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Westweg-Trek: 14. Etappe

27 Juni 2010 9 Kommentare

5. Juni 2010,

Kandern – Wolfsschlucht – Hammerstein – Wollbach – Burg Rötteln – Tumringen – Basel: 24,5 km.

Das „Beste“ haben wir uns natürlich bis zum Schluss aufgehoben – zumindest, was das Wetter angeht..!

Die Nacht war etwas unruhig. Zuerst meinten ein paar Halbstarke, mit ihren Mofas im Wald nächtliche Querfeldeinrennen fahren zu müssen, dann suchten noch weitere Wanderer (nach 23.30 Uhr!) nach Schlafplätzen. Diese waren jedoch sehr leise und sind auch sofort weiter gezogen, nachdem sie gesehen haben, dass wir da sind.

Wir sind gut gelaunt, als wir frühstücken. Dann packen wir zusammen und ziehen los: die letzte Etappe liegt vor uns und auch das Wetter scheint endlich mal mit zuspielen – blauer Himmel und Sonnenschein! Basel, wir kommen!

Um 9.00 Uhr nehmen wir die letzten 24,5 km Westweg unter die Wanderstiefel, da ist es schon ungewohnt warm.

Zunächst ziehen wir aber zuerst einmal durch die angenehm kühle, wildromantische Wolfsschlucht. Hier ist es teilweise so eng, dass wir uns mit den Rucksäcken „quer“ zwischen den Felsen hindurch schieben müssen. Dann wird es es aber bald wieder breiter und „gemütlicher“, und leider auch sonniger. Der asphaltierte Weg zieht nun steil hinauf, Richtung Wollbach und der „Planet“ sticht bereits heute morgen, recht gewaltig. Bald sind wir froh um jeden, noch so kleinen Schatten, entlang des Weges.

Eigentlich hatten wir auf dieser letzten Etappe nun überhaupt keine größeren Anstiege mehr erwartet, und auch ein prüfender Blick in die Karte, zeigt uns nur noch „Hügel“ – also wirklich nichts Besonderes mehr, nach Farrenkopf, Feldberg, Belchen und Blauen.

Aber es ist wohl die Art der Anstiege, die einem hier die Kraft aus den Beinen saugt und vor allem, diese unglaubliche Hitze, denn der Asphalt scheint bereits jetzt zu kochen.Wir trinken sehr viel und ich rechne etwas besorgt nach: so viel Flüssigkeit haben wir bisher noch nie verbraucht – und immer häufiger muss ich an die fehlende Flasche Wasser, von gestern Abend denken!

Es ist aber eigentlich gar nicht die Hitze, die uns so zu schaffen macht, sondern vielmehr die fehlende Aklimatisierung. Der Körper hatte in diesem Jahr, bisher überhaupt noch keine Gelegenheit, sich an solche, hochsommerlichen Temperaturen zu gewöhnen und reagiert nun eben instinktiv, wie er reagieren muss: er hält das ganze (getrunkene) Wasser zurück, um „schwitzen“ zu können! Denn obwohl wir beide sehr viel trinken, „müssen“ wir nicht! Dafür habe ich inzwischen so dick aufgeschwollene Beine und Füße, dass ich irgendwann sogar die Schuhe lockern muss!

Der größte Fehler wäre nun aber, einfach weniger zu trinken! Wer dem Körper in dieser Situation nämlich zeigt, dass er mit dem Wasser wirklich „geizen“ muss, weil nichts mehr nach kommt, der verschlimmert diese Situation noch weiter, denn die Nieren konzentrieren dann bald noch stärker!

Oberhalb von Wollbach passieren wir einen Steinbrunnen. Das große Schild „Kein Trinkwasser!“ ist nicht zu übersehen und ein Bauer schüttelt, auf meinen fragenden Blick hin, auch sofort den Kopf: „Wir haben das Wasser erst prüfen lassen! Es ist leider bakterienverseucht..!“

Claudia krächzt ein „Dankeschön!“, und nimmt noch einen Schluck aus der Flasche, dann ziehen wir weiter. Am „Baselblick“ freut sie sich dann etwas zu früh: was sie schon für Basel hält, ist leider erst Lörrach, wie uns die Karte schnell zeigt. Und der Schatten am Weg wird immer rarer.

Oberhalb von Haagen erreichen wir dann irgendwann die Ruine Rötteln. Hier rasten wir im Schatten und erholen uns etwas. Eigentlich hätte ich mir das alte Gemäuer sehr gerne ausführlicher angesehen, aber ich möchte inzwischen keinen überflüssigen Schritt mehr machen und Basel ist noch ziemlich weit!

Nach etwa einer weiteren Stunde lassen wir Haagen links liegen und unterqueren die Autobahn. Hier befindet sich ein weiteres (das Letzte) Westweg-Tor, das Portal „Dreiländereck Lörrach“. Ich mache ein kurzes Foto von Claudia, dann ziehen wir weiter.

Nun folgt ein Anstieg in praller Sonne und oberhalb von Tumringen geht unser Wasser zur Neige. Links ist Lörrach und vor uns ein „Hügel“ ohne Ende. Endlos weit zieht sich der geteerte Feldweg hinauf, zu einem Waldrand und wir können es kaum erwarten, endlich seinen Schatten zu erreichen!

„Da oben ist ein Kiosk..!“, meint Claudia dann irgendwann. „Hast Du schon Hallu’s..?“, will ich wissen, denn ich sehe dort nur eine Schutzhütte, die auch in der Karte verzeichnet ist. Dann kann aber auch ich Leute vor der Hütte erkennen. Vielleicht ja doch..?

Oben kommt dann die Enttäuschung: hier wird nur eine Geburtstagsparty für heute Abend vorbereitet und Getränke haben sie leider nicht zu verkaufen. Ich habe den Rucksack abgenommen und sitze auf der Bank im Schatten, fix und fertig!

Zwei ältere Damen nerven mit ihren Fragen zu unserer Tour und Claudia gibt höflich Auskunft.

„Wir kommen von Pforzheim..!“

„Zu Fuß..?“

„Ja!“

Und wo wollen Sie hin..?“

„Nach Basel!“

„Heute noch..?“

„Ja..!“

Da steht die Dame plötzlich auf und geht zur Schutzhütte, in der zwei junge Frauen das Fest vorbereiten. Irgendwann steht dann eine von ihnen am offenen Fenster und hält eine 1,5 Literflasche Mineralwasser heraus!

„Könnt Ihr Euch die vielleicht umfüllen, damit wir wenigstens die Pfandflasche behalten können..?“, will sie von mir wissen. Ich bin schlagartig wieder fit! „Klar! Danke schön..!“ Einen Liter füllen wir um, den restlichen Halben trinken wir gleich aus der Flasche! Und Geld wollten sie auch nicht! Hier noch einmal ein herzliches Dankeschön dafür!

Wir bedanken uns auch bei der älteren Dame noch höflich und ziehen dann – nun endlich wieder im Baumschatten eines Mischwaldes – weiter. Nach etwa zwei Kilometern erreichen wir Obertüllingen und sehen von der dortigen Kirche aus hinüber, auf unser Etappenziel: Basel! Nun scheint es zum Greifen nah, aber auch diese restliche Strecke zieht sich noch einmal ungemein in die Länge. Allerdings: entlang der Wiese ist der Fußweg nun eben und überwiegend schattig!

Claudia träumt laut von einem Fußbad und auch ich würde gerne etwas meine Füße ins kühle Wasser der Wiese hängen, aber wir müssen weiter! Manuela hat uns per SMS schon die Zugverbindungen ab Basel geschickt und ich möchte lieber zu Hause baden – heiß und in der Wanne, mit viel Schaum! Da muss auch Claudia lachen und gibt mir Recht.  Aber diese letzten Kilometer, immer entlang der Wiese, waren schon sehr schön!

Kurz vor 19.00 Uhr erreichen wir dann den Badischen Bahnhof und lösen unsere Tickets. Und um 19.11 Uhr sitzen wir schon im ICE, in Richtung Freiburg.

Wir haben es tatsächlich geschafft und das in nur 14 Tagen! Und mit unserem Riesengepäck haben wir nur einen einzigen Tag länger gebraucht, wie die „normalen“ Westweg-Wanderer. Klar, dass wir mächtig stolz sind!

Es war das intensivste Abenteuer unseres Lebens und wir wissen jetzt schon: es wird weiter „getrekkelt“ werden..!

Eine schöne Wanderung zu machen, das ist nämlich das Eine. Eine schöne Wanderung über mehrere Tage zu machen, das andere. Und dabei dann auch noch draußen zu übernachten..?

Es Euch zu beschreiben, haben wir hier versucht, aber erleben kann man es einfach nur für sich selbst. Traut Euch..!

Herzlichst

Rainer & Claudia

 

 

 

 

 


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9 Kommentare »

  • Manu sagt:

    Und nochmal zum Abschied von der Sonne geküsst. Lieber Papa, Du hast diese ganzen Berichte mit so viel Liebe und Hingabe geschrieben wie immer. Man spürt in jedem Bericht genau, wie Ihr Euch gefühlt habt auf der jeweiligen Etappe. Das einzige, was ich mir vielleicht noch gewünscht hätte ist eine Möglichkeit, sie ganz am Stück zu lesen durch eine Verlinkung zum nächsten Bericht ohne immer wieder zurückgehen zu müssen. Aber wahrscheinlich bin ich eh die Einzige, die das ganze auf einmal liest. 😉 Bin stolz auf Euch – ich hätte wahrscheinlich irgendwann (Tag 2 *g*) aufgegeben. HEL. Eure Dodd’l

  • Rainer sagt:

    Mir bleibt nur übrig Euch zu dieser Leistung zu gratulieren. Rainer Deine Tagesberichte sind beeindruckend und haben mir aufgezeigt, wie faszinierend unser Land und wie toll Eure Leistung gewesen ist. Wichtig waren auch Deine Anmerkung zu den zu beachtenden Vorsorgmaßnahmen, um so eine Tour unbeschadet an Körper und Seele zu überstehen.
    Chapeau!

  • Sabrina sagt:

    Liebe Claudia, lieber Rainer,
    ich möchte mich ganz ganz herzlich für euren tollen ausführlichen Bericht bedanken den ich nur durch Zufall beim Surfen im Internet entdeckt habe. Ähnlich wie Alex bin ich vor zwei Wochen mit dem Studium fertig geworden und hab mir vor knapp 6 Wochen überlegt, dass ich einfach mal raus muss…ohne Mails, Abgabetermine und ein Handy das dauernd klingelt. Kurzerhand hab ich mich dann für den Westweg entschieden, auch wg. euren tollen Berichts. Ich werde am Montag nach Basel fahren (und „verkehrtherum“ laufen), zwar ohne jegliche Wandererfahrung was Mehrtagestouren angeht, aber auch ohne Zelt, Schlafsack und Isomatte.

    Also nochmals vielen Dank und ich freu mich auf noch viele weitere Berichte von euch beiden 🙂

  • Rainer sagt:

    Hallo Sabrina, vielen Dank für Deinen tollen Kommentar! So was baut uns immer wieder richtig auf, denn es zeigt uns, dass wir mit unserer Seite auf dem richtigen Weg sind! Meldest Du Dich vielleicht noch mal kurz, wenn Du wieder zu Hause bist?

    Herzliche Grüße aus Titisee-Neustadt, und viel Freude auf dem Westweg, Rainer und Claudia

  • Inge sagt:

    Hallo Ihr Beiden,

    ich habe Euren Bericht mit großer Begeisterung gelesen, alle Achtung, den Westweg auf diese Art zu wandern. Wir planen für den Sommer, allerdings mit vorgebuchten Schlafplätzen, obwohl mich Eure Schilderung „angeturnt“ hat, es auch mal mit draußen schlafen zu versuchen…

    Viele Grüße aus Haltern am See
    Inge Gasse

  • Werno sagt:

    Hallo Ihr Weitwanderer

    zufällig bim ich beim Recherchieren zum Westweg auf diese Seite gestossen.
    Toll!! Toll die Seite, aber auch Euer Weg vopn Pforzheim nach Basel.
    Ich plane deisen Weg eventuel nächsten Sommer zu gehen. Vorerst geniesse ich Euren Bericht.

    Danke und viele Grüsse aus der Zentralschweiz

    werno

  • Esteban sagt:

    Chapeaux für Sie leute. Wow… you really rock!

    Sehr schöne wander!!

  • Henrike sagt:

    Hallo!
    Ich gratuliere zu dieser Leistung und bedanke mich für die wunderbaren Reiseberichte! !
    Weiter so 🙂

  • Marko Paliouras sagt:

    Bin auch durch Zufall auf diesen Bericht gestoßen. Hab es sehr genossen zu lesen. Schön, dass sich jemand die Mühe macht so etwas festzuhalten und mit anderen zu teilen. Ist zwar schon länger her, aber ich denke ihr erinnert euch immernoch gern daran zurück. Liebe Grüße Marko aus Pforzheim

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