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Vom Höllental zum Feldberggipfel

27 Juni 2011 Kein Kommentar

Diese mögliche Aufstiegsvariante, hinauf zum Höchsten, spuckt uns schon lange im Kopf herum! Wir fanden sie eigentlich irgendwann mal rein zufällig, beim Kartenstudium.
Von Hinterzarten aus führt diese Tour zuerst durchs Löffeltal hinunter, zum Hofgut Sternen, an der Ravenna-Brücke und dann – durch eine steile Halde im Wald – wieder hinauf, nach Alpersbach. Von dort aus zieht sie dann hinüber zum Rinken und über den Baldenweger Buck hinauf zum Höchsten.

7°° Uhr. Der Wetterbericht im Radio-Wecker verspricht für heute Kaiser-Wetter und ein skeptischer Blick aus dem Schlafzimmer offenbart tatsächlich einen wolkenlosen, blauen Himmel..!
Das genügt dann auch völlig, um mich schlagartig vergessen zu lassen, wie ich mich gerade eben noch aus dem Bett gequält habe! Schnell ist Kaffee gemacht, die Brote geschmiert und Tee für unterwegs gekocht. Heute fülle ich uns aber vorsichtshalber mal drei Liter ab, denn es könnte heiß werden und dann werden wir die bestimmt brauchen!

Es ist nur ein kurzes Stück zu fahren, bis nach Hinterzarten, dann parken wir hinter dem Bahnhof und schultern unsere Rucksäcke.
Hier folgen wir nun zuerst einmal den Schildern des Heimatpfades, vorbei am Kurhaus, in Richtung Höllental. Schnell lassen wir das Städtchen hinter uns und schlendern durch das Löffeltal gemütlich abwärts. Der breite Wirtschaftsweg führt uns hier an zwei wunderschön restaurierten, historischen Sägen vorbei, die wir kurz besichtigen und natürlich auch einige Fotos schießen. Bei der ersten handelt es sich um

eine sogenannte Klopfsäge, bei der zweiten um eine sogenannte Schwarzwälder Obergang-Säge. Beide sind in betriebsfähigem Zustand und werden beim alljährlichen Mühlentag (Pfingsten) dem interessierten Publikum vorgeführt!
Kurz darauf hören wir dann leider bereits wieder den Verkehrslärm der B31. Wir erreichen sie unmittelbar in der ersten Kurve, oberhalb dem Hofgut Sternen.

Hier hat es jedoch genügend Ablenkung, was uns die benachbarte Straße mit den vielen Autos zu ignorieren hilft: Im Gras blühen nämlich unzählige, einheimische Orchideen (Knabenkraut) und unmittelbar dahinter, am Waldrand, steht der der Wald-Geißbart gerade in voller Blüte! Zudem leuchten dazwischen auch immer wieder Blütenkerzen des roten Fingerhutes.

Jetzt ist gerade die schönste Blüten-Zeit im Hochschwarzwald, aber leider steht die Sonne heute morgen noch nicht hoch genug, um auch im Schatten uneingeschränkt fotografieren zu können:
„Manche Dinge muss man sich eben gleich ansehen..!“, meint Claudia nur mit einem Schulterzucken dazu und steckt die Kamera wieder ein.

Das folgende Wegstück ist nun für uns völliges Neuland. Rechts unter uns, ist die B31 natürlich nicht zu überhören und unmittelbar dahinter befindet sich jetzt das Hofgut Sternen mit dem Viadukt der Höllentalbahn, der Ravenna-Brücke.
Unser Weglein zieht aber beeindruckend idyllisch aufwärts, geradeso, als ob es den Verkehrslärm wett-machen wollte!

Der lässt nun aber beständig nach und ist bald kaum mehr wahrnehmbar. Zudem werden wir auch hier ständig abgelenkt. Zuerst zieht der Pfad schmal und steil, in Serpentinen aufwärts, dann gelingt uns auch noch ein hübscher Schnappschuss zwischen den Bäumen hindurch: Das Hofgut Sternen von schräg oben, mit der Ravenna-Brücke unmittelbar dahinter – eine nicht ganz alltägliche Perspektive!

Kurz darauf beginnt sich dann auch hier im Wald die Wärme bemerkbar zu machen. Ich habe Durst und unterbreche den Aufstieg kurz, um etwas Tee zu trinken. Claudia nutzt die Gelegenheit für ein Foto.
Kurz darauf werden wir dann erneut von der Anzahl der hier wachsenden Orchideen überrascht: Knabenkraut steht hier in großer Zahl und in den unterschiedlichen Farben. Dazwischen sehe ich sogar einige Waldhyazinthen blühen. Leider sind auch hier die Bedingungen noch nicht ideal für Makro-Aufnahmen und das Gras ist zudem auch noch viel zu nass, um sich länger hin zu knien.

Dann erreicht unser idyllischer Pfad plötzlich einen breiten Wirtschaftsweg, ohne jedes Wegzeichen. Ein kurzer Blick auf die Karte bestätigt die Vermutung, es kann nur rechts herum weitergehen.
Nach kurzer Strecke führt uns dann aber erneut ein schmaler Pfad, nun wieder mit gelber Raute, links vom Wirtschaftsweg aufwärts.
Inzwischen sehen wir von unten aber auch schon die schmale Straße, die von Hinterzarten aus hinauf führt, nach Alpersbach und dann weiter zum Rinken. Ab und zu fährt dort mal ein Auto vorbei.

Unser Weg führt uns zu diesem Sträßlein hinauf, und dann auf einem Pfad – etwas abseits – an ihr entlang. Dann müssen wir aber doch in den sauren Apfel beißen und für einige hundert Meter auf ihrem Asphalt gehen.
Wir wechseln auf die linke Seite, um zu sehen, was uns an Verkehr entgegen kommt. Die Hauptgefahr geht hier aber noch nicht einmal von Autos aus, als viel mehr von Radfahrern, die uns mit teilweise unglaublicher Geschwindigkeit, von oben entgegen kommen. Einer von ihnen kommt dann auch prompt in arge Bedrängnis, als zwei entgegenkommende Autos überraschend bremsen, um sich gefahrlos passieren zu können.
„So ein Idiot..!“, meint Claudia nur dazu und quittiert den Beinahe-Unfall mit einem Kopfschütteln.

Rechts drüben sehen wir nun auch den Gasthof Zum Engel, in dem wir ab und zu mal essen gehen. Das Rehschnitzel ist hier wirklich köstlich!
Heute leider nicht: In der Kurve, direkt unterhalb und in Sichtweite, nehmen wir auf Baumstämmen Platz und packen unsere Vesperbrote aus! (Verzeihung, liebe Familie Steiert, aber Claudia’s Brote sind heute ebenfalls wieder köstlich..!)
Anschließend folgen wir dem schmalen Waldpfad weiter aufwärts. Er müsste uns etwas weiter oben, an der Schutzhütte mit der Bushaltestelle – kurz vor dem Rinken – wieder auf die Straße führen.

Alles läuft wie erwartet und wir erreichen an der vermuteten Stelle die Straße. Hier blühen erneut unzählige Stauden des Alpenmilchlattichs. Schon eine ganze Weile begleiten uns seine wunderschönen, lila Blüten durch den Wald.

An der Haltestelle halten wir uns dann rechts und passieren den schattigen Wanderparkplatz. Von hier aus führt nun erst mal wieder ein breiter Wirtschaftsweg aufwärts, zum Spähnplatz. Dort befindet sich eine weitere Schutzhütte.
Hier ziehen wir nun links(!) in den Wald hinein und befinden uns dann schon bald wieder auf einen sehr idyllischen, schmalen Wanderpfad, der uns sanft abwärts führt und sich dabei wieder der Straße zum Rinken nähert.
An der nächsten Abzweigung halten wir uns „oben“, da dieser Weg etwas später auf die Straße führt.

Dann müssen aber auch wir uns wieder über die gesperrte Straße – an Jägerhaus und Rinkenklause vorbei – zur Wegespinne quälen. Hier orientieren wir kurz und nehmen dann den schmalen Pfad, (rechts) den Wald hinauf. Er führt etwas weiter oben wieder auf die Straße und erspart uns so die ersten beiden Serpentinen.
Dann müssen aber auch wir wieder auf den Asphalt und folgen der Versorgungs-Straße bis zur Baldenweger Hütte. Wo sie den Wald verlässt, haben wir einen sehr schönen Blick zum Baldenweger Buck, dem Serpentinensteig hinauf und rechts hinüber, zur bewirtschafteten Hütte. In diesem Bereich hat es nun wieder unzählige Stauden des gelben Enzians und Claudia ist völlig in ihrem Glück.

Wir passieren die Hütte, deren Terrasse am Sonntag natürlich wieder brechend voll ist. Dann ziehen wir aber noch vor dem Naturfreunde-Haus steil hinauf und folgen dem schmalen Pfad, in Richtung Feldberggipfel. Nur noch ein Kilometer ist es nun bis dorthin, steht auf dem Schild am Einstieg.

Auch hier blüht nun wieder gelber Enzian und Claudia würde am liebsten gleich hier bleiben. Aber die Stauden werden aufwärts nicht weniger und so kann ich interessante Fotos des Aufstieges schießen. Auf halber Höhe öffnet sich uns dann ein phantastischer Blick nach Norden: Wir sehen rechts unter uns die Baldenweger Hütte, links davon das Naturfreunde-Haus und in der Bildmitte den Rinken mit dem Jägerheim, der Rinkenklause und dem großen (kostenlosen) Parkplatz.

Noch ein Foto, dann wenden wir uns dem Gipfel entgegen. Dieser Weg ist wunderschön! Wild und urwüchsig zieht er steinig hinauf und wo es Bäume hat, muss man auch über Wurzeln steigen. Dann kommen wir oben zwischen den Bäumen auf die Hochfläche und der Blick nach rechts (Westen) verschlägt uns auch heute wieder die Sprache: Der Feldberggipfel mit dem Fernsehturm und der Wetterstation, davor das Roundell des Gipfels (1.493m).

Würde man mich fragen, warum das so ist, müsste ich kneifen! Aber seht Euch dieses Panorama doch einfach einmal selbst in natura an, vielleicht könnt Ihr mich dann verstehen (Erstes Foto ganz oben!).
Die Gebäude immer im Blick, sehen wir von hier aus nun auch rechts hinunter, in den im Winter so gefährlichen Nordhang des „Höchsten“. Hier hängen in jedem Winter die so gefährlichen Gipfelwechten, die regelmäßig ins Zastler Loch hinunter donnern! Meist kann man ihre Schneereste im Hangschatten noch bis in den Juni sehen, in diesem Jahr jedoch nicht. Dafür war das Frühjahr 2011 zu warm!

Inzwischen klingt ein liebliches Kling-Klong zu uns herüber und wir sehen weiter vorne größere Rinder-Herden, genau auf unserem Weg. Spätestens jetzt wird offensichtlich, warum man sich unterwegs immer wieder durch schmale Gatter drücken muss, die in die Weidezäune eingelassen sind. Unzählige Jungrinder verbringen hier oben nämlich den Sommer auf den Hochweiden.

Heute scheinen die halbstarken Kälbchen aber wohl ganz besonders zutraulich zu sein, denn uns gelingen ein paar tolle Schnappschüsse. Das ist nicht immer so, denn oft suchen die Tiere schon sehr früh das Weite, wenn man auf sie zu kommt. Dann sollte man das akzeptieren und sie auch nicht weiter bedrängen.
Heute muss ich jedoch nur warten, bis das erste Kälbchen von sich aus zu mir her kommt, um gestreichelt zu werden. Und während wir noch fotografieren, nähert sich von hinten eine junge Familie aus Calmbach im Nordschwarzwald. Deren Kinder haben ebenfalls einen riesen Spaß mit den zutraulichen Rindviechern.

Gemeinsam wandern wir dann hinauf zum Höchsten, von wo aus wir heute wieder einmal eine phantastische Alpensicht haben. Unser neuer Wanderfreund ist begeisterter Bergsteiger und zeigt uns sogar die Eigernordwand, die unverwechselbar im (Nord-)Schatten liegt und sich daher auch deutlich vor den hellen Schneegipfeln von Mönch und Jungfrau abhebt. Klasse, nur wissen muss man es eben..!

Dann ziehen wir hinunter in die Senke des Grüble-Sattels und beschließen dort spontan, auch noch bis  zum Bismarck-Denkmal am Seebuck weiter zu gehen. Dort werfen wir einen kurzen „Pflicht-Blick“ hinunter zum Feldsee (alles noch da!) und ziehen dann schnell rechts hinunter – über den Westweg – zum geteerten Sträßlein und auf ihm dann vollends hinab, zum Haus der Natur.
Hier sind die Bushaltestellen nach Bärental und Titisee, so wie nach Todtnau. Für insgesamt 4,20 Euro fahren wir dann zurück nach Hinterzarten und holen unser Auto ab.

Hier trinken wir nun auch den letzten Schluck Tee, womit unsere drei Liter optimal berechnet waren. Aber Achtung: Im Hochsommer werden sie dann – bei vergleichbar anstrengenden 7 Std.-Touren – ganz bestimmt nicht mehr ausreichen.

Unser Fazit: Ein wunderschöner, aber recht anstrengender Feldbergaufstieg, den kaum einer kennt. Im Bereich der B31 etwas Geräuschkulisse, aber erträglich, da man abgelenkt wird. Kostenlose Wander-Parkplätze am Bahnhof Hinterzarten. Für eine Wanderung abseits dem „Rummel“ sehr zu empfehlen!

Strecke: Rundwanderung mit 16,5 Kilometer Strecke und 816 Höhenmetern im Anstieg (421 Höhenmeter im Abstieg). Dauer: ca. 6 bis 7 Stunden (gemütlich!).
Durch den relativ langen und steilen Aufstieges ist eine gute Grundkondition erforderlich! Trittsicherheit, keine Chance für Kinderwagen – mit Kindertrage möglich!

Kleidung: Neben Regenjacken und Regenhosen gehört dazu am Feldberg – neben einem Pulli – auch immer ein Sonnenhütchen! Wer in kurzen Hosen loszieht, der sollte unbedingt auch eine lange Hose zum Wechseln einpacken. Am Feldberg gibt es auch im Sommer – vor allem nach Gewittern – teilweise heftige Temperaturstürze!

Einkehr: In Hinterzarten (Start/Ziel), Hofgut Sternen, Gasthof Esche und Gasthof Zum Engel in Alpersbach, so wie an der Bushaltestelle am Feldberger Hof. Zusätzlich am Bahnhof Bärental und am Bahnhof Titisee (Bäckerei/Konditorei Fischer, die Filiale wird von Claudia betreut!)

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3.

Empfohlener Wanderführer: Faszination Feldberg (5,-€). Zu erhalten im Haus der Natur (auch am Wochenende geöffnet) oder im Buchhandel. ISBN-13:978-3-9810632-1-9

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Feldberg-Aufstieg aus dem St. Wilhelmer TalVom Notschrei zum Feldberggipfel

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