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Von Staufen zum Schauinsland-Gipfel

10 September 2013 3 Kommentare

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Die Gipfeltour von Staufen aus ist anders. Das merkt man bereits bei der Überlegung, wo man wohl am Besten das Auto parkt: Einfach am Start, und dann später mit den Öffi’s zurückkehren? Oder vielleicht doch lieber am Endpunkt der Wanderung und gleich mit Bus, Straßenbahn und Zug, zum Start in Staufen fahren? Wir haben uns für die erste Möglichkeit entschieden, da wir sonst noch deutlich früher hätten aufbrechen müssen. 

IMG_4816Um Neun parken wir unser Auto in der Nähe von Staufens Bahnhof. Ein paar Meter in Richtung Ortseingang ist das kostenlos möglich. Dann ziehen wir los.
Wie im Rother-Wanderführer empfohlen, folgen wir anfangs einfach dem „Bächle“ aufwärts, dann finden wir bereits innerhalb der Altstadt erste Wegzeichen in Richtung Schauinsland. Sie leiten uns nach Links, und aus dem Städtchen hinaus.

Ab dem Ortsrand ist die Beschilderung jedoch ziemlich dürftig, so dass wir sogar mal eine kurze Ehrenrunde drehen, weil wir uns verlaufen. Hier geht es gleich ziemlich steil hinauf, aber leider fehlt auf den Wegweisern IMG_4817 jeder Anhaltspunkt, in Richtung Schauinsland. Nur nahe liegende Zwischenziele sind aufgeführt, die eigentlich alle richtig (oder auch falsch) sein könnten. Erst etwas weiter oben (an der Kapelle) findet sich dann wieder der ersehnte Hinweis. Jetzt ist alles einfach und eindeutig, so dass wir zielsicher voranschreiten.

Der Weg kennt nun aber nur noch eine Richtung, nämlich aufwärts. Und das wird bis zum Schauinsland-Gipfel wohl auch so bleiben, denn uns werden im Wanderführer für unsere Tour 20 Kilometer mit 1.200 Höhenmetern versprochen!
Whow..!“ meint Claudia dann auch schon nach kurzer Zeit, als sie mal kurz stehenbleibt. Trotz der morgendlichen Kühle hat ihr Gesicht bereits eine markannte Farbe angenommen.
Gut, dass wir heute sehr leicht unterwegs sind! In den kleinen Rucksäcken befinden sich nur die Regenklamotten und ein Vesper. Zusätzlich hat jeder noch einen Liter gesüßten Tee dabei. Ansonsten halte ich auf dieser Tour auch nur noch die Stöcke für wichtig. Neben zusätzlicher Sicherheit in ein paar rutschigen Serpentinen (loser Sand durch viele Mountain-Biker!), geben sie uns die Möglichkeit, den langen Aufstieg über die Arme zu unterstützen. Bergauf richtig eingesetzt, kann man sich an ihnen nämlich auch immer etwas „hinauf-ziehen“!

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Der Weg führt nun immer in General-Richtung Ost und folgt damit dem Verlauf des Münstertales, rechts unter uns. Er verläuft zudem fast durchweg in angenehmen Waldschatten, was aber leider auch jede Aussicht verhindert. Erst etwas weiter oben erhaschen wir dann einen ersten Blick auf den Gipfel des Blauen, weit im Süden. Sein markanter Turm ist unverwechselbar!
IMG_4831Wie erwartet, geht der kontinuierliche Anstieg kräftig in die Beine, so dass wir gleich das erste Bänklein für eine kurze Verschnaufpause in Anspruch nehmen. Zwischen den Kilometern 1,5 und 4,0 befinden sich nämlich bereits die steilsten Anstiege der ganzen Tour (siehe Höhendiagramm!), und die haben wir nun gerade hinter uns gebracht.
Mir ist zur Erholung nur das Sitzen wichtig und natürlich ein paar kräftige Schlucke Tee, während es neben mir aber schon wieder „raschelt“: Claudia holt sich bereits wieder die ersten, getrockneten Aprikosen aus der stets griffbereiten Tüte. Die süßen Trockenfrüchte sind leicht und voller Trauben-, sowie Fruchtzucker. Genau das Richtige also, wenn man ausgepowert ist und der Körper nach etwas Brennstoff zwischendurch verlangt!

IMG_4833Kurz darauf wird es wildromantisch: Ein schmaler Felsensteig führt steil hinauf, zur ehemaligen Rödelsburg. Heute ist dort nur noch eine kleine Schutzhütte in Form eines Pavillon, und auch die Aussicht ist längst zugewachsen. Was bleibt, ist ein toller, felsiger Pfad der teilweise auch den Begriff „Steig“ verdient hätte (Vorsicht bei Nässe!). Er führt uns hinüber zur Etzenbacherhöhe, wo ein erster Aussichtsfelsen auf uns wartet.

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Hier haben wir nun zum ersten Mal Gelegenheit, direkt hinunter in die Rheinebene zu blicken um zu sehen, wie weit wir uns bereits von dort heraufgearbeitet haben. Der trockene Felsen im Schatten ist dann auch unwiderstehlich, man kann ja schließlich auch im Sitzen fotografieren! Das Foto unten zeigt Claudia, weit  vorne auf dem Aussichtspunkt.

IMG_4843Auf schmalen, schattigen Waldpfaden geht es dann weiter, immer noch stetig bergauf. Allerdings wechselt der Wald nun im Aufstieg mehrfach: Einmal schlendern wir durch hohen Fichtenwald, kurz darauf schon wieder zwischen beeindruckend alten Buchen. Dann ist es auch mal ein herrlicher Mischwald mit teilweise gewaltigen Weißtannen.

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Wir genießen diese Abwechslung und auch Claudia kommt inzwischen ganz gut mit den einzelnen Baumarten zurecht. Noch vor wenigen Jahren konnte sie keine Fichte von einer Tanne unterscheiden, heute hingegen ist sie es, die mich auf die vielen Zapfen der Douglasien (Douglastannen) hinweist, die hier am Boden liegen!

IMG_4873An einer weiteren Bank im Waldschatten machen wir erneut eine kurze Rast. Unmittelbar dahinter liegt jedoch eine große Wildschwein-Suhle und ich fühle mich schlagartig beobachtet. Solche Plätze verlassen Wildschweine nämlich nie allzu weit, vor allem nicht an so heißen Tagen, wie heute!

Der Weg wird nun stellenweise etwas breiter und führt über einen langgezogenen Bergkamm, innerhalb des Waldes. Hin und wieder geben uns die Bäume dabei auch erste Blicke auf die umliegenden Gipfel und das Obermünstertal frei. Versteckt und friedlich liegen dort die Gehöfte im Tal. Und dann sehen wir gegenüber auch zum ersten Mal den Gipfel des Herzogenhorn.
Nun ist es – was die Kilometer angeht – nicht mehr allzu weit wissen wir, als der Wald zurück bleibt und wir zum ersten Mal auf die freie Hochfläche hinaus treten. Hier könnte man einen Abstecher zu den Kohlerhöfen machen (Einkehr), aber wir sind gut versorgt und können uns den kleinen Umweg daher schenken.

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Und noch einmal geht es einen knackigen Stich hinauf, bevor ich auch die nächste Bank „verhafte“, die dort oben im Schatten auf uns wartet. Immerhin sind wir nun ja bereits seit fünfeinhalb Stunden unterwegs! Allerdings sind wir erst auf 880m n. N. angekommen, wie mir der Garmin zeigt. Bis zum Schauinslandgipfel auf 1.284m muss es also irgendwo noch einmal kräftig hinaufgehen: 400 Höhenmeter fehlen uns nämlich noch bis zum Gipfel!

IMG_4875Dann wird es sonnig. Über fast baumfreie Wiesen erreichen wir den Weiler Gießhübel. Das Gasthaus direkt an der Straße ist inzwischen leider geschlossen, so dass uns die Entscheidung, ob wir hier vielleicht eine letzte Rast einlegen, abgenommen wird. Weiter..!
Erst mal ein paar Meter entlang der asphaltierten Straße, dann überqueren wir diese und folgen einem Wiesenpfad hinauf, an den Waldrand. Hier ist unser Tee zu Ende und während ich noch einmal in die Karte sehe, fragt Claudia bei einer Frau, die im Garten arbeitet, höflich nach Wasser. Kurz darauf kehrt sie mit einer vollen, kalten Flasche zurück.

Auch wenn wir nun wieder im Waldschatten unterwegs sind ist die Nähe zur Straße ziemlich lästig: Ein paar Motorradfahrer hauen uns nämlich mächtige Phonzahlen auf die Ohren, indem sie wohl immer schön am roten Drehzahlbereich fahren. Der Schauinsland ist und bleibt eben Motorrad-Rennstrecke. A………r..!

IMG_4876Dann ist es aber fast geschafft: Noch einmal überqueren wir die Straße vom Notschrei nach Freiburg, bevor uns ein letzter, kurzer Stich zum breiten Weg hinüber bringt, der von der Bergstation aus zum Eugen-Keidel-Turm, am Schauinsland-Gipfel führt.
Hier ist nun natürlich wieder wirklich „alles“ unterwegs und Claudia muss sich fest auf die Zunge beißen, um nicht laut los zu lachen, als sie oben am Gipfel eine Engländerin in elegantem Kostüm und mit goldenen Pumps sieht!
Unser Herrgott hat doch wirklich einen großen Tiergarten..!“ schmunzelt sie dann abschließend und gibt mir „Fünf“, als wir ebenfalls am Turm ankommen.

Nach kurzer Rast marschieren wir dann aber schon zurück, zur Bergstation, um mit dem „Schauinslandbähnle“ wieder hinunter zu fahren, nach Freiburg-Horben. Nun liegt schließlich noch eine ziemliche Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln vor uns, bis wir wieder am Auto ankommen werden.

IMG_4903Die Rückfahrt in Kürze:
Mit der Schauinslandbahn hinunter nach Horben. Von dort mit dem Bus nach Günterstal. Von Günterstal aus weiter mit der Straßenbahn, zum Hauptbahnhof (einmal umsteigen). Mit dem Nahverkehrszug nach Bad Krotzingen, und von dort aus dann mit dem Münstertal-Bähnle vollends nach Staufen.
IMG_4899Dauer: Ab dem Schauinsland-Gipfel – ca. drei Stunden! Man muss der Verkehrs-Gemeinschaft jedoch bescheinigen, dass die Rückfahrt – trotz des häufigen Umsteigens –  wirklich reibungslos ineinander greift!
Kosten: 14,5 Euro pro Person (Schauinslandbahn 8,50 Euro, Bus und Straßenbahn bis Bahnhof 2,20 Euro, Zug bis Staufen 3,80 Euro p. P.)

Unser Fazit: Der wohl anstrengendste, aber auch mit Abstand schönste Schauinsland-Aufstieg. 17,1 Kilometer mit 1.164 Höhenmeter im Anstieg, 283 Höhenmeter im Abstieg. Dauer: ca. 8,5 Std.
Ideal wäre, wenn man ein zweites Auto am Endpunkt (Talstation Schauinslandbahn) deponieren könnte!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

HD-Staufen-Schauinsland


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3 Kommentare »

  • Manu sagt:

    Super Bericht und ganz tolle Bilder!

  • Ulrike sagt:

    Ich habe heute die Tour erwandert aber vom Schauinsland aus.Leider hatte ich mit der Aussicht nicht viel Glück doch auf dem Schauinslandgipfel hat die Sonne mich angelacht dann wurde es nebliger je weiter man Abstieg. Doch war es für mich ein wunder schöner Wandertag und Nebel gehört nun mal zum Herbst der auch seinen Reiz hat.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Ulrike,

    stimmt, Nebel hat was! Nur ist er manchmal sehr schwer stimmungsvoll im Bild festzuhalten, weil das Licht fehlt..!

    Liebe Grüße,

    Rainer

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