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Vom Feldsee über den Felsenweg

14 Juni 2011 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 4 von 14 in der Serie Die schönsten Wanderabenteuer am Feldberg

Schon der erste Blick hinaus, ließ bei mir morgens erhebliche Zweifel an unserer Idee aufkommen: Pfingstsonntag und Sonnenschein, da wird am Feldberg wohl einiges los sein! Ob die Entscheidung für unsere heutige Tour daher wirklich gut war?

Vom Haus der Natur aus möchten wir über den steilen Fußweg hinunter zum Feldsee und dann – am Raimartihof vorbei – über den Westweg wieder hinauf zum Felsenweg wandern. Spätestens dort sollten wir dann eigentlich wieder „Ruhe“ haben..!

Den stark frequentierten Bereich, um den Feldsee herum, wollen wir daher auch gleich frühmorgens absolvieren, noch bevor das Groß der Wanderer ebenfalls hier eintrifft. Dieser Plan scheint auch zu funktionieren, denn kurz vor Neun ist auf dem großen Parkplatz, am Haus der Natur noch nicht viel los.
So sehen wir dann auch zu, dass wir uns diesen Vorsprung erhalten und folgen zügig der Ladenzeile, zum Einstieg in den Wanderpfad. Ein steiler Felsenpfad führt hier hinunter zum Feldsee und man sollte wirklich etwas trittsicher sein, wenn man sich für ihn entscheidet – vor allem bei Nässe! Denn dann sind seine Fels-, und Wurzel-Passagen teilweise höllisch rutschig.

Immer wieder halten wir unterwegs an, um einige besonders idyllische Passagen zu fotografieren und geben dadurch unseren Vorsprung natürlich rasch auf: Immer mehr Wanderer kommen inzwischen „von hinten“ und holen uns ein.

Aber noch hält sich der Verkehr im Rahmen und wir können unserer Aufgabe gut nachkommen. Es ist jedoch schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf das, was wohl später noch kommen wird!Bald erreichen wir den Feldsee und halten uns gleich links, um ihn (gegen den Uhrzeigersinn) zu umrunden. Von dieser Seite aus hat man einen phantastischen Blick hinüber, auf die gewaltigen Felsen der Karwand. Dort wird uns später unser Weg genau „obendrüber“ führen.

Immer wieder kommen wir inzwischen auch mit anderen Wanderern ins Gespräch und stellen dabei fest, dass diese überwiegend Einheimische sind!
„Wänn glii nachhäär de‘ große Rann losgeehd, dann musch doh unde widda weg siii..!“, meint einer von ihnen verschmitzt zu Claudia und natürlich in feinstem Alemanisch. Okay, auch die teilen also unseren Gedankengang..!

Hier, im hinteren Bereich des Feldsees fesselt dann aber noch etwas ganz anderes unsere Aufmerksamkeit: Eine unglaubliche Wildblüten-Pracht entlang des Seeufers. Wir können uns kaum satt sehen und schießen hier natürlich erneut Bild um Bild: Sch… auf die Zeit..!

Und auch ein paar tolle Fotos vom Feldsee müssen nun natürlich noch sein, der jetzt – so frühmorgens – wunderschön idyllisch da liegt.
„Ich könnte mich jetzt einfach hier hin setzen und dann stundenlang nur auf’s Wasser schauen..!“, meint Claudia irgendwann völlig verträumt.

Dann ziehen wir aber doch weiter, denn langsam wird es hier am Wasser nun immer „voller“! Unmittelbar vor dem Raimartihof folgen wir dem Weg links hinauf und stehen dann bald wieder vor den gewaltigen Ameisenhaufen, die uns schon letzthin so beeindruckt haben (Siehe:  Der Feldbergsteig).

Beim Aufstieg beobachte ich einen anderen Wanderer, der mit seiner Kamera ebenfalls recht lange vor einem der großen Hügel verweilt, bis er plötzlich aufspringt und wild auf seine Hose einzuschlagen beginnt: Ja, die kleinen Tierchen sind wirklich sehr aktiv..!

Vorbei, an einem beeindruckenden Farnwald, ziehen wir dann hinüber zum breiten Wirtschaftsweg, der den Raimartihof mir dem Rinken verbindet. Direkt dort, wo unser Pfad auf ihn trifft, könnten wir steil links hinauf abkürzen, um diese „Autobahn“ zu umgehen. Aber wir wollen ja auch diese Strecke mit dem Garmin wieder korrekt aufzeichnen und verzichten daher darauf.

Auf dem breiten Weg herrscht bereits jetzt ein reges Treiben – auch viele Mountain-Biker sind hier schon unterwegs. Bald sind wir dann auch völlig in mehrere Wandergruppen gleichzeitig „integriert“!

So sind wir dann auch ziemlich froh, als uns – nach einem knappen Kilometer – endlich  der Westweg erlöst! Er ist hier nur ein schmaler Trampelpfad, der die Wanderautobahn links aufwärts verlässt und daher auch leicht zu übersehen ist. Steil und sehr idyllisch führt er von hier aus hinauf, zum Grüblesattel und von dort aus dann weiter, zum Feldberggipfel. Wir werden ihn aber schon vorher wieder verlassen und auf den noch wilderen Felsenweg einschwenken, der den Feldsee – etwa auf halber Höhe zwischen Feldsee und Bismarck-Denkmal – umrundet!

Seit wir auf den schmaleren Pfaden unterwegs sind, ist es tatsächlich wieder etwas ruhiger geworden. Aber trotzdem ist hier deutlich mehr los, als wir es sonst gewohnt sind! Am Feldseeblick – der inzwischen leider keiner mehr ist (weil er zugewachsen ist!) teilen wir uns einen umgefallenen Baumstamm mit einem anderen Pärchen und packen unser Vesperbrot aus.

Unterdessen passieren uns ganze Trauben von Wanderern in beiden Richtungen und Claudia lacht nur: „Wo kommen die denn plötzlich alle her..?“
„N‘ Guten..!“, ruft einer von ihnen herüber und bekommt postwendend von mir zurück: „Hör auf zu betteln..!“ Er versteht den Spaß aber und die ganze Gruppe lacht dann auch mit uns mit!

In der Tat ist es aber sehr ungewöhnlich, auf diesen schmalen Pfaden so viel Wanderverkehr zu erleben. Aber inzwischen wollen natürlich alle gerne über diese Traumpfade wandeln und an Tagen wie dem Pfingstsonntag, wird es dort dann inzwischen auch schon mal etwas „eng“.
Das verdeutlicht inzwischen aber auch, wie sehr das Wandern bereits zum Volkssport geworden ist!

Nach einer Weile ziehen wir dann wieder weiter und erreichen bald die Abzweigung zum Felsenweg. Hier befindet sich – etwas versteckt – ein Bänklein, auf dem gerade ein Ehepaar rastet. Sofort möchten sie zusammenrücken, um uns ebenfalls Platz zu machen, aber wir wollen ja nur an ihnen vorbei und sie haben noch gar nicht bemerkt, dass der schmale Felsenweg hinter ihrem Bänklein weiter führt.

Ich sehe plötzlich, wie eine weitere Wanderer-Gruppe hinter uns recht unentschlossen in die Karte schaut.
„Wo wollt Ihr denn hin..?“, frage ich daher höflich.
„Eigentlich auf den Felsenweg..!“, antwortet mir einer von ihnen, etwas verlegen und Claudia schmunzelt schon wieder:
„Ach.., alle immer nur uns hinterher..!“
Wir lassen diese Gruppe gleich passieren, und dann auch noch eine weitere, die uns von vorne entgegen kommt. So können wir auf dem schmalen Pfad in Ruhe fotografieren, ohne dabei jemanden aufzuhalten.

Der Felsenweg ist teilweise sehr schmal und führt auch öfters mal an freien, steilen Passagen vorbei. Sein Verlauf ist zwar nie völlig ausgesetzt, trotzdem sollte man hier schon etwas trittsicher sein. Bei Nässe empfehlen wir, ihn lieber völlig zu meiden und auf andere Wege auszuweichen, denn Fehltritte könnte er einem – an manchen Stellen – durchaus übel nehmen!
Achtung: Im Winter ist die Begehung des Felsenweges generell verboten, da er genau durch die gefährliche Lawinen-Schneise der großen Wechte am Bismarck-Denkmal führt! Dann herrscht in diesem Bereich akute Lebensgefahr!

Ohne Werbung machen zu wollen, und auch auf die Gefahr hin, uns hier zu wiederholen, empfehlen wir auch allen Wanderern, die diesen Felsenpfad gehen, den Führer Faszination Feldberg. Er ist im Haus der Natur für 5,-€ zu erstehen und beschreibt alle Sehenswürdigkeiten, auf die uns unterwegs die hübschen Steinpyramiden mit ihren Nummern aufmerksam machen. Oder hättet Ihr die Fleischfressenden Pflanzen (Fettkraut und Sonnentau) unterwegs vielleicht auch so gesehen? (Gelbe Nr. 13!) Und Hand auf’s Herz: Wer rechnet schon ausgerechnet am Feldberg mit ihnen?

Aber auch die Einheimischen Orchideen sind hier auf dem Felsenweg recht gut vertreten, allen voran natürlich das Knabenkraut in verschiedenen Arten. Und dann erleben wir mal eine kleine Überraschung: Als ich eine Familie, die uns hier mit zwei jüngeren Kindern entgegen kommt, auf eine solche Stelle aufmerksam mache, bedankt sich der Vater höflich. Und dann fragt er plötzlich  ganz vorsichtig:
„Entschuldigung.., Rainer und Claudia..?“

Claudia und ich sind darüber völlig überrascht, denn bisher hat uns unterwegs noch nie jemand angesprochen, obwohl wir natürlich schon damit gerechnet haben, dass das wohl irgendwann passieren wird!
Volker und Ingrid sind anscheinend richtige Fans unserer Seite und haben Claudia dann auch sofort an ihrem roten Kopftuch und der orangeroten Jacke erkannt!
Wie auch immer, das freut uns natürlich ganz besonders und wir unterhalten uns dann auch eine ganze Weile miteinander. So erhalten wir nun auch zum ersten Mal ein direktes Feedback von Besuchern unseres Blocks! Abschließend gibt es dann noch ein gemeinsames Foto und hier nun auch noch die Bitte: Meldet Euch doch mal!

Dann trennen sich unsere Wege wieder, aber Claudia und ich unterhalten uns an diesem Tag noch ziemlich lange über dieses schöne Erlebnis.

Der Rest des Felsenweges ist dann bald bewältigt. Immer häufiger kommen uns inzwischen andere Wanderer entgegen, meist sogar ganze Familien mit Kindern. Gerade dieser Umstand begeistert Claudia aber immer ganz besonders und ich sehe jedesmal ihre Mundwinkel nach oben gehen, wenn sie schon die Kleinsten in Wanderstiefeln sieht!

Vorbei an einer Gedenktafel, die an einen tödlichen Unfall auf dem Felsenweg erinnert, verlassen wir diese Idylle über dem Karsee dann wieder und erreichen ohne Vorwarnung – am Ski-Hang – den ganz normalen Feldberg-Pfingst-Wahnsinn.
„Bitte, lass‘ uns umkehren..!“, meint Claudia nur spontan und erst jetzt wird uns bewusst, wie ruhig es doch gerade eben noch auf dem Felsenweg gewesen war – trotz des regen Wander-Verkehrs.

Wir ziehen dann auch nur noch schnellstmöglich zu unserem Auto, um diesem Chaos zu entrinnen. Nur austreten muss Claudia noch schnell und bezahlt im Haus der Natur dafür artig ihre fünfzig Cents, wie alle anderen auch. Hier erkennt sie natürlich keiner…!

Unser Fazit: Für routinierte Wanderer eine traumhaft schöne Tages-Tour, mit der man dem Trubel am Feldberg immer noch etwas entgehen kann! Die Strecke ist mit einer normalen Grundkondition von jedem problemlos zu bewältigen, allerdings ist Trittsicherheit erforderlich!

Strecke: 8,4 Kilometer mit 335 Höhenmeter im Anstieg. Dauer: ca. 4-5 Std. (gemütlich!)

Start/Ende: Parkplatz am Haus der Natur (4,- €/Tag).

Einkehr: Unterwegs am Raimartihof und oben an der Feldberg-Talstation.

Achtung: Unbedingt an Wetterschutz denken! (Dazu gehört auch ein Sonnenhütchen!)

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3.

Empfohlener Wanderführer: Faszination Feldberg (5,-€). Zu erhalten im Haus der Natur (auch am Wochenende geöffnet) oder im Buchhandel. ISBN-13:978-3-9810632-1-9

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Feldberg: Eine Schlechtwetter-Lösung..!Große Rinken-Runde über den „Höchsten“.

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