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Westweg-Trek: 5. Etappe

27 Juni 2010 3 Kommentare

27. Mai 2010,

Hornisgrinde – Mummelsee – Ruhestein – Schliffkopf – Schwabenrank-Hütte: 16,0 km.

Trotz einer verregneten, stürmischen Nacht, haben wir erholsam geschlafen. Unser Zelt hat tatsächlich „dicht“ gehalten und auch ein paar heftigen Böen standgehalten. Nur nachts „Müssen-müssen“ ist bei diesem Wetter so richtig eklig!

Beim Frühstück prasselt immer noch kräftiger Regen auf unser Denali und ein vorsichtiger Blick hinaus macht uns klar, es wird in nächster Zeit wohl auch nicht aufhören. Daher machen wir uns zuerst einmal einen richtigen Schlachtplan, für das folgende Zusammenpacken.

Es hilft nichts, wir müssen das Zelt „nass“ einpacken und das muss zudem auch sehr schnell gehen, damit das Innenzelt nicht ebenfalls noch nass wird! Aber alles andere zuerst, noch im Schutz des Zeltes. Dann sind wir fertig und brechen auf. Noch ein kurzer Blick auf unseren Lagerplatz: wir lassen nichts zurück, außer niedergedrücktem Gras und nehmen auch nichts mit, außer unserem Abfall und der Erinnerung, an ein tolles Erlebnis!

Durch den dichten Nebel herrscht eine gespenstische Stimmung und auch die gewohnten Geräusche hören sich völlig verändert an. Vor allem ist es relativ still, denn auch die Vögel schweigen. Nur die großen Windgeneratoren sind zu hören, ohne dass wir sie in der „Suppe“ genauer orten können.

Die Wege sind nass und überall steht Wasser. Auf den steilen Wurzelpfaden, hinunter zum Mummelsee, müssen wir wirklich höllisch aufpassen, denn sie sind ziemlich schmierig.

Irgendwann haben wir es dann aber geschafft und passieren das neu erbaute Hotel am Mummelsee. Es ist letztes Jahr abgebrannt. Ob Alex wohl schon gefrühstückt hat? Wir wissen, dass hier sein Etappenziel von gestern war.

Wir entsorgen unseren Abfall und grüßen einen muffigen Bäcker, der gerade seinen Holz-Backofen (Touristenattraktion!) auf Temperatur bringt. Eigentlich wollten wir hier etwas Brot kaufen, aber das schenken wir uns unter diesen Umständen lieber und ziehen weiter, in Richtung Darmstädter Hütte/Ruhestein. In der Darmstädter Hütte wollen wir einen kurzen Boxenstopp einlegen, denn wir müssen dringend unsere Akkus aufladen. Durch die ständigen Einlogg-Versuche bei dem schlechten Netz hier, ist das Handy fast leer. (Daher unbedingt immer ausschalten, wenn es gerade nicht benötigt wird!) Aber auch der Kamera-Akku kann inzwischen mal etwas „Belebung“ gebrauchen und uns selbst tut eine heiße Bockwurst gut. Auch mit einigen zusätzlichen Scheiben, frischem Brot, werden wir hier sehr freundlich(!) versorgt.

Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und die breiten Wirtschaftswege sind völlig unproblematisch zu gehen. Die paar Pfützen, die jetzt noch auf ihnen stehen, gehören einfach dazu!

Unser nächstes Zwischenziel ist nun der Ruhestein. Hier geht es jetzt noch einmal richtig hinauf. Am Eutin-Grab liegt links unten der Wildsee, aber von hier oben sieht man leider wieder mal nur Nebel. Wir überschreiten die B-500, die Schwarzwald-Hochstraße und umrunden den Vogelskopf. Als wir uns in Richtung Schliffkopf wenden, erscheint hinter uns ein lachendes Gesicht: Alexander!

Wie immer, unterwegs, gibt es ein nettes Hallo, wenn man andere Westweg-Wanderer wieder trifft! Wir machen ein schnelles Foto und lassen ihn ziehen. Alex wandert mit leichtem Gepäck und ist deutlich schneller unterwegs, als wir. Aber wir sind uns sicher, wir werden uns noch ein paar mal wiedersehen! Sein heutiges Tagesziel ist – wie könnte es auch anders sein – die Alexanderschanze..!

Da wir morgens nur selten ein bestimmtes Tagesziel haben und zudem immer draußen übernachten, gehen wir abends auch immer länger, als unsere „Kollegen“ und überholen sie so auch meist wieder, während sie schon in ihrem Hotel sind. Und am nächsten Morgen kommen sie dann halt irgendwann wieder – mit dem bereits erwähnten „Hallo..!“ – von hinten!

Oben, am Schliffkopf kommt nun sogar etwas die Sonne heraus. Trotzdem fegen weiße Wolkenfetzen, vor einem dunkleren Himmel, über die Hochfläche – eine recht unwirkliche, aber wunderschöne Stimmung. Dann wird es wieder etwas nasser und auch entsprechend ungemütlich. Wir passierten inzwischen den Lotharpfad und nähern uns dem Schliffkopf-Hotel. Da ich etwas Probleme mit den Füßen habe, bietet sich Claudia an, dort Wasser zu holen, während ich mich etwas erholen kann.

Als sie mit 4 Litern frischem Trinkwasser wiederkommt, ist sie richtiggehend darüber aus dem Häuschen, wie freundlich sie im Hotel behandelt worden ist! Und das Wasser ist sogar „warm“ (Kaltes haben die anscheinend nicht mal auf der Toilette!).

Da meine Probleme mit den Füßen nicht besser werden, beschließen wir, die nächste Schutzhütte (Schwabenrank-Hütte) aufzusuchen und erneut eine etwas kürzere Etappe zu akzeptieren. Es bringt ja nichts, wenn wir uns jetzt schon kaputt machen.

Die Schwabenrank-Hütte ist nicht wirklich einladend, zudem bietet sie nur bedingt Schutz gegen Regen. Der Boden besteht aus (Regen-)nassem Lehm und die Seitenwände weisen breite Spalten auf, durch die Wind und Regen ungehindert eindringen können. Wir müssen daher auch in der Hütte noch zusätzlich unser Zelt aufbauen.

Wieder einmal bin ich Gott-froh, noch eine Gewebeplane eingepackt zu haben, die unter den Zeltboden kommt und so auch das Innenzelt vor Schmutz und Nässe schützt. Und auch die zusätzliche Hygiene ist mir wichtig!

Das Zelt ist noch völlig nass, von der letzten Nacht, als wir es wieder aufstellen. Da es aber nicht direkt im Regen steht, hat es nun doch etwas Gelegenheit, ein wenig abzutrocknen. Claudia richtet wieder die „Betten“ und ich mache uns heißen Tee und eine Suppe.

Katzenwäsche, Essen, Schlafen – um acht liegen wir in den Schlafsäcken und schlafen wie tot!

Zuvor zeige ich Claudia aber noch, wie wir es künftig verhindern können, morgens früh, wieder in klamme, kalte Schuhe steigen zu müssen. Ich habe zu Hause dafür extra kleine, atmungsaktive (Fila-)Säcke eingepackt, in die wir nun die Wanderstiefel stecken und sie dann mit in den Schlafsack hinein nehmen. Unten, im Fußteil werden sie so – über Nacht – wunderbar warm und trocken, die Bundeswehr lässt auch hier mal wieder grüßen..! Gestern, auf der Hornisgrinde, hatte ich leider nicht mehr daran gedacht, da ich einfach zu kaputt war.

Und auch unsere Kleider für morgen, kommen nun künftig in die Säcke der Schlafsäcke hinein. Noch einen Fleece-Pulli darum gewickelt, ergeben sie ein prima Kopfkissen und die Klamotten sind so morgen früh dann ebenfalls, wunderschön warm und trocken!

 


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3 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Nach unserer gestrigen tollen Wanderung durch die Wutachschlucht habe ich mir heute die fünfte Etappe des Westweges vorgenommen. Wieder habt ihr auch an diesem Tag bewiesen, dass der Wille durchzuhalten Berge versetzen kann und Euch dem Ziel immer näher bringt.

  • Sheena sagt:

    Ich plane grad meinen Westweg und lese sehr gerne Euren Bericht – vielen Dank dafür!

    Eine Frage: was meint ihr mit „(Fila-)Säcken“ – trockene Schuhe klingen toll, würde den Tipp gerne aufnehmen 🙂
    (ebenso wie der Bundeswehrtrick mit dem mit wenigen Wasser waschen 😉 da hab ich auch ein Fragezeichen im Kopf – habe mir bisher immer mit feuchten Tüchern beholfen)

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Sheena, Fila-Säcke sind (zweckentfremdete) Stoffbeutel, in die unsere Wanderstiefel hineinpassen. So wird der Schlafsack weder nass, noch schmutzig, wenn Du die Stiefel mit hinein nimmst. Waschen: Ein einziger, nasser Waschlappen mit Seife reicht für den ganzen Körper, denn nur das Salz muss von der Haut runter! (Im Gesicht anfangen, aber keinesfalls die „Kimme“ vergessen, um einen „Wolf“ zu vermeiden!) LG Rainer

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