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Vom Zweribachfall ins wilde Hirschbachtal

27 April 2011 3 Kommentare

Im Rother Wanderführer steht: Die Fels- und Urwaldwildnis im Zweribach-Hirschbach-Kessel und teilweise auch in der Gutacher Halde, zählt zu den urwüchsigsten und naturschönsten Gebieten im Schwarzwald…

Nun, es ist eigentlich nicht unsere Art, hier fremde Wanderführer zu zitieren, aber schöner und treffender hätte es Bernhard Pollman einfach nicht ausdrücken können!

Das Gebiet zwischen der Platte und St. Märgen ist nämlich tatsächlich eines der Wildesten und Urwüchsigsten, die wir heute noch im ganzen Schwarzwald finden können! Man sollte dann auch schon etwas Grundkondition besitzen, um diese Tour zu wandern und zudem trittsicher sein. Außerdem erfordert sie ein gewisses Maß an Orientierungsvermögen, denn ihre Wegführung ist nicht überall eindeutig. Für Ortsunkundige ist eine 50.000er Karte (Freizeitkarte 505, Freiburg) unterwegs zwingend erforderlich!

Dafür belohnt uns diese Tour dann aber mit Kontrasten, die auch im Schwarzwald ihresgleichen suchen:

Zuerst beeindruckt uns die schroffe Wildheit am Zweribachfall, danach streicheln die lieblichen Hochweiden über St. Märgen unsere Seele. Aber nur, um uns abschließend gleich noch einmal durch die Felsen und Buchenwildnis des Urbeis, in der Gutacher Halde und dem Hirschbachtal zu locken (Bannwald).

Wer nach dieser Tour dann abends ins Auto steigt und nach Hause fährt, der ist einfach nur „satt“! Denn noch mehr Eindrücke in sich aufzunehmen, das ist (an einem einzigen Wandertag) fast nicht mehr möglich!

Es ist neun Uhr, als wir am Karfreitag unser Auto abschließen und losziehen. Der Wanderparkplatz, am Ende der schmalen Straße von Wildgutach zum Zweribach, ist da noch völlig leer.

„Die sind bestimmt noch alle in der Kirche..!“, schmunzelt Claudia gutgelaunt. Kein Wunder bei diesem tollen Wetter!

Wir folgen dem Wirtschaftsweg aufwärts und überqueren in der kommenden Linkskurve schon den Zweribach. Dieser Abschnitt gehört inzwischen zum neu (2011) zertifizierten Zweitäler-Steig und entsprechend gut ist er auch ausgeschildert. Nach wenigen Metern geht es dann scharf rechts hinauf (Schranke).

Schnell wird uns warm, denn hier steigen wir nun schon „fühlbar“ aufwärts. Nach kurzer Strecke überqueren wir auch noch den Hirschbach, dann erreichen wir an einer Lichtung eine kleine Kapelle, mit ansprechender Schutzhütte, Tischen und Bänken.

Links daran vorbei, folgen wir dem Pfad weiter, der uns nun nach nur wenigen hundert Metern zu den Wasserfällen bringt.

Über drei Kaskaden stürzt der Zweribach hier dem Wanderer entgegen und man sollte unbedingt auf Kinder achten, denn die Steine am Wasser sind hier alle gefährlich rutschig und teilweise geht es wirklich weit und steil hinunter!

Nach einem kurzen, aber steilen Aufwärtsstück, traversieren wir (seilgesichert) nach rechts und erreichen eine eiserne Treppe, unmittelbar neben der zweiten Kaskade. Ihr folgen wir nun weiter hinauf und überqueren dann – auf einem Gittersteg – das von oben kommende Wasser. Unmittelbar hinter uns stürzt es – als zweite Kaskade – ins Leere. Direkt vor uns befindet sich jetzt aber schon die ebenfalls beeindruckende, erste Kaskade.

So früh am Tag ist es hier noch ziemlich ruhig am Wasserfall und wir können in aller Ruhe fotografieren, was (an Sonn- und Feiertagen) sonst ziemlich selten vorkommt.

Danach wenden wir uns aber wieder aufwärts und genießen auch diesen wilden, steilen Pfad – hinauf zur „Platte“ – der Hochweide. Aber bitte auch hier immer aufpassen: Bereits zwei Mahntafeln erinnern neben dem Weg an tragische Todesstürze!

Oben verlässt man dann – fast schon etwas überraschend – den Wald und wandelt nun (links herum) über ein geteertes Sträßlein. Zum Tal hin wird es von immer noch blühenden Kirschbäumen gesäumt wird, und rechter Hand sind die angrenzenden Weiden übersät, von Millionen Blüten des Löwenzahn. Die ganzen Wiesen leuchten hier gerade in intensivstem Gelb!

Nach nur wenigen hundert Meter schickt uns dann ein Wegweiser schon wieder erneut nach links und wir folgen dem leicht abwärts gerichteten Sträßchen gerne in den Schatten der Bäume.

Aber bereits in der darauf folgenden Rechtskurve führt uns dann ein kurzer, holpriger  Stich, wieder steil hinauf. Er teilt sich nach nur wenigen Metern und wer gerne möchte, der kann hier gerade aus gehen, und so ein paar Meter abkürzen. Rechts herum führt uns die gelbe Raute zum jedoch nächsten Schilderbaum. So, oder so – in jedem Fall halten wir uns am Wirtschaftsweg links, mit dem grobem Ziel Kapfenkapelle / St. Märgen.

So ziehen wir nun erst mal eine ganze Weile im lichten Waldschatten dahin und können uns kaum sattsehen, an einem weißen Meer von blühendem Sauerklee. Eine solche Blütenfülle ist man im lichten Mischwald sonst eigentlich nur von den Anemonen gewohnt. Wir schießen natürlich erneut Bild um Bild und vergessen darüber fast völlig die Zeit!

Einige Kilometern weiter, erreichen wir dann an einer Abzweigung zwei „Jagdhütten“. Es handelt sich dabei um die Gschwanderdobelhütte und die Dr. Back Hütte. Beide kann man über das Badische Familienferienwerk mieten, wenn man dort Mitglied ist.

Direkt an der Abzweigung befindet sich auch ein romantischen Schwarzwald-Brünnele. Ihm ist ein typisches „Milchhäusle“ aufgesetzt, wie es schon seit ewigen Zeiten von den Schwarzwald-Bauern zum Kühlen von Milch und Butter verwendet wurde.

Hier halten wir uns nun erneut links und wem inzwischen vielleicht nach einer Pause ist, der findet in der folgenden Linkskurve zwei hübsche Vesperplätze, direkt rechts im Waldschatten.

Nach dem kleinen Stauwehr folgen wir dann dem Pfad gleich wieder rechts hinauf und erreichen so bald die sonnendurchflutete Hochfläche, oberhalb von St. Märgen.

Ein Kreuz markiert hier den sogenannten Vogesenblick, von dem aus wir die Vogesen bisher aber leider noch nie gesehen haben, weil es dafür leider immer viel zu dunstig war. So auch heute! Dafür färben hier oben färben nun aber ebenfalls wieder millionen von Löwenzahnblüten die Wiesen in ein unglaublich intensivses Gelb! Eine derartig gewaltige, gelbe Löwenzahn-Blütenpracht haben wir im Schwarzwald bisher überhaupt noch nie gesehen und unser Vermieter – ein siebzigjähriger Hochschwarzwälder – verrät uns später, dass das wohl wirklich nur ganz, ganz selten der Fall ist!

Inzwischen kommen uns immer mehr Wanderer entgegen und auch einige Radfahrer sind bereits unterwegs. Sie bleiben ebenfalls immer wieder stehen, um diese Schönheit in sich aufzunehmen. Mit der Idylle dieser lieblichen Hochtäler, zwischen St. Märgen (links) und St. Peter (rechts), wird von vielen Menschen der Inbegriff des Hochschwarzwaldes verbunden!

„Zum Kuckuck, ist das schön hier..!“, sinniert Claudia auch prompt, leise den Werbe-Slogan der Hochschwarzwald-Tourismus-Gesellschaft!

„Dieser Spruch passt hier einfach perfekt her..!“, grinst sie mich danach fröhlich an.

Wir halten uns dann links und folgen dem bei jedem Schritt federnden Wiesenpfad, immer am Waldrand entlang. Unzählige Waldameisen wuseln hier bereits auf ihren riesigen Nadelhaufen herum, um die Winterschäden zu beseitigen. Aber auch viele Schmetterlinge flattern schon über die Blütenwiesen und Claudia ist endgültig „hin und weg“, als plötzlich zwei große Schwalbenschwänze – wohl auf ihrem Hochzeitsflug – an uns vorbei tanzen.

Nach einer Weile passieren wir noch die hübsche Kapfenkapelle und – wie könnte es anders sein – Claudia ist auch schon wieder verschwunden. Sie muss einfach einen kurzen Blick in jede Kapelle werfen.

Leider können wir aber in ihrem Inneren nicht fotografieren, da ein Gitter vor dem Altar jeden Blitz-Belichtungsmesser täuscht.

„Manche Dinge muss man sich eben einfach gleich ansehen..!“, quitiert Claudia mein Argument schmunzelnd, und zieht schon wieder weiter.

Bald kommen wir auch schon an die nächste Abzweigung, wo wir nun dem Waldpfad abwärts – in Richtung Rankmühle – folgen. Er führt uns direkt an der sehr idyllisch gelegenen Ibenbachquelle vorbei, einer als Schwarzwald-Brünnele gefassten Quelle. Direkt davor befinden sich zwei Tische mit Bänken, an der sich für heute bereits eine Familie mit Kindern niedergelassen hat.

Kurz darauf verlassen wir aber den Wald auch schon wieder und genießen jetzt eine Wunderbare Aussicht, hinüber nach St. Märgen. Entlang des Waldrandes werden wir hier immer weiter abwärts geführt und passieren dabei dann auch noch einen weiteren Grillplatz mit Brünnele, Wassetret-Stelle und Kinderschaukel. Natürlich ist auch er heute schon längst belegt.

An einer Abzweigung knickt unser Weg dann plötzlich scharf nach links und folgt auch hier wieder dem Waldrand, erneut mit einer phantastischen Aussicht, hinunter nach St. Märgen. Leider ist St. Peter heute nur ganz schwach im Dunst der Ferne auszumachen und so auch mit dem Teleobjektiv kaum abzulichten.

Kurz darauf passieren wir die bekannte Rankmühle, eine historische Mühle mit zwei oberläufigen Wasserrädern, deren Dach auch heute noch einseitig mit Stroh gedeckt ist!

Nur kurz dahinter, an einem Vesperplatz mit Wassertret-Stelle, folgen wir dann dem geteerten Weg wieder aufwärts.

Ganz oben (Ob’m Dengis), befindet sich – auf der rechten Seite – ein einzelnes Bänklein, auf dem wir noch eine letzte, kurze Rast machen und eines unserer Brote vespern. Direkt dahinter folgen wir dann nämlich dem unscheinbaren Weg, rechts in den Wald hinein. Und nun wird die Orientierung schwieriger, denn hier trägt unser Wanderweg nun keine gelbe Raute mehr, sondern ist einfach nur noch, ein nicht ausgeschilderter Waldweg! Nach etwa 600m verlässt ihn links ein schmaler Pfad, der uns eigentlich recht idyllisch, durch den Wald abwärts führen sollte (siehe Googlemap!).

Achtung: Dieser Pfad wurde von uns auf dieser Tour nicht spontan gefunden, da Waldarbeiter den Wald mit ihren Maschinen etwas „umgegraben“ haben und dabei auch unzählige „neue Wege“ angelegt haben. Zudem liegen im Augenblick noch viele, geschlagene Bäume über dem Weg und machen uns ein genaues Orientieren fast unmöglich. Erst später, schon weit drinnen im Wald,  stoßen wir irgendwann wieder auf den richtigen Weg! (Unbedingt die Karte mit Himmelsrichtung beachten!)

Wenn man hier auf dem richtigen Pfad unterwegs ist, dann führt er einen nach einer Weile auf eine kleine, idyllische Waldwiese mit einer offener Schutzhütte, zur rechten Hand. (Hier blühen im Sommer unzählige Orchideen – Knabenkraut.)

Beim Passieren dieser Wiese halten wir uns nun halbrechts(!), und folgen an ihrem Ende dann dem schmalen Pfad abwärts, in die Waldhalde hinunter. (Achtung: Auf gar keinen Fall den breiteren Weg, rechts vor der Schutzhütte, aufwärts gehen!)

Der schmale Serpentinenpfad führt uns nun, durch die teilweise recht steile, Gutacher Halde abwärts und ist dann auch wieder so ganz nach unserem Geschmack. Hier liegen die Bäume nun alle so, wie sie halt irgendwann gefallen sind. Und da wir uns nicht auf einem offiziellen Wanderweg befinden, hat natürlich auch niemand eine Veranlassung, ihn „frei“ zu räumen.

Das ist auch gut so, denn nur so bleibt dieser Pfad das, was er derzeit noch ist: Ein phantastischer, wilder Trampelpfad, mitten durch den Urbeis (Urwald) der Gutacher Halde. Und entweder klettern wir über die umgestürzten Stämme drüber, oder – wenn die Beine dafür zu kurz sind – halt auch mal drunter durch..!

Bald wird aber auch dieser Trampelpfad dann wieder zum normalen Wanderweg und stößt in einer Haarnadel-Kurve auf einen noch breiteren Wirtschaftweg. Ihm folgen wir nun einfach rechts hinunter, vorbei an einem kleinen, idyllischen Biotop.

Ab hier halten wir uns auf dem breiten Wirtschaftsweg nun immer nur noch links (den Abhang also ständig auf der rechten Seite halten!), bis wir eine kleine Schutzhütte erreichen. Bei ihr führt uns dann wieder ein ausgeschilderter, schmaler Pfad steil abwärts, hinunter ins wilde Hirschbachtal.

Ab hier können wir uns nun eigentlich nicht mehr verlaufen. Der Pfad führt zwar immer noch über „Stock und Stein“, ist jetzt aber wieder mit der gelben Raute beschildert, der wir nun einfach nur noch in Richtung Zweribachfall folgen.

Vorbei an einem Aussichtsfelsen (Achtung: Bei nässe gefährlich!) ziehen wir weiter abwärts und erreichen dann auch bald wieder die bereits bekannte Waldlichtung, mit der Kapelle und der Schutzhütte, von heute Morgen.

Hier vespern wir noch schnell unsere letzten Brote und trinken etwas Tee, dann ziehen wir den steilen Weg hinunter, den wir heute Morgen schon herauf gekommen sind. Und unten, am Auto angekommen, ist es dann auch genau so, wie ich es eingangs beschrieben habe:

Wir sind satt und zufrieden und haben für heute wirklich genug – aber das alles natürlich in einem sehr positivem Sinne..!

Unser Fazit: Eine phantastische Wanderung durch eine der wildesten und urwüchsigsten Landschaften des Schwarzwaldes! Eine gute Grundkondition so wie Trittsicherheit sind auf dieser Tour Voraussetzung! Zusätzlich ist gutes Orientierungs-Vermögen erforderlich! 50.000er-Karte unbedingt dabei haben! Wanderstöcke und Wetterkleidung mitnehmen, Vesper und Getränke einpacken! Keine Kinderwagen! Mit Kindertrage machbar!

Strecke: 14,6 Kilometer, Dauer: 6-7 Stunden (gemütlich!), 687 Höhenmeter.

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg – Kaiserstuhl 1:50.000


ISBN 978-3-89021-598-3

Empfohlener Wanderführer: Rother, Schwarzwald Nord und Mitte

ISBN 3-7633-4031-9

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


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3 Kommentare »

  • Alexander sagt:

    Rainer,

    sehr schöne Schilderung einer Gegend, die ich auch für eine der schönsten im Schwarzwald halte. Bin oft hier oben früh morgens mit dem Rad von Freiburg.

    Die „zwei Jagdhütten, mit einem romantischen Schwarzwald-Brünnele“ sind übrigens kein Jagdhütten. Die eine (Gschwanderdobelhütte) wurde von Waldarbeitern gebaut und benutzt, die andere (Dr. Back Hüte) vom Badischen Familienferienwerk errichtet. Beide kann man mieten, wenn man dort Mitglied ist.

    Alexander

  • Rainer sagt:

    Hallo Alexander! Herzlichen Dank für den Hinweis, ist inzwischen in den Bericht eingearbeitet! Lieben Gruß, Rainer

  • Jörg sagt:

    Hallo,

    letztes Jahr waren wir dort auch unterwegs und können eure Eindrücke bestätigen. Wir sind damals aber rechts am Stausee vorbei in Richtung „Plattenhof“ gewandert, wo es eine Einkehrmöglichkeit gibt.
    Vor allem unserem Junior hat die Wanderung gefallen: klettern, Wasser, Abenteuer in einem.

    Gruß aus Maulbronn

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