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WI – 3. Etappe: Vom Feldberg zum Notschrei

27 August 2011 Kein Kommentar

Die ganze Nacht über hat der Regen kräftig gegen die Scheiben unseres Hotelzimmers geprasselt und uns wunderschön in den Schlaf gewiegt. Fast so romantisch, wie wir es – vom Trekking her – im Zelt gewohnt sind..!
Morgens fühlen wir uns dann auch wunderbar erholt und sind mit die Ersten, beim Frühstück. Und das Frühstück im Feldberger Hof knüpft dann auch gleich wieder dort an, wo gestern abend das warme Buffet aufgehört hat: Es bleibt wirklich kein Wunsch offen – sogar frische Ziegenmilch ist zum Müsli zu haben..!

 Wir begnügen uns mit Kaffee, frischen Brötchen, Wurst, Käse, Marmelade und einem Ei, Claudia ergänzt ihr Frühstück noch mit O-Saft und einem Müsli..!

Anschließend gehen wir gut gestärkt und (trotz des Wetters!) frohen Mutes hoch auf’s Zimmer und ziehen gleich dort wieder die „Taucheranzüge“ an. Neben den Regenjacken sind heute mal wieder  Regenhosen und auch die Raincover für die Rucksäcke erforderlich. Dann checken wir aus und stellen unser Gepäck für den Transfer in die Lobby.

Draußen empfängt uns dann der Feldberg wieder mal von seiner nassesten Seite. Wären wir nicht auf dem Südsteig unterwegs und hätten alle Hotels vorgebucht, dann wäre wohl jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, wieder ins Bett zu gehen! Am Gipfel oben hat es (im August!) gerade mal 7,0° C, erfahren wir..!

„Was soll’s..?“, schmunzle ich und ziehe die Kapuze hoch, „Wanderblogger sind hart im nehmen..!“
„So hart..!“, äfft mir Claudia fröhlich nach, „So fuuurchtbaar hart..!“, lacht sie laut und zieht los.
„Lachst Du mich etwa aus..?“, rufe ich ihr hinterher. „Neeeeeiiiin, natürlich nur an..!“
Hinter dem Haus der Natur schießen wir dann die ersten Fotos: Das neue Tor zum Höchsten im Nebel.

Man mag uns vielleicht für verrückt halten, aber auch diese Feldberg-Stimmung „hat ‚was“. Allerdings kann man sie nur dann genießen, wenn einem die Ausrüstung ermöglicht, auch bei diesem Wetter (auf der Haut) warm und trocken zu bleiben! Und dazu gehört natürlich auch, beim Aufstieg das Schwitzen in Grenzen zu halten!
Die Feuchtigkeit des Schweißes leitet unsere Körperwärme nämlich rasch ab und lässt einen dann frieren! Daher beim Wandern immer Funktions-Wäsche tragen und wenn nötig, davon lieber mehrere dünne Lagen übereinander, als nur eine einzige Dicke (Zwiebelschalen-Prinzip)! Baumwolle, und dazu gehören auch Jeans und Baumwoll-Unterwäsche(!), hat beim Wandern heute nichts mehr zu suchen. Sie saugt den Schweiß auf und hält ihn fest, das macht krank!

Bei Regenjacken, und auch bei den Regenhosen(!) unbedingt auf atmungsaktives Material (z. B. GORE-TEX) achten, das den „Dampf“ von innen nach außen durchlässt und die Kleidung darunter somit deutlich trockener hält! „Plastik-Tüten“ (Jacken aus luftundurchlässigem Material) halten zwar den Regen ebenfalls draußen, aber leider auch den Schweiß drinnen. Und so dauert es dann meist auch gar nicht lange, bis man auf der Haut trotzdem klatschnass ist! Und Wäsche, die nass auf der Haut klebt, ist eklig..!
Aber wer diese Dinge beherzigt und dann auch noch trockene Füße in wasserdichten GORETEX-Stiefeln behält, der hat – wie Claudia – auch bei diesem Wetter gut lachen..!

Und auch noch ein kleiner, abschließender Tipp zum Einkaufen: Man muss ja nicht immer alles gleich auf einmal kaufen und eine Weile kann man ja sogar imrovisieren! Stellt Euch aber irgendwann mal eine „Wunschliste“ zusammen, über alles was Ihr braucht und kauft immer nur dann, wenn Ihr etwas im Angebot bekommt! Und auch bei Tschibo und Lidl gibt es immer wieder mal tolle Schnäppchen!

Der Weg vom Seebuck, durch den Grüblesattel, hinauf zum Höchsten bietet uns nichts Besonderes. Eigentlich nur „Nichts“, oder wie will man den Nebel sonst beschreiben..? Ausnahmsweise haben wir hier oben auch mal keine anderen Wanderer getroffen und das kommt wirklich sehr selten vor! Daher ziehen wir auch flux wieder hinunter, zur St. Wilhelmer Hütte, um bei Gabi und Baldur einen heißen Kaffee zu trinken. Die einzige Abwechslung bieten uns beim Abstieg nur Baldurs Rinder, die auch bei diesem Wetter stoisch vor sich hin kauen..! Selbst das leise Kling-Klong ihrer Glocken wirkt heute im dichten Nebel gedämpfter, als sonst.

Wir halten uns bei Gabi und Baldur dann auch nicht sehr lange auf, schließlich haben wir noch ein gutes Stück Weg vor uns. Von der St. Wilhelmer-Hütte geht es über den Stübenwasen, zum Biathlon-Zentrum, und von dort dann weiter zum Notschrei. Dann (gewöhnungsbedürftig) erst mal am Hotel vorbei, zum Schauinslandgipfel und dann in weitem Bogen wieder zurück, zum Notschrei-Hotel. Ich überschlage die noch verbleibende Tagesstrecke auf etwa 17 bis 18 Kilometer und Claudia legt ganz unvermittelt einen Zahn zu, als ich diese Reststrecke erwähne.

Gerade hat sie noch hoffnungsvoll die Kapuze ins Genick geschoben, da geht es auch schon wieder von Neuem los und der Regen prasselt wieder laut auf den Stoff. Als ich mich umdrehe sehe ich gerade noch, wie die St. Wilhelmer Hütte von den Wolken verschluckt wird. Was für ein Tag..!

Der restliche Weg zum Notschrei ist dann auch rasch geschildert: Noch mehr Regen, noch mehr Nebel und noch mehr „Nichts sehen“..! Wir passieren den Gipfel des Stübenwasen, ohne viel von ihm wahrzunehmen. Irgendwann führt der Weg halt wieder abwärts, und das war’s..!
Auch der Berggasthof Stübenwasen vermag uns heute nicht wirklich einzuladen. Wir wollen beide nur noch raus, aus dieser nassen „Suppe“. Wir sind zwar warm und trocken, aber es macht einfach keinen Spass, stundenlang nur in den Nebel zu „stieren“..!
Insgeheim hoffe ich ja, dass es vielleicht weiter unten etwas besser werden wird und am Notschrei-Pass drüben sind wir ja immerhin noch einmal 200m tiefer, als im Augenblick. Aber so ganz daran glauben, mag ich auch noch nicht.

Dann hört es aber tatsächlich auf zu regnen und am Pass ist auch der Nebel fast völlig weg.

Als wir am Hotel vorbei kommen, erreicht gerade ein Lieferwagen des Feldberger Hofes den Eingang und wir können sehen, wie unsere Taschen hinein getragen werden.
Claudia grinst nur: „Da siehst Du mal, wie schnell wir heute unterwegs sind..!“

Wir überqueren die Straße und orientieren uns kurz, dann schreiten wir zügig voran, in Richtung „Halde“. Wir folgen vorerst noch dem uns bekannten Westweg und passieren unseren damaligen Zeltplatz am Waldrand, an dem wir während der Westweg-Wanderung übernachtet haben. Claudia lächelt über diese Erinnerung. Irgendwann können wir dann endlich auch unsere Regenklamotten ausziehen und kaum blinzelt die Sonne etwas durch die Wolken, wird es auch gleich richtig „dämpfig“!

Dann verlassen wir den Westweg jedoch wieder nach rechts, in Richtung Norden und befinden uns nun in Neuland: Hier waren wir noch nie!
Der Pfad windet sich sehr idyllisch durch Mischwald und ist recht kurzweilig zu gehen. Und als wir die Bäume wieder verlassen, bietet sich uns ein unglaubliches Schauspiel: Große Wolkenfetzen jagen in D-Zug-Tempo an uns vorbei und durch die Grashalden, im Westen des Schauinsland. Unwillkürlich bleiben wir stehen und ich bedaure sehr, dieses Natur-Schauspiel nicht filmen zu können.

Wir schießen einige Fotos, dann erreichen wir wieder die Straße, die vom Notschrei herüber führt. Wir überqueren sie erneut und richten uns nach der Beschilderung des Südsteiges, in Richtung Schauinsland-Gipfel. Vorbei am Besucher-Bergwerk, steigen wir die restlichen Meter hinauf, wohl gerade weit genug, um von unten her wieder völlig in die Suppe einzutauchen.

Am Schauinsland-Turm (1.284 m) angekommen, sehen wir dann auch wieder überhaupt nichts mehr und schenken uns daher auch die Turmbesteigung. Statt dessen setzen wir uns mit unseren kleinen Iso-Matten auf ein nasses Bänklein und vespern unsere Marschverpflegung: Jeder einen Apfel..!
Dann brechen wir wieder auf und gehen den gleichen Weg zurück, bis zur Pass-Straße über Hofsgrund. Hier weist uns die in diesem Bereich sehr gute Beschilderung des Südsteiges auf einem neuen Weg zurück, zu unserem  Schwarzwald-Waldhotel am Notschrei. Wir sind für diese Abwechslung dankbar und erreichen unser Etappenziel etwa gegen 18.00 Uhr.

Auch im Waldhotel am Notschrei werden wir wieder sehr herzlich empfangen. Unser Gepäck ist bereits auf dem (wunderschönen!) Zimmer und wir können uns so auch erst einmal ins Restaurant setzen und ein großes Apfelschorle trinken. Es ist heute das erste Getränk, seit dem Kaffee in der St. Wilhelmer Hütte und „zischt“ entsprechend..! Dann gehen wir nach oben und duschen uns zuerst einmal das ganze Salz des Tages von der Haut.

Claudia möchte gerne vor dem Essen im hoteleigenen Hallenbad noch eine Runde schwimmen gehen und ich begleite sie hinunter, um einige Fotos zu schießen. Eine halbe Stunde später, nach einem zusätzlichen, schnellen Saunagang von Claudia und einer kurzen Fußpflege (sie cremt mir liebevoll die Füße ein!), ziehen wir uns an und begeben uns nach unten, ins stilechte (Schwarzwald-)Restaurant.

Im Restaurant empfängt uns Herr Albiez, der Senior des Hauses, sehr freundlich und geleitet uns zu einem hübschen Tisch, am Kachelofen wo uns ein grandioses Spezialitäten-Naturpark-Menü serviert wird, das ich hier unbedingt präsentieren möchte:

 Gruß aus der Küche
Steinpilzrahmsüpple im Weckglas mit Toast

***

Gebratene frische Steinpilze mit Kräutern,
Ruccolasalat und sautierte Datteltomaten

***

Rehschnitzele aus der Keule mit frischen Kräuterrahm-Pfifferlingen,
Wacholder-Spätburgundersauce, Preiselbeerapfel und
hausgemachten Spätzle

***

Hausgemachtes Johannisbeersorbet
mit Früchten und Beeren der Saison

Die dazu vom Sommelier des Hauses empfohlenen Weine:

Ebringer Grüner Gutedel ObA trocken
-Weingut L. Mißbach-

Ebringer Novalis ObA trocken
-Weingut L. Mßbach-

Dieses Menü war für uns etwas ganz besonderes gewesen, zumal Herr Albiez Senior (Er hat übrigens gemeinsam – am gleichen Tag – mit dem heutigen Sternekoch Harald Wohlfahrt in der Traube Tonbach angefangen zu arbeiten!) die Gelegenheit ergriff, uns einmal anhand der einzelnen Speisen und Getränke auch die Bedeutung der Naturpark-Wirte und ihrer Naturpark-Menüs zu veranschaulichen: Eine hervorragende (und auch für den Laien verständliche!) Lehrvorführung einheimischer Kulinarik!

Wir sind über alle Maßen begeistert – unseren herzlichen Dank dafür! So sind wir unterwegs noch nie verwöhnt worden!

Nach solch einem außergewöhnlichen Erlebnis kommt man innerlich nur schwer zur Ruhe und ich liege im Bett noch lange wach und lasse den Abend revue passieren. Tolles Wandern mit dem Service von Gepäcktransfer und Haute Cousine – auf dem Südsteig ist auch das möglich! Aber wer hätte das denn hinter der ersten Schwarzwaldwanderidee vermutet..?

Fazit dritte Etappe, Feldberg – Notschrei:

23,0 Kilometer mit 503 Höhenmeter im Anstieg. Unser Garmin zeichnete folgende Daten auf: 25,68 Kilometer mit 573 Höhenmeter im Anstieg und 727(!) Höhenmeter im Abstieg. Dauer:  9,0 Std. (Gemütlich und mit vielen Foto-Stopps!) Achtung: Die Etappe ist sehr anstrengend, durch den insgesamt gewaltigen Abstieg von 727 Höhenmeter!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



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