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Tolle Tour über eine weitere Rhein-Insel

3 April 2012 Kein Kommentar

Der Wetterbericht verheißt für heute nur Gutes: Am Oberrhein 20°C, bei blauem Himmel und Sonnenschein!
Nichts, wie hin..!„,  dachten wir uns da natürlich sofort und machten uns auf, dem Frühling ein weiteres Mal entgegen zu gehen. Und mit der Entscheidung, uns dafür die Rheininsel zwischen Sasbach und Marckolsheim (F) auszusuchen, hatten wir auch dieses Mal wieder den richtigen Riecher.

Im Hochschwarzwald liegen immer noch letzte Schneereste, als wir in Richtung Kaiserstuhl fahren. Aber er ist inzwischen nicht mehr ansehnlich – grau und schmutzig!
Nein.., jetzt ist’s genug..!„, meint Claudia dann auch und schaut sehnsüchtig hinüber, zu den Vogesen. Von der B500 aus sind die deutlich zu sehen. Und auch die weißen Häubchen, die ihre höchsten Gipfel ebenfalls noch tragen.

Eine gute Stunde Fahrzeit bringt uns an die Rheinbrücke zwischen Sasbach und Wyhl, und mit ihrem Überfahren sind wir bereits in Frankreich. (Vorsicht mit den Handys – Roaming-Gebühren!) Wir überfahren auch noch die zweite Brücke und parken dann direkt hinter der Schleuse, auf der linken Seite. Hier sind kostenlose Parkplätze angelegt.

Der Garmin erinnert mich daran, dass ich noch immer keine französische Karte hinterlegt habe. Er zeigt nur einen weißen Hintergrund an! Aber das ist kein Problem, schließlich orientieren wir uns anhand der Wanderkarte und nutzen ihn nur dazu, den GPS-Track für die Googlemap aufzuzeichnen.

Schau mal..!„, frotzle ich aber und zeige Claudia das Display. „Auch Frankreich ist nur ein weißer Fleck auf der Landkarte..!

Unsere Nachbarn mögen mir den Unfug verzeihen, denn wir sind natürlich sehr gerne in Frankreich und werden auch in diesem Jahr wieder ausführlich über Wanderungen im Elsass und den Vogesen berichten.

Nachdem dann die Wanderstiefel geschnürt und die Fototaschen, samt den Rucksäcken geschultert sind, folgen wir der Straße ein paar Meter zurück. Rechts verlässt gerade ein Schiff die Schleuse und ein Blick nach links zeigt uns den gewaltigen Höhenunterschied, den die Anlage hier bewältigt!

Hinter der Schleuse folgen wir dann gleich der Straße nach rechts und abwärts. Sie verlässt hier das Niveau des Kanals und führt uns hinunter, zu den Altwassern der Rheininsel, die um einige Meter tiefer liegen. Unten bleiben wir dann erst mal auf dem Asphalt und erreichen so nach wenigen hundert Metern – direkt nach der zweiten Brücke – den Einstieg in unseren Wanderweg.

Hier sind wir einen Augenblick ratlos, denn wir würden instinktiv den mittleren Weg nehmen. Die Karte ist jedoch eindeutig und weist uns nach rechts! So folgen wir eben diesem Weg und werden schon nach wenigen Metern von einem typischen Auwald aufgenommen, der teilweise schon fast an Urwald erinnert. Und auch daran, dass sich die Wildschwein-Population in Gallien seit Asterix und Obelix wohl schon wieder recht gut erholt zu haben scheint: Überall ist der Waldboden von ihnen nämlich – deutlich sichtbar – umgegraben!

Nach einiger Zeit durch dichten Auwald, erreichen wir eine große Wiese. Inzwischen ist uns schon ordentlich warm geworden und Claudia nimmt den Rucksack ab, um sich ihrer Jacke zu entledigen. Doch, hier herrscht wirklich schon richtig Frühling..!

Aber noch etwas sollte man diesbezüglich vielleicht beachten, weshalb ich auch hier darauf aufmerksam machen möchte:
Selbst hier, auf der relativ kleinen Rheininsel, scheinen wohl zwei völlig unterschiedliche Klima-Zonen zu bestehen. Ist hier nun auf den ersten Bildern noch relativ wenig Grün zu sehen, wird es nur zwei Kilometer weiter im Süden, schon deutlich ausgeprägter sein! (Beachtet dazu einmal das Gras auf den Fotos!)

Leider scheint aber doch unsere Karte nicht mehr ganz aktuell zu sein, denn der eingezeichnete Pfad verliert sich in der Wiese nun völlig und der Versuch, wenigstens seiner ungefähren Richtung zu folgen, endet vor einer dichten ausgedehnten Schlehenhecke: Rien ne va plus..!

Dafür finden sich hier nun ein paar tolle Fotomotive und die entschädigen uns dann auch absolut für den Lapsus: Zuerst ist Claudia wieder mal völlig im Glück, weil sie Misteln so tief vor sich hat, dass sie in ihrer „Reichweite“ liegen. Manche Dinge möchte sie einfach gerne anfassen dürfen!

Dann passieren wir mehrere blühende (wilde) Kirschbäume, und die Schlehenblüte wird bald so dicht und gewaltig, dass mich ihr gleißendes Weiß – trotz der Sonnenbrille – blendet!

Wir schießen die entsprechenden Fotos, dann drehe ich mich einmal im Kreis, um den Ausweg aus der Schlehen-Falle zu finden. Wir ziehen nach Rechts, denn dort können wir den hohen Damm des Kanals über den Hecken erkennen und wissen, an seinem Fuß verläuft ein Weg. Dieser wird uns dann unweigerlich auch wieder zu den Querwegen führen, die von unserem eigentlichen Wanderweg wegführen. Zumindest sind diese in der Karte verzeichnet.
Im trockenen Gras streben wir so nach Westen und achten darauf, keine der vielen Veilchen zu zertreten, die sich hier verstecken.

Am beeindruckend hohen Damm angekommen, halten wir uns auf dem Weg nun links und sind froh, manchmal etwas Schatten durch den, links von uns gelegenen, Wald zu erhalten. Die Sonne sticht inzwischen kräftig und Claudia cremt sich Gesicht und Arme ein.
Nach kurzer Strecke öffnet sich dann links der Weg, nach dem wir gesucht haben. Er sollte uns nun zurück bringen auf den Pfad, der eigentlich über einem Damm verlaufen sollte. Zumindest sagt das unsere Karte.

Wir folgen dem Weg und bewundern auch hier wieder die unglaublichen Erdarbeiten der Wildschweine. Auf dieser Rheininsel müssen wirklich unzählige von ihnen leben, so wie der Wald hier umgegraben ist!

Das lässt uns gleichzeitig aber auch etwas vorsichtiger sein, denn zwischen März und Mai werfen die Bachen ihre Jungen und wir haben absolut kein Interesse daran, eine von ihnen in ihrem Wurfkessel aufzuscheuchen! Denn das könnte für uns übel ausgehen!

Als wir dann auf unseren gesuchten Damm, mit dem Pfad stoßen, wundern wir uns nicht mehr, dass wir ihn verloren haben: Es ist nur noch ein kaum sichtbarer Erdhügel in dichtem Gestrüpp, mit Wildschweinspuren darauf. Der ehemalige Pfad ist inzwischen zum Wildwechsel degeneriert. So bleiben wir dann auch lieber auf unserem derzeitigen Weg, der die Insel vom Kanal, bis zum Altrhein durchquert.

Drüben, am Altwasser scheint der Frühling dann aber plötzlich viel weiter zu sein. Das Gras ist saftig grün und auch die Knospen und Blätter der Büsche und Bäume sind hier bereits deutlich größer, als bisher auf der anderen Inselseite!

Nun sind wir nun aber an einem Punkt unserer Wanderung angekommen, an dem wir – zu dieser Zeit – eigentlich noch nicht sein sollten: Hier würde später nämlich unser Rückweg vorbei führen! Während wir dem Altwasser flussaufwärts folgen, beratschlagen wir noch über die weitere Vorgehensweise. Da sehe ich plötzlich rechts eine schmalen Weg in den Auwald hinein führen.
Könnten wir über ihn zum Kanal, auf der anderen Seite der Insel, zurück kommen, dann wäre das für uns natürlich optimal.

Wir streifen also erneut in den Auwald hinein und ich bemerke, wie ich sofort wieder deutlich wachsamer werde und auch viel bedächtiger gehe. Doch, ich habe durchaus Respekt vor den Schwarzkitteln und wahrscheinlich werden wir von denen ohnehin längst beobachtet!
Dann hört der Weg auf dem Damm aber ganz unvermittelt auf und nur ein grüner, an einen Baum gemalter Strich, zeigt rechts auf einen schmalen Pfad hinunter. Weg, oder Wildwechsel..?

Ich suche mit den Augen in der dicht bewachsenen Senke noch nach dem weiteren Wegverlauf, als Claudia die nächsten Richtungs-Pfeile entdeckt. Der Pfad scheint zwar sehr schmal, aber trotzdem „ausgeschildert“ zu sein. Zudem führt er auch noch in die richtige Richtung. Und da sich (hoffentlich) keiner ohne trifftigen Grund die Mühe macht den Wald anzumalen, entschließen wir uns, den Pfeilen zu folgen.

Sollte der die Markierungen für die Wildschweine angebracht haben, dann soll ihn der Teufel holen..!„, flachse ich, an Claudia gewandt, während ich losziehe.

Nach kurzer Strecke erreichen wir einen kleinen Tümpel, dessen Randbereiche ebenfalls wieder deutliche Spuren der Schweine aufweisen: Hier haben sie sich gesuhlt..!
Dann aber eine kleine Abwechslung, die auch die innere Anspannung etwas von uns abfallen läßt. Nur wenige Meter von uns entfernt, sitzt ein großer Buntspecht an einem Baumstamm und schaut uns neugierig an.
Claudia ist völlig im Glück: So nah war sie bisher noch keinem Buntspecht gekommen! Das Rot-Weiß seines Gefieders glüht richtiggehend, im doch noch relativ farblosen Frühlingswald.

Dann erreichen wir endlich wieder die andere Inselseite und erklimmen dort den Damm, hinauf zum Kanal. Wir haben uns inzwischen entschlossen, die Südspitze der Insel über die schmalen Straße auf dem Damm zu erreichen.
Hier oben ist es aber so schön, dass Claudia die Gelegenheit spontan ergreift um sich kurz in die Sonne zu setzen. Es ist aber auch ein Wetter zum Helden-Zeugen..!

Dann ziehen wir zügig zur Insel-Südspitze und nehmen unterhalb des Wehres gleich den ersten Weg links, hinunter zum Altwasser. (Zur Info: Der Wasserspiegel des Kanals wird hier durch ein Stauwehr – für die Schifffahrt – künstlich hoch gehalten!)
Hier setzen wir uns auf die großen Steine am Fluß-Ufer und packen Tee und Vesper aus, denn inzwischen knurrt uns beiden der Magen.

Von hier aus führt unser Weg nun nur noch am Ufer des Altrheins entlang, bis zur Rheinbrücke an der Schleuse, wo unser Auto parkt.

Irgendwie fehlt mir heute etwas..!„, schmunzelt Claudia dann plötzlich, während des Vesperns.
Die Höhenmeter etwa..?„, rate ich spontan und ihr Lachen gibt mir Recht. Ich kenne sie halt! Insgesamt 62 sind es nur, verrät mir der Garmin später zu Hause. Zu wenige, um ein sinnvolles Höhendiagramm davon online zu stellen!

Nachdem wir uns gestärkt haben, packt Claudia noch ihren neuen Sonnenhut aus und wir ziehen los. Nun haben wir die Sonne immer im Rücken, was – trotz unserer Polbrillen – sehr angenehm ist.

Der Anblick von Claudia ist – ohne ihr Kopftuch – dann doch etwas gewöhnungsbedürftig. Aber der neue Sonnenhut bietet natürlich deutlich mehr Schutz und das ist gut so!

Der Weg verläuft nun topfeben und immer in unmittelbarer Ufernähe. So können wir im – erstaunlich klaren – Wasser immer wieder Fische und natürlich auch viele Wasservögel beobachten. Neben den obligatorischen Enten und Schwänen auch noch Blesshühner und Komorane. Letztere sind leider ziemlich scheu und geben mir kaum eine Chance, sie auf einem Foto einzufangen. Erst ganz zum Schluss gelingt mir doch noch ein grenzwertiger Schnappschuss mit dem 250er Tele, an einem Stauwehr. Da machen es einem die Schwäne schon deutlich leichter.

Danach gibt es nicht mehr viel zu fotografieren und daher auch nicht mehr viel erzählen. Irgendwann folgen wir dem Fahrweg wieder links hinauf, zur Straße und erreichen dort die Schleusenanlage.

Hier fährt gerade ein ziemlich dicker Pott in die Anlage ein, als wir die Anlage passieren und ich bin völlig fasziniert davon, wie dieser überhaupt in die Kammer hineinpasst.
Ganz langsam schiebt er sich in die Schleusenkammer hinein und als er abzusinken beginnt, geht mir plötzlich der Begriff Vaseline nicht mehr aus dem Kopf. Hier geht es wirklich nur um Zentimeter!

Dann erreichen wir endlich unser Auto und ich bin froh, aus den Stiefeln zu kommen. Heute war der erste, richtig warme Tag und meine Füße scheinen doch ziemlich aufgelaufen zu sein. Warum bin ich eigentlich unterwegs nicht auf die Idee gekommen, sie etwas lockerer zu machen?

Keine Ahnung, aber der Wandertag selbst war mal wieder so richtig Klasse! Und die Rheininsel ist ebenfalls mal wieder ein echter Geheimtipp, nicht nur für den Frühlings-Ausflug. Im Sommer solltet Ihr aber unbedingt die Badehose und ein Handtuch einpacken..!


Unser Fazit: Tolle Frühlingstour über eine weitere Rheininsel. Kaum anstrengend, da keine nennenswerte Höhenunterschiede zu bewältigen sind. Aber Achtung: Keinesfalls den Wildschweinen zu nahe kommen, die es hier wirklich in Massen zu geben scheint!

Strecke: 13,6 Kilometer  Anstieg: 61 Höhenmeter(!)  Dauer: ca. 6 Stunden (mit dem Fotoapparat!)

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