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Westweg-Trek: 11. Etappe

27 Juni 2010 Ein Kommentar

2. Juni 2010,

Königsetappe: Oberzarten – Grüblesattel – Feldberggipfel – St. Wilhelmer Hütte – Stübenwasen – Notschrei, 23,5 km.

In der Nacht hat es wieder leicht geregnet und war zudem auch kalt, trotzdem haben wir gut geschlafen. Die alten „Bundeswehr-Tricks“ (Stiefelsack im Schlafsack und die Kleidung für den nächsten Tag in der Schlafsack-Hülle, als Kopfkissen), bewähren sich vor allem bei diesem nasskalten Wetter.

Ich wage ein kurzes „Austreten“ (in Crocs!), dann husche ich ins Zelt zurück und mache uns Frühstück. Kaffee und Camembert-Brot. Heute steht die Königs-Etappe an, die Überschreitung des Feldberg-Gipfels (1493 m).

Ein Wort vielleicht noch zu den Crocs: es war Claudias Idee gewesen, diese ultraleichten, Plastikschuhe (meine wiegen gerade mal 300 g) mit auf die Tour zu nehmen. Anfänglich habe ich mich noch etwas dagegen gewehrt, als ich dann jedoch in einem Filmbericht über den Appalachen-Trail (3.000 km/200 Tagesetappen!) gesehen habe, dass diese sogar dort mitgeführt werden, habe ich zugestimmt und bin im Nachhinein auch froh. Wenn die Stiefel nämlich nachts im Schlafsack sind, müsste man ja – ohne die Crocs – barfuß „raus“! (Wir werden sie künftig jedenfalls auf jeder Trekking-Tour dabei haben und anschließend kommen sie dann einfach in die Waschmaschine!)

Leider ist Claudias Knie noch immer recht dick, daher nehme ich ihr auch heute wieder etwas Gepäck ab.

Auch wenn sie deswegen aufbegehrt, inzwischen geht das ganz gut. Offensichtlich hat mein Körper da schon die entsprechende Muskulatur aufgebaut, denn zu Beginn unserer Tour, hätte ich mir diese zusätzlichen Kilos noch nicht zugetraut! (Es gibt jedoch auch noch einen weiteren Grund, für diese Leistungssteigerung – davon aber später!)

Barbara Scherrer (von SWR-1) hatte doch letztes Jahr auch ihren persönlichen Sherpa dabei, als sie von Pforzheim, nach Lörrach marschiert ist..!„, frotzle ich daher, um sie etwas aufzumuntern.

Nach dem Zusammenpacken, marschieren wir zur Klosterhöhe und haben hier Gelegenheit, die Hinterzartener Skisprungschanze einmal von oben zu betrachten. Nein, da möchte ich noch nicht einmal hinunter „laufen“ müssen..!

Dann erreichen wir die Straße Hinterzarten – Erlenbruck und sind für einen Augenblick desorientiert. Hier fehlt ein Wegzeichen und man weiß daher spontan nicht so recht, wie es weiter geht: nach oben, oder nach unten (links oder rechts!). Ein Blick in die Karte führt uns aber schnell wieder auf den richtigen Weg (nach unten!) und zu dem nächsten Wegzeichen, hinauf zum Grüble-Sattel. Über den Emil-Thoma-Weg, geht es nun stetig aufwärts, immer Richtung Feldberg-Gipfel.

Eine persönliche Anmerkung: der Westweg ist hervorragend ausgeschildert. Trotzdem gibt es ein paar wenige Stellen, an denen man die Übersicht behalten sollte. Eine zusätzliche, 50.000er Karte (und die Fähigkeit, sie zu lesen!) sollte daher für jeden Westwegwanderer eine Selbstverständlichkeit sein!

Der Emil-Thoma-Weg führt uns nun, sehr idyllisch, durch ein Bachtal mit einem kleinem Weiher. Den Mathisleweiher, einen beliebten Badesee, passieren wir leider außer Sichtweite. Aber wir kennen den Moorsee von früheren Besuchen und können uns so den Abstecher schenken.

Der Weg zieht sich nun recht lang, bis wir irgendwann den breiten Wirtschaftsweg, Richtung Raimartihof erreichen. Ihn verlassen wir aber gleich wieder, rechts hinauf. Auf diesem Pfad haben wir im Winter, beim Schneeschuhwandern, sogar schon Auerhahn-Spuren gesehen. Steil führt der Wurzelpfad nun, durch die Halde hinauf und überquert mehrere Wasserläufe mit Gebirgsbach-Charakter. Bei Regenwetter sollte man wissen, dass die Wasserläufe (bei Stark-Regen am Feldberggipfel) plötzlich derart anschwellen können, dass sie sogar die Fußgänger Brücken wegreissen. So geschehen, am 7. September 2006, als mehr als 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, innerhalb nur einer Stunde fielen!

Dann erreichen wir am Feldseeblick die Hochfläche und können hinüber schauen, zum Bismarck-Denkmal. Der Feldberg-Turm, am Seebuck, so wie auch der Feldsee selbst, verstecken sich jedoch im Nebel. Es nieselt schon wieder kräftig und ist auch recht ungemütlich. Trotzdem machen wir hier eine kurz Rast, da wir zumindest etwas windgeschützt sind. Drüben, am Feldberg-Kamm, werden wir dieses Glück, wohl kaum mehr haben!

Wir ziehen weiter und halten uns oben, an der Abzweigung zum Felsenweg, rechts. Bald erreichen wir nun die Baumgrenze und werden auch gleich vom typischen Feldberg-Nieselregen empfangen: der ist immer kalt, kommt meistens waagerecht daher und heute auch mal von links!

Die Kapuzen tief in die Stirn gezogen, versuchen wir dem Wind immer nur den Rücken hinzuhalten, um wenigstens die Brillen etwas zu schützen. Die Kamera habe ich längst weggepackt! Keine Chance, unter diesen Bedingungen noch Fotos zu machen!

So durchqueren wir das Quellgebiet der Ur-Donau (Wutach-Quelle) und erreichen – den Blick immer nach rechts haltend – irgendwann den Grüblesattel. Hier geht es nun rechts hinauf, Richtung Gipfel, immer nur dem geteerten Weg nach und wir haben Wind und Regen im Rücken. Inzwischen sehen wir aber kaum noch 10 m weit und ich möchte Unerfahrene, an dieser Stelle, auch ausdrücklich warnen: der Feldberg ist bei diesem Wetter nicht ungefährlich und wer sich hier oben überhaupt nicht auskennt, der sollte bei diesem Wetter unbedingt u m d r e h e n !

Wir hingegen kennen den Feldberg sehr gut, von unzähligen Schneeschuh-Touren und Wanderungen und wissen daher auch um seine Gefahren. Und wer möchte, der darf mich nun gerne auslachen, aber ohne Kompass gehen wir niemals hinauf. Aber spätestens nach dem ersten, richtigen „Whiteout„, lacht dann ohnehin keiner mehr..!

Irgendwann stehen wir aber endlich oben, an der Wetterwarte auf dem „Höchsten“ und wollen auch gleich nur wieder hinab, ins Lee denn hier oben ist es inzwischen saukalt! Links geht es hinunter, zur St. Wilhelmer Hütte und am liebsten würde ich dort nun einen heißen Jagertee trinken, wie im Winter, bei den Schneeschuhtouren, aber leider ist die Hütte Mittwochs zu.

Hier, im Lee des Gipfels, packe ich nun auch zum ersten Mal wieder die Kamera aus und schieße ein schnelles Nebel-Foto von Claudia, denn die Verhältnisse sind wieder mal unglaublich und ich möchte das auch gerne einmal zeigen können! Dann stapfen wir wortlos den Weg, mit den vielen – viel zu hohen Stufen – hinunter, zur Hütte.

Und wir haben sogar Glück: Baldur, der Wirt, kommt gerade vom Einkaufen und es gibt ein großes „Hallo“! Im Winter haben wir uns des öfteren über unser Vorhaben unterhalten und er fand die Idee, den Westweg nur aus dem Rucksack zu machen, auch so richtig gut! Allerdings wusste er bisher natürlich nicht, dass wir gerade jetzt unterwegs sind.

Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, uns sofort ein Matratzen-Lager im Nebengebäude anzubieten..! Danke, Baldur, das war unglaublich nett von Dir!

Leider müssen wir das tolle Angebot ausschlagen, um nicht zu weit hinter unsere Etappen-Planung zu kommen und heute sollten wir unbedingt noch den Notschrei erreichen. Wir verabschieden uns also und versuchten die abgeschlagene, warme und trockene Unterkunft, irgendwie aus dem Kopf zu bekommen. Als wir weiter gehen, zeigt uns noch ein kurzer Blick auf das Thermometer, gerade mal noch 5° C.

Über den Stübenwasen ziehen wir dann hinüber, in Richtung Schauinsland. Es hat inzwischen aufgehört zu nieseln und hier reißt nun sogar die Wolkendecke etwas auf. So sehen wir noch ein wenig Abendsonne über Todtnauberg und erhaschen auch ein paar schöne Blicke hinüber, zu den demnächst auf uns zukommenden Gipfeln, von Belchen und Blauen. Diese Stimmung lässt auch Claudia das Matratzen-Lager vergessen und wir ziehen gut gelaunt zum Notschrei weiter.

Hier, direkt an der Straße Todtnau – Hofsgrund, befindet sich das Waldhotel, in dem ich höflich nach Trinkwasser frage. Und auch hier werde ich wieder sehr zuvorkommend behandelt, obwohl meine schmutzigen Schuhe eigentlich nicht so recht in das vornehme Haus passen wollen. Aber das ist wieder nur eine sehr oberflächliche Betrachtungsweise, denn auch hier ist man natürlich längst auf Westweg-Wanderer eingestellt!

Mit dem zusätzlichen Gewicht der Wasserflaschen gehen wir dann nur noch über die Straße und ein paar Meter den Westweg entlang. Bald sehe ich ein lauschiges Plätzchen, etwas blickgeschützt und nur wenige Schritte neben dem Westweg. Hier schlagen wir unser Zelt auf und verbringen eine sehr ruhige, erholsame Nacht. Diese Königsetappe hat uns nämlich mal wieder so richtig, viele „Körner“ gekostet.!

 


Westweg-Trek: 10. EtappeWestweg-Trek: 12. Etappe

Ein Kommentar »

  • Rainer sagt:

    Eine tolle und tatsachengerechte Beschreibung dieser wunderbaren Etappe, die nicht nur bei Sonnenschein schön ist, sondern auch bei so einem Mistwetter, wie Ihr es erlebt habt seine beeindruckende Reize hat. Deine Warnungen sind angebracht.

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