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Westweg-Trek: 3. Etappe

27 Juni 2010 Ein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 3 von 16 in der Serie Westweg-Trek 2010

25. Mai 2010,

Hohloh-Turm – Latschigfelsen – Forbach – Wegscheid-Hütte: nur 13,0 km, wegen drohendem Unwetter.

Na, gut geschlafen..?“ Der Hüttenwart besuchte uns gleich beim Frühstück und erkundigte sich freundlich nach unserem Befinden. Doch, in dieser Nacht haben wir wirklich hervorragend geschlafen, danke!

Nach einem kurzen Plausch nimmt der freundliche, ältere Herr dann sogar unseren Abfall mit und wir ziehen weiter. Das Wetter: blauer Himmel mit einigen „Schäfchen“-Wolken.

Zuerst geht es auf breiten Wirtschaftswegen, recht eben, dahin. An einer Abzweigung verlassen wir diese „Autobahn“ jedoch und folgen nun einem idyllischen Trampelpfad, den Wald hinunter. Unser Gepäck „schiebt“ schon wieder gewaltig und inzwischen ist es mir ebenfalls lieber, bergauf zu gehen, als bergab!

Bald erreichen wir den großen Latschigfelsen mit dem runden Pavillon. Von hier aus hat man einen tollen Blick hinunter, nach Forbach. Wir machen kurz Rast und bekommen Besuch von einem Ehepaar. Die junge Frau kann überhaupt nicht verstehen, dass man die Anstrengung, den Westweg zu wandern, „freiwillig“ auf sich nimmt! Und dann auch noch mit „Sooo viiiiel Gepäck..!“

Es geht weiter steil hinab, nach Forbach. Kurz davor erreichen wir aber Gausbach. Das Städtchen empfängt den durstigen Wanderer mit dem „Hexenbrunnen“, einer hübschen, gefassten Trinkquelle. Hier treffen wir auch das junge Ehepaar vom Latschigfelsen wieder und werden Zeuge einer überraschenden Wandlung:

Ich glaube, irgendwie könnte ich mich mit dem Schwarzwald und dem Wandern doch anfreunden..!„, meint sie nämlich ganz unvermittelt und schmunzelt. Am Ortsausgang von Gausbach finden wir das „Murgtaltor, ein weiteres „Tor“ des Westweges und unmittelbar dahinter ein weiterer Trinkbrunnen – Gausbach meint es wirklich gut mit den Wanderern!

Inzwischen hat der Himmel aber zugezogen und zwischen Gausbach und Forbach beginnt es sogar zu „tröpfeln“. Eine Wolkenwand zieht bedrohlich dunkel heran und wir suchen Schutz in der Bahnhofsgaststätte. Akkus Laden und ein kurzer Boxenstopp.

Das Wetter verschont uns und kurz darauf knallt auch schon wieder die Sonne, als wenn überhaupt nichts gewesen wäre. Noch ein schneller Einkauf, um unsere Vorräte zu ergänzen und vor allem, um in einer Apotheke „Blasenpflaster“ zu besorgen. Eine weise Entscheidung, wie sich noch herausstellen sollte! Dann verlassen wir Forbach wieder über ein unglaublich steiles Seitensträßchen. Solche Steigungen habe ich bisher nur auf Teneriffa gesehen und die brauchen dort ja nicht mit Frost zu rechnen! Die Sonne bringt den Asphalt auch schon wieder zum Kochen und wir suchen zum Stehenbleiben immer wieder den raren Schatten, am Straßenrand, auf.

Claudia bekommt erneut Probleme mit dem Kreislauf und muss rasten, da ihr schwindelig ist. Oben, an der Kapelle, finden wir Schatten und einen weiteren Brunnen. Hier kann sie sich auf einer Parkbank im Schatten erholen und ich koche uns weitere, drei Liter Tee! Es ist unglaublich, wie viel Flüssigkeit wir durch diesen Wetter-Umschwung benötigen!

Dann geht es weiter, in Richtung Badener Höhe, einer steilen Schlüsselstelle des Westweges.

Überlegt Euch vorher ganz genau, ob Ihr das an diesem Tag noch schafft. Und wenn ihr davon überzeugt seid, dann Augen zu und durch..! Einmal drin, müsst ihr diese Etappe nämlich in einem Aufwasch durchziehen, oder notfalls eben umkehren!“, haben uns andere Westweg-Wanderer bereits vorgewarnt, die uns von dort entgegen gekommen sind.

Ich bin skeptisch, nicht nur wegen Claudias Kreislaufstörungen – inzwischen nähert sich eine weitere, bedrohlich dunkle Wolkenwand und bald fegen auch erste Windböen durch die Baumwipfel. Da scheint sich etwas „Größeres“ zusammen zu brauen und als wir die Wegscheid-Hütte sehen, ist die Entscheidung auch sofort gefällt: hier bleiben wir, denn eine bessere Unterkunft können wir heute nicht mehr finden!

Auch wenn wir heute bis hierher nur 13,0 km geschafft haben, die Erholung wird uns bestimmt gut tun und die Hütte verspricht zudem optimalen Schutz vor dem heraufziehenden Unwetter. Inzwischen ist auch schon das erste Grummeln von Donner zu hören.

Die Wegscheid-Hütte ist zweistöckig angelegt: unten sind Tische und Bänke und über eine Leiter ist der Dachboden zu erreichen – ein toller, geschützter Schlafplatz, sogar mit Glasfenstern. Davor eine Feuerstelle mit Holzbänken – ein toller Komfort! Das einzige was uns jetzt noch fehlt, ist Trinkwasser!

Wir bauen oben das Innenzelt als Moskito-Schutz auf und während Claudia das Nachtlager richtet, studiere ich die 25.000er Karte, am Weg, direkt neben der Hütte. Auf meiner 50.000er verdecken nämlich große Symbole die nähere Umgebung der Hütte (Ooh Freunde des dicken Striches..!) und damit auch eine Quelle, direkt am Weg, nur etwa 500m von der Hütte entfernt. Wir deponieren das Gepäck auf dem Dachboden und machen uns mit den Wasserflaschen, Waschzeug und Crocs auf den Weg und erleben eine Überraschung: die Quelle ist sogar als Trinkquelle gefasst! Eiskalt und kristallklar schießt das Wasser mit hohem Druck aus dem Wasserhahn. Die gefüllten Plastikflaschen beschlagen sofort!

Endlich können wir uns einmal richtig waschen und nach dem Umziehen kehren wir entsprechend gut gelaunt zurück, zur Hütte und machen es uns gemütlich. Ein kleines Feuer verbreitet Behaglichkeit und sogar Petrus scheint ein Einsehen zu haben, denn auch das drohende Unwetter verzieht sich. Claudia verschickt per SMS noch ein paar Fotos unserer feudalen Unterkunft, an unsere Kinder und Freunde und führt auch einige Handy-Telefonate, direkt aus der Pampa. Unglaublich, was heute so alles geht..!

Es ist schon lange dunkel, als wir endlich die Schlafsäcke aufsuchen…


 

 

 

 


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Ein Kommentar »

  • Rainer sagt:

    Nach 1 1/2 Stunden Appalachen – Trail im Fernsehen, habe ich noch schnell Euere dritte Etappe verinnerlicht. Und ich muss sagen, ob Wetweg oder American-Trail, die Schönheit der Natur und die Beschwernisse der Wanderer sind bei beiden Trails gleich. Hier wie dort muss man an seine Grenzen gehen um zu bestehen und die habt ihr ja auch gefunden; Chapeau

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