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Von „Himmelreich“ nach Hinterzarten

20 September 2010 2 Kommentare

Als ich zum ersten Mal von dieser Tour hörte, wollte ich nur lächelnd abwinken: „Wandern, über dem Höllental..? Nein, danke – viel zu laut..!“

Dann musste ich mich aber eines Besseren belehren lassen, denn diese Tour ist nicht nur wunderschön, sondern mit 15,9km Länge und 973 Höhenmetern auch recht anspruchsvoll!

Zugegeben, anfangs hört man den Verkehr der B 31 noch eine ganze Weile, dann stellt man aber irgendwann überrascht fest, dass es längst „völlig still“ geworden ist.

Wir stellen das Auto in Hinterzarten am Bahnhof ab und besorgen uns die Fahrkarten nach Himmelreich am Automaten. Dann warten wir am Gleis 2 auf die Höllental-Bahn. Sie kommt – wie immer – mit zwei Loks, eine vorne und eine hinten am Zug angekoppelt. Nur so lässt sich die steilste Bahnstrecke Deutschlands sicher bewältigen.

Die Fahrt nach Himmelreich dauert nicht lange und ist zudem sehr kurzweilig: viele Tunnel und auch das große Viadukt der Ravenna-Brücke werden überwunden. Und wer Glück hat, der kann sogar noch einen kurzen Blick auf den Bronze-Hirsch am „Hirschsprung“ erhaschen, bevor uns die schwarze Wand eines weiteren Tunnels die Sicht nimmt.

Im Augenblick ist aber alles ganz anders: Der Bronze-Hirsch wird gerade renoviert (er hat einige „Einschuss-Löcher“?!) und die B 31 ist (wegen Fels-Sicherungs-Arbeiten) ebenfalls für vier Wochen gesperrt. Es herrscht derzeit also eine ungewöhnliche Ruhe im Höllental und so darf sich auch Falkensteig endlich einmal vom Verkehr erholen!

Am Bahnhof Himmelreich wenden wir uns gleich nach links und folgen zuerst einmal, für einige hundert Meter dem Fußweg der B 31, Höllental-aufwärts. Zwischen den einzeln stehenden Häusern (Zähringer Hof) führt uns dann die gelben Raute aber gleich links hinauf und wir entfernen uns rasch von der B 31.

Ein breiter Weg führt hier zwar gemütlich, aber auch anhaltend aufwärts und lässt uns zum ersten Mal „warm“ werden – es ist noch recht frisch, so früh an diesem Herbstmorgen.

Dann entfernt sich unsere Route vom breiten Wirtschaftsweg. Ein schmaler Wurzelpfad zieht nun links, deutlich steiler hinauf und verlangt etwas Aufmerksamkeit. Man sollte die Füße hier – an einigen Stellen – schon mit „Bedacht“ heben.

Inzwischen fällt es mir auch immer schwerer, Claudia vom Pilze-Sammeln abzuhalten: Wunderschöne Pfifferlinge, Maronen und Birkenpilze wachsen hier direkt am Wegrand. Ein deutliches Zeichen dafür, dass in diesem Bereich wohl nur wenige Wanderer unterwegs sind. Und nein – ich liebe Pilze genauso wie Claudia! Da ich aber gleichzeitig wieder den GPS-Track unserer Wanderung  für Googlemaps aufzeichne, möchte ich einfach nur vermeiden, dass es anschließend auf der Karte so aussieht, als wäre ich hier sturztrunken durch den Wald getorkelt..!

Wir haben es ja eigentlich gewusst und uns trotzdem wieder überraschen lassen: DieserAufstieg, hinauf nach Nessellachen, ist deutlich „fühlbar“! Aber Claudia lacht nur, als ich irgendwann die Luft durch die geschürzten Lippen blase.

Trotzdem genießen wir die Tour und auch die Einsamkeit hier, ist erwähnenswert: Man fühlt sich wirklich „alleine auf der Welt“! Und wenn Euch trotzdem mal „Menschen“ begegnen, dann sind das meist Wanderer..! Ich meine damit „richtige“ Wanderer, die nicht nur Euer Interesse teilen, sondern auch Eure Freundlichkeit – und daher vielleicht (zurück-)grüßen, oder  sogar auch noch einige, freundliche Worte mit Euch wechseln!

Irgendwann kommen wir dann an einigen (frisch!) entwurzelten Bäumen vorbei und ich erinnere mich, dass in der letzten Nacht gestürmt hat. Claudia bleibt kurz mit dem Rucksack hängen, als sie unter der Krone einer Fichte hindurch schlüpft, die quer über dem Weg liegt und stellt lachend fest, dass ihr – obwohl der Weg weiter ansteigt – kühl wird. Hier oben weht ein recht frischer Wind über das Höllental und veranlasst uns, die Goretex-Jacken auszupacken.

Dann erreicht unser „Trampelpfad“ plötzlich einen breiten Weg und wir sehen linker Hand eine Hütte und einen großen Schilderbaum. Obwohl wir rechts herum müssen, möchte sich Claudia das einmal kurz ansehen: Es ist die Wegespinne am Pfaffeneck mit der dazu gehörenden Schutzhütte. Hier stoßen wir auf den Querweg Freiburg- Bodensee, dessen rot-weißer Raute wir nun bis nach Hinterzarten folgen werden.

Claudia schaut sich die Schutzhütte etwas genauer an und ist anschließend völlig begeistert: „Sogar mit Ofen..!“ (Seit unserer Westweg-Tour kommt sie an keiner Schutzhütte mehr vorbei, ohne zumindest kurz hinein zu sehen..!)

Wir machen wieder „Kehrt“ und folgen nun dem breiten Wirtschaftsweg ein paar Meter in Richtung Osten. Dann verabschiedet sich aber auch der Querweg von dieser „Autobahn“ und zieht links aufwärts. Als schmaler Pfad folgt er nun, mit stetigem, kräftigem Anstieg, der Halde hinauf nach Nessellachen. Trotzdem lassen wir unsere Jacken an – es ist kühl geworden.

Wo die Bäume rechts etwas lichter sind, haben wir inzwischen einen tollen Ausblick hinüber, auf die andere Seite des Höllentales und zum Hinterwaldkopf. Claudia winkt ihm kurz zu: „Wir kommen bald wieder..!“, eine Anspielung auf unsere letzte, tolle Tour auf den Feldberg.

Ganz langsam meldet sich bei mir nun der Hunger und ich schlage Claudia vor, demnächst zu rasten. Von unserer ersten Tour her weiß ich noch, dass hier gleich eine tolle Bank mit unglaublicher Aussicht kommen wird. Sie grinst nur, denn auch sie erinnert sich noch an dieses tolle Plätzchen!

Claudia hat uns wieder tolle Brote gerichtet und von einer lieben Arbeitskollegin zudem auch noch frische Tomaten, aus deren eigenen Garten bekommen: Nur mit etwas Salz, ein Gedicht..!

Nebenher werfe ich noch einen Blick in die Karte: Nun sind es nur noch ein paar (steile!) Meter bis hinauf, nach Nessellachen, dann haben wir den Anstieg bewältigt. Dahinter geht es dann überwiegend „eben“ dahin, in Richtung Posthaldefelsen und von dort aus dann weiter, zur Kaiserwacht.

Kurz hinter Nessellachen, das lediglich aus zwei Häusern und einem Imbiss-Wagen besteht, schwenkt unser Pfad dann nach Süden und gewährt uns tolle Ausblicke, über Freiburg und die gesamte Rheinebene, bis hinüber zu den Vogesen. Claudia schaut mich nur an und grinst: Nächsten Sonntag werden wir nämlich die andere Seite der Rheinebene Abwandern, und zwar über den Vogesenkamm-Weg, von Nord nach Süd, 400 Kilometer weit! Und natürlich wieder mit großem Gepäck und Zelt.

Claudia seufzt: „Freust Du Dich genauso darauf, wie ich..?“ Klar doch, aber das weiß sie natürlich!

Irgendwann passieren wir einen beeindruckenden Bau von Waldameisen. Claudia bleibt nur kurz in der Engstelle stehen, damit ich fotografieren kann und hat auch gleich beide Schuhe voll von ihnen! Zudem ist es hier richtig eng, da der ohnehin schmale Pfad durch eine steile Halde führt.

Dann zieht der Weg wieder nach Osten und wir wissen, dass wir nun gleich über der alten „Posthalde“ sein werden. Von den gleichnamigen Felsen hat man einen tollen Tiefblick, hinunter ins Höllental und die B 31, bis hinüber zum Hofgut Sternen, an der Ravenna-Brücke.

Claudia summt inzwischen immer häufiger vor sich hin: Das ist heute einmal mehr, pures Lustwandeln!

Dann erhaschen wir den ersten Blick hinab, auf die alten Gebäude im Tal und stehen bald darauf auch – auf einem ziemlich breiten Wanderweg – vor einem Schild, das uns nach 100m (über einen recht unscheinbaren Pfad!) zum etwas versteckten, Großen Posthalde-Felsen weist.

Wir machen den Abstecher, wissen aber, dass man die wirklich tolle Aussicht, erst vom zweiten, kleineren Posthalde-Felsen aus hat. Dort befindet sich auch eine Schutzhütte.

Nach einigen Fotos trotten wir daher wieder zurück, auf den breiten Wanderweg und folgen dann dem kleinen Hinweis-Schild, rechts in den Wald hinein. Über einen kurzen Trampelpfad erreichen wir dann den zweiten Aussichtspunkt.

Dieser Ausblick ist jedes Mal auf’s Neue beeindruckend und allemal ein tolles Fotomotiv. Hier treffen wir auch zwei nette Holländerinnen, die ich auf dem Felsen festhalte: Sie im Foto „oben“, und die alte Posthalde, mit der B 31 „unten“..!

Hier kommen uns nun auch immer häufiger „Menschen“ entgegen, aber fast alle gehen auf dem breiten Weg, am Aussichtsfelsen vorbei. Von vorne sieht man auch nur die Schutzhütte und als ich zwei Studentinnen zurück rufe und auf den Aussichtsfelsen aufmerksam mache, sind sie mir dankbar. Sie haben von dem Felsen überhaupt nichts gewusst..!

Von hier aus geht es dann, über schattige Pfade und die „Kaiserwacht“ weiter, hinüber zum Piket-Felsen. Von ihm aus sieht man schön hinunter, zum Hofgut Sternen und auch hinüber, nach Alpersbach und unserem Lieblingslokal, dem Gasthof Engel (Phantastische Rehschnitzel!).

Aber auch direkt vor uns ist es interessant: mehrere Weißtannen stehen so tief unter uns, dass man, von hier aus, direkt in ihre Kronen schauen kann. Und auch auf ihre senkrecht nach oben stehenden Tannenzapfen, die man sonst eher selten sieht!

Nach einer kurzen Rast ziehen wir weiter und erhaschen noch einige Ausblicke, hinüber auf Breitnau. Dann führen uns erneut idyllische Pfade hinunter, zur Wegespinne Breitnau – Ravennaschlucht – Hinterzarten.

Von hier aus könnte man nun durch die wildromantische „Rabenschlucht“, direkt hinunterwandern, zum Hofgut Sternen. Wir haben jedoch ein anderes Ziel, nämlich unser Auto am Bahnhof in Hinterzarten!

Die letzten zwei Kilometer führen dann auch über breite, geteerte und stinklangweilige Nebenstraßen, nach Oberhöllsteig und unter der B 31 hindurch, hinüber nach Hinterzarten. Diese letzten Kilometer sind „ätzend“, aber für das, was wir zuvor – über dem Höllental – erleben durften, nehmen wir sie gerne in Kauf!

Unser Fazit: Erneut eine tolle Streckenwanderung, die – durch ihre kräftigen Anstiege, hinauf nach Nessellachen – ebenfalls eine Grundkondition erfordert! Trittsicherheit sollte auch hier, vor allem bei Nässe, vorhanden sein! Bitte nicht mit dem Kinderwagen versuchen! Kindertrage wäre hingegen ideal! Unbedingt an ausreichend Vesper und Getränke denken, da keine Einkehr-Möglichkeit! (Diese Wanderung ist ein echter Geheimtipp!)

Empfohlener Wanderführer: Rother, Schwarzwald Süd, Tour Nr. 07 / ISBN 3-7633-4217-6

Empfohlene Karte: Freizeitkarte 505, Freiburg i. Br./Kaiserstuhl, 1:50.000 ISBN-13: 978-3-89021-598-3

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

HD-Himmelreich-Hinterzarten


Größere Kartenansicht 

2 Kommentare »

  • Ricarda sagt:

    Huhu Ihr Beiden,

    ein großes Lob an euch zu euren tollen Wander berichten und den schönen Fotos.

    Habe schon sehr lange nach einer Wanderstrecke über dem Höllental gesucht! Werde diese Strecke aufjedenfall ausprobieren.
    Kann man von dieser Strecke aus auch die Burgruine Falkenstein besichtigen?

    Über eine Antwort von Euch würde ich mich sehr freuen.
    LG von der Ostsee

  • Reinhard Kattinger sagt:

    Hallo Claudia und Rainer,

    erstklassiger Tipp. Anstrengende aber sehr lohnende Tour. Vielen Dank.
    Als Variante empfehle ich nicht auf dem direkten Weg zum Pfaffeneck zu gehen, sondern den Abstecher über den Frauensteigfels zu nehmen. Man wird mit einem atemberaubenden Blick auf das Zartner Becken und Freiburg belohnt.

    LG und viel Spaß weiterhin.

    Reinhard

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