehen wir uns an und gehen dann gut gelaunt hinunter ins Restaurant, zum Frühstücken.

Und das knüpft dann auch gleich wieder an das Niveau vom Vorabend an und Claudia ist schon bei der Auswahl ihres Müsli’s sichtlich überfordert!
Ich bleibe auch heute wieder mal lieber beim „Deftigen“ – Wurst und Käse – bin aber auch hier von der Auswahl begeistert!

Den absoluten Höhepunkt bietet uns dann jedoch die freundliche Dame, die uns den Kaffee serviert: Sie bringt uns eine Vesperbox, damit wir (vom Frühstücksbuffet!) etwas Proviant für unterwegs einpacken können! Und: Sie bereitet uns sogar noch einen Liter gesüßten Schwarztee für unsere Wasserflaschen zu, damit wir unterwegs auch etwas zu Trinken haben! Das ist die Umsetzung der Schwarzwaldwanderidee per Exzellence..!

Dann stellen wir auch hier wieder unser Gepäck in die Lobby und verabschieden uns herzlich von der Fam. Maier und dem Rössle-Team!

Auch heute haben wir wieder eine „kernige“ Etappe vor uns: 23,0 kilometer mit knapp 850 Höhenmeter im Anstieg! Inzwischen sind wir ja bereits sehr weit im Süden unserer Wanderidee-Runde angekommen und die heutige Etappe führt uns dann auch erst mal strikt nach Osten: Über Ibach und den Hohberg (1.063 m), nach St. Blasien. Von dort aus geht es dann – durch das Albtal – aber noch einmal etwas weiter nach Süden, bis zu unserem heutigen Etappenziel: Höchenschwand! Und das Dorf am Himmel, wie es sich selbst gerne bezeichnet, markiert dann auch den allersüdlichsten Punkt unserer Südsteig-Runde mit der Schwarzwaldwanderidee.

Höchste Zeit, hier nun auch einmal etwas näher auf die Anforderungen der neuntägigen Wander-Tour einzugehen:

Wer Wandern ohne Gepäck hört, der sollte sich davon auf gar keinen Fall dazu hinreißen lassen, die einzelnen Tagesetappen dieser Tour, mit Spaziergängen zu verwechseln..! Die Wanderidee-Südsteig-Runde ist nämlich eine echte Herausforderung und stellt wohl auch den anspruchsvollsten Wanderer zufrieden! Neben den 180 Streckenkilometern, wollen nämlich auch die 5.250(!) Höhenmeter erst mal bewältigt werden! Und dabei bitte nicht vergessen, Ihr seid auf einer Rundwanderung: Bevor sich deren Kreis schließt, müssen nämlich alle Höhenmeter nicht nur hinauf gegangen werden, sondern schlussendlich auch wieder hinunter..!
Claudia und ich sind große Touren ja eigentlich gewohnt, aber in der Summe der bisherigen Südsteig-Etappen tun uns inzwischen morgens auch schon ordentlich die Knochen weh. Aber – sorry – das gehört einfach zu einem richtigen Wander-Abenteuer dazu..!

Die Wanderidee-Südsteig-Runde führt zudem durch die einsamsten Regionen des Hoch-, und Südschwarzwaldes (Hotzenwald), was natürlich Ruhe und Erholung garantiert (Man wird ganz zwangsläufig mal wieder so richtig „sauber“ im Kopf!). Allerdings ist man auch immer wieder mal – für lange Stunden – weit weg von jeder Unterkunft, jedem Wetterschutz, jedem Handynetz(!) und oft natürlich auch von jeder Einkehrmöglichkeit! Darauf sollte man vorbereitet sein und den Tagesrucksack jeweils gut für die einzelnen Etappen präparieren, denn er ist im Notfalls wirklich alles, was man noch zur Verfügung hat!

Auch was die Orientierung angeht, solltet Ihr stets gut präpariert sein: Immer wieder fehlen unterwegs Schilder und lassen das Finden des weiterführenden Weges so zur portlichen Herausforderung werden. Eine gute Karte ist daher ein MUSS und die GPS-Daten zusätzlich noch auf dem I-Phone, oder dem Garmin zu haben, bietet zusätzliche Sicherheit!
Ihr seht, der Begriff Gepäcktransfer ist also sehr relativ zu sehen und meint wirklich nur die Koffer, die im Hotel zurückgeblieben sind! Mit dem Rest auf dem Buckel, erlebt man dann aber mal wieder ein richtig, tolles Abenteuer – und das sogar mit Halbpension..!

Die heutige Etappe führt uns nun vom Hotel Schwarzwaldgasthof-Rössle erst mal vollends hinunter, nach Todtmoos. Wir streifen das hübsche Städtchen aber nur ganz kurz und werden dann sofort wieder links hinauf geführt, zum Ibacher Kreuz.
Dieser Weg, durch die untere Wehra-Schlucht ist schmal und steil und daher auch wieder mal so richtig nach unserem Geschmack! Wir kennen ihn zudem auch schon recht gut, denn auf unserer Schluchtensteig-Trekking-Runde haben wir hier einmal im Zelt übernachtet.

Am Ibacher Kreuz überqueren wir dann die Straße und werden nun auf einen Weg geführt, den wir bisher noch nicht kennen. Er führt aber ebenfalls hinüber, nach St. Blasien und schneidet dabei den Schluchtensteig wohl auch immer wieder. Wir erreichen die Höhen oberhalb von Ibach, und müssen dort schmunzeln, als wir den Bauernhof wiedersehen, an dem wir damals unsere Wasservorräte ergänzt haben. Schöne Erinnerungen, an ein früheres Abenteuer..!

In diesem Bereich sehen wir nun natürlich auch wieder altbekannte Wegzeichen und uns fallen auch sofort die vielen Wanderer auf, die hier mit großem Gepäck unterwegs sind: Wir befinden uns wieder auf dem Schluchtensteig..!
Mit einigen von ihnen kommen wir kurz ins Gespräch und ein Wanderer-Pärchen erkennt uns sogar: „Entschuldigung..!“, tönt es nämlich plötzlich von hinten, als wir schon an ihnen vorbei sind, „Seid Ihr nicht Rainer und Claudia..?“

Solche Erlebnisse erfreuen uns natürlich immer wieder ganz besonders und wir unterhalten uns dann auch eine ganze Weile mit ihnen. Sie haben ihre Schluchtensteig-Tour (auch) anhand unserer Trekking-Berichte vorbereitet, erzählen sie uns stolz! (Und wie stolz ich erst darüber war, das habe ich dann hinterher nur Claudia ganz alleine erzählt!)

Immer wieder überqueren wir nun unterwegs auch Hochweiden. Dabei sollte man aber unbedingt darauf achten, auch alle Gatter und Zäune nach dem Passieren wieder zu schließen! Und man sollte den Warnungen auf den Schildern durchaus etwas Beachtung schenken, denn nicht jeder pupertierende Jungbulle ist gerade zum Streicheln-Lassen aufgelegt..!

Immer wieder passieren wir entlang des Weges kleinere und größere Rinderherden und lassen uns so ständig vom leisen Kling-Klong ihrer Glocken berieseln. Die meisten liegen inzwischen träge in der Sonne und kauen nur noch genüsslich vor sich hin.
Claudia ist zudem völlig begeistert, von den vielen, kleinen Feldern an blühender Erika (Heidekraut) die wir immer wieder zwischen den karkeren Felshalden finden. Kleine, lila Flecken, zwischen dem saftigen Grün.

Langsam senkt sich unser Weg nun abwärts und wir hören irgendwann auch wieder Autos. Komisch, das fällt einem immer erst dann (unangenehm) auf – bemerke ich plötzlich – wenn man sie wieder fahren hört! Die Stille hingegen (wenn ihre Geräusche nach und nach ausbleiben) nimmt man hingegen überhaupt nicht wahr..!
An der Urberger Säge erreichen wir dann die Landstraße, hinunter nach St. Blasien und rasten noch einmal auf Holzstämmen im Schatten. Inzwischen meiden wir die Sonne wieder, wo es nur geht, denn „der Planet sticht“..!
Dann ziehen wir auf einem breiten Weg vollends hinunter, bis nach St. Blasien. Aber noch kurz vor dem Städtchen führt uns der Weg schon wieder nach rechts und immer entlang der Alb, an der Domstadt vorbei.

So erreichen wir bald den Albstausee und umrunden ihn auf der rechten, der Straße gegenüber liegenden Seite. Diese Uferseite kennen wir bisher auch noch nicht und genießen daher die neue Wegführung auch richtig.
Irgendwann stoßen wir dann auf ein Kneipp-Becken, das kontinuierlich von frischem Quellwasser versorgt wird und Claudia sieht mich schon fast flehend an:
„Haben wir fünf Minuten Zeit, um uns schnell mal etwas abzukühlen..?“
Klar, inzwischen ist es nämlich auch im Waldschatten wieder richtig heiß geworden und da Claudia ohnehin immer ein großes Mikrofaser-Handtuch im Rucksack hat, dürfte es anschließend auch mit dem Abtrocknen kein Problem geben!

Wir ziehen Schuhe und Strümpfe aus und ich kremple mir die Hosenbeine hoch, dann stehen wir auch schon im Becken und ich halte unwillkürlich die Luft an:
„Sch…e, ist das Quellwasser kalt..!“

Ich schieße trotzdem einige Fotos und umrunde das Tret-Becken auch einmal völlig, wenn auch mit zusammengebissenen Zähnen, dann fühle ich mich (für den Augenblick) erfrischt genug. Und während ich schon draußen sitze und mir die Füße abtrockne, dreht Claudia immer noch genüsslich ihre Runden.

Als wir eine viertel Stunde später wieder weiter gehen, habe ich dann plötzlich das Gefühl, meine Füße würden (in den warmen Schuhen) kochen:
„Ich glaube, ich hätte besser mit den Stiefeln ins Wasser gehen sollen..!“, schmunzle ich Claudia zu und die bleibt auch sofort stehen:
„Geh’n wir noch mal..?“ 

Claudia und Wasser: Jeder Tümpel, der tiefer als dreißig Zentimeter, und wärmer als 16 °C ist, gilt für sie als potentielles Badegewässer!

Dann erreichen wir das untere Ende des Albstausees und folgen dem Weg über die Staumauer, hinüber zur Straße. Etwas weiter unterhalb der Staumauer führt dieser dann auf der anderen Straßenseite gleich wieder links aufwärts. Das übersehen wir mal wieder und drehen daher eine kleine Ehrenrunde auf der rechten Straßenseite. Dann bemerken wir unseren Fehler jedoch und finden auch rasch zurück, auf den Original-Südsteig-Verlauf.

Und der hier zum Schluss der Tagesetappe dann auch noch mal was echt Fieses für uns auf Lager: Nun geht es nämlich noch einmal etwa 270m Höhenmeter so richtig steil aufwärts! (Siehe Höhendiagramm!)
Nein! Nicht, dass ich irgend etwas gegen Anstiege beim Wandern hätte, aber der hier ist wirklich fies! Lang und steil, hart und breit, und zudem auch noch ewig weit einzusehen! So könnt Ihr immer ganz gut abschätzen, wie lange Ihr Euch nun noch quälen müsst! Dafür ist dann aber auch der abendliche Tiefblick, hinab ins Albtal so richtig gigantisch..! (Siehe Titelbild..!)

Und „oben“ gibt es dann auch gleich noch mal etwas zum Knobeln: Hier zeigt an einer Abzweigung nämlich ein altes Südsteig-Zeichen nach rechts und unterstützt so eigentlich auch die Wegezeichen des Schwarzwaldvereins nach  Höchenschwand. Aber ein neues Südsteig-Zeichen weist hingegen nach links..!
(Jetzt würde ich mich gerne mal für einen Augenblick mit dem „unterhalten“ dürfen, der hier ausgeschildert hat..!)
Also, was jetzt? Wir beweisen Vertrauen in die neue Ausschilderung und halten uns daher auch wieder so lange links (..und abwärts! Höchenschwand liegt aber oben, auf der Höhe!), bis es mir zu blöd wird und ich einfach einem schmalen Trampelpfad, steil rechts hinauf folge. Und das ist dann auch die richtige Entscheidung, denn kurz darauf stehen wir oben, am Ortseingang von Höchenschwand!

Wir checken im etwas betagten (aber pico-bello-sauberen!) Porten’s Hotel Fernblick ein und bekommen von der freundlichen Empfangsdame mitgeteilt, dass man uns für den Abend einen Tisch im Spezialitäten-Restaurant Hubertusstuben reserviert hätte! Na denn..!

Wir machen aber erst mal jeder eine Flasche Apfelschorle nieder, dann duschen wir und ziehen uns um. Anschließend schlendern wir zum Ortskern von Höchenschwand und betreten dort die recht feudalen Hubertusstuben.

Ich muss sagen, ein derart hohes, kulinarisches Niveau, hätte ich auf unserer Südsteig-Tour mit der ersten Schwarzwaldwanderidee (insgesamt!) nicht erwartet! Und heute bekommen wir diesbezüglich sogar nochmal ein „I-Tüpfelchen“ obendrauf gesetzt!
Der Restaurant-Chef geleitet uns umgehend an unseren reservierten Tisch und dort werden wir auch sofort von einem Service umringt, der diesen Namen wirklich gerecht wird!

Wir entscheiden uns für ein kleineres Menü und beginnen mit einem Cherry. Kurz darauf meldet sich jedoch schon wieder der Ober mit „einem Gruß aus der Küche!„: Wachtelbrüstchen an  Avokado-Creme…!
Zu unserer Schande müssen wir und eingestehen, das wir beide bisher noch nie Wachteln gegessen haben! Aber diese hier sind wirklich große Klasse! Und auf diesem Niveau geht es dann mit den einzelnen Gängen auch weiter und ich denke, wir lassen dazu einfach mal die Bilder sprechen..!

Aber ganz zum Schluss gibt es dann sogar noch selbstgemachte Pralinen, was mich als gelernten Konditor natürlich besonders freut!

Als wir irgendwann wieder ins Hotel zurück-schlendern, ist es schon längst dunkel und wir genießen den kurzen Spaziergang durch die ausgesprochen milde Sommernacht. Auf dem Rasen des Kurparks leuchten viele, bunte Kugeln und mobilisieren unsere Kräfte sogar noch für einen kleinen Foto-Abstecher.

Dann hängt sich Claudia bei mir ein und sagt ganz leise und sehr zufrieden: „Das hier ist wirklich ein Dorf, ganz nah‘ am Himmel..!“
Doch, der Slogan von Höchenschwand hat ‚was und irgendwie fühlen wir uns wohl auch gerade beide so! Ganz nah, am Himmel..!

Und während Claudia schon lange wieder seelig schläft, verschicke ich noch die letzten Emails mit den Fotos vom Tag…

Fazit siebten Etappe, Todtmoos – Höchenschwand:

23,0 Kilometer mit 841 Höhenmeter im Anstieg. Unser Garmin zeichnete folgende Daten auf: 24,0 Kilometer mit 837 Höhenmeter im Anstieg und 719 Höhenmeter im Abstieg. Dauer:  ca. 9,0 Std. (Gemütlich und mit vielen Foto-Stopps!) Achtung: Die Etappe ist erneut sehr anstrengend, vor allem durch den gewaltigen Schlussanstieg!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



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WI – 6. Etappe: Von Todtnau-Fahl nach TodtmoosWI – 8. Etappe, von Höchenschwand nach Rothaus

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