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Vom Kemptener Naturfreundehaus zum Staufner Haus

5 Juli 2012 Ein Kommentar

Waldi hatte uns gestern für heute zwar bestes Wanderwetter versprochen, aber als der Garmin piepst höre ich am Fenster ein verdächtiges Tropfen und ein kurzer Blick, unter dem Vorhang hindurch, verschafft mir Gewissheit: Draußen pisst es in Strömen! Alles ist grau in Grau und auf den Pfützen bilden sich ständig neue Ringe. Selbst die Ziegen haben sich in Sicherheit gebracht und drängen sich unter ihrem Dach..!

Ach nein..!„, meint da auch Claudia enttäuscht, nach einem ersten Blick durch’s Fenster. „Taucheranzugs-Wetter..!
Meint Regenjacke, Regenhose und die Raincover über die Rucksäcke. In den so frei gewordenen Platz im Rucksack verstaue ich dann gleich die Kamera-Tasche mit der Canon, da ist die sicherer aufgehoben. Bei diesem Wetter werde ich heute lieber mit der kleinen Lumix fotografieren.
Um halb Acht finden wir uns zum Frühstück ein und Waldi hat bereits liebevoll für uns gedeckt. (Für zwei Personen kann er im Kemptener Naturfreundehaus natürlich kein Frühstücks-Buffet aufbauen, was er sonst allgemein macht!) Dafür gibt’s aber frische Spiegeleier und dazu das Versprechen, dass es demnächst aufhören wird zu regnen! Und auch die Sonne soll dann wieder rauskommen. Wunschdenken, Waldi?

Ich kümmere mich also erst mal um meine Spiegeleier und mache anschließend noch ein paar Fotos von Waldi mit seinem „Chef„. Damit der Rottweiler nämlich nicht zu fett wird, hat er ihm einfach beigebracht, bei keinem aus der rechten Hand zu fressen! (Er dreht dann einfach nur den Kopf weg!) Der Hintergrund ist so einfach wie logisch:
Die meisten Leute füttern ihn mit der rechten Hand..!„, erklärt er uns.
(Aber Vorsicht, wenn ihr die Wurst nach einem Test dann in die andere Hand nehmt..!)

Nach dem Frühstück gehe ich gemeinsam mit dem Chef noch mal kurz vor die Türe, um nach dem Wetter zu sehen und mag es dort kaum glauben: Es hat inzwischen tatsächlich aufgehört zu regnen und im Süden sieht man sogar schon wieder blaue Flecken zwischen den Wolken!
Ich sag‘ doch, es wird heute schön..!„, schmunzelt Waldi dazu nur wissend.

Wir packen also erneut um: Regenklamotten wieder rein in den Rucksack, die Kameratasche dafür raus! So ist uns das auch viel lieber und Claudia entscheidet sich sogar gleich noch für die leichte Fleece-Jacke und packt die wärmere Softshell oben auf den Rucksack.. Dem schließe ich mich noch nicht an, da es draußen doch noch ziemlich frisch ist.
Dann holen wir unsere Stiefel und verabschieden uns von Waldi und seinem Chef mit dem Versprechen, dass wir uns im Winter wiedersehen werden: Zum Schneeschuh-Wandern nämlich!

Nun müssen wir aber erst wieder zurück auf den Trail, drüben im Sattel, zwischen Stuiben (1.749m) und Sederstuiben (1.737m). Heute wollen wir bis zum Staufner Haus, direkt unterhalb des Hochgrats kommen und haben daher (Immer unter dem Gesichtspunkt, alles mit vielen Fotos dokumentieren zu wollen!) erneut eine große Etappe vor uns. An der Mittelberg-Alpe treffen wir dann wieder auf die Wandergruppe vom Vorabend und unterhalten uns kurz mit ihnen. Nur der Wanderführer zeigt leider immer noch sein reserviertes Verhalten von gestern.

Inzwischen ist aber auch der kleine Umweg zum Kemptener Naturfreundehaus kein Thema mehr für uns, wir würden ihn nun nämlich immer wieder machen!
Wo wir den breiten Wanderweg in diesem Bereich verlassen, wird der Boden aber jetzt sofort tief. So sind wir auch gleich vorgewarnt, für den eigentlichen Trail, oben auf der Nagelfluhkette.

Nach langem Aufstieg erreichen wir dann endlich wieder den Sattel mit der Abzweigung, dort wo wir den Weg gestern abend verlassen haben. Inzwischen habe auch ich die Softshell-Jacke am Rucksack deponiert, denn nun ist uns bereits beiden ordentlich warm geworden.

Eine kurze Pause nutze ich für mich zur genaueren Orientierung, und auch um Claudia etwas in den weiteren Verlauf unserer Tour einzuweisen.
Sie hat sich inzwischen nämlich vom Namen „Obere Sedererwände“ in der Karte etwas verunsichern lassen und erwartet daher nun auch schon wieder die nächste Kletterpartie, kombiniert mit den von ihr so gefürchteten Tiefblicken.
Ich kann sie aber rasch beruhigen, indem ich ihr auf der Karte den Verlauf der Höhenlinien zeige und sie so selbst rasch erkennen kann, dass diese „Wände“ (ein großer Felsabbruch) stets etwas rechts von unserem Weg liegen und sich unser Pfad auch immer in einiger Distanz zu ihnen hält.
Oben am Sederstuiben führt unser Pfad dann aber doch einige Male ziemlich „frei“ um den Berg herum und nötigt Claudia so einige Gesangseinlagen ab. Sie singt inzwischen immer laut, wenn ihr etwas mulmig wird:
„Laah, lallaaah, la laaah..!“, höre ich sie hinter mir lustig trällern und weiß so immer, dass sie alles im Griff hat. Wenn sie nämlich richtig Angst bekommt, dann singt sie nicht mehr..!

Dann haben wir den Sederstuiben umrundet und erreichen die breite Almwiese, die uns hinunter führt, in den Sattel. Claudia ist inzwischen wieder völlig die Ruhe selbst, denn was sie von hier aus sehen kann, meistert sie mit links. (Naja, vielleicht manchmal auch etwas mit rechts..!)

Trotzdem sind wir unten im Sattel dann erst mal ziemlich kaputt! Unsere großen Rucksäcke schieben uns bergab nämlich immer kräftig hinunter, und der nächtliche Regen hat die Lehmpfade doch recht schmierig werden lassen! So suche ich uns unten dann auch erst mal einen trockenen Stein, auf dem wir uns etwas erholen können.

Man sollte die alpinen Warnungen keinesfalls unterschätzen, denn der Lehm auf dem Pfad ist teilweise wirklich rutschig wie Schmierseife. So geht man dann in den steileren Passagen doch stets etwas „verkrampft“, weil man immer mit einem Wegrutschen rechnen muss, und das kostet doch ziemlich viel Kraft!
(So viel noch mal zum Vergleich der Premiumwanderwege hier oben, mit den Spazierwegen im Kurpark von Baden-Baden, gestern!)

Dann steigen wir aber schon wieder hinauf, zum Buralpkopf (1.772m). Es ist wirklich ein stetiges Bergauf und Bergab, die Nagelfluhkette zu wandern. Und wer vielleicht Angst hat, am ersten Tag ein paar Höhenmeter zu versäumen, weil er dort mit der Bahn auf den Mittagberg hinauf fährt, dem kann ich mit einem Schmunzeln versichern: Keine Angst! Es bleiben noch genügend davon für Euch übrig, bis Ihr endlich in Hittisau seid! Sowohl bergauf, als auch bergab..!

Der Pfad aus dem Sattel, hinauf zum Buralpkopf fängt harmlos an und wird dann immer steiler. Ganz zum Schluß müssen wir sogar auf allen Vieren kraxeln, um noch Halt zu finden. Und ausgerechnet in diesem bereich führt der „Weg“ nun immer wieder bis ganz an den Abbruch der Sedererwände heran. Man hat daher auch keine Chance auszuweichen und Claudia ist natürlich begeistert!

Aber sie trägt es inzwischen so richtig mit Galgen-Humor: „Lahhh, la laah..!„, höre ich sie nämlich erneut laut singen.

Endlich wieder oben angekommen, führt uns der Weg dann noch ein ganzes Stück weit am Rand der Sedererwände entlang und beschert uns so auch wieder mal tolle Ausblicke nach Norden, ins Voralpenland. Dann erreichen wir den Gipfel des Buralpkopfes, der leider kein Gipfelkreuz trägt. Aber man weiß trotzdem, wann man oben ist. Am höchten Punkt eben..!
Dort machen wir dann, im Lee des Gipfels und etwas windgeschützt, eine kurze Pause und setzen uns dazu einfach auf die Rucksäcke. Von hier aus können wir nun auch schon die unmittelbar vor uns liegende Strecke übersehen, zumindest bis zum Gipfel des Gündleskopf (1.746m).

Dort drüben wartet wieder ein ziemlich ausgesetzter Grat auf uns, der aber mit einem Seilgeländer gesichert ist. (Siehe Titelbild, ganz oben!) Wir können ihn vom Pausenplätzchen aus sogar schon ganz gut erkennen. Und rechts dahinter thront dann bereits das mächtige Rindalphorn mit seinen 1.821 Metern.

Alles klar..?„, frage ich Claudia nach ihrem Befinden, und die antwortet mir prompt wieder mit ihrem: „Lahhh, lalla laah..!“ und lacht nur dazu.
„Doch, mein Schatz..!“, sage ich zu ihr und halte sie im Arm. „Angst darfst Du haben! Die Hauptsache ist dabei nur, dass Du sie immer kontrollierst, anstatt Dich wieder von ihr kontrollieren zu lassen..!
Inzwischen hat sie diesen Zusammenhang verinnerlicht und handelt sehr respektvoll danach. Nur noch ganz selten verliert sie mal kurz die Kontrolle, und meistens auch nur dann, wenn sie von einer Situation überrascht wird.

Dann ziehen wir weiter und erreichen kurz darauf das Seilgeländer. Claudia geht beherzt vor und gibt mir so Gelegenheit, wieder ein paar tolle Fotos von dieser Stelle zu schießen. Dabei hat mich der erste Schritt diesmal selbst etwas Überwindung gekostet, weil man ihn – völlig ausgesetzt – ans Geländer hinüber machen muss!
Auch weiterhin bleibt der Pfad hier sehr schmal und überwiegend immer oben, auf dem Grat. Claudia geht aber ganz gelassen vor mir her und bleibt auf meine Bitte hin sogar immer wieder mal stehen, damit ich sie fotografieren kann.
Abrutschen dürfte hier oben nun aber keiner mehr, denn da gäbe es wohl kein Halten mehr, in der steilen Grashalde.

Bin ich froh, dass ich die Wanderstöcke habe..!„, ruft sie dann irgendwann von vorne und ich muss ihr Recht geben. Gerade mit den schweren Rucksäcken geben sie uns nun zusätzliche Sicherheit, in solchen Passagen. Dann gehen wir am Gipfelkreuz vorbei und erreichen den Abstieg in die Gündlesscharte. Unmittelbar vor uns führen ausgewaschene Trampelpfade steil hinunter und ich kann mir schon denken, was nun kommt: Schon nach wenigen Minuten sind die Muskeln von Waden und Oberschenkeln bereits wieder am „Kochen“!

Dieser Abstieg ist nun nicht nur wirklich steil, sondern auch wahnsinnig schmierig vom Regen der letzten Nacht. Mehrfach rutsche ich aus und kann mich immer nur noch mit letzter Kraft fangen. Und Claudia hinter mir, hat ähnliche Probleme sehe ich, als ich kurz stehen bleibe, um zu verschnaufen.
Unten im Sattel angekommen, sind wir dann auch erst mal „fertig“ und brauchen eine weitere Pause! Gott sei Dank, haben wir die Stöcke dabei, denn ohne die wären wir hier wohl auf allen Vieren hinunter gekrochen! An Fotos war da natürlich überhaupt nicht mehr zu denken..!

Dann machen wir uns auf, zum Rindalphorn. Unglaublich steil ragt es vor uns auf und verspricht uns viele, steile und rutschige Höhenmeter hinauf, denn es geht nun genauso weiter, wie wir die Gündlesscharte herunter gekommen sind! Der einzige Vorteil: Aufwärts fühlt man sich sicherer, weil man nicht mehr so weit hinunter, sondern immer nur nach oben schaut. Und nach oben kann man ja schließlich nicht fallen! Vorsicht, eine trügerische Sicherheit, wenn man abrutscht..!

Immer wieder sind uns heute schon Wanderer entgegen gekommen, die uns vor diesem Aufstieg zum Rindalphorn gewarnt haben.
Allerdings sind die alle von oben herunter gekommen. Beim Aufstieg kann man die Füße dann doch etwas bedachter setzen, als beim Abstieg und immer wieder sehen wir auch die Spuren von denen, die hier mehrere Meter weit abgerutscht sind!
Junge, Junge..! Hier ist es nun nämlich wieder genauso steil, wie es auch schon drüben, vom Gündleskopf herunter war.
Dann sind wir aber endlich oben und ich lasse dort meinen Rucksack einfach nur noch fallen. Auch Claudia bekommt kein Wort mehr heraus, so heftig muss sie schnaufen. Wortlos halte ich ihr daher die Teeflasche hin und sie nickt nur dankbar.
So sitzen wir dann erst mal mehrere Minuten schweigend, genau unterhalb des Wegweisers, bis mich endlich interessiert, was dort über mir auf den Schildern steht. Hinter mir führt ein Pfad noch die wenigen Meter hinauf zum Gipfel, vor mir zieht der Pfad dann schmal weiter, hinüber zum Hochgrat.

Auch Claudia sieht den Pfad noch die letzten Meter zum Gipfel des Rindalphorn hinaufziehen und schüttelt dazu nur den Kopf:
Geschenkt..!„, sagt sie dann irgendwann, zwischen zwei Atemzügen.
Gilt auch so, oder..?„, schmunzle ich zurück und sie nickt nur wortlos. Irgendwann stehe ich dann auf und greife zur Canon, um ein Bild von ihr zu machen. Unmittelbar vor ihr steht nämlich eine hübsche Gruppe von Trollblumen, einem Hahnenfußgewächs mit auffallend großen, leutend gelben Blüten.

Dann folgen wir dem schmalen Pfad weiter, immer rechts herum und am Bergrücken entlang, und genießen auch hier wieder eine phantastische Aussicht. Und während ich noch fotografiere, erfüllt sich dann plötzlich einer meiner Herzenswünsche:
„Schau mal nach rechts..!“, ruft Claudia da nämlich hastig und ich folge ihrem ausgestreckten Arm. Und was ich dort sehe, lässt mich dann sogar das Fotografieren vergessen: Ein mächtiger Steinadler kommt – ohne jeden Flügelschlag – von rechts unten mit dem kräftigen Aufwind an uns vorbeigesegelt und schaut dabei ganz gelassen zu uns herüber.
Er ist höchstens noch 20m von uns entfernt und steigt nun schnell weiter, um sich dann unterhalb des Gipfels, auf einem Felsen nieder zu lassen. Und plötzlich sehen wir auch noch einen Zweiten, der  – von der anderen Seite kommend – seinen Flug mit der unglaublicher Flügelspannweite abbremst, um sich neben den Ersten zu setzen. So sitzen sie dort dann eine ganze Weile und nehmen überhaupt keine Notitz von uns. Leider weit außerhalb meine Foto-Reichweite..!

Einen Alpensalamander wollte ich gerne sehen, einen Steinadler und einen Apollo-Falter. Das waren meine ganz persönlichen Wünsche gewesen, bevor wir zur Nagelfluhkette aufgebrochen sind. Nun, zwei dieser Wünsche sind bis heute bereits in Erfüllung gegangen, auch wenn ich den Adler leider nicht fotografieren konnte! Bleiben nun aber immer noch zwei weitere Tage in der Nagelfluhkette übrig, für den dritten Wunsch..!

Nach diesem Erlebnis mag ich mich gar nicht mehr beruhigen und auch Claudia ist völlig aus dem Häuschen: Noch nie haben wir in freier Wildbahn einen Steinadler gesehen, und jetzt sogar gleich zwei auf einmal..!

Wir steigen dann auch ziemlich fröhlich zu diesem Namenlosen Gipfel hinauf (die Adler sind inzwischen leider weg!) und ziehen anschließend über die Weide am Gelchenwanger Grat wieder hinunter, in den nun wieder ganz zwangsläufig folgenden Sattel, zwischen Rindalphorn und Hochgrat (1.833m).
Und hier kommt Claudia nun urplötzlich eine hübsche Stute entgegen getrabt, und sie bleibt daher auch ziemlich verunsichert stehen.
Was soll ich denn jetzt tun..?„, fragt sie mich etwas ängstlich, und ich muss lachen.
Streicheln und aufsteigen..!“ frotzle ich, da mir mal wieder nichts dümmeres dazu einfällt.
Inzwischen hat das Pferd Claudia erreicht und die erkennt, dass es wirklich keine bösen Absichten hat. Genüsslich reibt es nämlichinzwischen die Nüstern an ihrem Arm.
Das soll wohl heißen: Streichle mich, hm..?„, schmunzelt Claudia jetzt, sichtlich erleichtert.
Ein Mädchen halt..!„, lache ich da nur noch.
Irgendwann drehen wir uns dann wieder um und gehen weiter, nun aber plötzlich mit der ganzen Herde im Schlepp. Die Stute folgt Claudia nämlich auf dem Fuß und der Rest der Herde folgt nun der Stude. Erst am Weidezaun bleiben sie dann wieder zurück und Claudia winkt ihnen sogar nochmal lieb zum Abschied..!

Nachdem wir den Sattel erreicht haben, geht’s dann noch einmal stramm hinauf, zum Hochgrat. Er ist der höchste Gipfel der Nagelfluhkette und verlangt nun noch einmal ordentlich Körner von uns. Über viele holprige Stufen, die aufgrund ihrer Höhe auf Dauer unglaublich anstrengend zu gehen sind, steigen wir dem Gipfel entgegen. Ich gehe voraus und nutze bald jede Gelegenheit, mich für ein Foto von Claudia hinzusetzen.

Trotzdem sind wir bald oben und erleben so nun einen weiteren, phantastischen Blick, in Richtung Bregenz. Sogar der Bodensee glänzt nun gut sichtbar in der Ferne im Sonnenlicht. Das Wetter hat sich doch tatsächlich gefangen, Waldi hatte also schon gestern Recht mit seiner Prognose..!
Am Hochgrat-Gipfel halten sich außer uns noch zwei junge Frauen auf, die diesen herrlichen Rundblick wohl schon länger genießen. Eine von ihnen macht noch ein schnelles Foto von uns beiden, dann ziehen wir auch schon wieder hinunter, zur Bergstation des Hochgrats.

Unmittelbar hinter der Bergstation liegt dann auch schon das Staufner Haus, eine DAV-Hütte und unser heutiges Etappenziel. Bereits beim Abstieg und noch bevor wir die Bergstation erreicht haben, können wir die Hütte etwas dahinter sehen. Wir umrunden die Station noch auf der linken Seite und folgen dann dahinter einfach nur noch dem Weg hinunter, zur Unterkunft.

Die letzten Meter hinunter, zur DAV-Hütte hauen dann auch noch mal so richtig ‚rein: Steil und mit vielen, hohen Absätzen versehen, fordern sie die Muskulatur von Waden und Oberschenkeln noch einmal ordentlich heraus. Und auch die Fußsohlen brennen inzwischen heftig. Zeit, endlich aus den Stiefeln heraus zu kommen.
Fast unten angekommen ergreift Claudia dann einfach die Gelegenheit beim Schopf und rutscht die letzten Meter über eine Kinderrutsche hinunter: Lieber schlecht gerutscht, als gut gelaufen..!

Manch einer wird nun vielleicht auch denken: „Je oller.., je doller..!“ Aber da ich mein Mädchen besser kenne, würde ich sie eher als „jung geblieben“ bezeichnen, und daher ist sie auch immer für einen Spass zu haben!

Im Staufner Haus ist ordentlich was los, ganz anders wie gestern bei Waldi. Trotzdem herrscht in der Wirtsstube eine recht angenehme Atmosphäre. Wir haben reserviert und bekommen gleich unsere Nummer (für Kosten und Verzehr). Dann trinken wir aber jeder erst mal ein großes Apfelschorle, bevor wir unser Zimmer aufsuchen und zum Duschen gehen.

Dazu werden die Wanderstiefel hinter dem Gastraum ausgezogen und auf Haken gehängt. Es ist untersagt, mit den Stiefeln die Wasch-, oder Schlafräume aufzusuchen, also unbedingt an Hüttenschuhe denken!
Im Staufner Haus herrscht (wie in allen DAV-Hütten) aus hygienischen Gründen Hüttenschlafsack-Pflicht. Grund: Die Betten und Decken sind hier nur mit Leinen bezogen und werden zwischen zwei Benutzern nicht gewechselt. Wer keinen Hüttenschlafsack hat, kann bei Christoph und Ulli Erd, den beiden Pächtern, einen solchen, recht preiswert, erwerben.

Heute schlafen wir im (Massen-)Lager mit insgesamt wohl 20 Schlafplätzen. Die Gemeinschafts-Toilette ist im Erdgeschoss, die getrennten Waschräume sind auf dem Stock. Zum Duschen können Duschmarken erworben werden.
Trotzdem haben wir auch hier wieder Glück: Wir sind insgesamt nur zu dritt auf dem Zimmer und keiner von uns schnarcht! (Für Hütten-Übernachtungen daher unbedingt immer an Oropax und Stirnlampe denken, falls man nachts mal raus muss!)

Nach dem Duschen suchen wir erfrischt und umgezogen wieder den Gastraum auf und bestellen uns dort etwas zum Essen.

Mich lacht die Riesenportion Spagetti an, die ich bei unserem Tischnachbar sehe, Claudia hingegen entscheidet sich für Schupfnudeln mit Kraut und Speck.
Beides ist sehr reichhaltig und schmeckt klasse! Christoffs Küche ist also wirklich gut, deftig und preiswert!
Wir sitzen anschließend noch eine ganze Weile mit anderen Wanderern zusammen und unterhalten uns mit ihnen über die Nagelfluhkette. Dann gehen wir aber irgendwann ins Bett und schlafen einmal mehr den Schlaf der Gerechten. Und auch hier oben, am Hochgrat, herrscht Nachts wieder eine phantastische Ruhe..!

Unser Fazit für den zweiten Tag:

Vom Kemptener Naturfreundehaus bis zum Staufner Haus sind es 13,0 Kilometer mit 1.091 Höhenmeter im Anstieg und 896 Höhenmeter im Abstieg. Die kontinuierlichen Anstiege und Abstiege durch die nachfolgenden Sättel kosten viel Kraft.

Ausgesetztere Stellen finden sich am Sedererstuiben und oberhalb der Sedererwände, beim anschließenden Aufstieg zum Buralpkopf. Weiterhin noch einmal zwischen Buralpkopf und Gündleskopf.
Sehr anstrengend ist der Abstieg in die Gündlescharte und der anschließende Aufstieg, egal von welcher Seite man kommt. Vorsicht bei Nässe, da die Wege (Pfade) lehmig sind und es (auf beiden Seiten der Scharte!) sowohl steil hinunter, als auch wieder steil hinauf geht! Wir empfehlen hier dringend, Wanderstöcke zu benutzen!

Nur für geübte Wanderer mit Trittsicherheit und guter Grundkondition! Unterwegs keine Möglichkeit der Einkehr, daher Vesper und genügend Flüssigkeit mitnehmen! An Wetterschutz, so wie auch immer an Sonnenschutz (Hut und Sonnencreme) denken!
Für Hüttenübernachtung im Staufner Haus Wechselwäsche, WaschzeugHüttenschlafsack, Hüttenschuhe, Ohropax(!) und Stirnlampe mitführen.

Download GPS-Track [urldisplaymode=nomap]


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Ein Kommentar »

  • Ulrike sagt:

    Ich liebe die Hüttenübernachtungen in den Alpen, die Atmosphäre und die besondere Stimmung in den Hütten. Hier sind alle Menschen gleich, wollen nur Natur & Bergwelt erleben. Mit welch einer Kraft und Ruhe man dann den Tag und die Abendstimmung in der Bergwelt genießen kann dies ist für mich immmer wieder ein Erlebnis.

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