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Westweg-Trek: 9. Etappe

27 Juni 2010 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 9 von 16 in der Serie Westweg-Trek 2010

31. Mai 2010,

Blindenhöhe – Blindensee – Martinskapelle (Donau-Ursprung) – Brend – Kalte Herberge: 20,5 km.

Das war bisher die schlimmste Nacht gewesen – nass, kalt und stürmisch! Claudia hatte ziemliche Angst und hat mich alle fünf Minuten geweckt. Ich konnte ihr das aber nicht einmal verdenken, denn auch mir war heute Nacht nicht sonderlich wohl gewesen. Der Sturm hatte sich mit aller Macht, in den Kronen der alten Fichten über uns gefangen und ich wartete ständig darauf, dass erste Äste fallen. Bei den kleinsten Anzeichen von Windbruch, wäre ich mit Claudia sofort in das kleine „Bus-Warte-Häuschen“, auf der anderen Straßenseite, umgezogen. Dann ließ der Sturm aber gegen Morgen nach und auch der Regen hörte irgendwann auf.

Als ich wach werde, ist es draußen ungewohnt still – kein Rauschen mehr über uns und auch kein Regen-Geprassel mehr auf dem Zelt. Nur die Vögel zwitschern wieder – wie immer morgens. Ich riskiere einen kurzen Blick hinaus und muss schmunzeln: als wenn überhaupt nichts gewesen wäre..! So mache ich Kaffee und wecke Claudia.

Das karge Gespräch, während des Frühstückes, dreht sich natürlich ausschließlich um die letzte Nacht und die drohenden Gefahren bei Windbruch. Und heute Nacht sind wir da ganz bestimmt, sehr nahe „dran“ gewesen!

Aber was soll’s, manchmal braucht man eben auch ein wenig Glück. Wir haken das Thema daher ab und packen zusammen.

Während wir noch unser Zelt abbauen, ziehen schon wieder die ersten Wanderfreunde vorbei, die wir gestern, an der Hasemann-Hütte kennengelernt haben und rufen uns ihr „Guten Morgen..!“, herüber.

Nein! Der Sturm, heute Nacht, ist nicht schlimm gewesen..!“, höre ich Claudia irgendwann zurück rufen und muss schmunzeln!

Pünktlich zum Abmarsch fängt es dann wieder mal an zu regnen und wir ziehen lieber gleich die „Taucheranzüge“ an. Ein kurzer Blick zum Himmel macht uns nämlich auch keine große Hoffnung, dass es heute noch mal „besser“ werden könnte.  Und so brechen wir halt wieder einmal in den Regenhosen auf.

Die heutige Etappe wird uns, etwa bis auf einen Kilometer, an unser Haus heran führen und die Verlockung, kurz nach Hause zu gehen, um dort endlich einmal richtig zu duschen und vielleicht in einem weichen Bett zu schlafen, ist natürlich groß! Aber auch Claudia pflichtet mir bei, dann wäre die Trekking-Tour (im Kopf!) unterbrochen und das wäre, für die restlichen Etappen, nicht wirklich gut! So sind wir uns wieder einmal einig und werden einen großen Bogen um den Kohlplatz machen!

Bald erreichen wir das Naturschutzgebiet Blindensee, einen erschlossenen Moorsee. Bohlen-Wege führen den Wanderer durch das Moor hindurch und auch direkt am See entlang. Hier laden zudem Bänke zum Verweilen ein.

Wir ziehen jedoch weiter und erreichen bald die (gefasste) Elzquelle. Leider ist auch hier das Licht so miserabel, dass mir keine Fotos gelingen. Manche Dinge muss man sich eben wirklich „gleich“ ansehen, wie Claudia immer gerne mal erwähnt!

Kurz darauf überschreiten wir die Wasserscheide Rhein-Donau und erreichen, bei der Martinskapelle, die geografische Donauquelle im „Briglirain“ (Breg-Quelle).

Unsere Rucksäcke stellen wir oben am Restaurant, auf einer Bank ab und gehen dann, über den bequemen Weg, die paar Meter hinunter, zur Quelle im Tal.

Im dazugehörenden Gasthof Kolmenhof kehren wir anschließend noch kurz ein, um eine Kleinigkeit zu essen und endlich auch wieder einmal unsere Akkus aufzuladen. Seit wir das Handy tagsüber konsequent ausschalten, hält der Akku deutlich länger.

Der Kolmenhof bietet gehobene Küche, ohne dabei jedoch abgehoben zu sein! (Mann fühlt sich dort auch als Wanderer, mit schmutzigen Schuhen, wohl!)

Der Kellner ist überaus freundlich und zuvorkommend und zeigt uns sofort, wo wir Steckdosen finden. Das Handy nimmt er, samt Ladegerät, sogar mit hinter die Theke, um es dort für uns zu laden.

Wir essen einen hervorragenden Wurstsalat und packen uns das restliche Brot für später ein. Abschließend versorgt uns der nette, junge Mann dann noch – natürlich gegen Bezahlung – mit einem ganzen Pfund Zucker. Danke schön, das war sehr freundlich und einfach nur zum Weiterempfehlen!

Frisch gestärkt und mit vollen Akkus ziehen wir dann weiter, vorbei am Günterfelsen, einer recht beeindruckenden Felsformation, direkt am Wanderweg zum Brend. Hier lädt, unmittelbar neben dem Wanderheim, ein Aussichtsturm zum Aufstieg ein. Da es uns aber schon hier unten fast „wegbläst“, verzichten wir lieber auf dieses zusätzliche „Durchlüften“ und ziehen weiter.

Nur ein kurzes Stück „Trampelpfad“ durch den Mischwald, bietet uns hier noch etwas Windschutz, dann geht es auch schon wieder hinaus, auf die freien Hochweiden des Südschwarzwaldes. Langsam nähern wir uns nun wieder der B-500, der Schwarzwald-Hochstraße, die wir ja auch schon am Mummelsee und Schliffkopf, tangiert haben. Und wir nähern uns auch immer weiter einer möglichen, warmen Dusche, zu Hause. Natürlich immer wieder ein verlockender Gedanke, bei diesem Wetter. Unsere Regenhosen und die Kapuzen der GORETEX-Jacken, tragen wir inzwischen sogar schon als Windschutz!

Claudia beginnt langsam etwas zu „Humpeln“ und klagt über Schmerzen im Knie, vor allem während der „Bergab-Passagen“. Ich beschließe daher, ihr morgen etwas Gewicht abzunehmen. Dann sehen wir plötzlich hinab, auf Furtwangen und hören auch bald den Verkehr, von der Schwarzwald-Hochstraße. Kurz bevor wir sie erreichen, vereinigt sich der Westweg mit dem Querweg (Schwarzwald – Kaiserstuhl – Rhein). Wir kreuzen die B-500 nun mehrfach hintereinander und folgen ihr dann, leider immer in Hörweite des Verkehrs (Motorräder!), bis zur „Kalten Herberge„, einem bekannten Gasthof und sehr beliebten Etappenziel des Westweges. Ich setze mein Gepäck vor dem Eingang ab und gehe hinein, um nach (Trink-)Wasser zu fragen. Und auch hier werde ich vom Wirt sofort wieder sehr freundlich aufgenommen: „Selbstverständlich, kommen Sie nur..!

Während ich die Wasserflaschen an der Theke auffülle, winken mir im Lokal auch schon wieder Wanderfreunde zu, die hier bereits ihr Etappenziel erreicht haben. Wir werden hingegen noch ein kurzes Stück weiter ziehen müssen.

Nach einem erneuten Überqueren der B-500, folgen wir dem Westweg etwa noch einen weiteren Kilometer und schlagen dann unser Zelt irgendwo, zwischen „Kalter Herberge“ und „Lachenhäusle“, im Wald auf. Zum ersten Mal nicht im Regen und wir haben auch ein schönes, ruhiges Plätzchen, etwas abseits der Bundesstraße, gefunden.

Bald sitzen wir, frisch gewaschen und gut gelaunt, im „Schlafzimmer“ und löffeln unsere Suppe. Auch die große Blase, die sich Claudia heute gelaufen hat, kann unsere Stimmung nicht trüben. Ich verpasse ihr ein Blasenpflaster, dann dreht sich unser Gesprächsthema nur noch um morgen – und den großen Augenblick, wenn wir fast an unserem Haus vorbeigehen werden!

Eigentlich unglaublich, dass wir von Pforzheim aus, schon bis hierher gelaufen sind..!


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2 Kommentare »

  • Manu sagt:

    Warum nur musst Du immer Blasen fotografieren 😉 *Dodd’l schüchternen Magen hat*

  • Rainer sagt:

    So langsam hättet Ihr ja mal so richtig schönes Wetter verdient. Diesen Etappenteil kenn ich auch gut. Habe ihn schön öfters durchwandern, besser gesagt im Spaziergang mit Autoanfahrt hinter mich gebracht. Es ist einfach schön bei uns hier zu sein. Und die blasen, die Euere Tochter hier moniert, sind ja auch schon wieder abgeheilt!?

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