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Von Bernau zur Krunkelbach-Hütte

7 Februar 2014 3 Kommentare

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Ein 7,8 Kilometer langer Schneeschuh-Traum führt uns bei Kaiser-Wetter über 579 Höhenmeter hinauf, zum urigen Berggasthof mit der bekannten Wetterstation. Start ist die Zufahrt zum Ankenbühl, (Kläranlage) kurz vor dem Ortseingang von Bernau.

IMG_0471Petrus meint es wohl wirklich gut mit uns, denn als wir das Auto am Eingang zum Menzenschwander Tal verlassen, spannt sich über uns bereits ein wolkenloser, blauer Himmel: Kaiserwetter!
Wir haben uns von einem Freund zum Start der Tour fahren lassen, da das Bernauer Tal mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Wanderziel in Oberried aus, recht umständlich zu erreichen ist. Das Abstellen des Autos am Ziel wäre also keine Lösung, es sei denn, man investiert einen weiteren Tag in die Anreise von dort und eine zusätzliche Übernachtung in Bernau.

IMG_6327Kurz nach Zehn legen wir in der Zufahrt zum Ankenbühl unsere Schneeschuhe an und folgen dem tief verschneiten Wirtschaftsweg nach links. Bereits nach wenigen hundert Metern zweigt dann ein schmaler Wanderweg, links in den Waldhang, ab. Ihm folgen wir nun kontinuierlich aufwärts.

Anmerkung: Es empfiehlt sich, schon diese erste Etappe unterwegs regelmäßig über den GPS-Track zu kontrollieren, vor allem dann, wenn Neuschnee liegt. Immer wieder gilt es unterwegs nämlich, den richtigen Abzweigungen zu folgen – bei den schmalen Wald-Pfaden und winterlichen Bedingungen nicht immer ganz einfach. Trotzdem sollte der ausgeschilderte Wanderweg möglichst nicht verlassen werden, um Wild nicht in den gewohnten Ruhezonen zu bedrängen! 

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Dieser Wegabschnitt ist leicht und recht angenehm zu gehen, auch wenn der Pfad teilweise ziemlich schmal ist. Lediglich bei großen Schneemassen dürfte es streckenweise schwierig werden, seinen genauen Verlauf im Hochwald auszumachen (> GPS-Track!).
IMG_6333Uns begeistern aber schon hier unten die vielen Baumbärtedie bereits an recht tiefliegenden Ästen hängen. Flechten, die in einer Symbiose zwischen einem Pilz und Bakterien, oder Algen wachsen und in Deutschland bereits stark gefährdet sind. So etwas ist uns natürlich immer einen kurzen Foto-Stopp wert.

Der Weg zieht nun kontinuierlich aufwärts und wir passieren einige Abzweigungen, die alle gut ausgeschildert sind (so lange die Wegzeichen nicht unter Schnee verborgen sind!). Bald treffen wir auch auf die Markierungen des Hochtalsteigs, einem neuen Premium-Wanderweg, der von Bernau herauf führt. Ihm folgen wir nun über weite Strecken – und natürlich immer nur in eine Richtung – „aufwärts“!

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Aufwärts ist nun auch das Stichwort zu einem nicht ganz unwichtigen Thema, bei mehrtägigen Schneeschuh-Touren: Zu unserem Gepäck!
Da wir unterwegs ja dreimal übernachten werden, benötigen wir natürlich auch so einiges an Wechsel-Wäsche und Waschzeug. Und dabei gilt es nun auch zwingend die Höchstlast(!) der eigenen Schneeschuhe zu beachten, denn die liegt bei jedem Schneeschuh anders (ggf. im Internet nachschlagen, oder den Händler fragen).

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Davon werden vielleicht sogar die wenigsten bisher überhaupt etwas gehört haben, denn betrachtet man sich unterwegs manchmal die „Schneeschühchen“ von anderen, dann schein diesbezüglich „klein“ wohl irgendwie schick zu sein!
Nun, solange die Schneeoberfläche verharscht und durchgefroren ist, und die Schneeschuhe eher die Aufgabe von Harschkrallen erfüllen müssen, ist das natürlich kein Problem. IMG_6389Aber wehe Ihr kommt damit in frischen, tiefen Pulverschnee! Nun sinkt Ihr mit zu kleinen Schneeschuhen nämlich nicht nur bis über beide Knie ein, sondern sie bieten Euch zusätzlich auch noch vehementen Widerstand, wenn Ihr die Füße wieder aus dem Schnee heraus ziehen wollt. Und das ist ja eigentlich nicht der Sinn von Schneeschuhen!
Daher unser Rat: Sich beim Kauf von Schneeschuhen immer gut beraten lassen und sich auch schon vorher darüber Gedanken machen, welche Touren man damit eigentlich gehen möchte! Und nicht jeder „billige“ Schneeschuh ist aus dieser Sicht dann auch noch wirklich preiswert!

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Wir benutzen inzwischen seit vier Wintern Schneeschuhe vom Typ Lightning Ascent von MSR und sind damit äußerst zufrieden. Bei meinem 30er (men) liegt die Belastungsgrenze bei 127 kg, und beim etwas leichteren, 25er Damen-Model von Claudia, bei 90 kg. Diese Gewichtsangaben beschreiben sozusagen das höchst-zulässige „Gesamt-Gewicht“ der jeweiligen Schneeschuhe, also das Körpergewicht mit Kleidung, Stiefel, Rucksack, Stöcken und natürlich nicht zu vergessen: dem Eigengewicht der Schneeschuhe!

Ein persönlicher Tipp: Wer die relativ teuren MSR-Lightning Ascent vielleicht einfach mal testen möchte, bei Ski-Hirt in Titisee-Neustadt kann man sie sich preiswert ausleihen!

Das Gepäck selbst darf sich natürlich auf das Nötigste reduzieren. Wechsel-Wäsche für drei Tage, Waschzeug und ein Handtuch (Wird nur im NFH-Feldberg benötigt!). Und natürlich auch die Hüttenschuhe nicht vergessen, denn in keiner Hütte ist es erlaubt, mit Bergstiefeln auf die Zimmer zu gehen! (Die superleichten Crocs sind auch dafür ideal!)

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Dann bleibt der Winterwald urplötzlich zurück und entlässt uns auf eine freie Hochfläche. Am kleinen Spießhorn genießen wir für ein paar Minuten ein unglaubliches Winter-Idyll und gönnen uns nebenher eine Tasse des heißen Tees, aus der mitgebrachten Thermoskanne. Was für eine Wohltat!
IMG_6406Direkt uns gegenüber sehen wir den weißen Gipfel des Herzogenhorn mit dem Riesenkreuz, dort werden wir dann morgen irgendwann stehen. Aber auch hier trägt alles, was aus dem Schnee herausragt, kräftige Raureif-Fahnen. Kleine Schneeskulpturen, aus vereisten Grashalmen und Ästen.
Wir können uns kaum satt sehen und bald liege ich mit der Canon auch selbst im verharschten Schnee, um ein paar Fotos davon zu machen. Dabei sinke ich kaum ein, so durchgefroren ist hier oben die Schneedecke.

Noch ein paar Bilder, dann schultern wir unsere Rucksäcke wieder und ziehen weiter. Nun ist das große Spießhorn unser nächstes Ziel. Von dort aus werden wir dann auf der Ostseite ins andere Tal hinunter blicken können, nach Menzenschwand.
An der Gipfelpyramide, auf 1.349 m, haben wir bereits stolze 520 Höhenmeter überwunden, die sich in unseren Oberschenkeln bereits jetzt schon deutlich „bemerkbar“ machen.  Es ist eben etwas ganz anderes, im Winter auf Schneeschuhen zu wandern, als im Sommer ohne! Und auch wir hatten in diesem Winter bisher kaum Gelegenheit, uns wieder eine Grund-Kondition dafür aufzubauen.

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Es sind gerade mal 500 Meter durch einen herrlichen Winterwald, bis wir die kleine Schutzhütte am Gipfel erreichen. Das Licht schwindet schon etwas, als wir noch ein weiteres Mal unsere Rucksäcke abnehmen, um diesen Anblick in Ruhe zu genießen.

IMG_6423Du ahnst ja gar nicht, wie mir das gefehlt hat..!“ meint Claudia leise, ohne den Blick vom Tal abzuwenden.
Doch..!„, widerspreche ich ihr still in meinen Gedanken. „Ich weiß es..!“  Aber man kann es leider niemandem vermitteln, der das zuvor noch nie selbst erleben durfte. Denn hier wird man innerhalb kürzester Zeit wieder so richtig „sauber“ im Kopf – anders vermag ich meine Empfindung dazu hier leider nicht auszudrücken..!

Nach ein paar Minuten brechen wir dann erneut auf. Verschwitzt wie wir sind, kriecht uns immer schon nach kurzer Rast die Kälte in die feuchte Kleidung und lässt uns frösteln. Auch im Gesicht hat sich bereits so viel Salz vom Schweiß abgesetzt, dass es sich beim Darüber-Streichen anfühlt, als ob man „Sand“ auf der Haut hätte.

Aber nun sind es ja nur noch wenige Schneeschuh-Meter, bis hinüber, zur Krunkelbach-Hütte und dort wartet dann eine heiße Dusche auf uns.
Wir entscheiden uns nun sogar für den Leichteren, den gleichen Weg wieder zurück, bis zum Hauptweg. Er führt dann nach kurzer Strecke auf einen gewalzten Winterwanderweg, dem wir – nun immer nur noch abwärts – bis zur Hütte folgen. Schon kurz darauf stehen wir dann vor dem Eingang des Berggasthauses und ziehen unsere Schneeschuhe aus. Schön, wenn man nun nicht mehr ins Tal absteigen muss..!

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Wir gönnen uns drinnen zuerst einmal jeder ein großes Apfelsaft-Schorle, dann beziehen wir unser Zimmer und duschen uns das lästige Salz von der Haut. Frisch umgezogen genießen wir dann die Ruhe am Berg mit einem deftigen Erbseneintopf. Das Schneeschuh-Abenteuer hat nun endgültig begonnen..!

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Kontakt Krunkelbach-Hütte
Telefon: 07675 /338

Die Zimmer sind preiswert und einfach, aber sehr sauber. Etagen-Duschen und  Etagen-Toiletten. Doppelzimmer kostet (für beide zusammen!) 44,- Euro, zuzüglich je 5,- Euro für Frühstück/Person (zuzgl. Kurtaxe). Wir bezahlten (mit Trinkgeld und allen Extras) insgesamt 95,- Euro für diese Übernachtung!


Download GPS-Trek, 1. Etappe
Schneeschuh-Trek,-1.-Etappe


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3 Kommentare »

  • Frank sagt:

    Hallo Claudia, hallo Rainer,

    da habt ihr ja wieder ein tolles Abenteur in Angriff genommen. Und das bei diesem Kaiserwetter – toll.
    Und so eine heiße Erbsensuppe (Ätzezupp auf Kölsch) schmeckt dann noch mal so gut.

    LG Frank & Margret

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Frank, schön dass Euch unser neues Wanderabenteuer gefällt. Da haben wir aber auch mal wieder in jeder Beziehung (Wetter) Glück gehabt! Liebe Grüße!

  • Lipp Thomasen sagt:

    Von Bernau zur Krunkelbach-Hütte, perfekter Blog, Bilder, geografische Daten, alles vom feinsten, kenne keine andere Seite, wo jede Wanderung so genau und mit liebe mit Bildern beschriebnen wird!!
    Macht weiter so!! 🙂

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