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Westweg-Trek: 2. Etappe

27 Juni 2010 Ein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 2 von 16 in der Serie Westweg-Trek 2010

24. Mai 2010 (Pfingstmontag),

„Dreimarkstein“ – Dobel – Hohlohsee – „Kaiser-Wilhelm-Turm“: 20,5 km.

Unsere erste Westweg-Nacht ist ziemlich unruhig. Der Grillplatz liegt direkt neben der Stra├če nach Dobel, au├čerdem herrscht hier sogar nachts viel Flugverkehr (Baden-Baden, oder Stra├čburg?) und ab und zu h├Ârt man auch einen Zug fahren. Morgens weckt mich dann ein beeindruckendes Vogelkonzert, aber leider auch das penetrante „Sirren“ von Schnaken, direkt neben meinem Ohr.

Als ich aus dem Biwaksack krieche stelle ich fest, dass sich an der Innenseite ziemlich viel Kondenswasser niedergeschlagen hat (K├Ârperausd├╝nstung!). Der Schlafsack selbst ist jedoch frisch impr├Ągniert, so dass die Daunen trocken geblieben sind. Ein kurzer Blick zum Himmel verspricht uns f├╝r heute tolles Pfingstwetter, auch die Sonne scheint schon. Ich mache uns hei├čes Wasser f├╝r den l├Âslichen Kaffee und wecke Claudia.

Beim gemeinsamen Fr├╝hst├╝ck beratschlagen wir dann ├╝ber die heutige Etappe. Wir m├Âchten sie gerne so abstimmen, dass wir gleich morgen fr├╝h in Forbach einkaufen k├Ânnen. Das bedeutet f├╝r unsere heutige Tour, dass wir mindestens den Hohlohsee erreichen sollten, aber auch nicht weiter gehen sollten, als bis zum Latschigfelsen.

Um 9.00 Uhr brechen wir auf. Es ist jetzt schon ganz sch├Ân hei├č und ich habe uns vorsorglich wieder 4 Liter, leicht ges├╝├čten Tee gemacht. Der Zuckergehalt ist f├╝r den K├Ârper – als Brennstoff – immens wichtig!

Nach etwa anderthalb Kilometern passieren wir im Wald noch einmal eine baugleiche H├╝tte, wie die, in der wir selbst ├╝bernachtet haben. Diese hier w├Ąre aber deutlich ruhiger gelegen. (Ist ebenfalls in der 50.000er-Karte eingezeichnet.)

Kurz darauf stehen wir vor beeindruckenden Felsformationen, dem Naturdenkmal „Volzemer Stein„. Eine Tafel erkl├Ąrt, dass das Absprengen der einzelnen Felsen durch in Spalten eingesickertes Wasser und Frost entstanden ist.

Etwas sp├Ąter erreichen wir die ersten H├Ąuser von Dobel und qu├Ąlen uns, ├╝ber viel hei├čen Asphalt, durch das h├╝bsche St├Ądtchen hindurch. Am Ortsausgang durchschreiten wir das Sonnentor Dobel, ein weiteres Westwegtor und lassen dann die hei├čen Asphaltstrecken hinter uns.

Die Hitze macht uns nun zunehmend zu schaffen und wir kommen mit unserer R├╝ckenlast kaum noch voran. Bei uns beiden sind inzwischen die Waden sichtlich aufgeschwollen (Wassereinlagerung), was bei mir die Durchblutung nat├╝rlich noch zus├Ątzlich reduziert. Claudia hat wieder mal ein knallrotes Gesicht und ich achte darauf, dass sie regelm├Ą├čig trinkt! Unser Organismus hatte bisher einfach noch keine Gelegenheit, sich langsam auf diese Backofen-Temperaturen einzustellen und wo kein Schatten ist, m├╝ssen wir uns qu├Ąlen. Die regelm├Ą├čige Einnahme von Magnesium-direkt, das sofort ins Blut geht, soll helfen Kr├Ąmpfe zu verhindern. Wenigstens das funktioniert!

Der Weg zieht nun, ziemlich auf einer H├Âhe, immer entlang der Berghalden von Stierkopf, Lerchenkopf, Rosskopf und Lerchenstein, Richtung S├╝dwest, zum Langmartskopf. Schatten ist auch hier, auf dem breiten Wirtschaftsweg,┬á eher selten und so tr├Âsten wir uns halt mit dem tollen Ausblick, bis hin├╝ber zu den Vogesen und hinab, nach Gernsbach.

Und es droht weiterer Ungemach: trotz des Eincremens mit einer Sonnenschutz-Creme des Faktors 50+(!), r├Âten sich unsere Unterarme inzwischen zusehens und auch der Nacken brennt zunehmend, obwohl wir unsere Sonnenh├╝te tragen! Hier oben weht ein angenehm k├╝hler Wind von den Vogesen her├╝ber, der die ungesch├╝tzte Haut so kr├Ąftig k├╝hlt, dass man den immer st├Ąrker werdenden Sonnenbrand ├╝berhaupt nicht sp├╝rt. Jetzt gilt es also, erst recht aufzupassen!

Wir ben├Âtigen viel Fl├╝ssigkeit und langsam gehen auch unsere mitgef├╝hrten 4 Liter Tee zur Neige. An der Hahnenfalzh├╝tte finden wir aber eine, von der Skizunft Herrenalb, gefasste Quelle. Unsere Nachfrage bei Einheimischen, ob man ihr Wasser vielleicht trinken kann, beantworteten zwei Einheimische gleichzeitig: einer mit Nein, der andere mit Ja..! Nachdem wir aber sehen, dass sie auch Ihr eigenes Trinkwasser dort holen, wischen wir unsere Bedenken vom Tisch. Das Wasser hat eine leicht br├Ąunliche Farbe, was auf das hier ├╝bliche Moorwasser hindeutet, ist aber sehr kalt und sch├Ąumt auch nicht! Daher bereite ich uns einen weiteren Liter Tee, f├╝r unseren noch verbleibenden Weg, zu. (Obwohl ich nicht die Zeit hatte, das Wasser richtig abzukochen, hat es uns nicht geschadet und „Durst“ ist wirklich schlimmer, als Heimweh, wissen wir inzwischen!)

Von hier aus geht es nun kurz, ├╝ber einen steinigen Wurzelpfad hinauf, dann aber wieder, ├╝ber endlose, breite Wirtschaftswege hinunter, nach Kaltenbronn. Uns brennen die F├╝├če, als wir endlich der roten Raute hinunter, zum Hotel Sarbacher, an der Durchgangsstra├če folgen, wohl wissend, dass dies ein Umweg ist und wir nachher wieder, jeden hier abgebauten H├Âhenmeter, hinauf m├╝ssen.

Was soll’s..? Schon mal da frage ich gleich h├Âflich, ob wir vielleicht unsere Trinkwasservorr├Ąte erg├Ąnzen d├╝rfen und bin dann richtig ├╝berrascht, von so viel Freundlichkeit:

„Selbstverst├Ąndlich..!“ Und man nimmt uns diese Arbeit sogar ab! Mit 6 Liter frischem Wasser (und damit auch wieder zus├Ątzlichen 6 Kilogramm auf dem R├╝cken!) machen wir uns auf den kurzen Weg, hinauf zum Holohsee. Weiter wollen und k├Ânnen wir heute mit unserem Gep├Ąck nicht mehr, denn es geht hier noch einmal richtig steil bergauf!

Oben angekommen, genie├čen wir noch etwas die herrliche Abendruhe, direkt am Hohlohsee. Au├čer uns ist nun nur noch ein Maler mit seiner Frau hier, der diese Abendstimmung in einem Aquarell aufs Papier bringen m├Âchte. Nach etwa einer Stunde, stehen wir dann vor unserer H├╝tte, direkt neben dem Kaiser-Wilhelm-Turm.

Um nachts Schutz vor den Moskitos zu haben, baue ich diesmal, auch innerhalb der H├╝tte, das Innenzelt auf und Claudia macht die „Betten“ (Isomatten, Thermarest-Matten und Schlafs├Ącke auslegen). Diesmal koppeln wir die Daunenschlafs├Ącke zusammen, so hat jeder erheblich mehr Platz darin, vor allem auch deutlich mehr Beinfreiheit.

Wieder waschen wir uns mit ganz wenig Wasser das Salz von der Haut und ziehen uns um. In Jogging-Anz├╝gen essen wir unsere 5 Minuten-Terrinen und trinken noch etwas Tee. Diesen zweiten Abend k├Ânnen wir nun auch richtig genie├čen, denn hier oben sind wir v├Âllig alleine. Nur ein K├Ąuzchen versucht, mit seinem schauerlichen Rufen, etwas mystische Stimmung zu verbreiten. Aber sogar das empfinden wir heute als angenehm..!


 

 

 

 


Westweg-Trek: 1. EtappeWestweg-Trek: 3. Etappe

Ein Kommentar »

  • Rainer sagt:

    Die zweite Etappe hat das versprochen, was sich bereits bei der ersten Etappe angedeutet hat. Eine wundersch├Âne Route durch den Nordscharzwald verbunden mit den Strapazen einer solchen Wanderung bereits zu Beginn Eurer Tour. Sie wird Euch sicherlich immer in Erinnerung bleiben und Euch zu diesem Zeitpunkt schon aufzeigen was Euch in den n├Ąchsten Tagen Euch erwarten wird. Auch heute ziehe ich den Hut vor Euch. Morgen lese ich weiter; jeden Tag zwei Etappen, dann bin ich n├Ąchsten Sonntag mit dem Lesen und Eurer Tour durch.

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