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Westweg-Trek: 7. Etappe

27 Juni 2010 3 Kommentare

29. Mai 2010,

Hark – Spitzfelsen – Hausach – Farrenkopf-Hütte (Hasemann-Hütte): 25,0 km.

In dieser Nacht haben wir beide nicht besonders gut geschlafen. Im Dunkeln haben wir gestern das Zelt nicht optimal aufgestellt, so dass wir nicht ganz eben liegen konnten. Immer wieder bin ich auf Claudia gerutscht und hatte Angst, sie zu drücken.

Beim Frühstück (Zum ersten Mal mit Butter und der tollen Marmelade vom Harkhof!) beratschlagen wir über den kommenden Tag und entschließen uns, in Hausach nur kurz einzukaufen und dann gleich weiter zu gehen, bis zur Hütte auf dem Farrenkopf. Der ist uns, von einer anderen Wanderung her, noch in guter Erinnerung und wir wissen beide sehr wohl, was da heute Abend, zum Tagesabschluss, auf uns zukommt! Der Farrenkopf ist ein „Berg ohne Ende“ – ewig lang und steil!

Endlich spielt auch das Wetter einmal richtig mit, dafür geht es nun ständig nur noch „hoch“ und „runter“. Recht früh überholt uns dann ein gut gelaunter Alex, auf dem Weg zum Brandenkopf. Wir wissen, irgendwann im Laufe des Tages, werden wir uns noch einmal wiedersehen. Bald darauf passieren wir die Kreuzsattelhütte und erreichen dann ebenfalls die Brandenkopf-Abzweigung.

Dabei handelt es sich um eine ausgeschilderte Variante des Westweges, die fünf zusätzliche Kilometer und einiges an Höhenmetern beinhaltet. Da wir heute Abend jedoch noch den Farrenkopf auf dem Plan haben und unsere Tagesetappe damit ohnehin schon 25,0 Kilometer lang ist, schenken wir uns diesen Umweg. Absolute Priorität hat für uns heute das Einkaufen in Hausach, denn morgen ist Sonntag und wir müssen vorher dringend noch einige Vorräte ergänzen. Und so setzen für uns schon die Ladenöffnungszeiten das Limit, wann wir spätestens in Hausach sein müssen.

Wir beeilen uns also, aber die steilen Bergab-Passagen gehen, aufgrund unseres schweren Gepäcks, gewaltig in die Knie und Claudia bekommt zum ersten Mal Probleme.

Über den Hirzwasen, Burzbühl und Hohenlochen, erreichen wir dann den Spitzfelsen, einen Startplatz für Drachen-, und Gleitschirm-Flieger. Von hier aus hat man eine tolle Aussicht, hinunter auf Hausach und auch hinüber, zu unserem Tagesziel, dem Farrenkopf.

Kurz darauf kommt Alex zum letzten Mal und wie immer lachend, von hinten und verabschiedet sich dann von uns. In Hausach ist seine Westweg-Tour zu Ende und er muss leider wieder zurück, nach Hause. Noch ein letztes Foto von uns, dann zieht er winkend davon. Tschüss, Alex! War schön, Dich kennengelernt zu haben und ein tolles Beispiel dafür, wie man auf dem Westweg Wander-Freunde findet!

Nach einem weiteren, steilen Abstieg, erreichen dann auch wir Hausach und sind froh, endlich wieder einmal ein Stück des Weges, „eben“ gehen zu können. Wir überqueren die Kinzig und suchen nach einem Supermarkt. In einem Lidl, der fast auf unserem Weg liegt, bekommen wir alles, was wir für die nächsten Tage benötigen! Vor allem Brot, Landjäger und Dauerwürste, so wie einige Suppen.

Leider müssen wir nun Hausach fast völlig durchqueren, bevor es wieder hinauf geht, über die Burgruine Husen, zum Farrenkopf. Claudia hat zudem noch die Idee, in einer Apotheke Magnesium, für die Muskulatur zu besorgen. Ich setze mich in ein Straßencafé und passe auf unser Gepäck auf. Zudem ergänze ich hier, im Café Armbruster, gleich noch unsere Wasservorräte, was mir auch hier wieder, sehr freundlich, gewährt wird.

Dann erscheint eine fröhliche Claudia mit einer Packung Magnesium und wir trinken noch ein Kännchen Kaffee und essen eine Butterbrezel. Anschließend schultern wir wieder unsere Last und nehmen den Berg der Berge in Angriff: den Farrenkopf – auch „Schwarzwald-Rigi“ genannt.

Eigentlich beginnt der Aufstieg ganz harmlos und und ich hatte ihn auch ganz anders in Erinnerung. Nun, inzwischen haben wir natürlich auch einiges an zusätzlicher Kondition aufgebaut, denken wir. Aber zu früh gefreut..! Als wir das Schild sehen, Farrenkopf 1,0 km, jubilliere ich noch innerlich. Doch dann kommt es so richtig, knüppeldick: steil, steiler, am Steilsten!

Ich wusste gar nicht, wie lang ein einziger Kilometer sein kann! „Setze Dir eine Wäscheklammer auf die Nase und atme nur durch einen Strohalm im Mund, dann kannst Du hier auch für den Mt. Everest trainieren!“, schießt mir irgendwann durch den Kopf.

Dann, es dämmert schon, sehen wir zum ersten Mal die Farrenkopf-Hütte (Hasemann-Hütte) von unten. „Da sind schon andere oben..!„, meint Claudia plötzlich, enttäuscht und völlig fertig. Tatsächlich sehe auch ich jetzt jemand um das Blockhaus gehen. „Schade..!„, fällt mir nur dazu ein, denn auch ich bin fix und fertig. Aber natürlich ist es schon sehr vermessen, ausgerechnet samstags darauf zu hoffen, dass man abends, dort oben alleine sein könnte.

Als wir die Hütte, gegen 20.50 Uhr endlich erreichen, treffen wir dort auf ein junges Pärchen, das am Feuer sitzt und uns freundlich begrüßt. Ich bin so „im Eimer“, dass ich überhaupt nicht sprechen kann und hebe daher nur wortlos die Hand. Dann lasse ich mich, mitsamt mit dem Rucksack, auf die Bank vor der Hütte fallen, darauf hoffend, nicht unhöflich zu wirken. Prompt kommt der junge Mann, er heißt Carl, herüber und bietet uns Tee an. Danke Carl, das war sehr freundlich!

Langsam kehren dann die Lebensgeister zurück und nach einer Katzenwäsche machen wir uns Tee und eine heiße Suppe. Mit Carl und Nanette, so heißt die nette Gefährtin von Carl, verbringen wir noch einen schönen, harmonischen Abend. Nach Einbruch der Dunkelheit sehen wir dann im Tal die Lichter von Gutach und in der Ferne, ein langsam näherkommendes Wetterleuchten. Vermutlich wird es im Laufe der Nacht noch kräftig gewittern, aber wir sind in der Hasemann-Hütte ja wohl behütet. So überlassen wir den beiden zum Schlafen den Dachboden und bauen unten, im Erdgeschoss nur unser Innenzelt, als Moskitoschutz auf. Das Außenzelt hängt zum Trocknen an der Wand. Und noch bevor Carl und Nanette ihr Dachgeschoss aufsuchen, liegen wir in der „Falle“ und schlafen, denn auch dieser Tag war sehr anstrengend gewesen und hat wohl wieder einiges, an „Körnern“ verbraucht..!

 


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3 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Auch der anstrengenste Tag klingt gut aus; insbesondere bei den Strapazen am Farrenkopf, wer ihn nicht erklommen hat sollte schweigen und ich habe ihn nocht nicht erklommen. Aber wenigsten hat das Wetter sich für Euch ein wenig zum guten gewendet.

  • Timo sagt:

    Der Farrenkopf, da war doch was…

    Ich bin den Westweg von Dobel aus gelaufen und hab nach dem ersten Aufstieg in Forbach schon gedacht, dass es nicht schlimmer kommen kann. Aber was die Etappe Hausach-Wilhelmshöhe, insbesondere gleich zu Beginn der Farrenkopf parat hat, ist einmalig anstrengend. Vor allem geht es danach ja ähnlich weiter, immer den direkten Weg hoch und runter. Zum Glück gibt es an den darauf folgenden Tagen bis zum Titisee keine größeren Steigungen mehr.

    Toller Bericht habt ihr geschrieben, das Lesen macht unglaublich Spass und Lust auf die Wandersaison. Grüße

  • Rainer sagt:

    Hallo Timo,

    herzlichen Dank, für Deinen netten Kommentar! Ja, der Farrenkopf hat es wirklich „in sich“ und viele winken bei den Erzählungen erst mal ab, bis sie ihn dann selbst erleben dürfen! 🙂

    Schön, dass Dir unsere Berichte so gut gefallen! Schon wieder ein Fan mehr! Bleib uns treu, vielleicht begegnet man sich unterwegs ja mal!

    Lieben Gruß, Rainer & Claudia

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