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Von Schönau zum Belchengipfel

30 September 2011 2 Kommentare

Unser erster Belchenaufstieg (von ganz unten) sollte eigentlich nur ein „sanftes“ Kennenlernen sein. Von Schönau aus folgten wir der blauen Raute hinauf, zum Gipfel. Aber die 18,0 Kilometer mit 882 Höhenmetern brachten uns unterwegs dann doch ganz ordentlich auf Betriebspemperatur..!

Dafür bescherte uns der Altweibersommer mit seiner beginnenden Herbstfärbung aber noch einmal ein wunderschönes Wandererlebnis! Und es wird auch ganz bestimmt nicht unser letztes Belchen-Abenteuer bleiben..!

Es ist schon 10 Uhr, als wir in Schönau unser Auto abstellen und die Wanderstiefel anziehen. In der Hoffnung, wie an fast allen Wanderwegen, einen Wanderparkplatz zu finden, sind wir gleich ganz durch das hübsche Städtchen hindurch gefahren.
Von hier aus folgen wir nun der Blauen Raute aufwärts und werden schon nach kurzer Strecke scharf links hinauf geleitet. Ein schmaler, angenehm zu gehender Pfad wird seinem Namen mit vielen Zitaten auf Holz-Tafeln gerecht: Philosophenweg. Er tangiert weiter oben noch einmal kurz die Straße nach Schönenberg, dann zieht er schnurstracks hinauf, zum Bergkamm.

Die Zitate bekannter Autoren sind treffend gewählt und harmonieren irgendwie alle so gut mit dem Thema Wandern, dass Claudia und ich immer wieder stehen bleiben, um einen von ihnen in uns aufzunehmen..!

Wir werden durch einen lichten Mischwald aufwärts geführt und genießen die angenehmen Temperaturen eines typischen Altweibersommer-Tages: Um die 20°C! Schon bald verlassen wir den Waldschatten aber wieder und sehen rechts hinunter, auf eine Weide mit einem idyllisch daliegenden Weiher.

Hier treffen wir ein sehr nettes, elsässisches Ehepaar in unserem Alter und sind mit ihnen sofort auf einer Wellenlänge. Es sind genauso begeisterte Wanderer wie wir und sprechen beide perfekt deutsch! Außerdem kennen sie sowohl den Schwarzwald, als auch die Vogesen wie ihre „Westentasche“ und als ihnen Claudia (mein wandelndes Lexikon) auch noch die einzelnen Station unserer letztjährigen Vogesen-Tour aufzählt, wirken beide doch recht beeindruckt!

Von ihnen erfahren wir dann auch noch, dass sich in den Vogesen (zum Leidwesen der Hirten) inzwischen wieder ein Wolfsrudel angesiedelt hat, vor dem wohl auch die einheimischen Wanderer ordentlich Respekt haben. Für Claudia und mich gut zu wissen, schließlich möchten wir unsere Trekking-Tour dort ja immer noch gerne zu Ende bringen..!
Als die Beiden an einem Tisch im Schatten rasten, ziehen wir langsam weiter. Da uns das Fotografieren erfahrungsgemäß doch ziemlich aufhält, werden sie uns bestimmt wieder einholen. Für alle Fälle habe ich ihnen aber auch noch ein Kärtchen gegeben, damit sie von zu Hause aus Kontakt über Rainer & Claudia mit uns aufnehmen können.

Bald erreichen wir einen sehr aussichtreichen Bereich und genießen wunderschöne Tiefblicke, hinunter nach Aitern und hinüber, bis nach Holzinshaus. Unser Weg macht inzwischen ordentlich „Höhe“, ohne dass man es groß bemerkt, denn wir sind ständig abgelenkt. Auch die einsetzende Herbstfärbung der Blätter nimmt uns nun immer mehr gefangen und je höher wir kommen, umso intensiver wird sie.
Bald hören wir dann von hinten wieder Stimmen und sehen auch schon bald unsere elsässischen Wanderer wieder. Sie sind gut unterwegs und haben uns schon wieder eingeholt!

Während wir uns wieder unterhalten, führt der Weg kontinuierlich aufwärts und ohne es anfangs zu bemerken, wechseln wir über einen unscheinbaren Sattel auf die linke Kammseite.
Hier oben hat es überraschend viele Fliegenpilze und ein großes, weißer Pilz auf einer Weide läßt uns raten: kleiner Parasol oder großer Champignon..? Ich steige über den Weidezaun und sehe nach: Es ist ein kleiner Parasol, dessen Hut sich noch nicht völlig geöffnet hat.

Auf einem breiten Wanderweg passieren wir – in voller Sonne – die Obere Stuhlsebene mit dem Rabenfelsen. Seinen Besuch haben wir erst für den Rückweg eingeplant. Zuerst wollen wir hinauf, zum Gipfel, bevor wir irgendwelche Abstecher machen. Hier verabschieden wir uns von unseren elsässischen Freunden, die nicht zum Gipfel wollen. Sie versprechen noch einmal, Kontakt mit uns aufzunehmen.
Hier wird es nun wieder angenehm schattig und an einer weiteren Abzweigung haben wir dann auch noch die Wahl, zwischen steilem Aufstieg, und – 500 Meter länger  – normalem Aufstieg. Bevor ich noch etwas sagen kann ist Claudia auch schon wieder unterwegs, und natürlich auf dem Steilstück! Aber das ist gut so, denn ich hätte mich genauso entschieden.
Wenn wir einen Weg hinauf, und über den anderen wieder hinunter gehen möchten, dann ist es abwärts, auf dem weniger steilen Weg, weitaus angenehmer zu gehen! Je steiler ein Weg hinab führt, umso mehr belastet er die Knie!

Erst unterwegs erkennen wir dann zwischen den lichter werdenden Bäumen hindurch, dass wir uns schon weit über der Talstation der Belchenseilbahn befinden. Das hätten wir überhaupt nicht gedacht, obwohl wir die Höhenmeter inzwischen schon ordentlich in den Beinen spüren!

An der alten (gesperrten) Belchenstraße verlassen wir den Wald und sehen kurz einem Pärchen hinterher, das offensichtlich dem Straßenverlauf (Umweg!) zum Belchenhaus folgt. Claudia schüttelt nur kurz den Kopf und steuert dann Zielsicher das Gatter an, hinter dem wir über die Viehweide – quasi in Luftlinie – zur Bergstation hinauf kommen.

Dann stutzt sie kurz, denn am Gatter steht: Achtung, Bulle auf der Weide! Durchgang auf eigene Gefahr..!

„Ach was..!“, lache ich nur beschwichtigend. „Der ist gerade nicht zu Hause..!“

Unser Erlebnis mit dem Bullen auf dem Vogesenkamm-Weg, hat bei Claudia wohl doch bleibenden Eindruck hinterlassen! Dann ziehen wir zügig vollends hinauf und stehen kurz darauf am Belchenhaus.

Die Menschenmassen, die hier von den Seilbahn-Gondeln auf den Berg hinauf gehievt werden, sind für Claudia aber wohl so abschreckend, dass sie nur kurz das Gesicht verzieht und gleich wieder weiter geht, zum Gipfel-Rundweg! Das ist für mich im Augenblick nur allzuleicht verständlich, denn während des gesamten Belchen-Aufstieges sind wir unterwegs gerade mal sechs(!) Menschen begegnet. Und so viele sitzen hier nun schon auf den untersten zwei Treppenstufen des Belchenhauses (Gasthaus)..!

Wir folgend dem Rundweg über den eigentlichen Gipfel im Uhrzeigersinn und genießen so nun auch noch herrliche Tiefblicke, in die Sonnenflanke des Belchen. Auch hier, hoch über dem Münstertal, taucht der Herbst die Blätter inzwischen in phantastische Farben.

Als wir die Nordwestecke des Rundweges passieren und in die Rheinebene hinunter sehen, erhält auch der Begriff Luftkurort noch einmal eine völlig neue Bedeutung: Eine kräftige Inversionsschicht hält die verbrauchte Luft mit ihren ganzen Abgasen – gut sichtbar – am Boden! So deutlich haben wir das, so weit ich mich erinnern kann, bisher noch nie gesehen!

Wir ziehen die restlichen Meter zum Gipfel hinauf und setzen uns zu einem älteren Ehepaar auf ein Bänkchen. Dort packen wir unser Vesper aus und stärken uns zuerst einmal.
Lange halten wir es aber auch hier nicht aus, denn der Trubel ist einfach zu groß, wenn man sich zuvor vier Stunden lang an die Ruhe und Einsamkeit des Aufstieges gewöhnt hat. Und Achtung: Es ist Donnerstags in der Nachsaison..!
Noch ein paar Fotos, dann ziehen wir – den Gipfel vollends umrundend – wieder hinunter zum Belchenhaus.

Hier steuern wir gleich über den schmalen Pfad abwärts, der vor dem Belchenhaus herauf führt und werden dort mit einem freudigen „Halloooo..!“ begrüßt. Unsere Elsässischen Freunde haben sich nämlich ganz spontan dazu entschlossen, hier im Belchenhaus noch einen Kaffee zu trinken und haben dafür sogar zweieinhalb Kilometer Umweg in Kauf genommen..!

Wir ziehen jedoch gleich weiter und halten uns nun zuerst einmal abwärts, in Richtung Talstation der Belchen-Seilbahn. Nun sind wir auf der bereits erwähnten, flacheren Variante des Aufstieges und der führt uns nun auch auf dieses Stückchen Südsteig, das wir bei unserer 9-Tagestour leider verpasst haben, weil es nicht ausgeschildert war. So gelingen uns nun auch hier noch mal ein paar tolle Bilder, bevor wir etwas weiter unten erneut auf die alte Belchenstraße stoßen.
Wir überqueren sie nur und halten uns auf der anderen Seite dann gleich wieder links hinunter. An der kurz darauf folgenden Abzweigung fehlt das Schild des Südsteiges immer noch. Inzwischen wissen wir aber, dass wir uns hier rechts halten müssen.

Der nun folgende Pfad ist dann wieder einmal vom Feinsten und für uns zudem absolutes Neuland. Wir genießen diesen Trampelpfad, der uns nun wieder auf den Weg zurück bringt, den wir bereits herauf gekommen sind.
So ziehen wir hinunter, zur oberen Stuhlsebene und erreichen dort dann die Abzweigung, zum Rabenfelsen. Nun wandern wir gespannt die paar Höhenmeter hinauf, zur unscheinbaren Kuppe, denn von der Aussicht, die man von dort aus haben soll, haben wir schon viel gehört.

Fälschlicherweise halten wir uns zuerst links, weil wir denken, dass rechts nur ein Privatgrundstück sei. Nur deshalb finden wir dann links, nur wenige Meter unterhalb des Gipfels, eine kleine Quelle, aus der es ordentlich heraussprudelt. Ich bin davon recht beeindruckt: Welcher Druck muss wohl hinter diesem System stecken, dass es so weit oben und mit diesem Druck, hervorquellen kann..?

Erst dann werden wir auf den richtigen Weg zum Rabenfelsen aufmerksam und statten ihm nun ebenfalls unseren Besuch ab.

Der weitere Weg hinab war uns dann natürlich schon bekannt und bot eigentlich nichts Neues mehr. Außer einer Ziegenherde, die sich inzwischen – innerhalb ihrer Weide – bis ganz nach oben hochgearbeitet hat und uns hier bereitwillig Modell stand. Und Claudia ist einmal mehr in ihrem Element, denn sie liebt Ziegen!

Unser Fazit: Eine recht spannende, weil kurzweilige Belchenwanderung mit unbeschreiblicher Aussich in den Südschwarzwald und die Rheinebene.
Für die Strecke von 18 Kilometern mit 882 Höhenmetern sollte vielleicht etwas Grundkondition vorhanden sein. Lässt man sich jedoch Zeit, dann ist die Tour auch von Ungeübten zu bewältigen. Notfalls kann man ja immer noch mit der Seilbahn hinunter fahren und dann mit dem Bus nach Schönau zurückkehren.

Dauer der Tour: 7,0 Stunden (Gemütlich und mit vielen Foto-Stopps!)

An Vesper, Getränke und Wetterkleidung denken! Einkehrmöglichkeit im Belchenhaus.

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



Größere Kartenansicht 


Von Zell (i. Wiesental) zum Belchengipfel

2 Kommentare »

  • Juergen sagt:

    Hallo,

    diese Tour bin ich mit meiner Verwandtschaft Ende September bei T-Shirt-Wetter gegangen. Es war wirklich wunderschön. Leider war es sehr diesig und so konnte man die Schweizer Berge nur erahnen. Die Ausblicke in die nähere Umgebung waren aber eine gute Entschädigung. Der Trubel auf dem Belchen und am Belchenhaus sind für mich nichts Neues, da ich das von den bayrischen Bergen kenne: Am Samstag und Sonntag müssen Einheimische Platzkarten für den Gipfel vorbestellen 🙂

    Viele Grüße aus Bayern

  • Rainer sagt:

    Hallo Jürgen, das mit den Platzkarten ist wohl zutreffend! Kann man bei Dir welche für das nächste Jahr bekommen..? 😉

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