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Von Hinterzarten zum Feldberggipfel

11 Juli 2011 Kein Kommentar

Claudia hat eine harte Arbeits-Woche hinter sich und sollte daher dringend mal ausschlafen! So klingelt unser Wecker heute auch mal erst um Neun und nicht um Sieben, wie sonst. Und anschließend genießen wir auch in aller Ruhe, zuerst mal ein ausgedehntes Frühstück.
Beim Kaffee wissen wir aber immer noch nicht wohin, denn der Wetterbericht sagt für den Nachmittag mal wieder alles Mögliche voraus, bis hin zu Gewittern. So entscheiden wir uns einfach mal für einen Feldbergaufstieg, von Hinterzarten aus..!

Es ist für uns recht ungewohnt, erst so spät aufzubrechen und als wir in Hinterzarten unser Auto parken, ist hier auch schon ziemlich viel los: Wanderer über Wanderer drängen sich am Busbahnhof.
„Die wollen bestimmt alle auf den Feldberg..!“, schmunzelt Claudia, gut gelaunt.
„Nun, solange sie alle mit dem Bus dort hin fahren, habe ich überhaupt kein Problem damit..!“, unke ich ihr hinterher.
Wir orientieren uns noch kurz am Schilderbaum und folgen dann der Straße aufwärts, in Richtung Erlenbruck. Am neu erbauten Kesslerhof (Großer Schwarzwaldhof, ist 2009 abgebrannt!) folgen wir der roten Westweg-Raute dann aber rechts hinauf und lassen die Häuser von Hinterzarten schnell hinter uns.

Schon nach kurzer Zeit erreichen wir einen kleinen Weiher, der hier sehr idyllisch im Wald liegt. An seinem Ufer sehen wir viele, teilweise große Döbel, die sogar bis in den sonnigen Flachwasserbereich an uns heranschwimmen.
Dann folgen wir dem Emil-Thoma-Weg ein Stück weit, entlang einem Waldrand, dessen Hang links sehr idyllisch zu einer Wiese abfällt. Wir machen ein paar Fotos, dann ziehen wir weiter.
Immer wieder sehen wir nun auch große Findlinge im Wald liegen, steinerne Zeugen der letzten Eiszeit und ihrer Gletscher.
Am Schilderbaum, wo es links zum Mathislesweiher geht, entscheiden wir uns ganz spontan, auch diesem kleinen Moorsee einen kurzen Besuch abzustatten (500m).

Unmittelbar vor dem Ufer blüht ein kleiner Schwimm-Teppich von Wasserknöterich und Claudia kann sich an seinen rosa Blüten kaum satt sehen. Wir machen auch hier noch ein paar Fotos, dann kehren wir zurück zum Schilderbaum, wo wir vorhin vom Westweg abgebogen sind. Einer jungen Frau, die uns hier – mit Handtuch und Teppich  bewaffnet – entgegen kommt rufe ich fröhlich zu:
„Tut mir leid, Sie sind leider zu spät dran..!“
„Warum..?“, fragt sie – ebenfalls gut gelaunt – zurück:
„Weil ich gerade den Stöpsel heraus gezogen habe..!“
Sie muss herzhaft mitlachen und wendet sich dann erneut dem Wasser zu. Der Mathislesweiher ist ein – bei den Einheimischen – sehr beliebter Badesee.

Die junge Frau winkt uns noch einmal zu, dann ziehen auch wir – frohen Mutes – weiter.
Noch hält das Wetter, auch wenn es bereits langsam etwas „zu“ zieht. Die Wolken am Himmel häufen sich und wir vermuten inzwischen beide, dass wir diesen Wandertag wohl nicht ganz trocken beenden werden.
Der bequeme Westweg führt uns bald wieder aus dem Wald heraus und nun können wir in der Ferne zum ersten Mal unser Ziel sehen: Der Feldberggipfel. Aber noch liegt – bis dort hin – ein ordentliches Stück Weg vor uns.

Es dauert nicht mehr lange, dann hören wir zum ersten Mal Donner grummeln. Noch ist er in weiter ferne.
„Gewitter am Feldberg? Das wollte ich schon immer mal erleben..!“, meint Claudia sarkastisch. Aber ich weiß gut, was sie meint: Das Gewitter nähert sich etwa mit der gleichen Geschwindigkeit, mit der auch wir dem Feldberg zustreben. Wir könnten oben also durchaus zusammentreffen..!

Inzwischen kühlt es auch merklich ab und bald spüren wir dann die ersten, vereinzelten Tropfen auf Unterarmen und Händen. Das hindert uns aber nicht daran, auch noch die wunderschönen Mageritten zu bewundern, die hier überall am Wegrand wachsen. Noch ein paar Fotos, dann beginnt es zu nieseln.

Wir ziehen uns unter einige dichte Baumkronen zurück und holen Jacken und Regenhosen heraus. Während Claudia den „Taucheranzug“ (Regenjacke, Regenhose, Raincover über dem Rucksack und die Kapuze der Jacke oben) schon komplett anlegt, nehme ich mir erst mal ein Vesperbrot und beobachte nebenher das Wetter.
Es ist immer etwas Glücksache, die Regenhosen im richtigen Augenblick anzulegen. Zieht man sie zu früh an, schwitzt man sich darunter halb tot. Entscheidet man sich hingegen zu spät dafür, kann man sie eigentlich auch gleich ganz weglassen (weil man dann schon nass ist!)!

Aber der Himmel scheint Claudia doch Recht zu geben, der Regen nimmt deutlich zu.
„Ich ziehe die Hose an, lasse aber die Reißverschlüsse vorläufig noch offen..!“, meint Claudia und erinnert mich so an die durchgehenden, außen liegenden Beinreißverschlüsse unserer neuen Regenhosen.
Gute Idee, dann wird uns nicht so schnell zu warm werden und notfalls sind die Reißverschlüsse ja auch gleich zu gezogen!

Aber natürlich kommt es, wie es wohl kommen musste: Kaum sind wir wieder unterwegs, hört der Regen wieder auf. Allerdings wird der Donner nun doch zunehmend lauter..!
Wir erreichen die Rufenhütte und ich tausche hier noch schnell den dünnen Fleece-Pulli gegen ein kurzärmeliges Hemd – mir ist es so zu warm.
Hinter der Hütte hat es viel blühende, schmalblättrige Weidenröschen, die Claudia inzwischen völlig faszinieren. Wir machen auch hier noch ein paar Fotos und ziehen rasch weiter.

Kurz darauf kommt der Regen zurück und wir bekommen fast ein schlechtes Gewissen: Eine große Wandergruppe kommt uns auf schmalen Pfaden entgegen und ist bereits völlig durchnässt. Daran ist aber nicht nur der Regen von oben schuld, sondern auch das viele Wasser, das sie von den Büschen und Sträuchern abstreifen! Zudem ist es durch die Verdunstung auch merklich kühler geworden und wir sehen daher auch die eine, oder andere Gänsehaut an den Beinen. Viele sind in kurzen Hosen und sogar ohne Jacken unterwegs – toller Wanderführer.
Claudia wirft mir dann auch nur einen stummen Blick zu: Nein.., so macht wandern keinen Spaß!

Bald erreichen wir dann den breiten Wirtschaftsweg, der links zum Raimartihof führt. Wir folgen ihm kurz, aber schon nach wenigen Meter weist uns dann die rote Westweg-Raute wieder steil, rechts hinauf. Ein schmaler Wurzelpfad bringt uns hier nun hoch über den Feldsee und führt dann weiter, zum Quellgebiet der Ur-Donau. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Grüblesattel.

Kurz vor der Abzweigung zum Felsenweg begegnen uns zwei rüstige, ältere Damen, in Regencapes. Beide sind wohl schon um die Siebzig, aber trotz des Wetters so richtig gut drauf.
„Es gibt wirklich kein schlechtes Wetter, gell..!“, spreche ich sie an und beide lachen.
„Nein..!“, meint dann eine von ihnen verschmitzt, „Und man braucht auch deutlich weniger Feuchtigkeit-Creme..!“
Wir unterhalten uns noch kurz, dann trennen sich unsere Wege wieder.

Nach kurzer Strecke passieren wir die Baumgrenze des Feldberggipfels und verlieren damit auch den zusätzlichen Wetterschutz des Waldes. Inzwischen hat es sich wohl eingeregnet und ich habe meine Kamera vorsichtshalber im Rucksack verstaut. Die restlichen Fotos werde ich mit Claudias kleiner Digicam schießen, die kann ich in der Jackentasche verstauen.

In den umliegenden Tälern hängen dicke Wolken und alles ist triest und grau, aber zumindest das Gewitter scheint sich verzogen zu haben. Claudia ist daher auch schon wieder recht optimistisch:
„Ist doch alles halb so wild..!“, frohlockt sie etwas vorschnell. Wir sind nämlich derzeit noch im Lee des Grüblesattels und daher auch windgeschützt.
Ich zeige ihr daher den Windsack, links drüben an der Bergstation. Und der steht – prall und wie ein Brett – waagerecht im Wind!
„Oh oh..!“, meint dann auch sie da nur noch.

Wir folgen nun dem Verlauf des Skifernwanderweges weiter aufwärts und erreichen das bald auffallend grüne Quellgebiet der Ur-Donau. Claudia steht dann auch kurz darauf inmitten des kleinen Rinnsals, das hier über einen steinigen Weg abwärts fließt: Nein, das ist natürlich nicht die Donau, sondern die spätere Wutach, die hier oben entspringt.  

Am Wegweiser des Grüblesattels erfasst uns der Wind dann mit voller Stärke.
„Was machen wir jetzt..?“, frage ich Claudia. Wir waren dieses Jahr schließlich schon so oft am Gipfel, dass wir heute durchaus auch mal auf den Schlussanstieg verzichten könnten.
„Wir haben gesagt, wir gehen heute auf den Feldberg..,“ lacht Claudia aber nur, „…und dann gehen wir heute auch auf den Feldberg..!
Sagt’s und ist auch schon unterwegs zum Gipfel, mit einer Hand immer die im Wind flatternde Kapuze festhaltend!

Na gut, Claudias Wunsch sei mein Himmelreich – grinsend ziehe ich ihr hinterher..!

Wir bewältigen die anderthalb Kilometer zum Gipfel recht schnell über das geteerte Nato-Sträßle und stehen dann wieder einmal oben, am höchsten Punkt Baden-Württembergs. Aber auch wenn es inzwischen wieder aufgehört hat, zu Regnen, die Fernsicht hält sich bei diesem Wetter natürlich in Grenzen und mein verbliebenes Vesperbrot erscheint mir daher im Augenblick auch viel interessanter zu sein, als die graue Gegend. Und auch Claudia hat inzwischen wieder Hunger bekommen. Das Bild, das sie mir dann aber beim Vespern bietet, muss ich einfach mit der Kamera festhalten. Der Wind zerrt nämlich nicht nur an ihrer Kapuze, sondern auch noch an ihrem Brot.

Wir beeilen uns, dem kalten Wind am ungeschützten Gipfel zu entrinnen und streben erneut dem Grüblesattel zu.
„Da trocknet wenigstens die Wäsche schnell wieder..!“, lacht Hausfrau Claudia irgendwann, mit einem Seitenhieb auf unsere völlig nassen Jacken.
Und dann, ich kann es kaum glauben, reißen plötzlich die Wolken auf und geben den Blick frei, auf die Schweizer Alpen! Claudia bleibt ganz spontan stehen und jubiliert! Genau das hat ihr heute noch als würdiger Abschluss gefehlt!

Die Stimmung ist nun fast unwirklich: Der Wind vertreibt die Wolken über den Nachbargipfeln Herzogenhorn und Spießhorn und manchmal blinzelt sogar die Sonne kurz heraus. Und aus dem Wiesental werden große, weiße Wolkenfetzen heraufgetrieben, die dann unglaublich schnell über den Grüblesattel hinweg ziehen und uns den Blick zum Seebuck dabei immer wieder für Sekunden verwehren!

So genießen wir den Weg hinunter, zum Feldberger Hof und steigen dort dann in den bereits wartenden Bus, um hinab zu fahren, nach Bärental. Im höchstgelegenen Bahnhof Deutschlands steigen wir dann um, in den Zug nach Hinterzarten, wo unser Auto am Bahnhof wartet.

Diese Wanderung hat uns einmal mehr bewiesen, dass unser Hochschwarzwald auch bei regnerischem Wetter und Wind, sehr schön sein kann – die richtige Kleidung natürlich immer vorausgesetzt..!

Unser Fazit: Ein wunderschöner Feldbergaufstieg der aber relativ stark frequentiert ist. Dafür lässt er sich mit einem kurzen Bad im Mathislesweiher verbinden, also ein Handtuch und die Badehose einpacken. Zudem sollte man für diese Tour eine passable Grundkondition haben und auch Trittsicherheit besitzen.

Strecke: Durchschnittlich anstrengende Streckenwanderunger über den Grüblesattel zum Höchsten und hinunter zum Feldberger Hof. 17,1 Kilometer mit 705 Höhenmeter im Anstieg, Dauer 5 – 6 Stunden. Mit Kind in Kindertrage möglich, aber vorsicht bei Nässe (Rutschgefahr!). Stöcke sind zu empfehlen.

Kleidung: Neben Regenjacken und Regenhosen gehört dazu am Feldberg – neben einem Pulli – auch immer ein Sonnenhütchen! Wer in kurzen Hosen loszieht, der sollte unbedingt auch eine lange Hose zum Wechseln einpacken. Am Feldberg gibt es auch im Sommer – vor allem nach Gewittern – teilweise heftige Temperaturstürze!

Einkehr:  Nur in Hinterzarten und am Feldberger Hof. Daher unbedingt an ein entsprechendes Vesper und genügend Getränke denken!

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3.

Empfohlener Wanderführer: Faszination Feldberg (5,-€). Zu erhalten im Haus der Natur (auch am Wochenende geöffnet) oder im Buchhandel.
ISBN-13:978-3-9810632-1-9

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„Morgenstund‘ hat Gold im Mund!“…,Über die Zastler Eislöcher zum Feldberggipfel

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