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WI – 4. Etappe: Vom Notschrei zum Wiedener Eck

29 August 2011 Ein Kommentar

Ein Aufstieg zum Belchen-Gipfel (1.414 m) ist immer etwas Besonderes, auch für uns. Ganz besonders dann, wenn man ihn von seiner wilden Nordseite her, über die „Krinne“ angeht..!
Wir haben auch im Schwarzwald-Waldhotel am Notschrei super geschlafen und sind zeitig beim Frühstück. Und auch das ist natürlich wieder vom Feinsten, wie alles hier! Claudia schwelgt erst mal in Müsli und Joghurt, ich halte mich eher an die deftigen Sachen – Brötchen, Wurst und Käse! Gegen Neun verabschieden wir uns dann und brechen auf..!

Erneut überqueren wir die Pass-Straße zum Schauinsland und folgen dem Südsteig in Richtung Wiedener Eck. Unser Gepäck wird wieder – via Gepäcktransfer – voraus transportiert.

Im Gegenuhrzeigersinn dreht der Weg nun nach Südwesten und folgt einmal mehr dem Verlauf des Westweges. Daher kennen wir die vor uns liegende Etappe – zumindest bis zum Belchengipfel – nun auch schon von unserem Trekking-Abenteuer her. Ein Grund mehr, sich darauf zu freuen!

Ein wahrer „Schilderbaum“ am Wegrand lässt uns schmunzeln. Alles dran, was man unterwegs braucht: Südsteig, Westweg und auch sonst noch einiges..!

Wir durchqueren noch einmal das kleine Hochmoor (NSG) und bewundern dabei auch heute wieder das unglaublich saftige Grün der Pflanzen, in diesem Idyll. Hier wurde früher Torf gestochen, was man immer noch deutlich erkennen kann.
Auf angenehm zu gehenden Wegen umrunden wir dann den Trubelsmattkopf im Westen und genießen dabei – zwischen gewaltigen Wolkenbergen hindurch – immer wieder mal tolle Fernsichten, bis hinüber in die Rheinebene.

 

In diesem Bereich sehen wir zudem ein paar tolle Exemplare von Fliegenpilzen, die wir natürlich auf einem Foto festhalten. Aber auch liebevoll gezimmerte Schwarzwaldbrünnele, in denen der Wanderer wohl getrost seinen Durst löschen kann, finden sich immer wieder am Wegesrand. (Warum sollte auch jemand Wasser auffangen und dem Wanderer anbieten, wenn man es nicht trinken darf..?)

Und dann erreichen wir endlich wieder jene phantastischen Hochweiden, auf die wir uns bereits seit dem Frühstück gefreut haben. Sie zu überqueren, ist (wohl im gesamten Schwarzwald) ein ganz besonderes Erlebnis, denn irgendwie will diese phantastische Landschaft, mit ihrer unglaublichen Aussicht, gar nicht so recht hierher passen! Genau auf dem Kamm eines langgezogenen Bergrückens ziehen wir endlos abwärts – traumhaft! Man würde diesen traumhaft schönen Pfad wohl eher irgendwo in Neuseeland erwarten, als hier im Südschwarzwald..!

Unwillkürlich macht Claudia vor mir dann auch langsamer, als wollte sie dieses Erlebnis nun gerne etwas ausdehnen.
Die Stimmung ist aber auch wirklich unglaublich: Von überall her hören wir die Rinder auf den Weiden von ganz nahe „Muhen“, ohne auch nur eines von ihnen sehen zu können. Noch sind sie nämlich alle im toten Winkel, etwas unterhalb von uns und wohl auch ziemlich gleichmäßig, rund um uns herum verteilt! Was für ein Konzert..!

Wo der Pfad dann eben ausläuft, hat der Schwarzwaldverein die Wegführung neuerdings etwas geändert: Der Westweg (und damit auch der Südsteig) umgeht nun den großen Bauernhof, über dessen Grundstück er zuvor, mitten hindurch geführt hat. Dahinter führt er uns dann jedoch wieder – wie früher – über die linke Flanke eines lieblichen Hochschwarzwald-Hochtales aufwärts.

Noch einmal gewährt uns der Wegverlauf hier immer wieder phantastische Fernsichten und wunderschöne Hochschwarzwald-Panoramen, dann erreichen wir das Wiedener Eck.

Genau gegenüber dem gleichnamigen Berghotel (unserem Tagesziel!) befindet sich das Westweg-Tor „Wiedener Eck“. Auch heute passieren wir also unser Hotel schon zur Mittagszeit, um dann in einem großen Bogen (der uns später sogar über den Belchengipfel führen wird!), gegen Abend zu ihm zurück zu kehren.

Im Augenblick denken wir aber noch nicht an diese Rückkehr, denn wir freuen uns nun zuerst einmal auf den abenteuerlichen Belchenaufstieg, den wir ja schon von unserer Westweg-Tour her kennen! Abenteuerlich deswegen, weil er uns – über ganz schmale Trampelpfade – durch die steile Belchen-Nordseite (die Wetterseite!), hinauf zum Gipfel führt!

Der Aufstieg beginnt eigentlich recht harmlos und über breite Wanderpfade. Diese werden jedoch rasch schmaler und winden sich dann – entlang immer steiler werdenden Halden – durch den Wald. Und schon bald bekommen wir auch einen ersten Vorgeschmack über die Bedeutung des Begriffes „Wetterseite“! Immer wieder ziehen nun nämlich dichte Nebelfahnen durch den Hochwald. Dicke Wolken, die von den Vogesen zu uns herüber treiben und hier auf das Belchen-Massiv stoßen. Da es jedoch sehr warm ist, verbreiten sie eine feuchte, schon fast unwirkliche Tropen-Stimmung im Wald.

Wir kommen uns bald vor wie in einer Waschküche und schwitzen mächtig, daher nützen wir auch jede Gelegenheit aus, um zu trinken..! Das Terrain lässt uns solche „Bagatellen“ jedoch immer wieder rasch verdängen, denn die Wegführung nimmt einen hier voll in Anspruch: Wohl nur wenige Pfade sind im Schwarzwald so beeindruckend, wie dieser Belchenaufstieg. Und seine Tiefblicke muss man – wenn die Sicht gerade mal frei ist – woanders auch lange suchen..!

Claudia geht sehr konzentriert und ich bemerke, wie sie jedesmal, wenn die Sicht nach unten wieder freier wird, etwas verkrampft..! Inzwischen hat sie ihre Höhenangst jedoch ziemlich gut im Griff – mein Kompliment! Die eigentliche Angst ist bei ihr zwar immer noch vorhanden, aber anstatt sich immer noch von dieser Angst beherrschen zu lassen, beherrscht sie hingegen heute die Angst! Meistens zumindest..!

Die letzten Meter bringen dann noch einmal eine deutliche Steigerung: Die Szenerie wird hier nun im Nebel schon fast gespenstisch und erst als wir oben den ebenen Gipfelpfad erreichen, sehen wir wieder, wo wir eigentlich sind – es ist unglaublich..!

Als wir den schmalen, den Gipfel umrundenden Pfad erreichen, werden wir von der Wegführung des Südsteiges aber einmal mehr, etwas verunsichert: Der Weg teilt sich hier nämlich und während der Westweg nun vollends hinaufzieht, zum Gipfel (400m), führt uns der Südsteig direkt weiter zum Belchenhaus. Wir folgen ihm jedoch brav und holen den Gipfelanstieg dann von dort aus nach.

Dort angekommen, wechseln die Eindrücke dann mit den vorbeiziehenden Wolken im 10 Sekunden-Takt: Aussicht da, Aussicht wieder weg..! Trotzdem sind wir einmal mehr vom Belchen begeistert und ziehen anschließend auch frohen Mutes wieder zum Belchen-Haus hinunter, um uns dort ein wohlverdientes Apfelschorle zu gönnen. Und ich verrate wohl kein Geheimnis, wenn ich hier erzähle, dass dieses dann (bei beiden!) auch so richtig „gezischt“ hat..!

Nach der wohlverdienten Rast folgen wir dem Südsteig-Wegweiser, direkt vor dem Belchenhaus, abwärts. Leider sollte es der letzte Wegweiser für längere Zeit sein und so stoßen wir hier völlig überraschend auf ein Problem, mit dem wir überhaupt nicht gerechnet haben:
Da der Südsteig nicht (wie beispielsweise der Westweg) in Wanderkarten verzeichnet ist, verlieren wir den richtigen Weg nun völlig! Wir wissen zwar, wo wir sind und natürlich auch wo wir hin wollen, aber leider nicht auf welchem Weg!!! Und davon gibt es hier natürlich eine recht große Auswahl..!

Der direkte Weg hinunter, zur Talstation war dann auch schon mal falsch, erfahren wir später. Und damit ist natürlich auch jede weitere Variante falsch, die wir nun von dort aus einschlagen können. So halten wir uns an der Talstation erst mal über eine Art „Märchenpfad“ abwärts, und erreichen so wieder die normale Straße, hinüber zum Wiedener Eck. Genau uns gegenüber ist hier auch ein entsprechender Pfeil, der uns auf einen Wanderweg führt und etwas später finden wir sogar noch Wegezeichen des Schwarzwaldvereins zum Wiedener Eck. Aber das war’s dann auch schon! Nun hat uns sogar der SWV verlassen..! (Keine Schwarzwald-Vereins-Wegezeichen mehr!)
Gemeinsam mit vier anderen Wanderern, die zwar nicht auf dem Südsteig unterwegs waren, aber – wie wir – ebenfalls zum Wiedener Eck wollten, stehen wir dann kurz darauf mitten in der „Pampa“ und wissen alle nicht mehr so recht weiter!
Auch wenn Claudia und ich eigentlich mit der „Wanderidee“ unterwegs sein sollten, mir sind diese „Wanderideen“ nun gerade mal – so ziemlich alle – ausgegangen..!

Karte und Garmin verhinderten natürlich jede Orientierungslosigkeit (das haben wir den anderen Vieren voraus!) aber auf den Südsteig zurück zu finden, gebe ich an dieser Stelle auf und wähle nun nur noch den kürzesten Weg – erst mal ein Stück entlang der Straße..!
1,0 Kilometer vor dem Wiedener Eck stolpern wir dann wieder – mehr durch einen reinen Zufall – auf ein Südsteig-Wegzeichen und folgen ihm vollends zum Hotel.

Stinksauer (über mein eigenes Unvermögen!) bitte ich die nette Dame, die uns im Berghotel Wiedener Eck überaus herzlich empfängt, dann auch erst mal um einen doppelten Cognac und einen Espresso: Der Zorn ist in diesem Augenblick eindeutig stärker, als mein Durst und sogar Claudia verkneift sich dazu jeden Kommentar..!
Der Cognac, und wohl auch das bezaubernde Lächeln der netten Bedienung, wirken dann aber wahre Wunder und so bin ich sehr schnell wieder auf „Lehrlauf-Drehzahl“ angekommen!

Wir beziehen das (hier ebenfalls!) tolle Hotel-Zimmer und duschen dort erst mal ausgiebig, in einem erwähnenswert schönen Badezimmer! Danach wieder etwas Fußpflege, anziehen und dann Abendessen, unten im Restaurant.
Hier bedienen wir uns zuerst am feinen Salat-Buffet, danach gibt es richtig Handfestes: Badisches Schäufele (superklasse!) mit Sauerkraut und Kartoffel-Pürree! Claudia entscheidet sich hingegen für eine leckere Gemüse-Lasagne und ist (wie sollte es anders sein?) davon ebenfalls begeistert. Auch der Inhaber des Berghotels Wiedener Eck – Herr Wissler – gehört nämlich mit zu den Naturpark-Wirten im Südschwarzwald (Sogar mit eigener Jagd!)!

Anschließend lassen wir auch diesen Abend wieder ganz gemütlich auslaufen, heute jedoch -anstatt wie sonst – mit Wein, mit unzähligen Apfelschorle. Der Durst hat sich dann wohl doch noch über den Cognac hinweg gesetzt. Und als wir in der späten Abendämmerung unser Zimmer aufsuchen (ich muss noch Fotos vom Tag bearbeiten und per Email verschicken!) ist Claudia plötzlich völlig aus dem Häuschen: Vom Balkon aus sehen wir nämlich in der Ferne die Alpen glühen!

Was für ein toller Tag..!

Fazit vierte Etappe, Notschrei – Wiedener Eck (über den Belchen!):

21,0 Kilometer mit 747 Höhenmeter im Anstieg. Unser Garmin zeichnete folgende Daten auf: 22,9 Kilometer mit 802 Höhenmeter im Anstieg und 886(!) Höhenmeter im Abstieg. Dauer:  ca. 9,0 Std. (Gemütlich und mit vielen Foto-Stopps!) Achtung: Die Etappe ist ebenfalls sehr anstrengend, durch den insgesamt gewaltigen An-, und Abstieg!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



Größere Kartenansicht 


WI – 3. Etappe: Vom Feldberg zum NotschreiWI – 5. Etappe: Vom Wiedener Eck nach Todtnau-Fahl

Ein Kommentar »

  • Stephan Sulzberger sagt:

    Hallo Rainer und Claudia,

    bin gespannt wie es weitergeht. Und natürlich, ob die nächsten Etappen wieder beschildert sind.

    Soll keiner sagen; wir von der Wanderidee würden unsere Etappe nicht „spannend“ gestalten.

    Schau mer mal wie es weitergeht…….

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