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Westweg-Trek: 4. Etappe

27 Juni 2010 3 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 4 von 16 in der Serie Westweg-Trek 2010

26. Mai 2010,

Wegscheid-Hütte – Schwarzenbach-Talsperre – Badener Höhe – Unterstmatt – Hornisgrinde: 19,0 km.

Wir haben auch in dieser Nacht wieder hervorragend geschlafen. Irgendwann war das Gewitter dann doch noch gekommen und der Regen hat auch kräftig auf das Hüttendach, direkt über uns, geprasselt. Aber in der Wegscheid-Hütte toll geborgen, war das einfach nur romantisch gewesen.

Beim Frühstück sehen wir dann in einen eher tristen, verregneten Morgen hinaus. Von der Dachrinne plätschert noch immer ein kräftiges Rinnsal auf den Boden, aber auch das vermag uns die Laune nicht zu verderben. Nach zwei Tassen Kaffee und einer Scheibe Brot, packen wir zusammen und brechen auf.

Pünktlich zum Abmarsch hört es dann sogar völlig auf zu regnen und wir beschließen daher, vorerst auf die Regenhosen zu verzichten. Sie sind nicht wirklich Atmungs-aktiv und führen, vor allem bei stärkeren Anstrengungen, schnell zum Schwitzen und einen „Wolf“ möchte sich jetzt natürlich, noch keiner von uns laufen.

Noch einmal vorbei, an unserer Quelle, ziehen wir über einen breiten Wirtschaftsweg hinauf, zur Schwarzenbach-Talsperre. Die Staumauer ist eingeschalt, an ihr wird gearbeitet. Aber auch sonst macht der Stausee keinen wirklich einladenden Eindruck. Ein kurzes Foto, dann marschieren wir weiter und folgen ihrem Ufer noch eine kurze Strecke, bevor uns ein schmaler und steiniger Wurzelpfad, recht steil hinauf leitet, in Richtung Badener Höhe. Hier bekommen wir nun auch gleich eine erste Vorahnung von dem, was gestern wohl Markus und Johannes, zwei nette Studenten in den Semesterferien,  mit ihrer Mahnung gemeint haben! Sie waren uns entgegen gekommen und hatten die Badener Höhe gerade hinter sich gebracht!

Immer häufiger müssen wir unseren Aufstieg nun mal kurz unterbrechen, um zu verschnaufen und sind froh, dass es heute nicht mehr so heiß ist, wie gestern. Aber auch anderen Wanderern, mit weniger Gepäck,  geht es so. In kleinen Gruppen stehen sie immer wieder am Wegrand, des langen und steilen Anstieges und wechseln einige Worte miteinander. Auch „Alex“ lernen wir hier kennen, einen sehr sympathischen,  jungen Mann, der gerade den Studienabschluss geschafft hat und nun einfach noch einmal an „etwas anderes“ denken möchte, bevor er ins Berufsleben startet. Ihn treffen wir in den folgenden Tagen immer wieder.

Überhaupt findet sich auf dem Westweg eine eingeschworene Wandergemeinschaft zusammen, die sich grundsätzlich gegenseitig hilft und auch immer ein freundliches Wort, für einander übrig hat! Man trifft sich meist sogar einige Tage lang immer wieder, was dann stets auch für ein erfreutes „Hallo“ sorgt!

Und wenn man keine Lust auf Gesellschaft hat? Schade eigentlich, aber auch kein Problem. Schließlich kann man den Schwarzwald ja auch für sich ganz alleine genießen..!

Oben, auf der Badener Höhe angekommen fängt es dann wieder heftig an zu regnen und wir müssen auf freier Fläche die Regenhosen auspacken. Aber auch die Rucksäcke und vor allem natürlich die Kamera, verlangen nach Regenschutz. An ein Fotografieren ist nun ohnehin nicht mehr zu denken, der Regen peitscht fast waagerecht über den Gipfel und wir sind froh, endlich die Schutzhütte zu erreichen. Die ist ziemlich voll, aber wie immer, rückt man kameradschaftlich zusammen und wir machen kurz Rast, um eine Kleinigkeit zu essen.

Wir gehen weiter und erreichen das Wanderheim Badener Höhe. Gefrustet vom Wetter beschließen wir, uns etwas Gutes zu tun und eine heiße Suppe zu essen. Drinnen treffen wir prompt Alex wieder, der sich hier ebenfalls gestärkt hat und setzen uns natürlich zu ihm. Der Wirt („Ich bin hier nur angestellt!„) ist zwar der Zweitunfreundlichste, auf dem ganzen Westweg, gibt uns dann abschließend aber doch noch etwas Trinkwasser mit. Übertroffen wurde er nur noch in der Alexanderschanze, einem alten Bruchschuppen, vor dem wir hier eigentlich deutlich warnen möchten.

Nun folgt eine lange Passage, über Sand, zum Hundseck und von dort aus, über den Mannheimer Weg, nach Unterstmatt. Wenn das Wetter mitspielen würde, wäre das hier wohl wirklich eine wunderschöne Tagesetappe. So kämpfen wir uns nun aber nur noch vorwärts, in Richtung Hornisgrinde. Erst dort wollen wir in einer Schutzhütte Zuflucht suchen, um trotz des Wetters, unser Tages-Pensum zu schaffen.

Kurz vor Unterstmatt fängt es dann aber doch wieder an zu schütten, wie aus Kübeln und ich wundere mich irgendwann eigentlich nur noch, dass ich unter der GoreTex-Jacke und der Regenhose, immer noch trocken bin! Auch die Füße sind erstaunlicherweise noch trocken und warm, denn die Temperatur ist inzwischen ebenfalls fühlbar gefallen.

Es hilft aber alles nichts, wir müssen doch noch Schutz suchen und ziehen uns in einen Gasthof zurück. Hier erfahren wir, dass die in unserer Karte noch eingezeichneten Schutzhütten, auf der Hornisgrinde, angeblich nicht mehr bestehen. Irgendwie mag ich das aber nicht recht glauben, da sowohl Claudia, als auch ich, Erinnerungen an eine Schutzhütte in unmittelbarer Nähe des Sendeturmes haben. Wir ergänzen hier aber noch einmal unsere Wasservorräte und ziehen los, als der Regen etwas nachlässt.

Über den Ochsenstall, ein Tageslokal, steigen wir zur Hornisgrinde auf und werden bitter enttäuscht – wirklich keine Schutzhütte! Um 21.10 Uhr stehen wir in strömendem Regen, oben am Gipfel und es wird bereits dunkel. Was nun?

Naturschutzgebiet hin oder her, wir sind beide fix und fertig, als ich die Entscheidung treffe, das Zelt aufzubauen. Claudia ist skeptisch, ob so wenig Stoff, so viel Wasser abhalten kann, aber wir haben keine Wahl. Ich suche uns hinter einem Mauerrest der früheren, französischen Garnison, etwas Windschutz und baue mit ihr das Denali II auf. Gut, dass wir das ein paar Mal vorgeübt haben, denn das Kuppelzelt steht nun in nur wenigen Minuten, dann sitzen wir nebeneinander im Trockenen.

Während Claudia wieder die „Betten“ macht, verstaue ich die Rucksäcke unter der einen Apside und richte unter der anderen die „Küche“ her. Noch eine kurze Katzenwäsche, dann trinken wir heißen Tee und essen eine 5 Minuten-Terrine. Und jetzt muss sogar Claudia zugeben, dass es hier drinnen doch recht gemütlich ist, auch wenn das Zelt in den Windböen manchmal kräftig wackelt. Bald darauf ist sie auch schon eingeschlafen…

 


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3 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Nach den ersten drei Etappen ward ihr sicherlich ein wenig gefrustet auf der vierten so ein unwirtliches Wetter erlebt zu haben. Aber vom Willen getrieben durchzuhalten, habt ihr auch diese Etappe mit viel Bravour hinter Euch gebracht. Es ist schön für mich Euere Etappen gemütlich vorm Computer mitzuerleben und viel Neues über die Heimat Schwarzwald zu erfahren. Weiter so.

  • Sonja sagt:

    Bin letzte Woche auf dem Westweg unterwegs gewesen. Wir hatten zum Glück geniales Wetter, wobei der Wind auf der Hornisgrinde uns fast umgeworfen hätte. An der Wegscheidhütte sind wir auch vorbei gekommen und haben uns gefragt, ob man hier so ohne weiteres übernachten darf.
    Dürfen die Schutzhütten am Weg grundsätzlich zur Übernachtung genutzt werden oder muß man irgendeinem Wanderverein angehören?
    Habe dazu noch keine Informationen gefunden.
    Gruß Sonja

  • Rainer sagt:

    Hallo Sonja! Danke für Deinen netten Kommentar auf Rainer & Claudia. Schön, dass Ihr so tolles Wetter hattet, wir mussten unsere Vogesentour leider abbrechen, da die Orkanböen am Grand Ballon zu heftig wurden!
    Zu Deiner Frage: Stimmt schon, das ist alles etwas in einer rechtlichen Grauzone, und so wird es auch gehandhabt. Wenn eine Schutzhütte offen ist, darf auch jeder darin Schutz suchen. Von Übernachten steht da natürlich nichts, aber Übernachten im Wald ist ja auch nicht verboten – nur das Zelten! Und warum sollte man in der Wegscheid-Hütte extra einen Schlafboten einziehen, wenn man ihn nicht nutzen darf?
    Du siehst, es ist alles nicht so ganz eindeutig und man müsste wohl Jurist sein, um in diesem Paragraphen-Dschungel durch zu blicken! Wir selbst hatten noch nie Probleme, beim Übernachten im Wald und ich denke, dass das auch etwas „Gefühlssache“ ist. Verhalte Dich doch einfach so, wie Du gerne hättest, dass sich fremde auch in Deinem eigenen Wald verhalten! Dann solltest Du eigentlich auf der sicheren Seite sein 😉
    Lieben Gruß, Rainer

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