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WI – 2. Etappe: Von Hinterzarten zum Feldberg

26 August 2011 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 2 von 9 in der Serie Schwarzwaldwanderidee

Auch in der zweiten Nacht unseres Südsteig-Abenteuers haben wir gut geschlafen. Frisch geduscht und voller Tatendrang machen wir uns auf den Weg zum Frühstück und besprechen nebenher den Tag. Auch das Frühstücksbuffet des Imbery läßt keine Wünsche offen und Claudias Idee, noch zwei Äpfel für unterwegs einzupacken, war im Nachhinein Gold wert gewesen! Es gibt auf dieser Etappe nämlich keine Einkehrmöglichkeit..!
Gegen Neun brechen wir auf und nehmen die zweite Südsteig-Etappe unter die Wanderstiefel: Heute geht es hinauf zum Feldberg..!

O-Saft, Käse, Wurst, Eier und die geliebten „Körner-Brötchen“, lassen Claudia schon beim Frühstück gutgelaunt vor sich hinsummen. Und erst die selbstgemachten Marmeladen von Frau Hättich, der Inhaberin des Hotel Imbery, wirklich toll..!

Ist das Frühstück zu Hause bei uns manchmal nur eine „Pflichtübung, hier genießen wir es nun als wichtigen (und angenehmen!) Bestandteil unseres Tagesablaufes: Die nächste Malzeit gibt es schließlich erst wieder heute Abend und das Einpacken von Vesper für unterwegs, ist (in allen Hotels!) verpönt. (Anmerkung: Dazu werden wir den Gastgebern der Wanderidee einen Verbesserungs-Vorschlag unterbreiten!)

Nach dem Frühstück ziehen wir im Zimmer nur noch unsere Wanderstiefel an und stellen das Gepäck (für den Gepäcktransfer) in die Lobby. Dann verabschieden wir uns von der Familie Hättich und tigern los..!

Der weitere Weg führt uns erst mal entlang der (kaum befahrenen!) Hauptstraße, vollends durch Hinterzarten hindurch und gewährt uns so auch noch weitere Einblicke in das hübsche Hochschwarzwald-Städtchen. Viele der Häuser sind bereits älter, aber liebevoll Restauriert und verleihen dem Ort einen ganz typischen Flair. So dauert es auch nicht lange, bis Claudia mal wieder leise und mit einem Schmunzeln den Slogan der Hochschwarzwald-Tourismus-Gesellschaft zitiert: „Zum Kuckuck, ist das schön hier..!
Dem ist wirklich nichts hinzu zu fügen!

Am neu erbauten Kessler-Hof (Im September 2009 abgebrannt!) verlassen wir dann die Straße nach Erlenbruck und halten uns rechts hinauf, in den Wald. Ein schmales Weglein führt uns am rechten Hang aufwärts und gewährt uns so noch einige eindrucksvolle Blicke zurück, auf die letzten Häuser von Hinterzarten (siehe Titelbild!). Dann lassen wir das Städtchen endgültig hinter uns und wenden unsere Aufmerksamkeit nach vorne, auf die vor uns liegende Etappe.

Nachdem wir den ersten Anstieg überwunden haben, öffnet sich linker Hand ein liebliches Wiesental. Unser Pfad hält sich jedoch immer noch am rechten Hang und gerade so weit innerhalb des Waldrandes, dass uns die Bäume Schatten spenden. Es scheint heute wohl ebenfalls wieder richtig heiß zu werden, und auch vereinzelte Gewitter sind bereits für den Abend angekündigt!

Der Pfad wechselt nun langsam seinen Charakter und wird wilder. In lebendigem Auf und Ab führt er uns über Wurzeln und zwischen recht beeindruckenden Felsblöcken hindurch – Relikte der letzten Eiszeit. Und immer wieder mal bleiben wir auch stehen und bewundern den Fleiß der vielen Waldameisen, die hier direkt am Wegrand, unzählige Tannennadeln zu gewaltigen Bauten aufschichten! Leider sehen wir aber auch überall die Spuren unvernünftiger Spaziergänger, die – mit Steinen und Stöcken – die Stabilität dieser Bauwerke prüfen wollten. Schade..!

Nach einer guten Stunde erreichen wir dann die Abzweigung zum Mathislesweiher und ein fragender Blick von Claudia genügt, um den Südsteig für einen kurzen (Bade-)Abstecher zu verlassen. Ich hatte das bereits beim Frühstück „befürchtet“, als sie den kleinen Waldsee verbal gleich drei Mal „umrundet“ hat! Meine kleine „Lieblings-Nixe“ kommt einfach an keiner Pfütze vorbei, die tiefer ist, als dreißig Zentimeter..! Und da wir heute nur eine kurze Etappe zu bewältigen haben ( 13,0 Kilometer mit 757 Höhenmeter), stellt dieser Ausflug auch kein zeitliches Problem dar. Ich setze mich derweil am Ufer auf den Boden und schieße ein paar Fotos.

Dann wird es aber zunehmend heißer und die – in diesem Bereich breiteren – Wege fangen langsam an zu kochen! So dauert es auch nicht lange, bis Claudia einen Holzstapel im Schatten ansteuert und die Reisverschlüsse ihrer Hosenbeine löst:
So ist es deutlich angenehmer..!„, schmunzelt sie anschließend, während sie die Teile in die Netzt-Außentasche am Rucksack drückt.

Am Häuslebauernhof passieren wir kurz darauf eine liebevoll gestaltete Sonnenuhr, die (aufgrund getrennter Sommerzeit-, und Winterzeit-Skalen) überraschend genau geht! Claudia, die sich noch nie näher mit einer Sonnenuhr auseinander gesetzt hat, ist ganz angetan von ihrer Technik.

Von hier aus haben wir nun auch einen freien Blick hinüber, auf den Rücken des Feldberges. Dann ziehen wir aber rasch wieder in den Wald hinein und tauschen jede Aussicht dankbar gegen den kühlenden Schatten ein.
An der nächsten Abzweigung halten wir uns links, inzwischen folgen wir wieder der roten Westweg-Raute (Emil-Thoma-Weg) in Richtung Tagesziel. Die Südsteig-Wegzeichen sind zwar ebenfalls da, aber leider auch hier nicht lückenlos. Aber dank dem vorausgegangenen Kartenstudium wissen wir ja, wo es „lang geht“ –  hier kann man sich eigentlich nur schwer verlaufen!

Im weiteren Verlauf ändert nun aber einmal mehr der Wald seinen Charakter. Es wird – aufgrund vieler Quellen und kleiner Bächlein – feuchter, und wir finden plötzlich Pflanzen, mit denen wir hier niemals gerechnet hätten: Unter anderem das Fettkraut, eine fleischfressende Pflanze!

Ich bin so fasziniert, von diesem Fund, dass ich mich hinkniehe und mir so für ein Foto sogar nasse Knie hole. Aber die trocknen ja wieder und was macht man nicht alles, für ein gutes Foto..!

Dann wird unser Weg wieder zu einem sehr angenehm zu gehenden, schattigen Pfad. Er führt uns hinauf, zum breiten Wirtschaftsweg „Rinken – Raimartihof“, den wir aber – Gott sei Dank – nur überqueren! Drüben nimmt uns dann sofort wieder ein weiterer schmaler Pfad auf, der uns nun idyllisch hinauf führt, zum Feldseeblick. Leider ist der Karsee von oben inzwischen aber kaum noch zu sehen, da der frühere Tiefblick inzwischen fast gänzlich zugewachsen ist. Und da wir uns hier in einem der bedeutendsten Rückzugs-Gebiete des Auerwildes am Feldberg befinden, hat auch niemand ein größeres Interesse daran, daran etwas zu ändern!

Während des Aufstieges über den schmalen Waldpfad sehe ich immer wieder schöne Exemplare des Rippenfarn am Wegrand stehen und es dauert dann auch nicht lange, bis sich Claudia eine der Pflanzen genauer ansieht. Sie besitzen nämlich zweierlei Wedel mit jeweils ganz unterschiedlichen Aufgaben. Eine Form (die Innere, senkrecht Stehende) ist für die Fortpflanzung zuständig, die andere für die Photosynthese! Während dieser Farn in Deutschland recht selten ist, wächst er hier am Feldberg noch in recht großer Zahl.

Langsam wird es auch voller, denn Sonntags ist hier oben am Feldberg, natürlich wieder ziemlich viel los und bald frotzeln wir auch leise über die unterschiedlichen „Bereifungen“, die die Wald-Besucher hier oben tragen – sogar Damen in (bereits leicht mitgenommenen) Pumps sehen wir. Aber eigentlich wundert uns das hier oben ja schon lange nichts mehr!
Irgendwann passieren wir die Wegespinne an der Abzweigung zu Rinken und Felsenweg und halten uns dann schnurstracks hinauf, zum Grüblesattel. Inzwischen zieht der Himmel nämlich merklich zu und die teilweise kräftigen Windböen erinnern uns an die Wettervorhersage vom Morgen: Vereinzelte Gewitter über dem Hochschwarzwald..!
Claudia zieht ihren Schritt inzwischen auch merklich an und strebt zügig der Baumgrenze unterhalb des Seebuck entgegen. Als wir die freien Hochweiden endlich erreichen, hören wir es in der Ferne dann auch schon deutlich Grummeln und der Wind hat hier wohl ebenfalls noch einmal kräftig zugenommen. Obwohl wir uns im Augenblick noch auf der Leeseite des Feldberg-Gipfels befinden, rütteln einzelne Böen teilweise schon ganz ordentlich an unseren Rucksäcken und ich halte meinen Hut fest.

Da kommt wohl was richtig Ungemütliches auf uns zu..!„, meint Claudia aber nur lakonisch und grinst auch schon wieder. Das Handtuch an ihrem Rucksack flattert indessen wie eine Fahne im Wind.

Kurz vor dem Grüblesattel überqueren wir dann noch ein kleines Rinnsal, über das fast alle einfach nur hinwegsteigen, ohne zu ahnen, um welchen bedeutenden Fluß es sich dabei handelt: Hier, im Quellgebiet der Urdonau entspringt nämlich die spätere Wutach, und noch genügt nur ein einziger, weiter Schritt, um sie zu überwinden! Aber nicht mehr lange..!

Noch ein schnelles Foto, dann dränge ich zur Eile und wir sputen uns, endlich den Grüblesattel zu erreichen.
„Und jetzt..?“, fragt Claudia dort angekommen.
„Die Directisimo..!“, schmunzle ich und ziehe auch schon wieder los, in Richtung alter Fernsehturm. Da der Wind ziemlich genau aus Süden kommt, würden wir ihn auf dem direkt durch die Südseite hinabführenden Weg wohl voll abbekommen. Hier sind wir nun aber – durch die Kuppe des Seebuck – vorläufig noch etwas geschützt.

Aber auch nicht sehr lange, wie wir rasch feststellen müssen. Oben, am Seebuckgipfel packt uns der Wind nämlich nun ebenfalls mit aller Macht und wir sehen daher zu, beim Abstieg über die Westweg-Variante, rasch in den Schutz der niederen Bäume zu kommen. Aber inzwischen sehen wir unten bereits den Feldberger Hof, unser Hotel und Tagesziel und das baut uns natürlich mächtig auf. So ziehen wir den letzten Kilometer auch wieder recht fröhlich hinunter und als wir – kurz vor dem Hotel – die ersten, noch zaghaften Tropfen auf der Haut der Unterarme spüren, wissen wir, dass wir es nun vollends trocken schaffen werden!

Im Hotel Feldberger Hof werden wir ebenfalls wieder sehr herzlich empfangen und während man unser Gepäck auf’s Zimmer bringt, nehmen wir erst mal kurz an der Bar platz und genehmigen uns zwei große, eiskalte Apfelschorle. Und die zischen nun so richtig..! Auch wenn es heute nur 13,0 Kilometer waren, ein Apfel war bei diesen Temperaturen schlichtweg zu wenig. Wir hätten deutlich mehr Flüssigkeit gebraucht!

Als der Durst gestillt ist, suchen wir ebenfalls unser Zimmer im 5. Stock auf und als wir von dort hinaus schauen sehen wir, dass es inzwischen kräftig regnet. Gutes Timing..!

Nun wird zuerst einmal ausgiebig geduscht und umgezogen, unmittelbar danach gehen wir aber auch schon wieder hinunter. Noch einmal trinken wir an der Bar zwei große Apfelschorle, dann suchen wir das Restaurant auf, um zu Abend zu essen.

Das „Familotel“ Feldberger Hof erhebt den Anspruch, ein Familienhotel zu sein! Hier fühlen sich vor allem junge Familien mit Kindern wohl, denen ein fast unglaubliches Programm geboten wird. Es ist aber auch für uns sehr erbaulich einmal zu sehen, wie hier Kinder noch wirklich Kinder sein dürfen! Und trotzdem stören sie hier nicht, denn man kann überall in wunderschön versteckte Winkel des/der Restaurants ausweichen und so dann auch das Abendessen in „völliger Ruhe“ genießen.

Und dieses Abendessen hat es auch heute wieder mal so richtig in sich: Warmes Buffet mit unendlich vielen Vor-, und Nachspeisen, Salaten und mehreren warmen Hauptgängen zur Auswahl!

Wir finden eine versteckten Tisch in einem der hinteren Winkel des Restaurants und holen uns dann erst mal eine Bärlauchsuppe. Anschließend Salate und verschiedene Sorten geräucherten Fisch, zur Vorspeise. Danach entscheide ich mich für Rindersteak mit Speckbohnen und Grillkartoffeln, Claudia wählt Wildgullasch, Rotkraut und Knödel. Dazu ein Grauen Burgunder vom nahen Kaiserstuhl.

Und der Nachtisch pendelt sich bei uns geschmacklich wohl langsam ebenfalls ein: Wieder bleiben wir bei dünnen Pfannenkuchen mit Vanilleeist und heißen Kirschen hängen..!

An der Bar genehmigen wir uns dann anschließend noch ein „Viertele“ und lassen dabei den Tag noch einmal revu-passieren.
Bevor wir auf’s Zimmer gehen erleben wir am Nachbartisch hinter der Bar aber noch ein kleines Highlight für Kinder: Die Eltern bestellen die Getränke an der Bar und die Bardame liefert die Drinks dann per Eisenbahn: Und die kinder schauen dann natürlich ganz erfürchtig, wie ihr O-Saft angefahren kommt..!

Fazit zweite Etappe, Hinterzarten – Feldberg:

13,0 Kilometer mit 757 Höhenmeter im Anstieg. Unser Garmin zeichnete folgende Daten auf: 14,4 Kilometer mit 661 Höhenmeter im Anstieg und 267 Höhenmeter im Abstieg. Dauer:  6,0 Std. (Gemütlich und mit vielen Foto-Stopps!)

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