Home » Allgemein

Von Oberried über den Feldberg-Gipfel

18 Juni 2011 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 6 von 14 in der Serie Die schönsten Wanderabenteuer am Feldberg

„Ich glaub‘, der Feldberg mag uns nicht mehr..!“, meint Claudia nur zu der neuerlichen (Schlecht-) Wettervorhersage für den Nachmittag. Tatsächlich sind auch für heute wieder Gewitter mit teils schweren Regenfällen angekündigt.

Natürlich sind wir selbst dafür recht gut ausgestattet und haben so auch keine Angst vor einem abschließenden Wolkenbruch. Im Gegenteil, auch das hat was und kann – richtig angezogen – sogar ein unglaubliches Erlebnis sein..!

Die heutige Tour ist etwas aufwändiger, und sollte eigentlich nur mit zwei Autos angegangen werden. Von Oberried aus wollen wir – über den Felsenweg und durch die Wilde Schneeburg (Kletterfelsen) – zum Toten Mann und dann weiter zum Feldberggipfel.
Wahrscheinlich könnte man da anschließend auch mit den „Öffi’s“ wieder zum Auto in Oberried zurück kommen, aber das ist dann wohl schon eine halbe Weltreise!

Wir lassen uns lieber zum Feldberg fahren und parken unser Auto dort am Haus der Natur. Danach geht’s dann gleich weiter nach Oberried, vorbei am Titisee und durchs Höllental, bis hinunter nach Kirchzarten.

In Oberrried starten wir direkt am Hotel Adler und halten uns auf der anderen Straßenseite aufwärts. Weiter oben sehen wir ein Schild: „Zu den Wanderwegen“, dem wir nach rechts folgen. Von hier aus geht es nun erst mal in gemütlichem Auf und Ab durch die Bergflanke, etwas oberhalb der Straße zum Schauinsland. Im Hintertal erreichen wir dann noch einmal das Niveau der Straße, folgen hier aber gleich dem Wegweiser nach links – zum Feldberg.

Auch der Felsenweg ist hier schon aufgeführt und weckt so gleich etwas Vorfreude in uns, denn es ist einer der schönsten Felsenpfade, die wir im Schwarzwald kennen!
Aber auch unterwegs dorthin finden wir schon Beeindruckendes: Ein roter Fingerhut blüht direkt am Wegrand und sogar die wunderschönen und duftenden Blüten des Waldgeißblattes ranken sich ebenfalls direkt neben ihm. An solchen Motiven kommen wir natürlich nicht vorbei, ohne die Kamera auszupacken.

Dann kommen wir aber erst mal richtig ins Schwitzen. Der Weg zieht nun unglaublich steil aufwärts und scheint kein Ende zu nehmen!
„Berg ohne Ende, Du erinnerst Dich..?“, schnauft Claudia irgendwann, als sie mal wieder kurz stehen bleiben musste. Ich nicke nur, da ich ebenfalls keine Luft mehr für eine große Konversation übrig habe. Mit Berg ohne Ende hatte ich diesen Aufstieg nämlich schon nach unserer letzten Tour beschrieben.

Irgendwas von „720 Meter“ steht dann auf dem Wegweiser am Beginn des Felsenweges und man kann einfach nicht anders, als im Kopf schon mal zu überschlagen: 1.493 Meter minus 720 Meter.., nur noch schlappe 770 Höhenmeter also bis zum Feldberggipfel..!
„Na denn..!“, grinst Claudia auch nur und zieht schon wieder weiter. Hier, im Bereich des Felsenweges, wird es nun erst mal etwas ebener, bevor der Pfad dann später wieder deutlich steiler hinauf zieht.

Der Felsenweg beginnt mit einem groben Fels-Geröllfeld, das sich leicht aufwärts zieht. Gleichzeitig wird die Bergflanke steiler und der Pfad zieht sich etwas freier durch den Wald. Keine Angst, auch wenn man teilweise einige Tiefblicke genießen kann, der Weg ist hier nie wirklich ausgesetzt, so dass man keineswegs völlig schwindelfrei sein muss, um ihn gehen zu können. Fotos wie das unten, entstanden an Aussichtsstellen, die man zusätzlich abseits des Pfades aufsuchen kann!

Bald erreichen wir die „Wilde Schneeburg“, ein gigantischer Kletterfelsen, direkt am Wegrand. Wer hier am Wochenende unterwegs ist kann den Kopf in den Nacken legen und den Kletterern direkt über sich zusehen – eine tolle und wohl auch seltene Perspektive!

An einer beeindruckenden Felsnadel, unmittelbar rechts des Weges, wurde vom DAV ein Bänklein angebracht, dessen Einladung Claudia spontan annimmt. Grund für mich, den Rucksack ebenfalls kurz abzunehmen und ein paar Fotos zu schießen.
Der Felsenweg führt hier idyllisch weiter und ist so ganz nach unserem Geschmack. An einem Steg verweilen wir erneut zum Fotografieren. Leider haben wir hier, im Schatten der Felsen ein sehr schlechtes Licht, so dass Freihand-Aufnahmen fast zur Glückssache werden.

Und noch immer kennt der Pfad nur eine Richtung: Aufwärts! Allerding verbirgt er das geschickt mit Kurzweil und Abwechslung! Bis wir an der G’fällmatte den Wald vorübergehend verlassen. Vorbei an einem mächtigen Bergahorn, passieren wir einen gepflegten Schwarzwaldhof, direkt unter uns.

Der Weg führt uns nun nach kurzer Strecke auf ein geteertes Bergsträßlein, das wir aber schon am nächsten Wegweiser wieder verlassen.
Hier nimmt uns jetzt ein breiter Wirtschaftsweg auf, der anscheinend nicht mehr enden will! Endlos lang zieht er sich aufwärts, durch die Flanke des Hochfarn. Die einzige Abwechslung bieten uns einige Tiefblicke, hinunter nach Kirchzarten.

Endlich erreichen wir oben dann die Hochweiden, oberhalb der Erlenbacher Hütte. Der Weg führt uns nun sanft Abwärts, bis zur Abzweigung, oberhalb des Stollenbacher Hofes und direkt vor uns, haben wir nun bereits den Anstieg zum Toten Mann.

Hier beschließen wir, erst mal eine kleine Rast zu machen und setzen uns einfach ins trockene Gras. Claudia hat uns wieder leckere Brote gemacht und zusammen mit der herrlichen Aussicht, wird das Vesper hier zum Festmahl. Von rechts hören wir das sanfte „Kling-Klong“ von Kuhglocken. Jetzt sind hier oben bereits alle Weiden von Jungrindern „bewohnt“.

Noch ein paar Fotos und einige Schlucke Tee, dann ziehen wir weiter. Unten, am Weg verlassen wir die Weide dann wieder und Claudia demonstriert anschaulich, wie das mit dem elektrischen Weidezaun funktioniert.

Hier führt uns der breite Wirtschaftweg nun gleich erneut aufwärts, hinauf zum Gipfel des Tote Mann (1.321m). Aber schon nach wenigen Hundert Meter dürfen wir wieder links hinauf, auf die grüne Weide wechseln. Ein schmaler Wiesenpfad führt uns entlang des Waldrandes aufwärts, zum Bergrücken und gewährt uns unterdessen ein tolles Panorama, bis hinüber zum Notschrei und dem Schauinsland! Davor liegt sehr idyllisch der Erlenbacher Hof am Hang des Hochfarn.

Schon von hier unten sehen wir weiter oben wieder Rinder grasen und insgeheim hoffe ich, dass wir diesmal vielleicht etwas näher an ihnen vorbei geführt werden, der Fotos wegen. Und diesmal habe ich richtig Glück! Wir kommen nämlich nicht nur näher an sie heran, sondern müssen sogar mitten durch sie hindurch – klasse! Claudia geht voraus, und ich folge ihr mit schussbereiter Kamera.

Wir verlassen ihre Weide und bleiben noch minutenlang neben ihnen stehen, um dieses Panorama in uns aufzunehmen: Direkt vor uns eine Herde Jungrinder, die genüsslich widerkäuen. Dahinter dann der abschüssige Bergrücken, über den wir gerade heraufgekommen sind und etwas unterhalb schon die nächste Rinderherde. Ganz im Hintergrund dann noch der Notschrei – welch ein Hochschwarzwald-Panorama! Aber damit nicht genug: Wir brauchen uns nur umzudrehen, dann sehen wir jetzt auch schon den Feldberg-Gipfel zum Greifen nahe vor uns! Claudia strahlt und winkt zu ihm hinüber:
„Wir kommen gleich..!“

Die restlichen Meter, hinauf zum Tote-Mann-Gipfel sind ein Klacks und oben halten wir uns auch nicht mehr lange auf, denn inzwischen zieht das Wetter deutlich zu! Trotzdem lustwandeln wir fröhlich über den idyllischen Waldpfad abwärts, der uns vom Tote Mann zum Hüttenwasen bringt.

Hier blüht inzwischen der erste gelbe Enzian auf der Wiese und dazwischen leuchten auch schon unzählige, dottergelbe Blüten von Arnika.
Ich schieße ein paar Fotos und wir werden auch prompt von anderen Wanderern gefragt, was das ist, das hier so hübsch blüht. Claudia gibt bereitwillig Auskunft und kommt so mit der kleinen Gruppe ins Gespräch.

Dann ziehen wir gemeinsam hinunter zum Wegekreuz und schlagen dort erneut den Weg zur Zastler Hütte ein. Die Wanderer trennen sich hier wieder von uns und halten sich nun rechts hinauf, zum Immisberg und der St. Wilhelmer Hütte.
„Nein, heute nicht..!“, ruft ihnen Claudia noch lachend zum Abschied zu. „Gabi und Baldur werden wir am Sonntag wieder besuchen..!“

Der schmale Pfad, dem wir nun zur Zastler Hütte folgen ist recht wenig begangen. Teilweise recht abenteuerlich führt er durch die steile Bergflanke, hält sich dabei jedoch immer zwischen den Bäumen, was die Tiefblicke ins Zastler Loch natürlich „entschärft“. Nach kurzer Zeit erreichen wir aber eine Schlüsselstelle: Auch hier, wo es eigentlich niemand erwarten würde, befindet sich eine gefährliche Lawinen-Schneise und wer sich mal die niedergedrückten Eschen anschaut, bekommt rasch eine Ahnung davon, welche Gewalten hier im Winter am Werk sind..!

Bald erreichen wir dann die Zastler Hütte, passieren sie jedoch nur und halten uns an der Abzweigung gleich wieder rechts, um zum Feldberggipfel aufzusteigen.
Inzwischen wird es immer düsterer und auch das erste Grummeln von Donner ist schon zu hören. Gleichzeitig ist es unheimlich schwül und Claudia nutzt die Gelegenheit einer Abkühlung im kleinen Bergbach, den wir hier auf einem Steg überqueren.

Lange halten wir uns hier jedoch nicht auf, denn inzwischen kündigen auch heftige Windböen das nahende Unwetter an. Zwar ohne Hektik, aber dennoch zügig, streben wir inzwischen dem Gipfel entgegen.
„Wenn wir nur ihn erreichen können, ohne schon vorher Jacken und Regenhosen anlegen zu müssen, dann bin ich schon zufrieden..!“, meint Claudia skeptisch und ich pflichte ihr bei. Es ist inzwischen nämlich unglaublich schwül geworden und schon der Gedanke daran, auch noch eine Jacke und die Regenhose anziehen zu müssen, treibt mir noch zusätzlich Schweiß aus den Poren!

Trotzdem kommt keine Hektik auf und wir schießen sogar noch einige weitere Aufnahmen vom herannahenden Wetter. Dann, unmittelbar unterhalb des Gipfels, sehen wir aber die Regenfahnen heran rauschen und beeilen uns, die Bänke am Gipfel zu erreichen.
Dort „fliegen“ dann auch nur noch die Rucksäcke von den Schultern und in Rekordtempo legen wir unsere Regenhosen und die Goretex-Jacken an. Aber trotz der Eile bringt Claudia noch den Nerv auf, um nebenher ein Foto von mir zu schießen, bevor sie ihre Kamera endgültig in Sicherheit bringt!

Kaum haben wir uns umgezogen, geht es dann auch richtig los. Ich schieße nochmal ein letztes Foto von den unglaublich schnell heranziehenden Regenfahnen, dann wird es allerhöchste Zeit, auch meine Kamera wasserdicht wegzupacken.

Den Regen kontinuierlich von hinten rechts, ziehen wir anschließend hinunter zum Grüblesattel und halten uns dort auch gleich auf dem breiten Fahrweg rechts. So erreichen wir dann irgendwann unser Auto am Haus der Natur – inzwischen zwar doch etwas nass geworden, aber trotzdem immer noch gut gelaunt! Denn es war auch heute wieder – einmal mehr – ein toller Hochschwarzwald-Wandertag gewesen!

Zum Kuckuck, ist das schön hier..!

Unser Fazit: Ein wunderschöner Feldberg-Aufstieg, der jedoch ordentlich in die Beine geht! Dafür ist aber wohl nicht einmal so sehr die Streckenlänge von 16,4 Kilometer verantwortlich, als viel mehr die 1.209 Höhenmeter im Anstieg. Aus diesem Grund sollte man für diese Tour, neben der erforderlichen Trittsicherheit, auch eine ordentliche Grundkondition besitzen. Ideal mit zwei Autos zu organisieren!

Strecke: Streckenwanderung über Tote Mann und Feldberggipfel – 16,4 Kilometer mit 1.209 Höhenmeter im Anstieg, und 394 Höhenmeter im Abstieg. Dauer: 7 – 8 Std. (gemütlich).
Die gesamte Strecke ist gut ausgeschildert, so dass man sich eigentlich kaum verlaufen kann. Da es unterwegs jedoch mehrere Weg-Varianten gibt, sollte man sich die gewünschte Streckenführung lieber schon vorab etwas „verinnerlichen“, um am Berg dann keine unliebsamen Überraschungen zu erleben. Unbedingt an Wetterfeste Kleidung denken und genügend zu trinken, so wie ein zünftiges Vesper einpacken!

Kleidung: Neben Regenjacken und Regenhosen gehört dazu am Feldberg – neben einem Pulli – auch immer ein Sonnenhütchen! Wer in kurzen Hosen loszieht, der sollte unbedingt auch eine lange Hose zum Wechseln einpacken. Am Feldberg gibt es auch im Sommer – vor allem nach Gewittern – teilweise heftige Temperaturstürze!

Einkehr: Adler in Oberried, Stollenbacher Hof und Erlenbacher Hütte (beide etwas abseits der Strecke), St. Wilhelmer Hütte, oder Zastler Hütte – je nach gewählter Route und abschließend natürlich auch in den Lokalen am Haus der Natur.

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3.

Empfohlener Wanderführer: Faszination Feldberg (5,-€). Zu erhalten im Haus der Natur (auch am Wochenende geöffnet) oder im Buchhandel. ISBN-13:978-3-9810632-1-9

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



Größere Kartenansicht 


Große Rinken-Runde über den „Höchsten“.Feldberg-Aufstieg aus dem St. Wilhelmer Tal

2 Kommentare »

  • Stefan sagt:

    Wieso Auto?
    Diese Tour ist doch wunderbar mit ÖPNV erschlossen.

  • Rainer sagt:

    Wenn man bis zum Auto noch mal 2 volle Stunden unterwegs sein möchte (ich habe extra nachgesehen!), dann geht das natürlich auch. Aber als „wunderbar“ möchte ich das nicht gerade bezeichnen..!

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.