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Westweg-Trek: 13. Etappe

27 Juni 2010 2 Kommentare

4. Juni 2010,

Spähnplatz – Blauen – Ruine Sausenburg – Kandern: 19,5 km.

Wieder gut geschlafen und endlich auch S o n n e n s c h e i n ! Ein unglaubliches Vogelkonzert weckt uns schon recht früh, auch die scheinen sich über den blauen Himmel zu freuen. Wir dösen aber noch etwas vor uns hin und genießen einfach diese tolle Stimmung.

Irgendwann muss ich „raus“ und mache uns anschließend auch gleich Kaffee. Danach wieder das Übliche, Zusammenpacken und Aufbruch – mit einer Ausnahme: heute kommt kein „Guten Morgen..!“ von den Wanderfreunden, denn dafür liegt unser Zeltplatz einfach zu versteckt. Wir lassen uns heute auch etwas mehr Zeit und vermuten daher, dass sie wohl längst vorbei gezogen sind.

Über herrliche Wiesen-, und Waldpfade, geht es dann in Richtung Blauen. Wir rasten noch einmal kurz vor einer tollen Schutzhütte mit Feuerstelle. Leider gibt es davon auf dem Westweg (insgesamt) viel zu wenige und meistens auch immer nur gerade dort, wo sie uns nichts nützen.

Oben, am Blauen-Haus, empfängt uns dann wieder der ganz normale „Wahnsinn“ und wir sind froh, dass heute nur Freitag und nicht Sonntag ist! Trotzdem sind erstaunlich viele Motorradfahrer hier und den, von ein paar wenigen(!) Idioten, absichtlich produzierte Phon-Pegel, würde man dann wohl auch eher am Hockenheim-Ring erwarten, als hier oben, auf einem Schwarzwald-Gipfel. Schade..!

Trotzdem können wir die Aussicht von hier oben genießen. Man sieht über die ganze Rhein-Ebene hinweg, bis hinüber, zu den Vogesen. Und es gibt sogar noch eine Überraschung. Ein freundliches und heute früh vermisstes: „Guten Morgen..!“, wird hier nun nämlich nachgeholt. Unsere Wanderfreunde rasten hier ebenfalls und ihr Sohn interessiert für einen Drachenflieger, der sich gerade startklar macht.

Das schöne Wetter fordert jedoch auch diesmal seinen Tribut. Mir kochen bald die Fußsohlen und ich nutze daher auch die kurze Rast am Blauen, um – für ein paar Minuten – die Schuhe auszuziehen. Ganz langsam stoßen wir beide an unsere physischen Grenzen und die „Zipperleins“ häufen sich. Auch einige Mängel in unserer Ausrüstung treten nun immer deutlicher zu Tage. Dinge, die wir das nächste Mal unbedingt verbessern müssen (und werden!). Dazu gehören beispielsweise auch stabilere Wanderstiefel. Mein Renegade ist zwar angenehm leicht, aber inzwischen hätte ich ganz gerne etwas „mehr Schuh um den Fuß“! Dabei stehen meine Trekking-Stiefel zu Hause, im Schrank! Und auch Claudia beschließt schweren Herzens, sich nach dieser Tour, von ihren Meindl-Lederstiefeln endgültig zu trennen. Die wurden zwar stets gut gepflegt und sehen auch noch immer topfit aus, aber nach fünf Wanderjahren und unserer Westweg-Tour, kennt nun auch Claudia den kleinen Unterschied zwischen eingelaufen und ausgelatscht! Und ihre Trekking-Stiefel stehen ja ebenfalls schon zu Hause, neben den Meinen!

Nach einer Stärkung brechen wir auf, wohl wissend, was uns nun erwartet. Bis Kandern (9,5 km) sind nun gute 770 Höhenmeter abzubauen! Das sind über 8 Meter auf 100 Meter Strecke, rechne ich mir im Kopf aus, also durchschnittlich über 8% Gefälle! Das wird uns ganz bestimmt ordentlich in die Beine gehen!

Am Hexenplatz passieren wir ebenfalls noch einmal eine tolle Schutzhütte. Notunterkunft mit allem Komfort, sogar mit Ofen. Wirklich alles da, außer Wasser!

Hier, auf unserer vorletzten Etappe sind nun aber auch nicht mehr ganz so viele Westwegzeichen am Weg, wie bisher gewohnt. Man sollte daher vielleicht ab und zu mal in die Karte sehen, um sich Umwege zu ersparen!

Irgendwann am späten Nachmittag erreichen wir dann die Ruine Sausenburg. Diese liegt sehr erhaben über Kandern und erlaubt uns einen herrlichen Blick über das ganze, obere Rheintal und in der Ferne sehen wir sogar  noch den Rhein in der Abendsonne glänzen. Wir setzen die schweren Rucksäcke unterhalb der Treppe auf einer Bank ab, bevor wir zur Ruine hinauf gehen.

Da wir heute unbedingt noch einkaufen müssen, dränge ich zur Eile. Claudia hat sich inzwischen noch eine weitere Blase gelaufen und wir müssen unbedingt rechtzeitig in Kandern sein, um noch in eine Apotheke zu kommen und Blasenpflaster kaufen zu können. Auch unser Magnesium-direkt ist inzwischen zur Neige gegangen und die leichten Ansätze von Krämpfen, hinten in der Oberschenkel-Muskulatur, nehmen langsam zu.

Über grüne Hügel, geht es bequem hinunter nach Kandern. Von hier oben aus können wir bereits Lörrach sehen. Dann sind wir endlich unten und werden von einer freundlichen Dame, die ebenfalls gerade vom Einkaufen kommt, zum Edeka-Markt dirigiert. Hier setzen wir unsere Rucksäcke ab und Claudia stärkt sich mit einem Kaffee und einem Croissant, während ich den kleinen Einkauf erledige.

Wir brauchen nur noch etwas Brot, Landjäger und einige Pfefferbeißer, so wie 6 Liter Wasser. Ich nehme gleich hier ein billiges, „stilles Wasser“ mit, dann brauchen wir uns später nicht mehr darum zu kümmern. Und wir haben auch Glück mit einer Apotheke, um noch Blasenpflaster zu besorgen. So kann ich später auch Claudia wieder entsprechend „verarzten“.

Nun müssen wir noch durch ganz Kandern hindurch gehen, bevor wir uns endlich wieder in die Büsche schlagen dürfen und so auch nach einem geeigneten Nachtlager suchen können. Wir folgen immer den Westweg-Zeichen in Richtung Wolfsschlucht und stoßen ganz überraschend auf eine Schutzhütte mit Feuerstelle. Ein zwar rund herum offener Pavillon, mit Tisch und Bänken, aber immerhin ein Dach über dem Kopf. Es dämmert schon, als Claudia ein „Machtwort“ spricht („Wir bleiben hier!„) und ich auch artig das Zelt im Pavillon aufbaue. So kann das Wetter machen, was es will..!

Während Claudia wieder die „Betten“ macht, suche ich Holz zusammen und mache uns ein Feuer.

Beim Waschen passiert mir dann ein Lapsus, den man tunlichst vermeiden sollte, daher möchte ich ihn hier auch erwähnen:

Ich hatte im Edeka 6 Liter Wasser gekauft, 4 x 1,5 Liter. 4 Liter davon benötigen wir bei dieser Wärme unbedingt für die letzte Etappe morgen, zum Trinken. Bleiben 2 Liter für Tee und heiße Suppe heute Abend, so wie den Kaffee morgen früh, übrig. Der Rest (und kein einziger Tropfen mehr!) steht dann noch zum Waschen und Zähneputzen zur Verfügung.

Nun nahm ich mir etwas Wasser (direkt aus der vollen Flasche) auf den bereits eingeseiften Waschlappen und berührte damit nur ganz kurz den oberen Flaschenhals. Sofort sah ich jedoch Seifenschaum innerhalb der Flasche! Der Inhalt dieser Flasche war damit nicht mehr zum Trinken geeignet und wir haben nun ein richtiges Problem: das restliche Wasser reicht jetzt nämlich nicht mehr aus, um uns für morgen noch 4 Liter Tee zu machen!!!

Ihr lächelt über diesen Blödsinn? Nun, mir ist das Lachen nach dieser riesen Dummheit aber völlig vergangen und wie sehr uns diese Flasche Wasser, morgen dann wirklich fehlen sollte, das konnte ich in diesem Augenblick ja noch gar nicht ahnen..!

Wasser und Brot, dazu habe ich auf dieser Trekking-Tour schon bisher eine völlig neue Einstellung gewonnen, und Claudia ebenfalls! Aber noch immer 24,5 km bis Basel…

 


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2 Kommentare »

  • Manu sagt:

    Sonnnnnnäääääääää 😉 *strahl*

  • Rainer sagt:

    Der Blauen für mich einer der schönsten Berge unserer Gegend und das liebliche Markgräfler Land mit der Sausenburg. Eine etappe, die auch für Euch schön war, wie ich Deinem Bericht entnehmen kann. Bald habt iIhr es ja geschafft.

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