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Von Zell (i. Wiesental) zum Belchengipfel

5 Oktober 2011 Kein Kommentar

Mit 21,3 Kilometer Strecke und 1.293(!) Höhenmetern ist dieser Belchenaufstieg wohl das, was man als eine echte Hammer-Tour bezeichnen darf! Gleichzeitig ist er aber auch unerwartet still und leise – bis man die Jahrmarkt-Stimmung, oben am Belchenhaus erreicht. Und das ändert sich dann leider auch während des restlichen Spazierganges, hinauf zum Gipfel nicht mehr!
Nur gut, dass wir dort oben noch einen kleinen „Joker“ im Ärmel hatten..!

„Whow..!“, meint Claudias nur – aber ihre Augen leuchten vor Begeisterung, als ich ihr meine Idee für diesen Belchenaufstieg auf der Karte zeige.
Zuvor müssen wir jedoch noch ein zweites Auto organisieren, um die Tour überhaupt möglich zu machen, schließlich handelt es sich ja um eine recht beachtliche Streckenwanderung.
Wir haben vor, unser Auto morgens gleich am Parkplatz der Belchenseilbahn zu parken, und uns dann nach Zell i. Wiesental fahren zu lassen. Auf diese Weise können wir anschließend von dort aus, direkt zu unserem Auto „zurück-wandern“, ohne noch auf irgendwelche Busfahrpläne Rücksicht nehmen zu müssen!
Persönliche Anmerkung: Natürlich wäre dies auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Konuskarte!) möglich, allerdings ist man dann mit dem Bus doch recht lange unterwegs!

Als wir in Zell an der Kirche aussteigen, ist es gerade 8:45 Uhr und die Kirchenglocken hallen in den engen Gassen derart laut, dass es uns schon fast in den Ohren weh tut. Nichts, wie weg hier..!

Wir folgen der Blauen Raute aufwärts (Belchen 17,5 km) und kommen dabei schnell auf „Betriebstemperatur“: Der Weg führt uns nämlich – direkt von der Kirche weg – steil aufwärts und lässt dabei auch auf den nächsten drei Kilometer nicht um ein einziges Prozent nach! War uns unten gerade noch etwas kühl gewesen, hat sich das noch innerhalb der letzten Häusern von Zell, bereits gegeben.
Bald nimmt uns dann ein breiter Forstweg auf, der – zwischen den Bäumen hindurch – immer wieder mal tolle Tiefblicke auf Zell, erlaubt. Dann richten sich unsere Sinne aber nach vorne, schließlich haben wir ja noch einiges vor uns.
Noch bewegen wir uns überwiegend im Bergschatten, denn die Sonne steht noch tief über den Schwarzwaldgipfeln im Osten. Trotzdem wird es heute im Laufe des Tages wohl wieder richtig heiß werden, denn über uns ist nicht eine einzige Wolke am Himmel zu sehen.

Direkt am Wegrand bleibt Claudia plötzlich neben einer großen Weißtanne stehen, deren Stamm intensiv harzt. Irgendwelche Verletzungen haben große Mengen Harz aus ihm austreten lassen, in dem sich inzwischen bereits unzählige Insekten verfangen haben.

„Schau mal!“, meint Claudia fast ehrfürchtig. „Wohl genau so, sind vor Millionen von Jahren auch die Insekten in den Bernstein hinein gekommen..!“

Ich fotografiere und werfe noch einen Blick in die Karte: Unser nächstes Ziel ist nun Pfaffenberg, nur ein paar Häuser rechts unterhalb des Zeller Blauen (1.077m). Wir passieren den Weiler jedoch etwas oberhalb und wenden uns danach gleich in Richtung Wolfsacker.

Erneut sind wir in diesem Bereich wieder viel auf Asphalt unterwegs, bevor uns endlich ein weiterer Forstweg aufnimmt.

Im Schatten machen wir eine erste, kurze Rast und vespern eines von Claudias leckeren Broten – Schinken mit Käse und Streifen von Cornichons. Dazu gibt’s – wie immer – gesüßten Tee, Rotbusch mit Grüntee gemischt.
Tee hat sich für uns inzwischen – vor allem im Sommer – als ideales Getränk für unterwegs erwiesen. Er hat den Vorteil, dass er sowohl kalt, als auch warm schmeckt – ganz im Gegensatz zu warmem (Mineral-)Wasser, oder gar Apfelschorle..! Wir füllen ihn zum Mitnehmen immer in leere Orangensaft PET-Flaschen, denn die sind am Leichtesten und kosten zudem nichts.
Ein kleiner Tipp noch: PET-Flaschen sind hitzeempfindlich! Den Tee daher einfach immer doppelt so stark ziehen lassen und die andere Hälfte des Wasser gleich kalt in die PET-Flaschen füllen! Dann kann man den fertigen Tee ebenfalls direkt heiß eingießen, das spart morgens viel Zeit!

Direkt anschließend werden wir dann über einen Graspfad durch eine Viehweide geführt. Der Weg schneidet durch eine steile Halde und zwingt uns doch tatsächlich, zwischen den vielen Tret-Minen der Rinder, Zick-Zack zu gehen.
Klar, der Weg ist hier der einzig ebene Platz auf der ganzen Weide und auch die Rinder stehen nachts wohl lieber hier oben, als irgendwo in der steilen Halde. Und so scheuchen wir eben jedesmal, wenn wir einen dieser Haufen passieren, unzählige Fliegen auf. Immer nur schön in Bewegung bleiben..!

Bald haben wir aber auch diese Tortour hinter uns und treffen am Ende der Weide wieder auf einen breiten, asphaltierten Weg. Natürlich ebenfalls in praller Sonne. Und die sticht inzwischen wie an einem richtigen Hochsommertag vom Himmel. Kaum zu glauben, dass wir bereits den 2. Oktober haben! Immer häufiger greifen wir daher inzwischen auch nachu unseren Tee-Flaschen.

Nach wenigen Metern erreichen wir dann ein Naturdenkmal – die Käserner Linde. Ein wahres Monstrum von Baum, dem wir nun natürlich auch etwas Zeit widmen, um einige Fotos zu schießen – zumal uns seine dichte Krone dabei angenehmen Schatten spendet!

Und nur wenige Meter weiter werden wir dann erneut „aufgehalten“, denn Claudia ruft sehr kurz und laut: „Halt..!“

Als ich mich zu ihr umdrehe, kniet sie auch schon am Boden und betrachtet eine kleine Blindschleiche, die sich zum Sonnen auf den Asphalt des Feldweges gewagt hat. Klar, dass ich dafür den Foto erneut auspacke..!
Nachdem ich einige Bilder geschossen habe, dirigiert Claudia sie von der Straße herunter, in eine (vorläufige) Sicherheit.

Kurz darauf erreichen wir dann wieder schattigen Wald und endlich auch einmal liebliche Pfade, wie wir sie bisher den ganzen Tag über vermisst haben. Trotzdem war der Aufstieg bis hierher recht schön, aber vor allem still und leise. Kaum jemand ist uns bisher begegnet, und auch nur ganze zwei Autos, auf ihrem Weg zum Wanderparkplatz.

Irgendwann erhaschen wir dann den ersten Blick, hinüber zum Belchengipfel, unserem Ziel. Und sogar das Belchenhaus ist von hier aus schon zu erkennen!


„Ach.., das ist doch nur noch ein Klicks.., oder wie das heißt!“, schmunzelt Claudia, gut gelaunt.

Inzwischen hören wir auch schon wieder ganz dezent Autos in der Ferne und ein Blick in die Karte zeigt, dass wir uns langsam der Landstraße Neuenweg – Böllen nähern. Im Hau werden wir sie überqueren und dann steil hinaufziehen, in Richtung Belchengipfel. Falllinie..!

Als wir den Wald verlassen, sehen wir dann auch direkt zu ihm hinauf. Aber leider auch auf die Autos hinüber, die drüben im Hau parken.
Nein, natürlich haben wir nichts gegen diese Autofahrer, aber nach der Stille unseres bisherigen Aufstieges, tut uns das im Augenblick schon fast richtig weh.

Wir überqueren die Landstraße, über die wir vor ein paar Tagen noch zum Haldenhof hinunter gefahren sind und folgen dem Wiesenpfad auf der anderen Seite steil aufwärts. Links befindet sich auf halber Höhe bis zum Waldrand eine historische Schanze, für die wir heute (leider) keinen Blick übrig haben. Man muss hier nun schon fast nach Lücken zwischen den Ausflüglern suchen, um noch Fotos (ohne fremde Leute auf dem Bild!) machen zu können..!

Der Aufstieg zum Belchengipfel erfolgt nun ziemlich von der Südseite aus, so dass wir die Sonne genau im Rücken haben und ich ertappe mich dabei, wie ich zum Fotografieren Schatten suche! Wir machen noch mal eine kurze Rast im Waldschatten, um etwas zu trinken, bevor wir dann über die Viehweide hinaufziehen, in Richtung Hohfelsen. Und schon von hier unten aus, können wir dort oben auf dem Aussichtsfelsen die vielen Leute erkennen.

Der Pfad führt nun bald sehr schmal durch die steile Südflanke des Belchen aufwärts und zwingt uns immer wieder, mal kurz zur Seite zu treten und ganze Wanderer-Gruppen durchzulassen. Aber allgemein herrscht dabei gute Laune und so mancher Scherz bringt uns nebenher zum Lachen! Nur das Fotografieren wird bei diesem Betrieb leider immer schwieriger und ich muss oft warten, bis die Wandersleut‘ vorbei sind, oder zwischendurch halt auch mal ganz schnell mal „aus der Hüfte schießen“..!

Kurz bevor wir den Hohfelsen erreichen, fallen uns dann auch noch die imensen Erosionsschäden auf, die sich hier seit 2009 (da waren wir zum letzten Mal hier!) unglaublich verstärkt haben. Die Wasserrinnen in den schmalen Pfaden sind inzwischen teilweise so tief geworden, dass man kaum noch darin gegen kann. Notgedrungen sucht man sich dann halt „neue Wege“ und verstärkt damit das Dilemma des Berges noch weiter..!
Als wir endlich am Hohfelsen ankommen, können wir zuerst kaum glauben, dass wir dort alleine sind. Aber wahrscheinlich ist es heute den meisten Besuchern in der prallen Sonne einfach zu heiß. Außerdem steht die Sonne uns genau im Süden gegenüber und verwandelt die sonst so tolle Aussicht, von hier oben in ein diffuses, grelles Etwas. Schade..!

Ich mache mich unter meinem Sonnenhütchen so klein, wie möglich und schieße noch ein paar Fotos von Claudia. Kaum dass sie ihr Brot gevespert hat, dränge ich aber zum Aufbruch – man hält es in der Sonne nämlich wirklich kaum noch aus.

Der weiterführende Pfad, hinauf zum Belchenhaus ändert sich nun nicht mehr: Viel Sonne, ab und zu mal etwas Schatten und – hier oben, kurz vor dem Gasthaus – dann eine noch stärkere Bodenerossien, als schon weiter unten. Nur kann man dieser schmalen, tiefen Hochwasser-Rinne hier aber kaum ausweichen, weil der schmale Pfad auf beiden Seiten von Elektrozäunen begrenzt wird! Ich fluche vor mich hin und versuche nur noch vorwärts zu kommen..!

Oben am Belchenhaus angekommen, haben wir Glück, denn ich ergattere einen gerade frei werdenden Tisch. Nach einem kurzen Wort-Gefecht mit einem freundlichen Egoisten vom Nebentisch, der Claudias Stuhl einfach in Beschlag nimmt, ohne überhaupt zu fragen, können wir dann unser Apfelsaft-Schorle doch noch in Ruhe genießen und uns etwas erholen. Noch liegt der eigentliche Gipfel-Aufstieg ja noch vor uns!
Aber eigentlich ist das nun nur noch ein abschließender, gemütlicher Spaziergang. Wenn jedoch so viele Leute auf dem breiten Rundweg unterwegs sind, wie heute, dann kann es unterwegs und auch am Gipfel schon mal etwas „eng“ werden.  Inzwischen kommen aber die meisten Besucher schon wieder von oben herunter, so dass es dort wohl langsam etwas besser werden sollte.

Wir irren uns diesbezüglich aber gewaltig, denn oben verteilen sie immer noch Stehplätze! Überall auf der Gipfelwiese stehen, sitzen und liegen die Belchenbesucher und genießen diesen herrlichen Tag! Es gelingt mir trotzdem (mit viel Geduld!) ein Foto (nur von Claudia!) am Gipfelkreuz zu schießen, dann winke ich ab. So komme ich nämlich nicht an die Fotos, die ich eigentlich vom Gipfel haben wollte und von den anderen Belchenbesucher nimmt natürlich kaum einer auf so etwas Rücksicht!

Genervt ziehe ich daher den Joker aus der Tasche, und Claudia einfach an der Hand hinter mir her: (Fast) alle Besucher sind hier nämlich nur auf dem ganz normalen Gipfelrundweg unterwegs, der vom Belchenhaus herauf führt. Den nur ein paar Meter tiefer verlaufenden „Franz-Schlageter-Weg“, kennen hingegen nur die „richtigen Wanderer“! Er umrundet den Belchengipfel nämlich durch die steile Nordost-Flanke und ist auch heute – wie erwartet – nahezu menschenleer!

Hier halten wir uns dann gleich rechts und folgen dem schmalen Pfad hinüber, zur Bergstation der Belchenseilbahn. Und mit der werden wir heute – ausnahmsweise – auch mal ins Tal hinunter fahren, wo bereits unser Auto wartet.
Wir ergattern eine leere Kabine und entfliehen dem Trubel damit nur für ein paar Minuten, denn uns ist natürlich bewusst, dass er bereits unten an der Talstation, gleich wieder auf uns warten wird! Aber die paar Meter zu unserem Auto, die sollten wir dann wohl auch noch schaffen!

Ich kann hier nun überhaupt nicht beschreiben, wie froh wir jetzt sind, heute nicht mehr mit dem Bus zurück, nach Zell fahren zu müssen. Der Belchen ist ein wunderschöner Berg und wird auch nicht umsonst als der König des Schwarzwaldes bezeichnet. Und auch unser gewählter Aufstieg von Zell herauf, zu seinem Gipfel ist wunderschön und für jeden Wanderer ein echtes Erlebnis.
Aber der Übergang von dieser wunderbaren Stille, in einen derartigen Jahrmarktstrubel – auf nur wenigen Metern – das ist einfach nicht „unser Ding“!
Daher empfehlen wir Euch auch dringend: Sucht Euch besser stillere Tage aus, um diese tolle Tour nachzuwandern! Vielleicht irgendwann unter der Woche, und auch nicht in den Ferien..!

Unser Fazit: Eine sehr anstrengende Wanderung auf den Belchengipfel. Die für Schwarzwald-Verhältnisse doch enormen 1.293 Höhenmeter setzen schon ein gewisses Maß an Grundkondition voraus!
Am Schlimmsten empfanden wir unterwegs jedoch den Übergang von dieser unglaublichen Stille und Abgeschiedenheit während des Aufstieges, zum Rummel, oben am Belchenhaus.

Streckenwanderung mit 21,3 Kilometer (incl. Seilbahnfahrt). Bei einem Abstieg zu Fuß kommen vielleicht noch knappe zwei Kilometer hinzu!
Gesamthöhenmeter: 1.293, Dauer ca. 8,5 Stunden. Unbedingt Wetterkleidung und Sonnenhütchen einpacken und auch an Vesper und genügend Flüssigkeit für unterwegs denken, da bis zum Belchenhaus keine Einkehrmöglichkeit besteht!

Und hier nun auch noch ein kleines Schmankerl, ganz zum Schluss:

Wenn Ihr dann auf dem Heimweg vielleicht zum Feldbergpass unterwegs seid, dann schaut doch kurz vor dem Ortsschild von Fahl (Linkskurve!) einmal nach links! Mit etwas Glück seht Ihr drüben am Hang nämlich das gleiche, wie auf dem Foto oben: Ein Gämsenrudel, das sich hier fast jeden Abend zum Fressen einfindet.
Diese Tiere sind wild(!) und nicht gezähmt, jedoch sehr standorttreu und hier daher immer wieder zu beobachten.
Wie wäre es denn, vielleicht am Gasthof Lawine in Fahl zu parken, um dann die paar Meter zu den Tieren zurück zu gehen? Gute Fotos sind Euch dabei sicher und anschließend könnt Ihr dann Doris und Frank – den Inhabern der Lawine – schöne Grüße von uns ausrichten und ihnen erzählen, dass Ihr diesen Insider-Tipp hier, bei Rainer und Claudia, gefunden habt..!


Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



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