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Von Todtnau über den Feldberg-Gipfel

28 Januar 2011 2 Kommentare

Wie vor den meisten Schneeschuh-Touren dieses Winters, haben wir uns die Entscheidung wohin, wieder bis zum Frühstück aufgehoben. Das Wetter ist derzeit einfach zu wechselhaft, um einen ganzen Tag im Voraus planen zu können.
Heute morgen reicht dann aber auch schon ein kurzer Blick aus dem Fenster und auf das Thermometer, um festzustellen, dass unsere große Wunsch-Tour für heute machbar ist: Von Todtnau über den „Höchsten“, zum „Haus der Natur“!

Das Wetter ist zwar diesig, aber kalt. So können wir wohl davon ausgehen, dass der Schnee von gestern – auch in den tieferen Lagen – liegen geblieben ist. „Tiefere Lagen“, damit ist Todtnau gemeint, denn 700m sind in diesem Januar leider überhaupt keine Schneegarantie – auch im Schwarzwald nicht!

Frühstück, Vesperbrote und Tee richten, anziehen, packen! Ein guter Freund fährt uns wieder zum Haus der Natur am Feldberg, wo wir unser Auto parken. Dann bringt er uns zum Ausgangspunkt unserer Tour, nach Todtnau.
Die Schneelage ist sogar besser, als erwartet. Direkt am Stadtrand legen wir unsere Schneeschuhe an und folgen dann dem Wanderweg aufwärts, in Richtung Feldberg-Gipfel.

„Uups..!“ meint Claudia nur lachend, als sie im Vorbeigehen auf den ersten Wegweiser schaut: Feldberg-Gipfel 11,5 km, steht dort zu lesen.
Den Rest können wir uns dann leicht im Kopf ausrechnen. Vom Gipfel, bis zum „Haus der Natur“ sind es noch 3,5 km und Todtnau liegt auf 700m Höhe, der Feldberg-Gipfel auf 1.493m. Insgesamt sind das also etwa 15 Kilometer Strecke, mit schlappen 800 Höhenmetern im Anstieg, die nun vor uns liegen! Aber natürlich haben wir uns das auch schon zu Hause überschlagen, denn wir haben diese Tour – wie alle Streckenwanderungen auf Schneeschuhen – akribisch vorbereitet.

Der Weg zieht sich in Serpentinen aufwärts und ist recht angenehm zu gehen. Bald erreichen wir das Kriegerdenkmal über der Stadt, ein riesiges Schwert aus Beton, das an die im Krieg Gefallenen, der umliegenden Gemeinden erinnert.Von hier aus hat man einen wunderschönen Ausblick, über ganz Todtnau.

Wir machen kehrt und gehen die paar Meter zurück, zum Wegekreuz. Hier überschreiten wir den geräumten Winterwanderweg und folgen dem schmaleren Pfad aufwärts. Er ist gut beschildert.

Ab hier gehen wir nun in jungfräulichem Schnee und Claudia ist begeistert, denn es herrscht eine unglaubliche Atmosphäre, im tief verschneiten Winterwald!

Eine kurze Anmerkung zum Begehen des Winterwaldes: Todtnau liegt nicht im Naturschutzgebiet Feldberg. Außerhalb von Naturschutzgebieten dürfen im Winter alle durchgängig beschilderten Waldwege frei begangen werden (wenn sie nicht ausdrücklich als Wildruhezone gesperrt sind)! Es dürfte jedoch selbstverständlich sein, dass sich Naturfreunde dabei umsichtig bewegen und Wild nicht zusätzlich bedrängen, indem sie diese Wege verlassen! Mit dem Erreichen des Naturschutzgebietes Feldberg gilt dann wieder die spezielle Karte „Wintersport im Naturschutzgebiet Feldberg“ (siehe unten!).

Obwohl auch ich die tolle Atmosphäre innerhalb des Winterwaldes genieße, bin ich gleichzeitig doch etwas angespannt. Die Orientierung ist im Winter immer viel kniffliger, als im Sommer, da alles völlig anders aussieht und viele Wegweiser nun überhaupt nicht zu sehen sind, weil sie schlichtweg zugeschneit sind. Und da es sich bei der heutigen Tour auch noch um die Längste handelt, die wir bisher unternommen haben, verspüre ich nur wenig Lust, sie noch einmal zu wiederholen, nur weil ich mich verlaufen habe. Zudem würde der Garmin ja auch noch alles (falsch) aufzeichnen.

Immer wieder kreuzen Wildspuren unseren sonst unberührten Winterpfad und Claudia lernt schnell, Rehe von Wildschweinen zu unterscheiden. Hasen-, und Kaninchen-Spuren kenn sie bereits, auch eine Fuchsfährte kann sie bald identifizieren. Bei einer weiteren Fährte bin ich mir dann selbst nicht ganz sicher, vermute jedoch einen Marder. Etwas abseits herrscht hier also ganz schön „Betrieb“, im Winterwald.

Dann erreichen wir die von mir herbei gesehnte „Kreuzung“ im Wald und mir fällt ein Stein vom Herzen: Wir sind richtig!

„Ich hab’s „plumpsen“ gehört..!“ schmunzelt Claudia, die mich natürlich kennt in einer Anspielung darauf und angelt sich die Teeflasche von meinem Rucksack.

Was wir nicht wussten (weil es auf unserer Karte natürlich nicht eingezeichnet war), ab hier ist unser Weg eine Langlauf-Loipe. Aber damit haben wir kein Problem, denn wenn man sich vorsichtig, abseits der Spur bewegt, dann sind unsere Schneeschuh-Abdrücke nicht gravierender, als die der Langläufer (Skater) selbst. Überhaupt durften wir inzwischen feststellen, dass es auch ganz gut „miteinander“ geht, wenn man nur will..!

So ziehen wir (ohne auch nur eine einzige Menschenseele zu treffen) hinauf, nach Todnauberg und erreichen die zweite Kreuzung. Hier halten wir uns rechts, Richtung Feldberg/Todtnauer Hütte. Dieser Wegabschnitt ist uns nun wieder vom Sommer her bekannt, so dass wir ab hier nun wieder „zu Hause“ sind und keinerlei Orientierungs-Probleme mehr haben. Aber auch dieser Weg ist als Loipe gespurt und wir vermuten, dass sie sich nun bis zum Feldberg ziehen wird.

Das hat aber auch Vorteile, denn auf gepresstem Schnee geht man natürlich auch mit Schneeschuhen viel passabler, als im Tiefschnee. Dieser Loipenabschnitt wird jedoch auch von Wanderern ohne Schneeschuhe frequentiert, und dem entsprechend sieht er natürlich auch aus.

Nach einiger Zeit passieren wir dann rechter Hand die Hämmerle-Hütte, die zwar als „Schutzhütte“ in der Karte verzeichnet ist, jedoch verschlossen ist. Dafür kommt kurz darauf auf der linken Seite eine offene Hütte, in der wir nun eine erste Rast machen. Inzwischen knurrt uns nämlich beiden der Magen. Unsere Vesperbrote sind zwar eiskalt, aber schmecken klasse und bilden so den richtigen „Kontrast“ zum heißen Tee. Claudia kann sich ein Lachen natürlich mal wieder nicht verkneifen.

Inzwischen sinkt der Nebel herab und die Feuchtigkeit läßt uns leicht frösteln. So ziehen wir bald weiter und finden dann links und rechts des Weges auch wieder die gleichen, bizarren Eisblumen, die wir schon beim Aufstieg vom St. Wilhelmer Tal gesehen haben – wunderschön! Sie entstehen dort, wo feuchte Luft (Nebel) auf gefrorene Zweige trifft!

Die Loipe zieht weiter hinauf und an der Abzweigung halten wir uns links, Richtung St. Wilhelmer-Hütte. Inzwischen ist die Suppe so dick geworden, dass man keine einhundert Meter sehen kann. Aber wir brauchen ja nur der Loipe zu folgen, sie wird uns sicher zum „Jagertee“ bei Gabi und Baldur bringen!
Dort gibt es wieder ein riesen Hallo und heute haben die beiden auch mal richtig Zeit, weil bei diesem Wetter natürlich nicht viel los ist. Nur ein weiteres Ehepaar sitzt noch am Stammtisch. Ebenfalls hartgesottene Wanderer, die sich von „ so ä bissele Nebel“ natürlich ebenfalls nicht aufhalten lassen!

Nach zwei Jagertee brechen wir dann aber wieder auf und als wir den anderen erzählen, dass wir noch über den „Höchsten“ wollen, grinst Baldur nur. Er kennt uns inzwischen!

Draußen klappe ich die Steighilfe der Lightnings hoch und schaue Claudia an.
„Wohin..?“, will sie von mir wissen.
„Immer nur aufwärts..!“, grinse ich.
„Danke, für’s Gespräch..!“,  schmunzelt sie nur und stapft los.

Tatsächlich haben wir überhaupt keine Orientierung mehr und nur das Gefälle des Hanges weist uns den Weg: Oben ist richtig! Der Nebel ist inzwischen noch viel dichter geworden.

Achtung: Bei solchen Bedingungen würde ich jedem Ortsunkundigen dringend davon abraten, ebenfalls über den Gipfel zu gehen! Die Gefahr, sich dort oben zu verirren, ist einfach viel zu groß!

Aber Claudia und ich kennen uns gut aus und haben zusätzlich den Garmin dabei. Außerdem haben wir uns dieses finale Tiefschnee-Vergnügen redlich verdient, denn schließlich sind wir den ganzen Tag über nur auf Loipen unterwegs gewesen! So ziehen wir nun direkt in der Falllinie hinauf, zum Gipfel.

Trotz der dicken „Suppe“, der Schnee ist klasse und ich schieße noch einige tolle Bilder vom Aufstieg. Oben empfängt uns dann natürlich wieder der obligatorische, eiskalte Wind und wir ziehen auch bald unsere Kapuzen hoch. Die paar Meter, bis zum eigentlichen Gipfel, schenken wir uns an der Abzweigung.

„Gilt auch so als Gipfel..!“, lacht Claudia und dreht sich mit der Kapuze vom Wind weg. Dann gehen wir auf dem gespurten Wanderweg, immer entlang der Orientierungs-Stangen, zum Grüblesattel. Hier tauchen plötzlich drei durchgefrorene Gestalten aus dem Nebel auf: Junge Burschen, in niederen Turnschuhen und Jeans, die sich wohl völlig verirrt haben und froh sind, von uns auf den rechten Weg gebracht zu werden!

Wir schicken sie über den sicheren Weg hinunter und entscheiden uns selbst für den „harten“ Weg im Wind, über den Seebuck. Der untere Weg würde wohl völlig im Lee des Sattels verlaufen, aber wir sind noch so gut drauf und zudem optimal gekleidet, dass wir uns das nun unbedingt noch „antun“ wollen.
Oben, am Feldbergturm machen wir dann noch ein paar Fotos von uns, und ziehen entlang der Orientierungsstangen der rechten Pistenbegrenzung hinunter, zum Winterwanderweg und auf ihm zu unserem Auto, am Haus der Natur.

Unser Fazit: Abenteuer kann man nicht kaufen, man muss sie selbst gestalten! Eine echte Hammer-Tour mit insgesamt 14,7 Kilometer Strecke und 874 Höhenmeter im Anstieg (343 Höhenmeter im Abstieg)!

Wir benötigten für die gesamte Tour (mit allen Pausen und vielen Fotos) ganze 7,5 Stunden!
Achtung: Bei viel Neuschnee und ungespurten Loipen benötigt man wahrscheinlich deutlich länger. Dann im Wald auch mit Schneebruch rechnen! Diese Tour bitte nur mit guter Kondition und etwas Schneeschuh-Erfahrung angehen! Gutes Orientierungsvermögen ist zudem erforderlich!

Unbedingt an die Besonderheiten von Streckenwanderungen denken(!) – einmal drin, muss man durch! Das Auto steht schließlich am Ende der Tour! Daher auch an genügend Verpflegung und Heißgetränk(!) denken. Einkehr ist erst in der Todtnauer, bzw. St. Wilhelmer-Hütte möglich.

Der erste Streckenteil ist wunderschön zu gehen. Ab der ersten Kreuzung dann durchgehend gespurte Loipen bis zur St. Wilhelmer-Hütte. Daher diese Tour vielleicht nicht unbedingt am Wochenende gehen, da dann mehr Langläufer unterwegs sind. Man könnte die Tour auch über die Todtnauer Hütte gehen und den Schlussanstieg zum Gipfel auslassen! Dann einfach nur dem gespurten Winterwanderweg zurück zum Haus der Natur folgen.

 

Besonderheiten: Im Winter bitte unbedingt die Wildruhezonen im Naturschutzgebiet beachten (siehe unten)! Den Plan bekommt Ihr als Faltblatt im Haus der Natur, Preis -,50 €.

Empfohlene Hintergrund-Karte für den Garmin: Topographische Karte Süddeutschland, 1:25.000

Empfohlene Winter-Wanderkarte: Faltblatt Wintersport im Naturschutzgebiet Feldberg (siehe oben) und Freizeitkarte 505, Freiburg i. Br./Kaiserstuhl, 1:50.000 ISBN-13:978-3-89021-598-3

Hier geht’s zu den derzeit verfügbaren Feldberg-Webcams (28!)

Hier findet Ihr die aktuellen Schneeberichte

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Vom Stollenbacher Hof zum Feldberg-GipfelRinken – Baldenweger Buck – Feldberg-Gipfel

2 Kommentare »

  • Chris sagt:

    Wieder ein super toller Bericht, auch wenn das Wetter nicht immer so toll war.

  • Die schönsten Schneeschuh-Touren am Feldberg | Rainer & Claudia sagt:

    […] Von Todtnau über den Feldberg-Gipfel 14,7 km mit 874 Höhenmeter im Anstieg Todtnau – Kriegerdenkmal – Brände – Spechtsböden – Bergerhöhe – St. Wilhelmer Hütte – “Höchster” – “Haus der Natur” […]

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