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Über die Hossinger Leiter

29 April 2012 Kein Kommentar

Einmal mehr waren wir mit Wolf und Sabina Herder unterwegs, und natürlich auch wieder in Wolf’s Revier, der Schwäbischen Alb. Wolf ist ausgebildeter Wander-, und Biosphären-Führer und kennt die Alb wie seine Westentasche. Und wenn er unterwegs auch noch über sein Lieblingsgebiet – die Kelten – referieren darf, dann ist er völlig in seinem Element! Ein wandelndes Geschichtsbuch..!

Claudia und Sabina sind ehemalige Kolleginnen aus Stuttgart, und auch Wolf und ich haben längst gemeinsame Interessen gefunden. Alle Vier finden sich dann aber beim verbindenden Hobby, dem Wandern, wieder. Und diesbezüglich ist uns irgendwann aufgefallen, dass beide Paare auch gerne auf den nicht so ganz alltäglichen Routen unterwegs sind..!

Diesmal war Wolf dran, die Tour vorzuschlagen und auszuarbeiten. Und als er vernahm, dass wir noch nie über die Hossinger Leiter gewandert sind, stand das heutige Ziel auch schon fest.

Bei strahlend blauem Himmel fahren wir im Hochschwarzwald los, Treffpunkt ist ein Wanderparkplatz, etwas nördlich von Albstadt-Lautlingen. Geschätzte Fahrzeit 75 Minuten, meint das Navi.
Wir sind mal wieder überpünktlich, aber auch unsere Stuttgarter Wanderfreunde sind bereits vor der Zeit da. Nach der Begrüßung weist uns Wolf dann noch kurz in die von ihm ausgearbeitete Runde ein (eine kleine „Zwanziger“), dann ziehen wir los.

Und sofort bilden sich auch wieder die üblichen beiden Zweiergrüppchen, mit den völlig unterschiedlichen Themen. Aber Wolf’s Aufmerksamkeit verhindert eine allzu intensive Vertiefung darin, schließlich bewegen wir uns hier in einer phantastischen Landschaft, die – neben dem sich gerade voll entfaltenden Frühling – auch geschichtlich noch so einiges zu bieten hat.

Im Hang blühen, neben Sauerklee, Lerchensporn und Veilchen, unzählige Schlüsselblümchen. Aber auch Wald-Bingelkraut und erste Maiglöckchen sehen wir. Wolf kennt sie natürlich alle und weiß meistens auch spontan noch ein Zipperlein, gegen das sie helfen sollen! Und – was Claudia und mich ganz besonders freut – wir finden bereits jetzt überall sprießende Türkenbund-Lilien. Gut zu wissen, das es die hier in solchen Mengen gibt, denn ihrer Blüte wollen wir in diesem Jahr ebenfalls eine eigene Foto-Pirsch widmen!

Dann zieht unser Pfad rechts unter eine beeindruckende Felswand, an deren Ende eine steile Treppe wartet: Die Hossinger Leiter! Wolf weiß zu berichten, dass hier früher einmal ein Wasserfall herabstürzte und nur über eine einfache Holzleiter zu überwinden war, die am Felsen lehnte. Sie war namensgebend führ den heutige Traufgang.

Wir lassen uns bei der Überwindung Zeit und ich schieße nebenher viele Fotos. Der Gedanke, dieses Hinderniss über eine einfache Holzleiter zu durchsteigen, fasziniert mich. Das muss früher wohl noch einmal eine ganz andere Hausnummer von Abenteuer gewesen sein!
Über mehrere Treppen erreichen wir dann eine kleine Schutzhütte, neben der gerade drei andere Wanderer ihre Würstchen grillen. Eine kurze Unterhaltung fördert zu Tage, dass einer von ihnen wohl sogar Claudias Chef kennt – die Welt ist ja so klein..!

Nun führt uns ein traumhafter Felsenpfad weiter aufwärts. Steil zieht er über einen Kamm, durch lichten Buchenwald hinauf, zur Albhochfläche. Oben angekommen, empfängt uns dann ein angenehmer, kräftiger Schönwetterwind (thermischer Wind), der unsere Schweißperlen auf der Stirn rasch wieder trocknet.

An einem Bänklein verschnaufen wir noch kurz und trinken auch etwas Tee, ohne uns dazu hinzusetzen. Nun sind es nämlich nur noch ein paar Meter, bis hinüber zur Hochfläche mit ihren ausgedehnten Wiesen.
Als wir sie kurz darauf erreichen, sehen wir linker Hand Hossingen bereits liegen. Und direkt vor uns wartet der Helmberg mit einem weiteren Anstieg auf uns.

Entlang des Waldrandes ziehen wir nun über einen Wiesenweg aufwärts und bemerken dabei, wie kräftig die Frühjahrssonne inzwischen schon ist. Alle sind daher froh, als wir endlich wieder den lichten Waldschatten erreichen, der ihre Strahlung doch spürbar mildert.

Auch innerhalb des Waldes geht es dann wieder weiter aufwärts, aber die Pfade sind allesamt weich und angenehm zu gehen. Und als hier plötzlich nur ein paar Steine aus dem Boden herausragen, packt Wolf auch sofort wieder „seine Kelten“ aus:
Ungemein detailliert vermag er uns zu zeigen, wo hier früher Wehrstellungen, Gräben und Schanzen verliefen und nur ein wirklich geschultes Auge vermag die Übrigbleibsel überhaupt noch zu erahnen. Gut, dass wir Wolf dabei haben, denn er zaubert uns im Handumdrehen einen virtuellen Plan der ursprünglichen Siedlung, mitten in den Wald hinein. Er ist wirklich unglaublich!

Nach soviel Geschichten um Geschichte hat dann aber auch Wolf Kohldampf. Zwischen Heimberg und Gräbelesberg machen wir – unter eindrucksvoller Kulisse – eine ausgedehnte Vesperpause. Nebenher sehen wir hinunter, nach Lautringen und können sogar unsere geparkten Autos auf halber Höhe erkennen. Ein bequemes Bänklein im Schatten kommt uns dabei natürlich wie gerufen, denn der „Planet“ sticht inzwischen wirklich ordentlich! In weiser Voraussicht hat daher heute sogar Claudia ihr rotes Kopftüchlein gegen den Sonnenhut eingetauscht.

Der weitere Wegverlauf führt uns dann immer am Trauf entlang, über Höllwald und Winterhalde hinweg. Immer wieder genießen wir daher auch phantastische Tiefblicke, hinunter nach Laufen und ins Eyachtal. Aussichtspunkt folgt hier jetzt auf Aussichtspunkt, und wir lassen auch keinen einzigen von ihnen aus. Das muß man ganz einfach einmal selbst erlebt haben, zumal bei diesem wunderbaren Wanderwetter. Was für ein Tag..!

Sogar Claudia wird da plötzlich mutiger und fasst sich das eine, um’s andere Mal ein Herz, um deutlich näher an die Traufkante heran zu gehen, als ich es sonst von ihr gewohnt bin! Inzwischen ziehen wir im Süden um den Talkessel herum und schlagen die grobe Richtung zum Hörnle ein, unserem nächsten Ziel.

Die Albhochfläche hält sich hier nun immer knapp unterhalb von eintausend Meter Höhe und wird von einem stetigen, und angenehm warmen Wind bestrichen. Durch ihn wird die Kraft der Frühjahrssonne subjektiv etwas gemildert, aber Vorsicht: Ungeschützte Haut ist diese Strahlung natürlich nicht mehr gewohnt und färbt sich daher auch alsbald rötlich. Unbedingt Einkremen und ganz besonders auf Kinder achten!!!

Vorbei an einem Kriegerdenkmal, erreichen wir dann das Hörnle. Hier können wir der Einladung von drei Holzliegen nicht widerstehen, aber viel länger als für ein Foto, reicht unsere Zeit dafür nicht mehr. Claudia und Sabina widmen sich noch kurz einem Gedenkstein, der an einen verunglückten Radfahrer erinnert, während ich mit Wolf noch ein paar Fotos direkt am Trauf mache. Von hier aus sehen wir direkt hinüber, auf Albstadt-Ebingen.

Dann sammeln wir uns wieder und ziehen weiter, in Richtung der Autos. Bis dorthin ist es noch ein ordentliches Stück Weg und inzwischen spüren wir auch alle schon die bisherige Tour in den Beinen. Und das Beste kommt natürlich wieder zum Schluß: Der wahnsinnig steile Abstieg, hinunter ins Eyachtal!
Davon werden wir aber vorerst noch einmal abgelenkt, weil plötzlich ein Schwalbenschwanz an uns vorbeiflattert und sich auf einer Schlüsselblume niederlässt.

Ich werfe, nach einem kurzen Zuruf, Claudia meine Brille – im weichen Gras – direkt vor die Füße und wechsle nebenher das Objektiv. Dann folge ich dem großen Schmetterling vorsichtig von Blüte, zu Blüte. Leider ist er aber stets so unruhig, dass mir nicht ein einziges, wirklich scharfes Bild gelingt. Aber das Herz erfreut sein seltener Anblick dennoch, daher möchte ich ihn Euch auch nicht vorenthalten.

Dann verlassen wir die Albhochfläche aber endgültig und ziehen durch die Waldhalde hinunter, ins Tal. Noch einmal erhaschen wir dabei einen schönen Blick, auf den weiteren Wegverlauf.
Wir ziehen nun nur noch durch die Halde hinunter nach Laufen und halten uns dann immer rechts der Bahnlinie, bis nach Lautlingen. Dort gehts dann halt nochmal etwas den Hang hinauf, zum Auto. Insgesamt nur noch etwa 7 Kilometer..!„, meinte Wolf locker. (In Worten S I E B E N..!)

Dann steigt uns aber ein wohlbekannter Geruch in die Nase und lenkt uns erst mal von den Kilometern ab: Bärlauch! Unter uns ist der ganze Wald voll davon und bald führt uns unser Pfad auch mitten durch ihn hindurch. Und während Claudia (ganz dezent) etwas die Nase rümpft, meint Sabina plötzlich toternst: „Ich bekomme Hunger..!

Der Abstieg wird nun aber rasch noch etwas steiler und vertreibt damit sowohl jede Abneigung gegen, als auch jede Liebe für Knoblauch. Noch einmal müssen wir uns nämlich richtig auf den Weg konzentrieren und so ist dann bald auch jeder nur noch mit sich selbst und dem Abstieg beschäftigt.
Und nicht nur ich bin inzwischen leise am Stöhnen, auch Sabina hat ein paar Probleme mit ihren Knien. Sie hat den Augenblick verpasst, an dem sie ihre Bandagen hätte anlegen sollen. Und jetzt – bereits mittendrin – ist ohnehin schon alles egal..!

Wolf, der immer vorausgeht, muss nun immer häufiger warten. Unsere kleine Gruppe zieht sich immer weiter auseinander. Ich nutze meine Zwangspausen meist zum Fotografieren, so bekommen wir auch vom Abstieg noch ein paar gute Fotos. Aber leider schwindet hier unten, im Wald das Licht nun zusehends. Noch ein, zwei Fotos, dann packe ich die Canon endgültig weg.

Ich hoffe inzwischen ebenfalls, dass es weiter unten besser wird und nicht mehr ganz so steil ist, aber als wir die ersten Häuser von Laufen erreichen, kommt nur noch Asphalt dazu. So sind Sabina und ich nur noch froh, als wir endlich wirklich „unten“ sind und an der Bahnlinie nach rechts abbiegen. Noch zweieinhalb Kilometer bis Lautlingen und dann noch einmal anderthalb, bis hinauf, zum Auto.
Als wir dort ankommen, sind wir dann richtig platt. Aber auch genauso mit uns zufrieden, denn Wolf hat uns eine ganz, ganz tolle Tour ausgearbeitet. Sie war zwar anstrengend, aber klasse – sehr zum Nachwandern empfohlen!
Und meine Probleme von unterwegs? Längst vergessen..! (Nach einer FSME-Impfung sollte man eben auch etwas „langsamer“ machen..!)

Unser Fazit: Eine wirklich tolle Tour für Wanderer mit guter Grundkondition! Die Strecke verläuft sehr abwechslungsreich durch Wald und über die Wiesen der Albhochfläche. Genügend Flüssigkeit und ein Vesper mitnehmen, da unterwegs keine Einkehrmöglichkeit besteht!

Strecke: 19,2 Kilometer – 592 Höhenmeter im Anstieg – ca. 8,0 Std.

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