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Vom Berggasthaus Hochhädrich nach Hittisau

10 Juli 2012 Kein Kommentar

Unsere letzte Nacht am Berg bietet uns dann noch ein ganz besonderes Abenteuer. Ein schweres Gewitter hängt nämlich für mehrere Stunden über uns, mit allem was dazugehört: Es blitzt rundherum derart intensiv, dass man manchmal das Gefühl hat, dass es länger hell ist, als dunkel. Und oft folgt der Donner dem Blitz so unmittelbar, dass es „eins“ ist..!

Wir liegen in unsere Decken gekuschelt im Bett und genießen das Erlebnis, wohl auch etwas mit der Erinnerung an die Aussage von Frau Bilgeri-Senior vom Abend:
Wir haben eine ganz neue Blitzschutz-Anlage..!
Morgens sieht es dann auf der Terrasse so aus, als habe es in der Nacht etwas geschneit, denn der Rest von Hagel liegt dort immer noch als „Sulz“ um Bänke und Tische herum.
Inzwischen scheint aber bereits wieder die Sonne, und bringt die Natur mit ihrer Kraft zum Dampfen. Das überschüssige Wasser verdunstet also bereits wieder.

Nach schneller Katzenwäsche und Zähneputzen auf dem Flur, packen wir noch schnell unsere Siebensachen und gehen anschließend hinunter zum Frühstück.
Das Berggasthaus Hochhädrich ist eine ganz einfache Unterkunft, aber trotzdem sehr sauber! Und was vielleicht hier und da an Komfort fehlt, das wird dann ganz einfach durch liebevollen Service von Maria-Luise und ihrer Mutter ersetzt. Das ist hier noch eine Unterkunft mit Familienanschluss nach altem Stil, in der man sich wohlfühlen kann..!

Das Frühstück ist ebenfalls einfach, aber gehaltvoll: Frischer Kaffee, Brot, kalter Braten, selbstgemachte(!) Konfitüren und ein Bergkäse, der hier seine Extra-Erwähnung verdient!
Und wenn jemand vielleicht auch noch Spiegeleier haben möchte, wir sind uns sicher, Maria-Luise wird sie Euch ebenfalls gerne zubereiten..!

Nach dem Frühstück bringen wir die Rucksäcke hinaus, auf die Terrasse und schießen dort noch ein Abschiedsfoto mit Maria-Luise. Dann machen wir uns auf den Weg, hinunter nach Hittisau.
Dort ist unser heutiges Ziel die Pension Bals, in der wir noch ein weiteres Mal übernachten werden, bevor wir dann morgen wieder unsere Heimreise antreten müssen. Mit dieser letzten Etappe verlassen wir nun die Nagelfluhkette, die für uns hier oben, am Hochhädrich (in manchen Karten steht auch Hochäderich) endet.

Wer gerne möchte, könnte die Tour nun auch noch über das Lecknertal ausdehnen, und dann über die Gunzesrieder Säge wieder nach Immenstadt zurückkehen. So wird die Tour über die Nagelfluhkette sogar zur Rundwanderung.

Wir ziehen nun aber hinunter, nach Hittisau und haben eine herrliche Berg-Tour in Erinnerung. Noch ein letztes Mal winkt Claudia zurück, dann folgen wir dem breiten Fahrweg nach vorne, zum Lift.
Dort teilt sich der Weg und Maria-Luise hat uns empfohlen, uns am Besten gleich dort links hinunter zu halten. Das sei ein schöner Weg für den Abstieg, hinunter nach Hittisau, meint sie.
Außerdem passiert er die Loch-Alpe, eine Einkehrmöglichkeit unterwegs. Das ist gut, da wir für heute – es ist ja nur eine Mini-Etappe – ausnahmsweise mal keine Getränke mitführen.
An der Abzweigung entscheiden wir uns dann aber spontan um: Der Weg ist durch den nächtlichen Starkregen so aufgeweicht und rutschig, dass wir den Abstieg nach Hittisau lieber erst mal auf dem breiten Fahrweg fortsetzen. Damit verzichten wir aber unterwegs auch auf jede Einkehrmöglichkeit – ein Fehler, wie sich bald herausstellen sollte!

Wir halten uns nun immer abwärts und erreichen bald die Gehrenalpe. Laut Karte haben wir bis hierher bereits 160 Meter Höhe abgebaut, was wir in den malträtierten Oberschenkel-Muskeln auch schon deutlich spüren. Den Rest hat wohl der breite, sehr harte Fahrweg dazu beigetragen.

Hier zweigt unser Weg nun aber ebenfalls von diesem ab, und führt uns erst mal über eine aufgeweichte, tiefgründige Wiese, und von dort dann auf einen breiten Waldweg.
Wo aber so intensiv Viehwirtschaft betrieben wird, kann auch der beste Waldweg den Hufen von Rindern nicht dauerhaft standhalden. Und nach einem Starkregen, wie dem von heute Nacht, wird es nun selbst auf diesem Waldweg immer mal wieder so richtig schlammig.
Aber das stört uns eigentlich nicht sonderlich, da unsere Stiefel ja wasserdicht sind und wir zudem auch einiges gewohnt sind.
Hey.., wie war das früher, beim Bund..?„, will Claudia da plötzlich wissen und bleibt stehen. „Wie habt Ihr Euch damals als Fallschirmjäger immer bezeichnet..?
Der ideale Fallschirmjäger ist dumm, dreckig, wasserdicht und geländegängig..!„, erinnere ich mich schmunzelnd und sie lacht.
Stimmt..! Irgend so’was hatte ich doch noch in meiner Erinnerung!“ Auslöser für diese Konversation ist ein ganz besonders schlammiges Wegstück, unmittelbar vor uns.

Dann ziehen wir erneut über eine Wiese, die aber bereits etwas abtrocknet. Inzwischen ist es brütend heiß geworden und das verdunstende Wasser sorgt seinerseits für eine unglaubliche Schwüle. Viel mehr Wasser kann die Luft wohl kaum mehr aufnehmen! Trotzdem haben wir beide bereits einen völlig trockenen Hals.

Wir machen den kurzen Abstecher zur oberen Ladalpe, in der Hoffnung dort vielleicht etwas Wasser trinken zu dürfen. Aber leider ist gerade niemand am Haus und selbst bedienen möchten wir uns nicht. Wir drehen um.

Von der Ladalpe aus führt uns nun wieder ein breiter Wirtschaftsweg weiter. Bald kommen uns hier dann einige Milchkühe entgegen, die wohl eigenmächtig unterwegs zur Ladalpe sind. Claudia bringt sich da sofort wieder dezent hinter mir in Sicherheit.
Hasenfuß..!„, schmunzle ich.
Die sind einfach so groß..!“ erklärt sie mir den Grund ihrer Angst.
Die machen Dir aber trotzdem nichts..!“ versichere ich ihr nun wohl schon zum hundersten Mal, während wir über ein paar Stufen ein geschlossenes Tor passieren. Hier werden die Rindviecher zurückgehalten.

Nun werden unsere Unterhaltungen seltener und auch meine Lust, zu Fotografieren, nimmt deutlich ab. Mein Hals ist inzwischen so trocken, dass mir schon das Schlucken weh tut.
Insgeheim schimpfe ich mich einen Idioten, weil ich so leichtsinnig war, ohne Tee loszugehen! Ich hätte es doch wirklich besser wissen müssen und spätestens der nächtliche Starkregen hätte meinen Instinkt warnen sollen! Danach weiß man schließlich nie, was einen in den Bergen unterwegs erwartet. Das gilt sogar für den Hochschwarzwald!
Der Abstieg erweist sich mit den schweren Rucksäcken nun als deutlich anstrengender, als von uns erwartet und die bisher bereits vernichteten Höhenmeter sind in den Oberschenkeln ebenfalls schon deutlich zu spüren!
Nach einer Abzweigung (rechts halten!) erreichen wir die Gschwendalpe und sind damit nun schon auf 1121m angekommen. Wir haben also bereits 400 Höhenmeter abgebaut!

Hier lenkt uns unser Wegweiser nun erneut über eine tiefgründige Weide. Ein Pfad ist nicht zu erkennen, nur ein rotweiser Orientierungs-Pfahl am Waldrand weist uns in die richtige Richtung. Und dort wird es dann noch schlimmer: Steil und schmierig führt ein schmaler Lehmpfad abwärts! Immer wieder rutschen wir aus und wären ohne Stöcke wohl auch des öfteren gestürzt!
Wir schlagen uns irgendwie durch und erreichen dann am unteren Waldrand eine rote Sitzbank, auf der wir uns dankbar erholen. Nun sehen wir bereits die ersten Häuser von Hittisau vor uns, aber noch einmal geht es über Wiesen so steil hinunter, dass es weh tut! Bei Bauern, die gerade am Heumachen sind, fragen wir dann nach Wasser und sie weisen uns den Weg zu einer eiskalten Quelle, nur ein paar Meter weiter!

Welch eine Wohltat, da lernt man Wasser wieder mal richtig zu schätzen! Völlig ausgetrocknet trinken wir zuerst lange, dann kühlt sich Claudia auch noch Hände, Arme und Kopf – wir sind einfach völlig fertig!
Inzwischen ist es wirklich brütend heiß geworden und die Sonne sticht unglaublich vom wolkenlosen Himmel.
Nun müssen wir uns unbedingt noch ein Plätzchen finden, an dem wir im Schatten auch unsere Muskulatur und die Füße etwas erholen lassen können. Meine Fußsohlen brennen inzwischen nämlich ebenfalls wie Feuer!

Noch einmal quälen wir uns ein Stück über heißen Asphalt hinauf, dann auch noch über einen schattigen Waldpfad hinunter, zur Bolgenach. Und an der hölzernen Kommabrücke fällt unser Blick dann hinüber ins Freibad und auf den schattigen Biergarten beim Kiosk.
Au jah..!„, wartet Claudia meine Frage dann auch gar nicht erst ab.
Kurz darauf sitzen wir bereits mit Apfelschorle, Chicken-Nuggets und Pommes im Schatten, und lassen es uns gut gehen. Hier schalte ich nun auch den Garmin endgültig aus, denn für mich ist die Tour hier jetzt zu Ende.
Die letzten Meter Weg durch Hittisau hindurch und bis zur Pension Bals kann nun ja eigentlich keiner mehr verfehlen..!

Dort werden wir vom Töchterchen der Familie Bals freundlich empfangen und Claudia holt sich gleich unsere im Auto deponierte Tasche, mit frischer Kleidung, usw. Die dreckigen Stiefel bleiben ebenfalls gleich hier! Dann beziehen wir das ausgesprochen hübsche Zimmer und gönnen uns nun erst mal den Luxus einer richtig heißen Dusche. Nicht, dass Ihr glaubt, dass wir Komfort vielleicht nicht zu schätzen wüssten, aber alles eben zu seiner Zeit!

Etwas später sitzen wir dann im schattigen Garten der Pension Bals und genießen den Blick, über das hübsche Hittisau. Und dazu gibt’s dann endlich auch mal wieder ein kühles Hefeweizen..!
Leider haben wir es vor Antritt unserer Tour jedoch versäumt, in der Pension Bals für heute unser Abendessen zu bestellen, denn dieses wird von den anderen Hausgästen ausgesprochen gelobt! (Unbedingt daran denken, wenn Ihr diese Tour nachwandert!).

So gehen wir eben in Hittisau-Ort gut bürgerlich essen und sitzen dann anschließend mit Gerhard Bals und einigen Hausgästen, noch lange im Garten.
Es ist eine richtig laue Sommernacht und wir erfahren noch viel über die tollen Wandermöglichkeiten hier, um Hittisau. Ganz besonders oft fällt dabei der Begriff „Hasenstrick“. Grund genug, uns den Namen mal einzuprägen.
Aber auch dem Schneeschuh-Wanderer hat Hittisau wohl fast unbegrenzte Möglichkeiten zu bieten. Und noch etwas sollte man unbedingt wissen: Gerhard Bals ist ausgebildeter Wanderführer und kann somit auch selbst Schneeschuh-Touren führen. Und als Insider kennt er natürlich die besten Wander-Tipps, und gibt diese seinen Hausgästen auch gerne weiter!

Am nächsten Morgen genießen wir dann noch mal ein richtig tolles Frühstück. Und auch dafür gilt: Alles zu seiner Zeit, denn unterwegs hat uns auch diesbezüglich nichts gefehlt!
Die Eier weich, gerührt, oder gespiegelt..?“ fragt uns Gerhard Bals gutgelaunt, während Claudia schon begeistert mit ihrem Müsli knirscht.

Wir verabschieden uns nach dem Frühstück sehr herzlich von Gerhard mit dem Wissen, dass wir schon bald wiederkommen werden. Und vielleicht trifft man dann in der Pension Bals ja sogar auch mal jemanden von Euch! Wäre das nicht toll..?

Unser Fazit zum vierten Tag:

Eigentlich sollte es ein gemütliches „Auslaufen“ werden, hätte es in der Nacht nicht so geschüttet! In Verbindung mit unseren schweren Rucksäcke wurden die Lehmpfade dann jedoch immer wieder zu gefährlichen Rutschbahnen. Unbedingt Wander-Stöcke mitführen und wenn es warm ist, keinesfalls auf ein Getränk für unterwegs verzichten! (Oder den Weg über die Lochalpe wählen! Dort Einkehr möglich.)

Nur 5,7 Kilometer Strecke, aber 763 Höhenmeter im Abstieg! Dauer (unter diesen Bedingungen): etwa 3,5 Stunden.

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