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Westweg-Trek: 1. Etappe

27 Juni 2010 8 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 1 von 16 in der Serie Westweg-Trek 2010

23. Mai 2010 (Pfingstsonntag),

„Kupferhammer“ (Pforzheim) – Neuenbürg – „Dreimarkstein“: 21,0 km.

Endlich ist es so weit! 6.00 Uhr aufstehen, Katzenwäsche, Frühstück – 7.30 Uhr Abfahrt. Ein Freund ist so freundlich, uns an den Bahnhof Titisee zu bringen. Der Zug fährt um 8.08 Uhr, über Freiburg und Karlsruhe. Zweimal umsteigen, Ankunft Pforzheim Hbf: 10.25 Uhr.

Gleich hier ein ganz persönlicher Tipp zum ICE: versucht bitte gar nicht erst, mit großen Rucksäcken, einen ICE-Großraumwagen zu durchqueren. Das ist kaum möglich – nicht nur, weil der Gang sehr schmal ist..!

Um 10.40 Uhr verlassen wir den Hauptbahnhof Pforzheim und stoßen schon direkt vor dem Eingang (am Fußgängerübergang), auf die ersten Hinweiszeichen zum Westweg. Das Wetter ist phantastisch, so ist es auch überhaupt keine Frage: wir gehen die 20 Minuten, bis zum Kupferhammer, natürlich zu Fuß!

In Pforzheim sind nun gerade die Gottesdienste zu Ende und wir werden häufiger auf das große Gepäck, angesprochen. Die Reaktionen auf unser Vorhaben sind jedoch ausschließlich positiv, teilweise sogar voller Bewunderung. Fast immer entlang der Nagold, erreichen wir bald Dillweisenstein und durchschreiten um 11.30 Uhr endlich die berühmte „Goldene Pforte„, den eigentlichen Eingang in den Westweg.

Der beginnt sehr idyllisch, mit einem fröhlichen Auf und Ab, über angenehm schattige Waldpfade. Es ist inzwischen ziemlich heiß geworden und unser Organismus hatte, nach den kühlen und regenreichen, vergangenen Wochen, noch keinerlei Gelegenheit, sich auf diese hochsommerlichen Temperaturen einzustellen. Es treibt uns daher das Wasser aus allen Poren und wir trinken sehr viel. Nur gut, dass wir darauf vorbereitet sind, denn jeder von uns trägt 2 Liter gesüßten Tee am Rucksack!

Die Wärme lockt hier aber auch auffallend viele (große!) Blindschleichen zum Sonnenbaden. Teilweise müssen wir sogar richtig aufpassen, um nicht auf sie zu treten, denn nicht alle machen uns freiwillig Platz!

Dann müssen wir den Waldschatten verlassen und durchqueren, über heiße Asphalt-Wege, Brötzingen. An einem Brunnen erreichen wir dann endlich wieder etwas „temperiertere“ Waldwege und machen eine kurze Pause.

Breite Wirtschaftswege führen uns hier, vorbei an einem Aboretum, zum Tornado-Stein. Er erinnert an den außergewöhnlich starken Tornado vom Juli 1968, der damals hier, wie auch im benachbarten Frankreich, immense Schäden anrichtete.

Kurz darauf stehen wir vor einem Schilderbaum, der uns die Wahl gibt, dem „alten“ Verlauf des Westweges, über Birkenfeld zu folgen, der auch heute noch, als „Höhenvariante“ ausgeschildert ist. In Neuenbürg (Buchberg, Abenteuerspielplatz) trifft er dann wieder auf die neue Wege-Führung, von 2006. Wir entscheiden uns dafür, doch lieber weiter dem schattigen Wirtschaftsweg entlang der Enz zu folgen, nicht zuletzt deswegen, weil von der „Höhenvariante“ her, unglaublich laute Rockmusik zu uns herüber hallt! Dort haben einige Biker-Clubs ihre Zelte aufgeschlagen, um das Pfingstwochenende auf ihre Weise zu genießen.

Wir marschieren weiter, immer in Richtung Neuenbürg/Dobel und erreichen bald den wildromantischen Botzenhardt-Pionierweg, der manchmal schon etwas an die Wutachschlucht erinnert. Immer einige Meter über dem Wasser, folgt er – als Trampelpfad – dem Talverlauf. Eine Tafel erinnert an seine Erbauer von 1914, das Pionierbataillon 13.

Hoch über Neuenbürg führt der Weg dann mitten durch Schloss Neuenbürg hindurch, eine recht beachtliche Anlage. Wir setzen uns für ein paar Minuten in den Schatten und schießen noch einige Fotos, dann stellen wir uns dem Abstieg: der Weg führt nun, über historisches Kopfsteinpflaster, steil hinunter nach Neuenbürg. Höhe „vernichten“, nur, um sie sich dann auf der anderen Seite des Tales gleich wieder zu erarbeiten. Ich hasse das und endlich wieder oben, sind wir beide auch fix und fertig! Asphalt und Kopfsteinpflaster haben uns, in dieser Affenhitze, wirklich die allerletzten „Körner“ gekostet!

Und es geht kontinuierlich immer noch weiter hinauf, Richtung Dobel. Die breiten Wirtschaftswege, oft in praller Sonne, nerven uns und langsam wird auch die Flüssigkeit knapp! Dann, oben an der Schwanner Warte (Segelflugplatz), direkt nach dem Überqueren der Straße, befindet sich endlich ein Brunnen, an dem wir sofort alle Trinkwasserflaschen auffüllen. Wer weiß, ob wir heute noch mal eine weitere Gelegenheit dazu bekommen werden und Wasser brauchen wir wirklich dringend. Claudia hat in der Hitze sogar irgendwann leichte Kreislauf-Störungen (Schwindel).

Es sei hier erwähnt, dass Brunnen mit „trinkbarem“ Wasser, vor allem auf den Westweg-Etappen des Nordschwarzwaldes, eher selten sind!

Ich schleppe nun sogar noch vier Kilo mehr auf dem Rücken. Im Kopf überschlagen, sind es jetzt bestimmt 24 Kilogramm. Und es geht immer weiter bergauf. Unser geplantes Etappen-Ziel ist der Dreimarkstein. Dort ist eine Schutzhütte mit Feuerstelle in der Karte verzeichnet, in der wir gerne übernachten wollen.

Nach 21,0 km erreichen wir gegen 21.00 Uhr unser Ziel und können endlich die Last von den Schultern nehmen. Enttäuschend ist eigentlich nur, dass die offene Hütte mit Schotter ausgelegt ist, den wir nicht entfernen können und ich befürchte insgeheim, dass einzelne Steine, recht unbequem durch die Thermarest-Matten drücken werden und ein entspanntes Liegen nicht zulassen. (Tun sie aber, Gott sei Dank, dann doch nicht!)

Aus hygienischen Gründen lege ich zuerst eine leichte Gewebefolie aus und darauf dann die Isomatten. Die leichten Luftmatratzen kommen direkt in die Biwaksäcke hinein, darauf dann die Daunenschlafsäcke.

Ausgiebig Waschen, oder gar Duschen, geht natürlich nicht, da wir weder eine Quelle, einen Brunnen, noch einen Bach zur Verfügung haben und das rare Trinkwasser viel zu schade ist, um es für die Körperpflege zu „vergeuden“. Von unseren derzeitigen 6 Litern, benötigen wir schließlich schon 4 Liter für morgen, als Tee für unterwegs. Der Rest muss dann noch für den Tee heute Abend, für das Abendessen und für den Kaffee zum Frühstück reichen – aber auch noch zum Waschen und Zähneputzen, für uns beide!

Aber natürlich ist auch die Körperpflege immens wichtig. Vor allem muss man das Salz von der Haut bringen, um Entzündungen durch die Reibung der Salzkristalle (z. B. Wolf!) zu vermeiden! Claudia ist völlig sprachlos, als ich ihr zeige, wie man das mit nur ganz wenig Wasser so perfekt schafft, dass man sich anschließend auch wirklich am ganzen Körper „frisch“ fühlt! (Es ist eben nicht alles schlecht, was man irgendwann einmal bei der Bundeswehr gelernt hat!)

Ich mache uns noch etwas Tee und zwei Fünfminuten-Terrinen, dann legt sich Claudia in den Schlafsack und ist auch sofort eingeschlafen. Ich schreibe mir noch ein paar Stichpunkte für diesen Tagesbericht zusammen und folge ihr dann.

Erwähnt sei noch, dass wir im Nordschwarzwald nur sporatischen (Vodafone) Handy-Empfang hatten! Daher die Handys unbedingt ausschalten(!), sonst saugen ihre ständigen Einlogg-Versuche den Akku innerhalb kürzester Zeit leer!



 


Westweg-Trek: 2. Etappe

8 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Ja ihr Lieben, nun habt ihr also die erste Etappe in Angriff genommen und ich muss bereits für Euere erste Etappe den Hut vor Euch ziehen. Tolle Bilder; ich bin gespannt was mich auf den nächsten Etappe noch so alles erwartet.

  • Manu sagt:

    Schön war der erste Tag – so mit Sonne (leider viel zu selten bei Eurem Trek – hätte Euch gerne mehr gegönnt) 😉 Ich meld mich dann nach dem letzten Bericht wieder 😉

  • Achim Lammerts sagt:

    Servus! 🙂
    Der Westweg steht nächstes Jahr auch auf meiner ToDo-Liste. Vielen Dank für die aufschlußreiche Info!

    VG/A

  • Rainer sagt:

    Hallo Achim,

    schön, dass wir Dich unterstützen konnten! Viel Spass auf dem Westweg! 😉

    Rainer & Claudia

  • Frank sagt:

    Hallo Ihr beiden,

    ich bin ein stiller Mitleser und nutze viele Infos aus eurem Westweg Blog – auch wenn der inzwischen ein paar Jährchen alt ist.

    Als kleine Info (für andere Mitleser): Wir sind die erste Etappe am 07.06.2013 gelaufen. Der Brunnen an der Schwanner Warte hat ein Schild: kein Trinkwasser und, viel schlimmer, er war nicht mehr in Betrieb als wir vorbeigekommen sind.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Frank,

    herzlichen Dank für Deine Info! Es freut uns ganz besonders, wenn auch ein „stiller Mitleser“, wie Du Dich selbst bezeichnest, mal „Laut“ gibt! Ja, das liebe Wasser ist wohl immer das Haupt-Problem beim Trekking, nicht nur auf dem Westweg.
    Wir werden dem Problem inzwischen dadurch gerecht, dass wir unterwegs einen Katadyn-Wasserfilter benutzen. So sind wir völlig unabhängig und brauchen dann auch immer nur einen kleinen Trink-Vorrat mitführen, da wir uns im Zweifel auch mal aus nicht völlig einwandfreien Wasser-Quellen bedienen können.

    Am Donnerstag starten wir zu unserer großen, diesjährigen Trekking-Tour über den Kungsleden in Lappland (Mitternachtsonne), da werden wir das Teil mal drei Wochen lang auf Herz und Nieren testen und unsere Erfahrungen dann anschließend in unseren Tagesberichten ausführlich offenlegen.
    Das Teil ist zwar in der Anschaffung mit über 100,- Euro nicht ganz billig, aber sollte das Geld auf lange Sicht eigentlich wert sein, da der Filter für 2.000 Liter Wasser reicht! Und damit kannst Du Dich dann (bedenkenlos!) aus jedem Bach versorgen! Ich hoffe, der Tipp hilft Dir..?

    Liebe Grüße, Rainer

  • Polarfuchs sagt:

    Auf dem Kungsleden ist ein Wasserfilter nun überhaupt nicht notwendig 🙂

  • Rainer (author) sagt:

    Wir hatten auch keinen dabei! 🙂

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