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WI – 6. Etappe: Von Todtnau-Fahl nach Todtmoos

31 August 2011 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 6 von 9 in der Serie Schwarzwaldwanderidee

Langsam spüre ich morgens meine nächtlichen EDV-Aktivitäten! Durch das Bearbeiten und Versenden von aktuellen Fotos bin ich bisher noch nicht ein einziges Mal vor halb Eins ins Bett gekommen! Aber Claudia kann mich auch heute wieder überzeugen, aufzustehen: „Raus aus der Falle, mein Schatz und auf, zur Königs-Etappe..!“, tönt sie frohgemut aus dem Bad!

Die Königs-Etappe, das sind 22,0 Kilometer mit 950 Höhenmeter – ich möchte bitte erst ‚mal Frühstücken..!

Nach einem ausgiebigen Frühstück werden wir auch von Doris und Frank, dem Lawine-Team, sehr herzlich verabschiedet. Doris überzeugt uns noch, zwei Halbliterflaschen Wasser einzupacken (das war ’ne super Idee, Doris!), dann folgen wir dem Weg nach links, zur Liftstation. Hier überqueren wir die Straße und ziehen nun gleich fühlbar aufwärts.

Bald haben wir uns einen tollen Tiefblick, hinunter auf die Schwarzwald-Kaserne erarbeitet, können aber von hier aus auch schon den ganzen Feldberggipfel überblicken.
Und der Weg zieht immer noch weiter aufwärts. Er umrundet den Silberberg im Westen und windet sich dann hinüber, zum Bernauer Kreuz, mit der kleinen Schutzhütte am Rastplatz. Die Generalrichtung der heutigen Etappe ist eindeutig Süden!
Unterwegs passieren wir dann irgendwann auch noch den Einstieg zum Silberberg-Felsensteig und ärgern uns einmal mehr, über die großen Schilder, die ihn seit Neustem als gesperrt ausweisen. (Dabei darf er auf eigene Gefahr wohl immer noch begangen werden, aber eindeutige Schilder würden natürlich nicht die erwünschte „Verkehrs-Beruhigung“ bringen..!)

Obwohl es in der Nacht geregnet hat, brachte das keine wirkliche Abkühlung und Claudia macht einen kurzen Boxenstopp, um ihren Sonnenhut gegen ihr rotes Lieblingstuch mit den weißen Punkten zu wechseln. Heute trägt sie es mal als Stirnband.
Am Bernauer Kreuz nehmen wir dann das Angebot der Sitzbank an und verweilen kurz. Aber nur, bis uns eine ganze Horde „Wanderer“ aufschreckt. Mit unglaublicher Lautstärke poltern sie durch den Wald und haben unterwegs wohl auch so ziemlich alle Themen parat, die das Wandern und die Natur nicht unmittelbar berühren. Als sie ebenfalls Anstalten machen, hier zu rasten, fliehen wir..!

Wir überqueren einen kreuzenden Weg und folgen dann dem breiten Wirtschaftsweg abwärts. Nach der nächsten Kurve haben wir dann wieder unsere Ruhe und ich sehe, wie Claudia noch einmal schweigend den Kopf schüttelt. Nein, derart große Wander-Gruppen sind nicht unser Ding..!

Wir überqueren auf dem Wirtschaftsweg noch den Wildbach mit seinen hübschen Gefällstufen und halten uns dann gleich rechts hinunter. Schon wenige Meter weiter nimmt uns hier wieder einer unserer geliebten Trampelpfade auf. Dieser hier wird aber wohl zu selten begangen, um völlig offen zu bleiben: Schmal und eng quert er die doch recht steile Halde, des Hochwaldes. Immer wieder streifen wir dicht an den nieder gehaltenen Buchen-Büschen, der linken Wegbegrenzung entlang.

Leider ist dieser Spass sehr schnell wieder vorbei und ein recht breiter, uns gut bekannter Weg nimmt uns auf: Der Westweg (Ostvariante)! Er führt uns nun vollends hinüber, zum Blößling (1.310 m) und über den Hohen Zinken, zum Hochkopf. Erst dort werden wir ihn wieder verlassen, und dann vom Südsteig noch die letzten Kilometer nach Todtmoos hinunter geführt werden! Dieser  Abschnitt ist einer der Schönsten und Wildesten, des gesamten Südsteiges!

Kaum haben wir den Westweg betreten, schlägt das Wetter um und es fallen erste Regentropfen. Wir sehen erst mal kritisch zum Himmel, da wir nur wenig Lust verspüren, uns wegen ein paar einzelner Tropfen umzuziehen. Dann überzeugt uns Petrus aber doch und wir suchen unter einer dichten Fichte Schutz.
Aber wie sollte es anders sein: Kaum sind wir mit dem Umziehen fertig, hört es auch schon wieder auf zu regnen! Wir nehmen’s also mit Humor und packen (bis auf Jacke und Raincover) alles wieder ein. Lieber so, als den restlichen Tag im Regen herum zu laufen..!

Beim Aufstieg zum Blößling werden wir ganz langsam von zwei Mountainbikern überholt. Nach ein paarhundert Meter sitzen sie dann im Schatten auf dem Boden und machen Pause.
Bis später..!“, lächle ich ihnen im Vorbeigehen zu.
Mal sehen..!„, antwortet das Mädchen von ihnen nur gequält. Wir sehen sie nicht mehr…

An einer Bank teilt sich der Weg dann. Ein Fußpfad knickt hier scharf nach rechts und führt schmal und schattig aufwärts. Aber schon bald erreichen wir auf ihm auch die von Stürmen freigeräumte Gipfelkuppe. Nun kämpfen wir uns weiter im vollen Sonnenschein aufwärts und suchen unterwegs nach jedem Quadratmeter Schatten.

Während wir kurz verschnaufen, erreichen uns von unten zwei andere Wanderer. Beide sind völlig nass geschwitzt und tragen nur noch Unterhemden.
Der Blößling ist doch kein richtiger Berg..!„, höre ich den Führenden gerade überheblich lamentieren, als sie in einer üblen Schweißwolke an uns vorbei ziehen und kann mir dann auch ein deutliches „Schwätzer..!“ nicht verkneifen.
Oben sitzen die Beiden dann (ohne Sonnenhut!) in der Mittagshitze der prallen August-Sonne und machen Pause. Claudia schüttelt nur wortlos den Kopf, während wir uns in den Schatten der Gipfel-Schutzhütte verziehen, wo es natürlich deutlich erträglicher ist.

Nach kurzer Zeit scheint es sich hier aber irgendwo, in einem Wespenstaat, herumgesprochen zu haben, dass es bei uns gerade „Vesper“ gibt. Und als die Tierchen dann immer zutraulicher werden, beschließen wir, lieber weiter zu ziehen.
Noch ein kurzes Foto vom Gipfel, dann kehren wir ihm den Rücken und ziehen über einen Graspfad wieder abwärts.

Nun liegt das absolute Highlight der heutigen Etappe vor uns: Über das Prager Eck ziehen wir hinüber, zum Leder Tschobenstein! Die Zwischenziele lauten: Hohe Zinken (1.242 m) und Hochkopf (1.263 m)! Wir bleiben also erst mal „oben“!

Nach kurzer Strecke wird der Weg dann wieder zum Pfad und schneidet durch eine Halde im Waldschatten. Kurz darauf erreichen wir hinter dem Gipfel des Hohen Zinken den Kammrücken, und folgen diesem nun fast bis ganz hinüber, zum Hochkopf.

Dieser Bereich ist traumhaft schön und urwüchsig gehalten, ein echtes Wandererlebnis! Nur ein sehr schmaler Trampelpfad erschließt das Gebiet für den Wanderer und hält – durch die deutlichen Anstrengungen des Auf-, und Abstieges – auch die großen Massen fern. So ist man hier oben dann auch überwiegend alleine unterwegs, oder trifft vielleicht auch mal ein paar Gleichgesinnte.

Schon lange haben wir kein Geräusch der Zivilisation mehr gehört, nur noch das Zwitschern der Vögel, das Summen der Insekten und natürlich unsere eigenen Schritte, im hohen Gras. Sonst herrscht hier oben absolute Stille!

Wer also gerne mal wieder „sauber“ werden möchte, im Kopf – hier seid Ihr richtig..! (Zumindest findet ihr hier oben die besten Voraussetzungen dafür!)

Inzwischen leiden wir beide aber schon ziemlich Durst. Es ist brütend heiß und wir sind es einfach nicht gewohnt, mit so wenig Flüssigkeit zu wandern. Sich morgens (zu Hause) den Tee selbst zu machen, ist einfach anders, als im Hotel danach fragen zu müssen..!
Diesen Punkt, so wie auch die Sache mit dem ungeliebten Vesper-Einpacken vom Frühstücks-Buffet, werden wir mit den Wirten der Wanderidee noch klären müssen. Die Etappen sind einfach zu lange und zu anstrengend, um völlig ohne Vesper und Getränke unterwegs zu sein. Und nicht immer bietet sich unterwegs die Gelegenheit, zur Einkehr! Heute zum Beispiel, auf der Königs-Etappe!

Kurz vor dem Hochkopf erreicht unser Pfad, neben einem Sendemast, dann wieder breitere Wanderwege. Hier ziehen wir nun hinunter, in Richtung Todtmoos. Schon bald verlassen wir den breiten Wirtschaftsweg aber wieder und schwenken erneut auf einen schmalen Pfad ein. Der Hinweis auf dem Schild „Über Hochkopf-Brünnele“ lässt mich dann meine trockene Zunge gleich noch einmal deutlicher spüren! Sollten wir vielleicht Glück haben..?

Tatsächlich! Nach kurzer Strecke führt unser Pfad an einer gefaßten Quelle vorbei, an der wir unsere Trinkflaschen füllen und auch erstmal ausgiebig trinken. Das Quellwasser ist so kalt, dass mir beim Befüllen rasch die Finger weh tun..!

Nun geht es sich gleich wieder viel leichter und ein breiter Wirtschaftweg führt uns hinunter, an die Straße Bernau – Todtmoos. Als wir die ersten Häuser von Todtmoos sehen ist es dann auch schon fast geschaft und wir erreichen bald unser Ziel, das Hotel Schwarzwaldgasthof Rössle.

Auch hier werden wir wieder sehr herzlich empfangen. Unser Gepäck ist bereits auf dem Zimmer und so können wir dann auch zuerst einmal im schattigen Biergarten Platz nehmen und unseren Durst stillen. Aschoooo..!

Als wir dann unser Zimmer betreten, rutscht uns aber doch zuerst mal ein überraschtes „Whow..!“ heraus! Seht selbst…

Das Zimmer ist zwar nicht übermäßig groß und hat auch ein verhältnismäßig kleines Bad. Aber es ist derartig hübsch und geschmackvoll eingerichtet, dass wir beide erst einmal sprachlos sind! Dazu haben wir dann noch einen unglaublich großen Balkon, mit Liegestühlen.

Doch, hier kann man es wirklich aushalten..!

Wir duschen und ziehen uns um, dann gehen wir hinunter ins Rrestaurant. Heute gibt es ein Spezialitäten-Schwarzwald-Buffet und wir sind inzwischen nicht nur hungrig, sondern auch schon richtig gespannt..!

Mehrmals bedienen wir uns am kalten und warmen Buffet und lassen uns auch noch einen tollen Flan zum Dessert schmecken. Noch „ä Verriesserle“ (Verreißerle!) zum Abschluss, dann geht wirklich nichts mehr! Wir sind beide wieder mal kurz vor dem Platzen..!

Anschließend setzen wir uns noch lange mit dem Inhaber, Herrn Maier zusammen und unterhalten uns mit ihm ebenfalls über die Wanderidee und den Südsteig. Und als ich dann meine letzten Fotos vom Tag per Email verschicke, ist es auch heute schon wieder kurz vor Eins.

Trotzdem: Was für ein toller Wanderurlaub..!

Fazit sechste Etappe, Todtnau-Fahl – Todtmoos (Königs-Etappe!):

22,0 Kilometer mit 950 Höhenmeter im Anstieg. Unser Garmin zeichnete folgende Daten auf: 22,9 Kilometer mit 1.029 Höhenmeter im Anstieg und 1.021(!) Höhenmeter im Abstieg. Dauer:  ca. 9,0 Std. (Gemütlich und mit vielen Foto-Stopps!) Achtung: Die Etappe ist ebenfalls wieder sehr anstrengend (Königsetappe!), durch den insgesamt gewaltigen An-, und Abstieg!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



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WI – 5. Etappe: Vom Wiedener Eck nach Todtnau-FahlWI – 7. Etappe, von Todtmoos nach Höchenschwand

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