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Tortur für jede Kamera – Fotografieren unter dem „Taupunkt“

7 September 2009 Kein Kommentar

Morgentlicher Tau im Gras - wehe, wenn erst mal die Kamera so aussieht..!Wer, wie wir, auch im Winter draußen fotografiert, kennt das Problem nur zu gut: die Kamera mit hinaus zu nehmen, in die Kälte, ist kein Problem. Sie anschließend aber wieder zurück bringen, in die „Wärme“, hingegen schon. Dabei wird sie nämlich genauso nass, wie eine Flasche Bier, die man eben aus dem Kühlschrank geholt hat!

Warum das so ist, und wie ein kleiner Trick Eurer Kamera diesen Gang durch die „Waschküche“ ersparen kann, erfahrt Ihr in diesem Bericht.

Bei sensiblen Kameras können nasse Elektronikteile leicht zu Prozessor-Schäden führen, denn für solche „Waschgänge“ sind sie natürlich nicht ausgelegt. Und auch die dadurch entstehende Korrosion (Rost!) ist ein ernstes Problem, denn die Kamera beschlägt ja nicht nur außen, sondern auch „innen“. Überall dort eben, wo sie nicht luftdicht versiegelt ist. SLRs zusätzlich noch innerhalb der Objektiv-Bajonette und somit kommt es auch dort zur Kondenswasser-Bildung an Spiegel, Sensor und den Objektiv-Innenseiten!

Wann genau kommt es aber eigentlich zu dieser Kondensation von Luftfeuchtigkeit auf kalten Flächen? Das Stichwort heißt „Taupunkt„. Hier einmal die Kurzfassung davon:

Vereinfacht erklärt, besteht unsere Atemluft aus den Gasen Stickstoff und Sauerstoff, so wie Wasserdampf. Dieser Feuchtigkeits-Anteil der Luft schwankt jedoch, da die Luft mit steigender Temperatur auch immer mehr Wasser aufnimmt. Die relative Luftfeuchtigkeit besagt, wie hoch ihre jeweilige Sättigung ist. Sie hat jedoch keinerlei Aussagekraft über die absolute Feuchte in g/m³.

Der Taupunkt selbst ist ein rein rechnerischer Wert, der uns vorhersagt, bei welcher Temperatur die relative Luftfeuchtigkeit 100% (!) betragen wird. Und mit dem Erreichen dieser 100 Prozent, kondensiert dann auch das in der Luft enthaltene Wasser auf allen Oberflächen dieser Temperatur und es entsteht der allseits bekannte „Tau“.

Gehen wir mit der Kamera in die Kälte hinaus, dann ist sie noch „warm“. Ihre Eigentemperatur liegt somit weit über diesem Taupunkt und somit besteht auch keinerlei Gefahr einer Kondensation. Wenn sie sich aber erst einmal dieser Außentemperatur angeglichen hat, besteht immer dann Kondenswasser-Gefahr, wenn wir mit ihr in wärmere Räume zurückkehren. Also zum Beispiel beim Einsteigen ins Auto, oder auch beim Betreten von Gebäuden! Dann geschieht mit der Kamera nämlich genau dasselbe, wie mit einer kalten Flasche Bier, die wir aus dem Kühlschrank holen: ihre Oberflächen-Temperatur unterschreitet den Taupunkt der warmen Raumluft und somit schlägt sich auf ihr auch sofort die Luftfeuchtigkeit nieder!

Die wenigsten Fotografen werden dieses Beschlagen ihrer Kameras aber überhaupt je bemerken, da die ja meist in ihren Taschen verpackt und so auch vor unseren Blicken verborgen sind. Und unter ganz normalen „Arbeits-Bedingungen“ ist dieses Beschlagen auch nicht tragisch, da es sich dann  höchstens mal um einen leichten „Hauch“ von Wasserdampf handelt.

Claudia bei -12°C vor dem Bismarck-Denkmal am Feldberg. Der Sturm hat eine blanke Eisplatte hinterlassen, auf der sie sich nur mit den Eiskrallen halten konnte!

Extremer Härtetest für jede Kamera: das anschließende „(Rück-)Aklimatisieren“ auf Raumtemperatur: von -12°C auf +21°C!

Ganz anders jedoch, wenn die Foto-Ausrüstung erst einmal so richtig durchgekühlt ist. Nach mehrstündigem Schneeschuh- Wandern am Feldberg, bei unter -12°C, war meine Kamera anschließend im Auto plötzlich so nass gewesen, als hätte ich sie gerade aus dem Wasser gezogen. Ich hatte mich von dieser heftigen Kondensation völlig überraschen lassen und kam dann natürlich auch mit dem Abtrocknen überhaupt nicht mehr hinterher! (Versucht doch mal -im Sommer- eine kalte Flasche Bier aus dem Kühlschrank, mit einem Handtuch trocken zu halten!) Bei derart hohen Temperatur-Unterschieden gilt es also sehr wohl, Vorsorge zu treffen, weil die Kamera sonst beim Erwärmen gefährlich lange (nass!) unterhalb des Taupunktes der warmen Raumluft bleibt, bis sich ihre Temperatur endlich wieder angeglichen hat!

Wie kann man dieses „Nasswerden“ aber nun eigentlich verhindern? Im Prinzip ganz einfach – es muss jedoch alles noch draußen, innerhalb der „Kälte“, geschehen!

Entnehmt als erstes die SD-Card aus der Kamera und steckt sie in Eure Hosentasche. Dort wird sie am schnellsten warm, ohne der Kondensation eine Chance zu geben. So könnt Ihr die Bilder später hochladen, ohne die Kamera selbst einer Gefahr auszusetzen. Dann packt Kamera und Objektive (am Besten einzeln und mit möglichst wenig Luft) in kleine Plastiktüten und bindet diese, mit Gummis, dicht zu. Das muss aber unbedingt noch draußen geschehen, bevor Ihr ins Auto einsteigt, da schon durch unsere feuchtwarme Ausatemluft, die absolute Feuchte innerhalb des Fahrzeuges, schnell ansteigen wird! Und genau diese „zusätzliche“ Luftfeuchtigkeit, darf nun natürlich, auf gar keinen Fall, mit in diese Tüten hinein! Es darf also auch nichts „Feuchtes“ mit in sie hinein gepackt werden, wie z. B. die Kamera-Tasche, oder Handtücher als Polstermaterial, mit denen man sich vielleicht zuvor die Hände abgetrocknet hat!

Zur Erklärung: die jetzt hermetisch abgeschlossene Luftmenge (kühler Außenluft) innerhalb der Tüten, hat – aufgrund ihrer geringeren, absoluten Feuchte – einen Taupunkt, der sehr deutlich unterhalb der aktuellen Kamera-Temperatur liegt. Erwärmt sich diese abgeschlossene Luftmenge nun, sinkt(!) gleichzeitig der Wert ihrer relativen Luftfeuchtigkeit, da von ihr dabei keine zusätzliche Feuchtigkeit aufgenommen werden kann! Dadurch bleibt jedoch auch ihr Taupunkt (100% relative Luftfeuchtigkeit!) fast unverändert tief und kann von der Kamera, die inzwischen ja ebenfalls immer „wärmer“ wird, überhaupt nicht mehr erreichen werden. Im Gegenteil, sie entfernt sich nun immer weiter von ihm!

Ein Rechen-Beispiel zur Veranschaulichung:

Außentemperatur 0,0°C / relative Luftfeuchtigkeit 60% / absolute Feuchte: 2,9g/m³, Taupunkt: -6,8°C

Wird nun die Plastiktüte (mit der ebenfalls 0°C kalten Kamera!) hermetisch verschlossen, dann werden sich beim Erwärmen die atmosphärischen Bedingungen in ihr wie folgt verändern:

  • Bei einer Erwärmung auf 5,0°C – relative Luftfeuchtigkeit: 42% / Taupunkt: -6,8°C
  • Bei einer Erwärmung auf 10,0°C – relative Luftfeuchtigkeit: 31% / Taupunkt: -6,3°C
  • Bei einer Erwärmung auf 20,0°C – relative Luftfeuchtigkeit: 17% / Taupunkt: -5,8°C (!)

Die absolute Feuchte von 2,9g/m³ bleibt dabei immer gleich, da keinerlei Ausgleich stattfinden kann! Da die Kamera in unserem Beispiel aber „nur“ auf 0°C abgekühlt war, kann sie den Taupunkt (der ja deutlich im Minusbereich liegt) während der Aklimatisierung überhaupt nicht mehr erreichen und bleibt somit trocken!

Die absolute Feuchte der Luft innerhalb des Autos wird jedoch rasant ansteigen und mit ihr natürlich auch der Taupunkt. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von nur 60% und einer Erwärmung auf +20°C, schon auf +12°C(!) Und auch die absolute Feuchte wird sich dabei von 2,9g/m³, auf 10,4g/m³ verdreifachen. Schon sehr bald werden daher alle Ausrüstungsgegenstände innerhalb des Autos, die 12°C kalt, oder kälter sind, mit Kondenswasser überzogen sein. Vielleicht auch unsere Plastiksäckchen, mit der Fotoausrüstung. Aber eben nur von außen! Innen hingegen ist und bleibt alles schön trocken!

Wenn sich die Foto-Ausrüstung dann zu Hause wieder der normalen Raumtemperatur angepasst hat, könnt Ihr die Säckchen wieder abnehmen und habt ihr den Gang durch die „Waschküche“ für diesmal erspart. Sie wird es Euch bestimmt danken!

Hier abschließend noch ein Link, über den Ihr den jeweils aktuellen Taupunkt berechnen könnt. Ist mal ganz interessant, ein wenig damit herum zu spielen!

Seit meinem prägenden Erlebnis, nach dieser Schneeschuh-Wanderung, habe ich übrigens immer ein paar „Gefrierbeutel“ mit Gummis in meiner Fototasche dabei. Die wiegen fast nichts, beruhigen aber doch ungemein! Und in wenigen Wochen ist es ja schon wieder so weit – Schneeschuh-Wandern..! 


Wanderfotos: Wohin unterwegs nur mit dem Stativ..?

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