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Westweg-Trek: 6. Etappe

27 Juni 2010 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 6 von 16 in der Serie Westweg-Trek 2010

28. Mai 2010,

Schwabenrank-Hütte – Zuflucht – Alexanderschanze – Hark: 25,0 km.

Wir haben in dieser Nacht wieder geschlafen, wie tot. Beim Frühstück hole ich meine Wanderstiefel aus dem Schlafsack und bin selbst überrascht: sie sind warm und so trocken, dass ich sie endlich wieder einmal eincremen kann! Natürlich nützen wir das aus, da das Wetter auch heute wieder ziemlich nach Regen aussieht.

Nach dem Frühstück beeilen wir uns, unsere Siebensachen zusammen zu packen und auf die „Piste“ zu kommen. Der Westweg führt unmittelbar neben der Hütte vorbei und weder Claudia, noch ich haben Lust, jetzt schon tausend naive Fragen, von Leuten zu beantworten, die ihr Gepäck per Gepäcktransfer zur nächsten Unterkunft bringen lassen.

Die „Hark„, so haben wir inzwischen beschlossen, soll so in etwa, das heutige Etappenziel sein.

Das Wetter hält sich erst mal und bald passieren wir den Lotharpfad auf seiner „Rückseite“. Immer in „Hörweite“ der B-500, erreichen wir Zuflucht und ziehen weiter, Richtung Alexanderschanze. Hier überqueren wir die Schwarzwaldhochstraße und ich lege am alten Hotel mein Gepäck ab, um nach Kniebis hinein zu trampen. Hier wollte ich eigentlich einige Dinge einkaufen, aber ein netter Autofahrer macht mir schnell klar, dass es hier überhaupt keine Geschäfte mehr gibt! „Erst wieder in Freudenstadt..!“ Schade, wir haben uns für morgen, zum Frühstück, auf Brot, Butter und etwas Marmelade gefreut.

Er bringt mich dann aber freundlicherweise sogar noch zurück nach Alexanderschanze, wo Claudia auf mich wartet. Sie hat inzwischen im Hotel höflich nachgefragt, ob sie vielleicht die Toilette benutzen darf. Antwort: „Nein!“ Daher steht unser Urteil auch fest: dieser alte Wirt ist mit Abstand der „Unfreundlichste“, des gesamten Westweges gewesen und man sollte ihn vielleicht einmal daran erinnern, dass er ausschließlich von Westweg-Wanderern lebt! Aber was soll’s, man hatte uns ja bereits vorgewarnt! (Alex und Markus: „Ich glaube, da wurde einst Psycho gedreht..!“ Und: „Sogar das Wasser ist dort rostig..!„) Das Foto im Internet ist wohl auch schon ziemlich alt und entspricht kaum mehr dem derzeitigen Zustand des Hauses!

Wir halten uns dann auch nicht mehr länger auf, sondern ziehen rasch weiter, in Richtung Hilda-Hütte. Hier liegen nun auch die vielen, tollen Schutzhütten, von denen wir an der Hornissgrinde geträumt haben.

Wir passieren die Hilda-Hütte und steuern, über die Holzwälder Höhe, den Glaswaldsee an. Den Aussichtspunkt (Toller Ausblick hinunter, auf den See!), ignorieren wir dann aber, da das Wetter inzwischen wieder zugezogen hat und von oben ohnehin nur noch Nebelschwaden zu sehen sind!

Die nun folgenden und unter normalen Umständen, wirklich sehr idyllischen Trampelpfade, sind vom Dauerregen der letzten Tage völlig aufgeweicht und ich bin froh, dass wir heute morgen unsere Schuhe einfetten konnten. Wo es möglich ist, umgehen wir die Pfützen natürlich, aber oft bilden sie sich erst dort, wo man hin tritt und der weiche Boden vom Körpergewicht eingedrückt wird!

Dann fängt es auch wieder an zu regnen und wir müssen Jacken und Regenhosen auspacken. Im „Taucheranzug“, wie Claudia (trotz des Wetters!) wieder schmunzelt, geht es dann weiter, in Richtung „Hark“. Dort liegt auch das heutige Etappenziel von Alexander, den wir heute noch gar nicht sehen konnten, da wir gestern früher abgebrochen haben und er noch bis zur Alexanderschanze durchgegangen ist. Claudia hat die tolle Idee, ihn auf der „Hark“ zu überraschen. Dort, im Bauernhof mit Pension, könnten wir ebenfalls eine Kleingkeit essen und zudem Brot, Butter und etwas Marmelade, für unser Frühstück kaufen.

Das letzte Stück, unserer Tagesetappe, über die Littweger Höhe, zieht sich unendlich lang. Zudem hat es sich nun wieder eingeregnet und ein Ende ist nicht in Sicht. Durch die dichte Bewölkung wird es auch relativ früh dunkel und wir erreichen den Harkhof erst in der Dämmerung. Noch einmal geht es steil hinunter und die Beine tun uns, nach 25 Kilometer mit unserem Gepäck, so richtig weh.

Als wir gegen 20.30 Uhr den Gasthof betreten, unterbrechen die anderen Hausgäste schlagartig ihre Unterhaltungen. Sie sind alle frisch geduscht, wir hingegen sind nass, haben dreckige Schuhe und sind eigentlich auch viel zu spät dran, um jetzt noch nach einem Zimmer zu fragen. (Es ist ohnehin nichts mehr frei, erfahren wir nebenher!)

Aber die Wirtin ist unglaublich nett. Ihre besorgte Frage nach unserer geplanten Übernachtung, beantworten wir wohl zu ihrer Beruhigung: „Wir wollen noch etwas weiter und uns dann irgendwo ein Plätzchen zum Zelten suchen..!

Sie ist jedoch so besorgt um uns, dass sie uns sogar anbietet, unser Zelt doch draußen, auf der überdachten Terrasse, aufzustellen. Natürlich kostenlos! Dort wären wir wenigstens vor dem Regen geschützt..!

Wir danken ihr herzlich und bestellen uns zwei Portionen Bauernbratwürste, mit Zwiebeln und Brot. Inzwischen erkundigt sich Claudia nach Alex. Er war nicht im Gastraum anwesend und wir vermuten ihn auf dem Zimmer. Als er uns sieht, ist die Überraschung für ihn natürlich perfekt und er setzt sich erfreut noch zu uns, bis wir endlich aufbrechen!

Und nun wäre es beinahe zu einem kleinen Lapsus meinerseits gekommen: ich hatte bei der netten Wirtin noch nach einigen Scheiben Brot, so wie ein paar Portionen Butter und Marmelade gefragt und nicht daran gedacht, dass ich hier in keinem Hotel, sondern auf einem Bauernhof bin. Mit Karte zahlen geht hier draußen natürlich nicht! Mit Mühe und Not kratzen wir daher das letzte Bargeld zusammen, um unser Essen, die Getränke und das „Frühstück“ zu bezahlen! Die Butter und die Marmelade hat die nette Bäuerin uns schon in ein Pergament gepackt, bzw. in ein kleines Glas abgefüllt – natürlich alles selbst gemacht!

Als sie meine Not bemerkt, meint sie nur lachend: „Ach, dann überweisen Sie es mir doch..!“ Auch Alex will gleich helfend einspringen, aber es reicht gerade so! Trotzdem, danke – Euch allen!

Draußen dürfen wir uns dann noch unsere Wasserflaschen auffüllen, bevor wir noch etwa einen Kilometer weiter ziehen und uns dann einen ruhigen Zeltplatz am Waldrand suchen. Inzwischen ist es längst dunkel geworden und wir sind natürlich auch totmüde. Mit den Stirnlampen bauen wir unser Zelt auf, dann noch eine schnelle Katzenwäsche und ab, ins „Bett“!

 

 

 

 


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2 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Hier bei der sechsten Etappe habe ich einmal wieder so richtig mitgekriegt, wie schön eigentlich unsere Heimat ist; man kennt eigentlich zu wenig,aber dank Deines Berichtes kann ich auch mal wieder neue Ziele im schönen Badnerland ansteuern,

  • Oliver sagt:

    Hallo Reiner & Claudia

    Seit gestern 23.07.12 lese ich mit Spannung euer Wandern bzw. Tour Erlebnis, darauf gekommen bin ich weil ich den West Weg auch noch mal, diesmal mit Frau, Sohn und unser Jack Russel und Sack und Pack Wandern möchte ( Sommer 2013 ).

    Ich bin den West Weg schon einmal vor ca. 25 Jahren als Junger Spunnt mit einer Gruppe komplett durch gewandert, hier haben wir es so wie Ihr gehandhabt , die meiste Zeit haben wir draußen im Freien bzw. im Zelt übernachtet.

    Noch was echt toller Bericht man kann sich so richtig in eure Lage versetzen toll. Binn gespannt wie es weiter geht 

    Gruß
    Oli

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