Home » Trekking-Special

Westweg-Trek: 12. Etappe

27 Juni 2010 2 Kommentare

3. Juni 2010,

Notschrei – Wiedener Eck – Belchen – Haldenhof: 20,0 km.

Auch in dieser Nacht haben wir wieder gut geschlafen. Irgendwann haben wir ganz in der Nähe Wild gehört, aber das war nicht weiter angsteinflößend, eher spannend. Und auch Claudias Knie ist über Nacht noch etwas weiter abgeschwollen.

Nach einem schnellen Frühstück packen wir zusammen und hören beim Aufbrechen, auch heute wieder, ein fröhliches „Guten Morgen..!„, vom Weg aus, zu uns herüber schallen. Der Westweg bekommt langsam seine eigene Routine. Eine junge Familie, die wir gestern in Oberzarten zum ersten Mal getroffen haben, wandert danach in Sichtweite vor uns her.

Es nieselt nun immer stärker, anscheinend kommt der Nebel herunter. Dann fängt plötzlich Claudia neben mir, an zu humpeln. Offensichtlich hat sich ihr altes Blasenpflaster nun völlig gelöst und reibt sie schmerzhaft. Das hätte ich eigentlich schon gestern Abend gerne gewechselt, aber wir hatten leider keines mehr und die nächste Apotheke finden wir wohl erst wieder in Wollbach. Bis dort hin sind es aber noch zwei volle Tagesetappen. So blieb mir dann gestern auch nichts anderes übrig, als das lose Pflaster mit einem Streifen Hansaplast zusätzlich zu fixieren. Aber ganz offensichtlich, hat das wohl nicht gehalten.

Während ich noch nach Möglichkeiten suche, ihr zu helfen, humpelt sie tapfer neben mir her. Da bleibt die junge Familie vor uns plötzlich stehen, wohl um ein eigenes Problem zu lösen und wir holen sie rasch ein. So können wir bei ihnen nach einem Blasenpflaster fragen und haben tatsächlich Glück. Sie haben noch welche übrig und treten auch gerne eines an uns ab (Hier noch einmal ein herzliches Dankeschön dafür!).

Ich setze Claudia auf den nächsten, halbwegs trockenen Baumstumpf, direkt neben dem Weg und verarzte sie. Tatsächlich hat sich das alte Blasenpflaster inzwischen völlig von der Haut gelöst und klebt im Strumpf. Ich sprühe die Stelle vorsichtshalber erst mal mit Desinfektionsmittel ein, lasse es kurz antrocknen und klebe dann das neue Pflaster direkt über das rohe Fleisch.

Claudia nickt dankbar und bläst immer wieder Luft durch die geschürzten Lippen. Ich weiß, das tut höllisch weh, aber die Pflaster haben auch eine rasch einsetzende, schmerzstillende Wirkung. Schon nach wenigen Minuten ziehen auch wir weiter und Claudia kann da schon wieder ganz normal gehen. (Blasenpflaster wird uns unterwegs nie wieder ausgehen – versprochen!)

Nach dem Wiedener Eck und dem obligatorischen Durchschreiten des dortigen Westweg-Tores, folgt der lange und traumhaft schöne Aufstieg, hinauf zum Belchengipfel. Auch ihn haben wir schon des Öfteren besucht. Aber über das Wiedener Eck kommend, erreichen wir ihn heute zum ersten Mal von Norden her, über die Krinne.

Inzwischen hat sich der Nebel völlig aufgelöst und es nieselt auch nicht mehr. An manchen Stellen sieht man sogar schon die Sonne durch die Wolken kommen. Dann reißt es irgendwann völlig auf und wir wandern bald im Sonnenschein über herrliche Hochweiden. Wunderschöne Blumenwiesen, vor unglaublichen Panoramablicken.

Je weiter wir uns dann aber dem Belchen nähern, um so mehr zieht es wieder zu und wir bekommen bald sogar ganz ähnliche Sichtverhältnisse, wie schon gestern, am Feldberg. Allerdings ist es heute fast windstill und auch der Feldberg-Regen, von gestern, fehlt uns nicht wirklich!

Wer hat denn hier mal wieder den Teller nicht leer gegessen..?„, möchte Claudia lachend wissen. Ihr geht es offensichtlich wieder so richtig gut!

Der Aufstieg über schmale Trampelpfade durch die steile Belchen-Halde ist dann auch richtig gespenstisch und schon unwirklich schön – einfach traumhaft! Und dann reißt auch noch schlagartig der Nebel auf. Urplötzlich bewegen wir uns irgendwo zwischen dahintreibenden Wolkenfetzen, immer noch auf dem schmalen Wurzelpfad. Angst? Nein! Aber man kann sich kaum noch satt sehen an dem, was wir hier gerade geboten bekommen! (Siehe erstes Foto, ganz oben!)

Weiter oben fängt es dann wieder an, kräftig zu winden (Wie immer, am Belchen-Gipfel!) und wir freuen uns auf einen heißen Kaffee, oben im Belchenhaus. Daraus wird aber nichts, da die gerade zu machen und uns nichts mehr ausschenken. (Punkt 17.00 Uhr!) O.K., dankeschön!

So ziehen wir eben, etwas zerknirscht, weiter in Richtung Haldenhof und trinken unseren eigenen Tee. Davon werden wir auch künftig, wenn wir hier oben ankommen, immer genügend dabei haben, versprochen!

Der Weg zieht sich nun wieder relativ lange hin und das einzige, das uns jetzt aufmuntert, ist das Wetter. Es ist doch tatsächlich noch die Sonne herausgekommen und taucht die umliegenden Schwarzwaldgipfel in ein ganz weiches Abendlicht.

Wir kommen an mehreren, tollen Schutzhütten vorbei, leider alle ohne Quelle, oder Brunnen in erreichbarer Nähe und wir haben leider nur noch etwas Tee in einer Flasche. Ohne Wasser können wir hier jedoch nicht übernachten und ziehen weiter, Richtung Haldenhof. Irgendwann sehen wir dann zum ersten Mal unser Ziel auf einem Wegweiser: Basel 41,0 km.

Auch im Gasthof Haldenhof werden wir wieder ausgesprochen freundlich mit Wasser versorgt. Der Wirt persönlich füllt mir alle Flaschen an der Theke auf!

Anschließend marschieren wir mit unserem Zusatzgewicht erneut weiter und als wir die Straße vor dem Gasthof überqueren, fängt Claudia plötzlich laut an zu lachen. „Ich habe mich schon gefragt, wann er wohl endlich kommen wird..?„, prustet sie und deutet dabei auf den vor uns liegenden Weg.

O.k., ich habe verstanden und muss nun ebenfalls schmunzeln: sie meinte den allabendlichen Endspurt, den obligatorischen Schluss-Anstieg! Und der liegt nun mal wieder direkt vor uns. Steil zieht unser Weg auch heute wieder einen Hügel hinauf und durchquert dabei sogar noch eine Viehweide, voller neugieriger Kühe. Erst ganz oben, als wir in einer Kehre die Straße noch zweimal überquert haben, finden wir dann das, wonach wir gesucht haben: ein lauschiges Plätzchen, für unser Zelt.

Wir haben inzwischen immer mehr Routine gewonnen und bauen das Zelt schon in nur etwa zwei Minuten auf. Danach dann wieder das Übliche: Bettenmachen, Katzenwäsche, Essen und noch etwas die Ruhe genießen – so wunderschön abseits, im Hochschwarzwald. Und es regnet heute noch nicht einmal..!

 


Westweg-Trek: 11. EtappeWestweg-Trek: 13. Etappe

2 Kommentare »

  • Manu sagt:

    Ich bin echt begeistert, mit wie viel Liebe dieser Weg angelegt ist. Immer wieder diese „Tore“, immer wieder anders – aber immer was Besonderes.

  • Rainer sagt:

    Hallo Claudia, ein Indianer kennt keinen Schmerz und eine Indianerin zweimal nicht; deine Blasen haben Dich nur stärker gemacht und die tolle Leistung, die Ihr erbracht habt, entschädigt doch für vieles oder?

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.