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Westweg-Trek: Unser erstes „Probe-Tragen“

2 Mai 2010 Ein Kommentar

Der Termin für unsere geplante Westweg-Tour (Völlig ohne Hotel-Übernachtung!) rückt immer näher und keiner von uns hatte beim Wandern bisher je ein solches Gewicht getragen:

Bei Claudia waren es 18,0 kg und bei mir sogar ganze 21,0 kg – jeweils inklusive 2,0 l Flüssigkeit (Leicht gesüßter Tee)!

Würden wir diese beachtliche Rückenlast aber überhaupt bewältigen können? Diese Antwort würde sich jeder von uns wohl letztlich nur selbst geben können, beim allerersten „Probe-Tragen“ nämlich!

Wir suchten uns für diesen Test eine Tour aus, die man mit einer etwas gemäßigteren „Tagesetappe“ des Westwegs vergleichen könnte: Von Kirchzarten, über St. Märgen, direkt zu uns nach Hause. Diese knappen zwanzig Kilometer, mit etwa 600 Höhenmetern im Anstieg, sollten uns eigentlich für eine Antwort genügen und hatten zudem den Vorteil, dass wir jederzeit hätten abbrechen, und per Handy unser „Taxi“ (Rainer und Annerose) rufen können.

Es ist gerade halb neun, als wir bei Wiesneck die Rucksäcke schultern. „Wie in den allerbesten Zeiten!„, bemerkt Rainer, unser Wanderfreund, grinsend, mit einer deutlichen Anspielung auf meine zwölfjährige Bundeswehr-Zeit.

Spind-Tragegestell..!„, frotzle ich nur knapp zurück und sehe nach Claudia. Auch sie ist guter Dinge. Dann verabschieden wir uns von den beiden und marschieren tapfer los, das schmale Sträßchen aufwärts, Richtung Ruine Wiesneck.

Wir haben auch Glück mit dem Wetter, blauer Himmel und Sonnenschein. Vielleicht ist es fast ein wenig zu warm, aber das würden wir uns später, auf dem Westweg, ja auch nicht aussuchen können. Jeder horcht auf diesen ersten Kilometern nun aufmerksam in sich hinein und auch die Gespräche drehen sich natürlich ausschließlich um unsere Last. Aber der Tenor ist durchweg positiv und ich muss zugeben, dass auch ich es mir eigentlich viel schlimmer vorgestellt habe. Früher, beim „Bund„, hatten wir halt noch die ganz simplen Rucksäcke, im Stil von „Luis Trenker„. Da hing die ganze Last einfach immer nur an den Schultern und an Entlastungen, oder gar unterstützende Rückensysteme, konnten wir damals noch nicht einmal denken!

Das ist heute, mit unseren Deuter-Rucksäcken, völlig anders: Meine 21 Kilo sitzen doch recht angenehm auf den Hüften, so dass ich sie mit den Schultern eigentlich nur noch im Gleichgewicht halten muss! Die Trage-Kraft kommt nun nämlich nicht mehr aus dem Rücken, sondern fast ausschließlich aus den Beinen (Oberschenkel). Die Wirbelsäule wird also wirklich (fühlbar!) entlastet, Klasse!

Um diesen Vorteil nutzen zu können, müssen die Trage-Systeme jedoch immer optimal auf den jeweiligen Träger eingestellt werden (Rückenlänge!). Dann nimmt man den Rucksack auf den Rücken, bückt sich zur Entlastung und schiebt ihn einfach nach oben, in Richtung Schultern. Nun wird der Hüftgurt, um die Taille, möglichst eng geschlossen und nach dem Aufrichten dann nur noch die Schultergurte nachgezogen – fertig! Die ganze Last sitzt nun fest auf den Hüften und man muss nur noch – ab und zu – den Hüftgurt nachziehen. Der lockert sich nämlich im Laufe der Zeit und damit senkt sich die ganze Last (schleichend!) wieder auf die Schultern zurück.

Über das Kappeneck (701 m) zieht der Weg nun kontinuierlich über den Bergkamm aufwärts und hält sich anfangs noch überwiegend im kühlen Waldschatten. Nach und nach lichtet sich der Wald jedoch und wir bewegen uns nun wieder zunehmend über offene Viehweiden. So sind wir jetzt zunehmend der prallen Sonne ausgesetzt.

Oben, auf der Anhöhe, zwischen St. Peter und St. Märgen angekommen, machen wir eine erste, längere Rast, im Halbschatten. Durch einen stetigen, kühlen Wind bemerken wir leider die Kraft der Sonne noch nicht, der wir schon seit Stunden immer die gleiche (rechte) Seite hinhalten, da wir uns mit dem Sonnenlauf mitdrehen. Morgens gingen wir zuerst nach Norden und hatten die Morgensonne von Südosten, schwenkten dann aber immer weiter nach Osten, während die Sonne ihre Bahn weiter nach Süden zog. Erst am Abend bemerken wir den ausgeprägten Sonnenbrand – ein wirklich dummer „Anfänger-Fehler“!

Hier oben hat man nun immer wieder eine hervorragende Fernsicht und der Blick nach Freiburg, zum Kandel und sogar hinüber zum Feldberg, runden das Panorama ab. Im Westen kann man sogar noch den Vogesen-Kamm im Dunst erkennen. Wir folgen der schmalen Straße, in Richtung St. Märgen und passieren den Faller-Hof.

Nach der idyllischen Ruhe zuvor, müssen wir uns nun durch St. Märgen quälen. Am Ortsausgang (Richtung Thurner) verlassen wir die Straße jedoch wieder und schlendern über Forstwege und Viehweiden hinüber, zum „Neuhäusle„. Hier tangieren wir ein letztes Mal die Straße, bevor wir uns links in den Wald schlagen. Ein breiter Fahrweg führt uns nun über die Waldmühle in das einsame Tal, in dem wir wohnen und schon eine knappe Stunde später sitzen wir gemeinsam in einem entspannenden Heublumen-Bad, in der Wanne. Aber kurz zuvor hatte Claudia noch genügend Kraft, um sich für eine hübsche Gruppe Sumpfdotter-Blumen zu interessieren. Und ich? Ich fühlte mich noch fit genug, um die Kamera auszupacken und sie dabei zu fotografieren!

Aber wie erging es uns nun eigentlich hinterher, am Tag nach diesem „Probe-Tragen“? Nun, wir hatten am nächsten Tag natürlich beide einen mords Muskelkater in den Oberschenkeln. Aber damit hatten wir gerechnet, schließlich ist unsere Muskulatur an diese zusätzlichen, 20 Kilogramm nicht gewöhnt! Was für uns aber viel wichtiger ist: weder Claudia, noch ich hatten irgend welche Probleme, mit dem Rücken!

Aber nach diesem Westweg-Trek (Geplant ohne Hotel und Gaststätten-Übernachtung – daher müssen wir wirklich aus den Rucksäcken leben!) wird sich unsere Muskulatur an dieses zusätzliche Gewicht gewöhnt haben, und darauf freuen wir uns! Daher hier unser ganz persönliches Fazit: Die Tour ist auch mit einer solchen Rückenlast für uns durchaus möglich. Und: wir haben uns die richtigen Rucksäcke für dieses Vorhaben gekauft!

Die Tour selbst (Streckenwanderung!), ist unbedingt zur Nachahmung empfohlen! Ca. 20,0 km mit 600 Höhenmetern im Anstieg. An Sonnenschutz (Sonnenhut und Sonnencreme!) denken! Genügend Getränke mitnehmen! Bitte nicht mit Kinderwagen probieren (wäre vielleicht möglich, ist aber sehr anstrengend und ganz sicher zu weit!)! Zweites Auto am Zielort (Schweizerhof) abstellen.

Der Schweizerhof ist bekannt und liegt ideal, direkt an der B-500. Das Essen ist hervorragend, reichhaltig und sehr, sehr preiswert! (Seht das ruhig als ganz persönliche Empfehlung von uns an!)

Googlemaps 

Ein Kommentar »

  • Rainer sagt:

    Hallo Rainer,
    Deinem Bericht ist nichts hinzu zufügen. Neben d Probetagen für den Westweg, vergißt Du auch nicht auf den landschaftlich schönen Weg vom Tal auf die Höhe hinzuweisen. Leider konnte ich den link Deuter-Rücksäcke nicht öffnen und ein Link auf den Westweg wäre vielleicht auch interessant gewesen!?
    Grüße
    Rainer

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