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Westweg-Trek: 8. Etappe

27 Juni 2010 Ein Kommentar

30. Mai 2010,

Hasemann-Hütte (Farrenkopf) – Hauenstein – Wilhelmshöhe – Blindenhöhe: 17,0 km.

Das Gewitter ist dann tatsächlich noch gekommen und dazu hat es auch kräftig geschüttet. Uns war das jedoch völlig egal und wir haben es auch nur – als romantische Untermalung – von ganz „weit weg“, mitbekommen.

Wieder einmal haben wir herrlich geschlafen und haben uns auch nicht von dem „Frühaufsteher“ stören lassen, der schon um 6.40 Uhr die Hütte betreten hat, um sich ins Hüttenbuch einzutragen..!

Irgendwann gegen 9,00 Uhr stehen wir dann auf und machen uns ein gemütliches Frühstück. Unser Brot, das in seiner Plastiktüte auf dem Tisch lag, ist in der Nacht von Mäusen, oder Ratten angefressen worden. Aber auch das kann uns den Sonntag nicht vermiesen, genau so wenig, wie das Regenwetter draußen. Auch Carl und Nanette sind inzwischen aufgestanden und auch die ersten Wanderer treffen an der Hütte ein, um Rast zu machen.

Nach dem Frühstück packen wir zusammen und Claudia trägt noch ins Hüttenbuch ein: Rainer und Claudia waren hier..!

Es ist schon 12.00 Uhr, als wir uns endlich von Carl und Nanette und den anderen, rastenden Wanderern (Sie sind ebenfalls alle auf dem Westweg unterwegs!) verabschieden und bergab nach Süden ziehen, in Richtung Wilhelmshöhe. Heute haben wir es nicht eilig, es ist schließlich Sonntag.

Die steilen Pfade sind rutschig und verlangen daher zunehmend unsere Aufmerksamkeit. Zudem haben wir auch schon wieder unsere „Taucheranzüge“ an, denn es regnet noch immer in Strömen. Trotzdem ist es erst einmal ein vergnügliches Auf und Ab. Dann wird die Etappe jedoch immer anstrengender und wir spüren natürlich auch die 50 Kilometer, der letzten beiden Tage, ordentlich in den Beinen. Vor allem die Bergab-Passagen, tun uns heute so richtig weh!

Bald passieren wir eine weitere, tolle Schutzhütte und überqueren dann die L 107, die Landstraße nach Gutach.

Immer weiter geht es nun bergauf, vorbei an einer historischen Schanze, die man, nicht betreten sollte. Etwas weiter hat es dann auch wieder ein paar einsame, idyllische Plätzchen, an denen man gut sein Zelt für eine Nacht aufschlagen könnte.

Irgendwann hört es dann endlich auf zu regnen und kurz darauf kommt sogar auch noch die Sonne etwas durch. Steht ja eigentlich auch so im Kalender: S o n n t a g !

Wenig später zwingt mich ein zunehmendes Stechen im linken Schuh zum Anhalten und schon als ich den Schnürsenkel aufbinde, vermute ich Schlimmes: ich habe mir eine große Blase gelaufen! Gott sei Dank, habe ich erst letzthin (große!) Blasenpflaster gekauft, denn wenn eine Blase in dieser Größe erst einmal aufplatzt, dann besteht höchste Infektionsgefahr! Blasenpflaster reduzieren dieses Risiko jedoch deutlich und lindern zudem auch noch den Schmerz.

Ich klebe mir eines der  großen Blasenpflaster direkt über den Wulst und drücke es, rund herum, ordentlich fest. Dann ziehe ich Strumpf und Schuh wieder an und gehe (notgedrungen!) weiter. Claudia hilft mir, mit ihren Frotzeleien („Ein Indianer kennt keinen Schmerz..!“, usw.), mich aufzumuntern, bis irgendwann endlich der Wirkstoff einsetzt und das Brennen fühlbar nachlässt.

Eigentlich bin ich selbst völlig überrascht: nach nur wenigen Minuten konnte ich wieder absolut schmerzfrei gehen und die Blase ist auch nie aufgeplatzt! Erst zu Hause hat sich die Haut dann irgendwann abgelöst, nachdem das Blasenwasser schon längst wieder vom Körper aufgenommen worden war!  Wirklich toll, diese Pflaster! Sie gehören unbedingt in jede Rucksack-Apotheke und werden bei uns auch nie wieder fehlen!

Etwas später stellt mir dann Claudia einfach ihren Rucksack vor die Füße und grinst mich an: „Bin mal eben kurz weg..!“ Sie verschwindet im Wald und weil mir gerade langweilig ist, halte ich die Szene fest..!

Bald zieht das Wetter wieder „zu“ und auch der Wind frischt nun ordentlich auf.

„Der bringt uns wohl das nächste Sauwetter..!“, meint Claudia nur, mit einem Blick zum Himmel und ergänzt skeptisch: „Hoffentlich finden wir heute auch rechtzeitig eine Schutzhütte!“

Mal sehen. Am Hauenstein (Karlstein) bläst es uns oben fast weg und Claudia muss sich sogar am Geländer festhalten! Wir gehen um den Felsen herum und setzen uns unterhalb, am Rastplatz, an den Tisch mit den zwei Bänken. Hier, im Lee des Aussichtsfelsen, herrscht Windschatten und wir können kurz rasten und etwas essen. Zumindest hat es wieder aufgehört zu regnen.

Kurz darauf fängt es aber schon wieder an und der Wind hat ebenfalls noch einmal zugelegt. Ich ärgere mich nun etwas, weil wir – aufgrund des ständigen Berg und Tales, und auch durch meine Blase, vorher einfach nicht richtig vorangekommen sind. Um 18.00 Uhr haben wir gerade mal zehn Kilometer geschafft, viel zu wenig! Natürlich sind wir auch viel zu spät aufgebrochen, aber: „Hätte, wäre, wenn..!“ Wir müssen nun einfach das Beste aus dieser verfahrenen Situation machen.

Wir erreichen den Gasthof Rensburg und fragen vorsichtshalber schon jetzt einmal nach, ob wir vielleicht unsere Wasservorräte ergänzen dürfen. Wer weiß, wie weit wir heute noch kommen? Klar dürfen wir!

Inzwischen trinken wir ein „Ascho“ und der freundliche Wirt fragt Claudia irgendwann ganz diskret, ob er vielleicht einmal ihren Rucksack hochheben darf.

Um Gottes Willen, junge Frau..!„, meint er dann nur noch. „Und den haben Sie wirklich, von Pforzheim, bis hierher getragen..?“ (Klar hat sie! Claudia haben schon viele unterschätzt!)

Er gibt uns anschließend sogar noch ein paar Tipps, zu guten Zeltplätzen und war auch der Erste, der ausgesprochen hat, dass auch Westweg-Trekker, wie wir, die konsequent nur draußen übernachten, einfach ebenfalls mit zum Westweg gehören! Das hat unserer Seele natürlich gut getan, danke schön!

Schade, wir hätten die Zeltplätze gerne genommen, aber wir müssen heute unbedingt noch ein paar Kilometer machen!

So erreichen wir irgendwann die Wilhelmshöhe und durchschreiten hier das nächste Westweg-Tor, Schonach.

Und prompt fängt es wieder richtig an zu regnen. Ich sehe auf die Karte und entdecke auf der Blindenhöhe eine Schutzhütte. „Hoffentlich ist die auch noch da..!“, meint Claudia nur und wir marschieren zügig los.

Nach etwa zweieinhalb Kilometer erreichen wir sie dann endlich und sind völlig enttäuscht: es ist eher das Wartehäuschen einer „Bushaltestelle“, als eine Schutzhütte und zum Übernachten völlig ungeeignet. Zudem auch noch unmittelbar neben dem geteerten Fahrweg gelegen. Autos würden uns hier nur etwa eineinhalb Meter(!) am Schlafsack vorbei fahren!

Aber Regen und Wind nehmen immer weiter zu und wir müssen rasch eine Entscheidung treffen.

Dann sehe ich direkt gegenüber, im Wald auf der anderen Straßenseite und etwa nur zehn Meter vom Waldrand entfernt, eine schöne, ebene Stelle, die dick mit weichem Moos bewachsen ist. Der einzige Nachteil: es handelt sich hier um hohen Fichtenwald und die Kronen wiegen sich jetzt schon bedenklich im Wind! Und wenn der noch weiter zunimmt, besteht hier die Gefahr von Windbruch! Aber wir haben auch keine Alternative mehr, denn es wird schon dunkel. So bauen wir eben rasch unser Zelt auf und flüchten uns ins Trockene.

Dann das Übliche: Bettenmachen, Katzenwäsche, Tee und Suppe kochen und anschließend nur noch schlafen, denn wir sind wieder völlig platt! Aber draußen rauscht der Wind immer bedrohlicher durch die Baumwipfel, während der Regen auf den Zeltstoff prasselt..!


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Ein Kommentar »

  • Rainer sagt:

    Bei diese Etappe kann man gut feststellen, wie sehr Ihr auf dem Westweg-Trail angekommen seid. Mit Ruhe und Übersicht geht ihr die Etappen an, rast nicht wie wild durch die Pampa sondern genießt auch ein wenig Euren Weg; beneidenswert. So langsam kommt ihr in Gefilde, die mir auch von „Miniwaderungen“ bekannt sind.

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