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Von Immenstadt zum Kemptener Naturfreundehaus

11 März 2013 4 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 1 von 3 in der Serie Schneeschuh-Träume am Stuiben

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Eigentlich hätten wir mit dem Feldberg im Hochschwarzwald ja ein traumhaftes Schneeschuh-Revier direkt vor unserer Haustüre, aber das Allgäu mit der Nagelfluhkette, das ist dann noch einmal eine ganz andere Hausnummer! Und man ist vor allem auch wieder einmal weg, von zu Hause.
Die Anfahrt nach Immenstadt dauert von Titisee-Neustadt aus gerade mal zweieinhalb Stunden, so stehen wir dann auch gegen halb Zwölf schon abmarschbereit neben dem Auto.

Ziel für den Etappenstart ist der Friedhof in Immenstadt, wo es am Straßenrand kostenlose Parkplätze gibt. (Achtung: Die Friedhofsparkplätze sind für Besucher reserviert!)

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Wir schultern die Rucksäcke mit Waschzeug und Wechselwäsche für zwei Übernachtungen, schalten den Garmin zum Aufzeichnen der Strecke ein und greifen uns die Schneeschuhe mit den Stöcken. In dieser Ecke von Immenstadt kennen wir uns noch nicht aus, aber die grobe Richtung ist klar: Aufwärts! Und wir hören auch schon bald den Steigbach rauschen. Ihm werden wir nun bis zur hölzernen Kapelle folgen.

IMG_9549Ein Winterwanderweg verlässt bald in einer Rechtskurve die steil ansteigende Straße und führt den Bach entlang aufwärts. Hier legen wir die Schneeschuhe an. Vor allem mit kalten Fingern ist das bei den MSR-Lightnings wie immer ein Gefummel. Aber hat man sie erst einmal an, dann nimmt man das gerne in Kauf. Sie sind einfach um Klassen besser, als der ganze Rest!

Nein, Ihr habt Euch auch nicht verlesen, wir hatten da wirklich schon kalte Finger, denn es herrschten stolze -12°C! Die Hände werden dann beim Gehen mit den Stöcken aber sehr schnell wieder warm, vor allem, wenn es so kontinuierlich aufwärts geht, wie hier.
Schon nach wenigen hundert Metern stoßen wir auf eine gewalzte Rodelbahn und ein Hinweisschild, das Wanderer auf irgendwelche Umwege nach rechts schicken möchte. Ich zögere einen Augenblick und versuche das Gefahren-Moment abzuschätzen, denn eigentlich führt unser Weg ja nun auf dieser Rodelbahn aufwärts.

Mir wird die Entscheidung abgenommen: Alle anderen Wanderer und Skitouren-Geher folgen nämlich ganz spontan dieser Rodelbahn und ignorieren die Warnschilder. Sicherheitshalber frage ich daher einen von ihnen – einen Einheimischen: „Musch halt ä Bissele uffbasse..!“  ist seine Antwort, gefolgt von einem Grinsen. Na denn..!
Immer schön links haltend folgen wir ihnen, während ganze Trauben von Rodlern mit ihren Schlitten an uns vorbei sausen. Sie fahren mit der Mittagsbahn hinauf zum Start an der Bergstation und rodeln dann die super präparierte Piste wieder hinunter, zur Talstation. Und lasst es mich bitte erwähnen: Da sind nur ganz wenige Kinder dabei!

Vielleicht werdet Ihr Euch fragen, warum wir auf derart toll präparierten Wegen die Schneeschuhe überhaupt anlegen? Nun, wer im Winter viel zu Fuß (ohne Skier, oder Schneeschuhe) unterwegs ist, der kennt bestimmt das leidige Problem auf gewalzten Pisten: Bei jedem Abrollen über den Fußballen rutscht man ein paar Zentimeter zurück. Das Nervt, und unterbleibt bei den Schneeschuhen völlig. Die stellt man eben in den Schnee und die Harschkrallen greifen bombenfest! Da rutscht dann nichts mehr. (Zumindest nicht beim MSR-Lightning!)

IMG_9556Da wir uns stets ganz links am Pistenrand halten, haben wir auch immer einen tollen Blick hinunter, in das völlig vereiste Bachbett des Steigbachs.
Überall in seinen Gefällstufen haben sich prächtige Eisfälle gebildet! Und wir sehen auch die schmalen (Sommer-)Wanderpfade unterhalb des breiten Weges, die sich immer wieder lebhaft auf und ab winden. Die werden wir uns irgendwann im Sommer auch mal vornehmen, steht bald fest.
Wir passieren eine Gedenktafel an Kaiser Wilhelm und erreichen dann auch bald die Wegegabel an der hölzernen Kapelle. Hier verlassen wir nun die Rodelbahn nach rechts und folgen erst einmal einer gräumten Straße..!
Klar, hier oben sind ja noch einzelne Forsthäuser und Alpen, die auch im Winter versorgt werden müssen. So weichen wir einfach auf den Straßenrand aus, da hat es Schnee im Überfluss und bald erreichen wir so auch bald das Ende dieser Straße.
Schlagartig befinden wir uns nun wieder in tiefem Schnee, wenn dieser auch durch die versorgungsfahrten von Schneekatzen teilweise verdichtet ist. Macht nix, denn es ist auch so noch anstrengend genug und wir haben ja auch noch so einiges vor uns! Von Immenstadt bis zum Kemptener Naturfreundehaus sind es zwar „nur“ schlappe 6,1 Kilometer, die führen jedoch über stolze 677 Höhenmeter hinauf: Von 742m (Immenstadt) auf 1.419m (Naturfreundehaus)! Das entspricht immerhin einer durchschnittlichen Steigung von 11,1%!

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Da spüren auch wir irgendwann, dass uns die sonst gewohnte, gute Kondition fehlt. In diesem Winter waren wir bisher nämlich noch nicht viel auf Schneeschuhen unterwegs gewesen. Zwar hat es am Feldberg eine recht gute Schneelage, aber immer dann, wenn Claudia frei hatte, hat es entweder gestürmt, oder das Wetter war anderweitig mies gewesen! Naja, die fehlende Kondition holen wir uns nun ja gerade zurück, nicht wahr?
Bald wird der Wald dann lichter und wir treten aus dem Schatten in die Sonne. Ihre Wärme sorgt inzwischen auch längst dafür, dass immer wieder schwere Schneelawinen von den Bäumen herunter kommen und uns kräftig einstauben. Ich beobachte die Wipfel daher sehr aufmerksam und weiche großen Schneelasten auf den Ästen über dem Weg möglichst schon vorher aus.

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Wir haben Glück und erreichen nach knapp dreieinhalb Stunden – endlich auf freier Fläche – die Abzweigung zwischen Mittelberg-Alpe und Seifenmoos-Alpe (Bergwacht-Stützpunkt). Bis hierher haben wir uns wirklich so richtig Zeit gelassen, um das herrliche Wetter und die tolle Atmosphäre zu geniesen. Und natürlich schießen wir unterwegs auch unzählige Fotos. Warum auch nicht? Schließlich würde es ja auch völlig genügen, wenn wir erst mit Einbruch der Dunkelheit am Naturfreundehaus ankämen.
Von hier aus sehen wir nun zum ersten Mal direkt hinüber, zu den Gipfeln der nahen Nagelfluhkette. Steineberg und Stuiben (unser morgiges Ziel) sind deutlich auszumachen.

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Direkt gegenüber, auf der anderen Talseite, sehen wir die tief verschneite Mittelberg-Alpe liegen (das Haus am rechten Bildrand oben!). An ihr werden wir morgen direkt vorbeiziehen, wenn wir zum Stuiben wandern.
Nun folgen wir dem Weg rechts hinauf, in den Wald. Vom Sommer her wissen wir noch, dass wir es nun bereits fast geschafft haben. Nur noch wenige hundert Meter, dann stehen wir vor der herrlich eingeschneiten Unterkunft.
Hier oben herrscht wirklich tiefster Winter und die Dachrinne des Naturfreundehauses zieren gleich ganze Galerien, langer Eiszapfen.
Inzwischen ist es auch um einiges wärmer geworden und wir haben während des Aufstieges doch noch ordentlich geschwitzt. So freuen wir uns jetzt auch auf eine heiße Dusche und trockene Klamotten!

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Als besonders angenehm empfinden wir jedoch, dass wir nun nicht mehr absteigen müssen, sondern direkt unser Zimmer beziehen können. Und wir freuen uns natürlich auch auf Waldi und seinen „Chef“, ein wahrlich ehrfurchtgebietendes Drumm von Rottweiler. Dem hat Waldi irgendwann beigebracht, von Gästen nichts aus der rechten Hand zu nehmen (damit er nicht zu fett wird!).
Nun, das funktioniert wirklich super, wie wir schon feststellen konnten. (Aber passt bitte auf die Finger auf, wenn Ihr die Wurst dann in die andere Hand nehmt..!)

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Waldi begrüßt uns äußerst herzlich und stellt uns dann auch seine Sonja vor, die wir im Sommer leider noch nicht kennenlernen konnten. Beide zusammen sind ein super Hütten-Team, und hier im Allgäu fest verwurzelt! Und sie haben hier oben selbst im Winter gut zu tun, und sind deswegen auch nicht immer in der Gaststube präsent. Aber wenn sie erscheinen, dann wird auch sofort wieder gute Laune verbreitet! Aber ich muss es auch erwähnen: Mit Erschrecken haben wir festgestellt, dass Waldi seinen langen Nikolaus-Bart abrasiert hat.
Macht nix..,“meint Sonja nur knapp dazu. „Wenn’s Ihr im Sommer widderkommt’s, dann ischer widder draaaa..!

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Na denn..! Wir beziehen unser Doppel-Zimmer, das unbeheizt ist. Sonja ließ uns die Wahl, zwischen einem beheiztem Schlafsaal mit 8 anderen, oder einem unbeheizten Doppelzimmer. Nun, ein kurzer Blickaustausch zwischen Claudia und mir ließ uns das Doppelzimmer wählen. Bei 8 anderen war die Chance einfach zu groß, dass welche von ihnen schnarchen würden. Und überhaupt: Wir werden im Zimmer ja ohnehin nur schlafen, und uns sonst in der Gaststube bei den anderen Wanderern aufhalten.

IMG_9630Nach einer heißen Dusche ziehen wir uns frische Klamotten an und gehen zum Abendessen. Und das ist bei Waldi allemal erwähnenswert! Nachdem wir unseren gemischten Salat verputzt haben (den man hier oben mit soviel Liebe gemacht, wirklich nicht erwarten würde!), machen wir uns beide anschließend auch noch über zwei riesige Portionen Käs’spatzen her, die zudem auch noch dick mit Röstzwiebeln belegt sind!

Daher auch ein freundschaftlicher Tipp am Rande: Abnehmen könnt Ihr hier oben – trotz der ganzen körperlichen Anstrengung – kaum!

Der Abend klingt fröhlich aus: Wir sitzen mit anderen Touren-Gehern zusammen und unterhalten uns über die schönsten Winter-Wanderziele der Region. Und auch Waldi kommt mit Sonja noch an unseren Tisch und gibt wertvolle Insider-Tipps für morgen. Das Wetter, so meint er, wird wohl mitspielen: Es ist eine Föhn-Lage angekündigt, das verspricht uns von oben zumindest eine gute Fernsicht und mit Lawinen, oder Schneebretter brauchen wir auf unserer Tour ohnehin nicht zu rechnen.

Irgendwann zieht es uns dann aber die Füße weg, und wir verziehen uns in unser kaltes Schlafgemach. Wow, draußen im Zelt wäre es wohl kaum kälter gewesen, aber dort hätten wir wenigstens unsere molligwarmen Polarschlafsäcke gehabt! Aber was soll’s: Wir organisieren uns einfach noch zwei weitere Decken und schlafen mit Mütze und Fleece-Handschuhen.

Ob es uns dann immer noch kalt war? Sorry, keine Ahnung – ich habe geschlafen..!

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Hoehendiagramm-1

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Kemptener Naturfreundehaus – „Stuiben“

4 Kommentare »

  • Frank sagt:

    Hallo Claudia, hallo Rainer,

    eine tolle Tour habt ihr da gemacht. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
    Aber ganz besonders freue ich mich, das ihr wieder „da“ seid.

    Liebe Grüße aus der Eifel
    Frank

  • Michael sagt:

    Hallo ihr Beiden,

    ein sehr guter und ausführlicher Bericht Eurer ersten Etappe.
    Und was für eine herrliche Landschaft!
    Im nächsten Winter sollte ich glaube ich eimal dort hin, wo es richtig Schnee gibt. Hier bei uns in NRW ist das ja nicht immer so ergiebig, wie bei Euch. Und so eine tolle Winterlandschaft gibt es dann auch nicht unbedingt! 🙂

    Gruss

    Michael

  • Angelika sagt:

    Hallo Ihr Beiden,
    das ist ja wieder ein schöner Bericht von Euch !
    Und mit dem Wetter hattet Ihr ja mal so richtig Glück – zwar kalt – aber Hauptsache die Sonne scheint.
    Die Tour muss ich mir merken, da ich öfters mal im Allgäu bin.
    Vielen Dank dafür.
    Grüsse Angelika

  • Cel sagt:

    Wie hab ich Eure Berichte vermisst…
    Die Nagelfluhkette kenn ich auch nur im Sommer, mit den aufregenden Gratwegen, aber jetzt müssen also doch endlich Schneeschuhe her, damit wir auch im Winter aktiver sein können. Habe allerdings grossen Respekt vor der Kondition dies dafür braucht…

    Danke für den Bericht!

    Dani und Cel aus der Schweiz

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