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Über die Zastler Eislöcher zum Feldberggipfel

1 August 2011 4 Kommentare

Endlich wieder mal ein Sonntag ohne Regen! Für uns die Chance, mit unserer Dokumentation über die schönsten Feldberg-Aufstiege weiter voran zu kommen!
Das Wanderziel war klar: Von den Zastler Eislöchern, über die Zastler Hütte, hinauf zum Höchsten und dann über den Imisberg und Hüttenwasen wieder hinunter, ins Zastlertal.
Dieser eher unbekannte Feldberg-Aufstieg war selbst für uns Neuland und versprach daher mal wieder so richtig Spannung!

Der gestrichelte Pfad war mir beim Kartenstudium aufgefallen, als ich nach weiteren, möglichen Feldbergaufstiegen aus seiner Nordflanke gesucht habe. Gestrichelt dargestellte Wege versprechen dem Wanderer immer Spannung und so widmete ich diesem Pfad auch gleich besondere Beachtung.
Er beginnt ganz hinten im Zastlertal und zieht sich erst mal hinauf bis kurz vor die Klusenhütte, einem hübschen Grillplatz. Dann geht es ein Stück über breitere Forstwege weiter, bis erneut ein gestrichelter Pfad hinauf führt, zu dem schmalen Pfad, der den Hüttenwasen mit der Zastler Hütte verbindet. Ab hier ist uns der Aufstieg wieder bekannt.

„Whow..!“, meint Claudia nur, als ich ihr die Variante auf der Karte zeige und ist auch spontan einverstanden, als ich diesen Aufstieg für heute vorschlage.
„Wird wohl auch wieder ordentlich Höhenmeter geben..!“, stellt sie noch mit einem Schmunzeln fest. Ja, damit könnte sie wohl Recht haben, denn das Zastler Tal liegt auf etwa 700m Meereshöhe, der Feldberggipfel hingegen auf 1.493m!

Wir überlegen noch kurz, ob wir vielleicht den Gipfel überschreiten und dann – vom Haus der Natur aus – wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück fahren sollen, aber das ist leider mal wieder eine halbe Weltreise und Claudia zieht daher die Stirn kraus:
„Lieber als Rundwanderung über den Imisberg und von dort wieder hinunter zum Hüttenwasen..!“, meint sie.

So parken wir unser Auto am Ende des Zastlertales, auf dem Wanderparkplatz und folgen der schmalen Straße (für Verkehr gesperrt!) ein paar Meter aufwärts. An den Zastler Eislöchern führt uns dann ein traumhaft schöner Felsenpfad weiter. Er folgt dem Zastlerbach zwischen die hier immer steiler werdenden Talwände und beeindruckt uns mit immer neuen Wasserfall-Kaskaden.

Nun kommt uns auch die eiskalte Luft entgegen, die dem Tal seinen Namen gibt: Die riesigen Felsblöcke, die Gletscher der letzten Eiszeit hier liegen ließen, speichern unter sich nämlich die Kälte des Winters bis in den Sommer hinein und lassen die beim Durchströmen abkühlende Luft dann durch das Tal abwärts fließen.
Uns fröstelt sogar Ende Juli und wir möchten Euch hier ganz gerne motivieren, doch auch mal mit einer Hand zwischen den Felsblöcken hinunter zu greifen: Ein Gefühl, als ob man in einen Kühlschrank fasst! Hier wurde von den Bauern noch bis vor wenigen Jahren Milch und Butter gekühlt!

Aber Vorsicht: Bei Nässe und Feuchtigkeit sind die Steine auf dem Felsenpfad teilweise höllisch glatt – Wanderstöcke geben uns hier zusätzliche Sicherheit beim Gehen!
Hier gibt es jetzt im Juli auch Pfifferlinge und einige wachsen sogar direkt auf dem steinigen Wanderweg.

Etwas weiter oben erreichen wir dann wieder die geteerte Straße, halten uns aber gleich wieder rechts, wo uns ein Forstweg nach kurzer Strecke zum Kluseplätzle bringt, einem wunderschön und mit viel Liebe angelegten Grill-Platz – sogar mit Brunnen. Von so etwas träumen wir immer, wenn wir mal wieder mit großem Gepäck und Zelt unterwegs sind!

Von hier aus führt uns erst mal ein wenig ansprechender Forstweg aufwärts, der sich jedoch bald wieder „renaturiert“ und zum völlig verwachsenen Pfad entwickelt. Hier wachsen uns nun die Himbeeren fast in den Mund und Claudia kann sich kaum zurückhalten! Warum auch..? Die frühere Angst vor dem Fuchsbandwurm gehört schließlich ins Reich der Fabel, wie wir heute wissen! (Siehe unseren Bericht zum Thema!)
Bald erreichen wir dann wieder einen breiteren Wirtschaftsweg und halten uns auf ihm links. (Achtung: Hier haben wir uns auf dem Rückweg kurz verlaufen, weil wir die Abzweigung übersehen haben. Ich belasse den gut sichtbaren Fehler in der Googlemap, als Mahnung..!)

Schon nach kurzer Strecke stoßen wir dann auf eine weitere Abzweigung, an der wir uns rechts halten. Der Weg beschreibt nun gleich eine S-Kurve und erfordert etwas Aufmerksamkeit, denn unmittelbar nach der Rechtskurve zieht ein unscheinbarer Pfad steil, links hinauf (Zeichen rechts am Baum!) und verlangt in diesem Bereich kurz Trittsicherheit.

Dann kommt es zu einem recht unangenehmen Zwischenfall: Nach etwa 100m Strecke (ab dem breiten Weg), befindet sich das Ausflugsloch eines großes Wespen-Erdnestes mitten auf dem schmalen Pfad! Da ich es nicht als solches erkenne, gehe ich einfach darüber hinweg und aktiviere mit den Erschütterungen meiner Schritte natürlich das Abwehrverhalten der Tiere. Und Claudia, die mir unmittelbar folgt, ist dann auch genau in dem Augenblick über dem Ausflugsloch, als diese Wespen-Armada herausgestürmt kommt!

Ein unglaubliches Brausen erfüllt plötzlich die Luft und als ich mich umdrehe schreit Claudia schon: Sie ist eingehüllt von unzähligen Wespen, die aber erst mal nur völlig unkoordiniert herumschwirren!
„Lauf..!“, rufe ich nur und lasse sie auf dem schmalen Pfad an mir vorbei. Inzwischen wird sie jedoch von den Wespen verfolgt und die Ersten sitzen bereits auf ihrer Kleidung und stechen auch schon!
Das könnte zum richtigen Problem für uns werden, da Claudia gegen Wespenstiche allergisch ist! So verfolge ich sie und schlage mit der Hand die Insekten von ihrer Kleidung – mit dem Erfolg, dass ich nun ebenfalls gestochen werde!

Nach etwa 50m Strecke bleiben die Wespen dann aber zurück und auch wir bleiben wieder stehen. Kurz suchen wir uns noch gegenseitig die Kleidung ab und ziehen Resume:  Jeder hat zwei Stiche abbekommen!
„Glück gehabt..!“, sage ich nur leise, denn das hätte wohl auch ganz anders ausgehen können, bei der Vielzahl der Wespen und einige von ihnen haben uns wohl auch nur in unsere Rucksäcke gestochen!
Während Claudia ihre Stiche gleich mit einem Anti-Allergikum behandelt, gehe ich noch einmal vorsichtig zurück, um ein anderes Wanderer-Ehepaar zu warnen, das uns die ganze Zeit über mit nur wenig Abstand gefolgt war. Ich stoppe die vorausgehende Frau gerade noch rechtzeitig, nur etwa fünf Meter vor dem Nest – sie hatte es nicht bemerkt!
Ich kann nun sehen, wie die Wespen ganz aufgeregt und in großer Zahl direkt über dem großen Ausflugloch (Durchmesser ca. 10 cm!) kreisen und wir ziehen uns gemeinsam wieder auf beiden Seiten zurück. Nachdem die Wanderer das Nest umgangen haben, treffen wir uns mit ihnen etwas später und unterhalten uns kurz über den Vorfall.

Achtung: Ich habe den Standort des Nestes inzwischen an den zuständigen Revierförster gemeldet und der versprach, sich darum zu kümmern. Trotzdem empfehle ich allen Wanderfreunden, sich an dieser Stelle sehr umsichtig zu verhalten! Der ungefähre Standort des Nestes ist in der Google-Map markiert!

Nun folgen wir dem wunderschönen Pfad weiter aufwärts und versuchen das schmerzhafte Brennen der Stiche zu ignorieren. Der Weg hilft uns dabei etwas, denn er erfordert immer wieder unsere volle Aufmerksamkeit: Schmierig und teilweise gerade mal zwanzig Zentimeter breit, führt er durch eine steile Halde im Wald. Hier wird nichts mehr vom Schwarzwald-Verein gepflegt, denn der Weg existiert offiziell gar nicht mehr! Aber genauso wollten wir es ja gerne haben..!

Dann erreichen wir den etwas breiteren Verbindungs-Pfad, der vom Hüttenwasen zur Zastler Hütte hinüber führt. Vorbei an der heute gut besuchten Vesper-Station, halten wir uns gleich wieder rechts hinauf, zum Feldberggipfel. Hier merkt man nun auch wieder, dass heute Sonntag ist und daher viele Menschen am „Berg“ unterwegs sind.

Kurz vor dem Gipfel kommen wir dann auch noch mit anderen Wanderern ins Gespräch und Claudia macht einen von ihnen auf die vielen Preiselbeeren aufmerksam, die hier gerade reifen. Tief ins Heidekraut geduckt, sind sie – trotz ihrer leuchtend roten Farbe – kaum zu sehen.

Am Gipfel herrscht dann wieder mal das übliche Sonntags-Chaos, aber es gelingt uns trotzdem, eine Sitzgelegenheit zu ergattern. So vespern wir hier kurz und nebenbei höre ich von einem anderen Wanderer wohl den Spruch des Jahres: „Nein danke, ich muss mir mal etwas die Beine vertreten..!“ antwortet er mir toternst, als ich ihm einen Sitzplatz anbiete und Claudia prustet natürlich prompt los! Immerhin sind wir hier ja oben, am Feldberggipfel und da muss man schließlich hin laufen..!

Nach unserer kurzen Vesperpause fliehen wir dann eilig hinunter, zur St. Wilhelmer Hütte und begrüßen nur kurz Gabi und Baldur, bevor wir gleich weiterziehen, in Richtung Imisberg. Hier auf der Westseite des Feldberges wird es nun wieder etwas ruhiger und wir genießen das beruhigend „Kling-Klong“ der Kuhglocken, der hier weidenden Jungrinder. Dann ziehen wir fröhlich den schmalen Wurzelpfad zum Hüttenwasen hinunter, der uns durch die reich gedeckten Heidelbeer-Felder des Feldbergs führt.

Am Hüttenwasen halten wir uns rechts, wieder in Richtung Zastler Hütte, folgen aber schon an der nächsten Abzweigung wieder dem Weg links hinunter. Nun müssen wir nur noch auf den schmalen Pfad achten, der uns irgendwann wieder rechts hinunter bringen soll, zu unserem Wespennest. Das müssen wir leider noch ein zweites Mal überwinden, aber nun sind wir ja vorgewarnt.
Ich hole den Garmin heraus, den ich eigentlich immer nur zum Aufzeichnen der GPS-Daten unserer Touren verwende und finde den fast zugewachsenen Pfad mit seiner Hilfe rasch.

Und noch einmal ist Claudia voll in ihrem Element, denn auch hier hat es wieder Waldbeeren ohne Ende: Himbeeren, Heidelbeeren und vollreife, zuckersüße Walderdbeeren. Sie könnte sich da wohl fast „hineinlegen“..!

Dann erreichen wir wieder den Pfad mit dem Wespennest und nähern uns ganz vorsichtig. Trotzdem erkenne ich es auch diesmal erst, als ich schon zwei Meter davor stehe und bereits die ersten Wespen wieder herauskommen. Ich gehe zurück und wir umgehen das Nest weiträumig. Der Rest ist ein Klacks und bald erreichen wir wieder unser Auto auf dem Wanderparkplatz.

Unser Fazit: Ein wunderschöner, stiller Feldbergaufstieg der kaum begangen wird. Vor allem der untere Bereich mit den Zastler Eislöchern ist sehr sehenswert! Für den fühlbaren Aufstieg sollte man eine gewisse Grundkondition besitzen und auch über Trittsicherheit, so wie etwas Orientierungsvermögen verfügen! Karte erforderlich, da der Weg nicht durchgehend ausgeschildert ist!
Der Felsenpfad im Bereich der Zastler Eislöcher ist bei Nässe gefährlich glatt und rutschig, kann jedoch über die (für den Verkehr gesperrte) Straße umgangen werden!

Strecke: Recht anspruchsvolle Rundwanderunger über den Höchsten, und über Imisberg und Hüttenwasen wieder zurück ins Zastlertal.
12,8 Kilometer mit 855 Höhenmeter Dauer: ca 6 Std.

Kleidung: Neben Regenjacken und Regenhosen gehört dazu am Feldberg – neben einem Pulli – auch immer ein Sonnenhütchen! Wer in kurzen Hosen loszieht, der sollte unbedingt auch eine lange Hose zum Wechseln einpacken. Am Feldberg gibt es auch im Sommer – vor allem nach Gewittern – teilweise heftige Temperaturstürze!

Einkehr: Nur in Zastler Hütte und St. Wilhelmer Hütte. Daher unbedingt an ein entsprechendes Vesper und genügend Getränke denken!

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3.

Empfohlener Wanderführer: Faszination Feldberg (5,-€). Zu erhalten im Haus der Natur (auch am Wochenende geöffnet) oder im Buchhandel.
ISBN-13:978-3-9810632-1-9

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

 



Größere Kartenansicht 


Von Hinterzarten zum FeldberggipfelFeldbergaufstieg von Menzenschwand

4 Kommentare »

  • Karola sagt:

    Hallo ihr beiden, da hattet ihr ja wieder einen herrlichen Wandertag, wenn auch mit einiger Aufregung wegen der Wespen.

    Ich kann Claudias Leidenschaft für die Beeren vollends nachvollziehen – die haben frisch aus dem Wald doch ein ganz anderes Aroma als ihre Kulturgenossen. Für mich sind das auch jedes Jahr wieder Kindheitserinnerungen, denn wir haben damals im Harz immer Beeren gesammelt, um Marmelade und leckere Kuchen oder rote Grütze daraus zu machen. Und ich habe noch lebhaft in Erinnerung, dass mein kleines Blechkännle einfach nie voll werden wollte mit den winzigen Heidelbeeren, weil die natürlich alle direkt in den Mund und nicht ins Kännle wanderten 😉

  • Rainer sagt:

    Hallo Karola! Ja, so ein Erlebnis holt auch „Weltmeister“ wieder mal ganz schnell auf den Boden und zeigt uns, wie schnell man doch in eine heikle Situation kommen kann! Aber die Waldbeeren haben uns dann ja rasch wieder „besänftigt“..! 😉

  • Schreiner Eugen sagt:

    Hallo ihr beiden!
    Mit großem Interesse habe ich den Artikel über die Wanderung durchs Zastlertal gelesen.Beeindruckend,nicht nur mit wie viel Herzblut der Artikel geschrieben wurde, sonder auch die schönen Fotos.Gerade die Zeilen über unser „Klusenplätzle“ haben mich sehr gefreut. Der Grillplatz wurde erst vor kurzem durch fleißige Hände der Gemeindearbeiter von Oberried saniert.Ich wünsche euch noch viele eindrucksvolle Wanderungen durch den schönen Schwarzwald.Macht bitte so weiter, damit wir noch viele solche Artikel zu lesen bekommen.
    Viele Grüße aus dem schönen Zastlertal
    Eugen Schreiner Ortsvorsteher von Zastler

  • Rainer sagt:

    Hallo Eugen, herzlichen Dank für Deine netten Zeilen! Das Klusenplätzle muss man einfach erwähnen, so liebevoll wie es hergerichtet worden ist! Ein ganz großes Kompliment von uns, an alle Beteiligten! Und so lange es so aufbauende Kommentare und Mails gibt, wie von Dir, werden wir unsere Artikel auch weiterschreiben, versprochen! Herzliche Grüße!

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