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Von Menzenschwand zum Herzogenhorn

8 August 2012 Kein Kommentar

Endlich wieder mal im Hochschwarzwald unterwegs! Nachdem wir in letzter Zeit etwas mehr im Allgäu und in den Vogesen gewandert sind, freuen wir uns nun darauf, endlich auch wieder einmal durch unsere Heimat zu ziehen. Von Menzenschwand aus wollen wir heute hinauf, auf das große Spießhorn, und von dort dann über das Herzogenhorn und das Bundesleistungszentrum wieder hinunter, in die Albschlucht mit den Wasserfällen.

Dazu möchten wir auch gleich noch einen neuen Weg versuchen, über den wir bisher von Menzenschwand aus noch nie aufgestiegen sind: Vom großen Parkplatz aus gehen wir dazu erst auf die Liftstation zu, und halten uns dort innerhalb der Wiese, nach Süden. Der Weg führt uns dann westlich und immer parallel zur Straße, an Menzenschwand vorbei.

Wo wir ein paar Häuser tangieren, stoßen wir auf einen lieben, alten Brauch: Wo im Dorf nämlich ein Kind geboren wird, stellen Schulfreunde und Feuerwehrkameraden des Ehemannes – weithin sichtbar – einen Storch aus Holz auf, der eine Windel mit einer Puppe im Schnabel trägt! Zum Dank ist der frischgebackene Papa dann natürlich verpflichtet, alle Beteiligten einzuladen und ordentlich frei zu halten! (Wird natürlich immer ziemlich teuer..!)

Kurz darauf passieren wir ein Wildgehege mit Dammwild. Gleich das ganze Rudel findet sich unmittelbar am Zaun zur Fütterung ein, als das Auto des Besitzers vorfährt und ich nutze diese Gelegenheit natürlich, um ein paar hübsche Fotos zu schießen.

Nur wenig später folgen wir dann dem rechts hinaufziehenden, geteerten Fahrweg. Wir müssen nun irgendwie den unmittelbar vor uns liegenden Bergkamm erreichen, um auf seinem Rücken dann hinüber ziehen zu können, zum Spießhorn.
Die topographische Karte (1:50:000) ist diesbezüglich leider mal wieder nicht ganz eindeutig, zumal wir gleich zwei unterschiedliche Versionen von Menzenschwand haben: In der Einen (Waldshut-Tingen) ist hier nämlich ein Wanderweg rot eingezeichnet, in der anderen (Lörrach) leider nicht!
Die Karte von Waldshut-Tingen hilft uns aber nicht wirklich weiter, das sich Menzenschwand gerade eben noch am linken Kartenrand befindet und wir diesen Bereich nun rasch nach Westen verlassen werden. Ein Jäger, den wir unterwegs um Rat fragen, schickt uns nach rechts, das wäre richtig.


Bald wird uns dann aber klar, dass wir auf seinen Rat zwar in der richtigen Richtung unterwegs sind, uns aber nicht auf dem von uns ursprünglich ausgewählten Weg zum Spießhorn befinden, sondern auf einem Parallelweg, etwas unterhalb. Und inzwischen gibt es auch keine Möglichkeit mehr, das zu korrigieren. So beschließen wir spontan, das kleine Spießhorn einfach auszulassen. Es ist ohnehin nur ein unscheinbarer Hügel im Wald, an dem einen eigentlich nur die vielen Himbeeren beeindrucken können.

Der anfangs breite Weg geht dann auch bald wieder in einen idyllischen Pfad über, der nun sogar richtige Wanderfreude aufkommen lässt: Schmal und in lebendigem Auf und Ab zieht er durch den Wald, immer in Richtung Großes Spießhorn. Eine unscheinbare, schmale Abzweigung nach rechts hätte ich dann wohl sicherlich ebenfalls  übersehen, wenn ich mich nicht zufällig umgedreht hätte, um Claudia zu fotografieren.

Wir folgen ihr und werden nun durch unzählige Heidelbeersträucher geführt, die bereits zuckersüße, vollreife Früchte tragen. Das hält uns natürlich erneut auf, denn daran kommt Claudia nicht so ohne Weiteres vorbei! Immer wieder bleiben wir nun stehen, um einige der Beeren zu pflücken. Und jeder, der das schon einmal selbst erleben durfte weiß: Wenn man damit erst einmal angefangen hat, dann kann man auch fast nicht mehr aufhören!

So „futtern“ wir uns dann eben recht langsam in Richtung Spießhorn voran und werden dabei nur noch von einem anderen Wanderer-Pärchen überboten, die unterwegs spontan damit angefangen haben, Pilze zu sammeln: Steinpilze, Maronen und Pfifferlinge zeigen sie uns in ihrem Säckchen.

Bald sieht man uns dann unsere „Leidenschaft“ wohl schon von Weitem an, denn Finger und Lippen färben sich nun zunehmend blau! Aber Claudia lacht nur und streckt mir ihre inzwischen ebenfalls tiefblaue Zunge heraus. Klar, die nimmt die Heidelbeer-Farbe natürlich zuerst an! Ich schüttle nur schmunzelnd den Kopf und mache noch ein paar Fotos.

Ein kurzes wegstück führt uns dann hinauf, zum Gipfel des großen Spießhorn (1.349m). An der Hütte nehmen wir die Rucksäcke kurz ab und setzen uns in den Schatten. Wir holen unser Vesper heraus und sehen nebenher hinunter, nach Menzenschwand. Der Blick ins Tal ist von hier aus – wie immer – atemberaubend und es gibt wohl nur wenige Schwarzwaldgipfel, die einem ein vergleichbares Hochgefühl vermitteln können.

Frisch gestärkt ziehen wir dann wieder weiter, in Richtung Krunkelbachhütte. Bald sehen wir schon – von der anderen Spießhornseite aus – hinüber, zum Feldberg und zum vorgelagerten Rücken des Herzogenhorn, mit dem Grafenmatt. Nach nur wenigen Minuten später verlassen wir dann den Wald und wandern über sonnige Wiesen abwärts, die nahezu völlig gelb gefärbt sind von blühendem Arnika. Claudia ist da natürlich gleich wieder völlig aus dem Häuschen. (Kleine Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!)

Inzwischen haben wir unser nächstes Ziel bereits klar vor uns stehen: Das Herzogenhorn! Selbst das überdimensionierte Gipfelkreuz ist von hier aus schon deutlich auszumachen. Nur noch schnell an der Krunkelbachhütte vorbei, dann ziehen wir auch schon durch den sanften Sattel, zwischen Spießhorn und Herzogenhorn, und drüben dann wieder hinauf.

Die Krunkelbachhütte ist lokale Wetterstation und immer für eine Einkehr gut. Vor allem im Winter, beim Schneeschuh-Wandern, ist sie hier oben eine sichere „Aufwärm-Station“. Heute haben wir unsere Pause aber schon hinter uns und ziehen daher direkt weiter.

Ein breiter Spazierweg führt uns nun hinüber, zum nächsten Aufstieg. Nachdem der Weg nach rechts dreht, halten wir uns links aufwärts. Bald erreichen wir oben dann ein Holzschild „Herzogenhorn“ und folgen ihm links hinauf, in die steile Halde.

Hier ist nun noch einmal kräftiges „Schnaufen“ angesagt, denn über steile, felsige Pfade führt uns unser Weg nun direkt zur Lawinen-Rinne des Herzogenhorns, unterhalb des Gipfels. Wer hier, auf der Ostseite im Winter unterwegs ist, der ist entweder völlig arglos, dumm, oder lebensmüde (oder von allem etwas!). Denn direkt über einem hängen dann beachtliche Schneewechten, die in regelmäßigen Abständen als gewaltige Lawinen abgehen. Und ihre Spuren sind selbst jetzt – im Sommer – nicht zu übersehen, denn in ihrer Bahn gibt es keinerlei Bäume! Die haben hier nämlich einfach keine Chance, zu wachsen..!

Wir erreichen diese Stelle kurz darauf und sind dann auch gleich noch einmal mehr aus dem Häuschen: Hier oben wächst nämlich Sonnentau..! Die fleischfressende Pflanze ist äußerst selten und wächst eigentlich nur an ganz wenigen Stellen, drüben am Feldberg. Dass es sie hier, am Herzogenhorn, ebenfalls gibt, war uns bisher noch nicht bekannt!


Umso mehr freuen wir uns nun und ich fotografiere natürlich auf Teufel komm raus..! Aber ausgerechnet heute habe ich natürlich kein Stativ dabei und die Pflanzen sind winzig klein. Zudem wachsen sie im Schatten, so dass ich über Blende und Verschlusszeit einen verzweifelten Kampf, zwischen ausreichender Tiefenschärfe und dem Verwackeln führe.

Gott sei Dank, habe ich aber eine verständnisvolle Frau, die mir auch das eine, oder andere Mal nachsieht, dass die Klamotten bei derartigen Aktionen etwas dreckig werden! Denn bei solchen Motiven nehme ich darauf meist nur noch wenig Rücksicht.
Als ich bemerke, dass ich die Fotos unter diesen Bedingungen wirklich nicht mehr besser hinbekomme, habe irgendwann genug und wir ziehen weiter. Schade..! („Und nie wieder ohne Stativ!“, lautet mein persönlicher Vorsatz nach diesem Erlebnis.)

Nur wenige Meter weiter fotografiere ich dann Claudia noch schnell genau in der Lawinen-Rinne, bevor wir vollends hinauf ziehen, zum Gipfel. Ich brauche nun nämlich auch mal dringend eine Fotopause!

Oben setze ich mich dann auch nur noch auf ein Bänkchen und genieße die Aussicht. Ich trinke etwas und hänge einfach nur meinen Gedanken nach.
Machst Du denn heute keine Fotos von hier oben..?„, kommt dann irgendwann auch prompt die Anfrage von Claudia und reißt mich aus den Gedanken.
Doch, natürlich..!
Ich stehe auf und angle mir die Canon aus der Tasche. Dann dirigiere ich Claudia ins Motiv. Aber irgendwie ist bei mir heute anscheinend die Luft raus und ich beginne Fehler zu machen.

Wir gehen noch gemeinsam nach vorne, an die Ostseite (wo im Winter immer die Wechte hängt) und ich schieße dort noch ein paar weitere Fotos. Dann packen wir zusammen und ziehen flott hinunter, in Richtung Bundes-Leistungszentrum.

Man bemerkt deutlich, dass gerade Urlaubszeit ist, denn hier scheint im Lokal ganz gut ‚was los zu sein. Wir folgen dann unmittelbar hinter dem Gebäude dem breiten Wanderweg nach rechts, bis hinunter, in die zweite Serpentine. Dort verlassen wir dann die Straße und wandern nun über einen Waldweg zur Ruckenhütte.

Dieses Wegstück führt uns hier durch eines der bedeutensten Auerwild-Gebiete des gesamten Hochschwarzwaldes. Wer die Vögel aber sehen möchte, der muß viel Glück haben und mit den Augen zudem ständig ganz oben, in den Baumwipfeln suchen.
An der Ruckenhütte nehmen wir dann noch einmal kurz auf einer Bank Platz, bevor wir steil hinunter marschieren, in die Albschlucht. Dort zieht es uns dann natürlich auch noch kurz zu den Wasserfällen, bevor wir vollends zurückkehren, zu unserem Auto auf dem großen Parkplatz.

Unser Fazit: Eine tolle Rundwanderung übers große Spießhorn, hinüber zum Herzogenhorn und über das Bundes-Leistungszentrum wieder zurück, zur Albschlucht mit den Wasserfällen.
Strecke: 18,75 Kilometer mit 832 Höhenmeter im An-, und Abstieg (Rundwanderung). Dauer: Ca. 6 bis 8 Stunden.
Einkehr: In Menzenschwand, in der Krunkelbachhütte, und im Bundes-Leistungszentrum. Trotzdem empfehlen wir genügend zu Trinken und ein Vesper mitzunehmen. Sonnenschutz nicht vergessen..!

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