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Spaziergang in einem Biotop – „Ile de Rhinau“

8 April 2011 2 Kommentare

Einmal eine Wanderung auf einer Insel, mitten im Rhein zu unternehmen – davon träumen wir eigentlich schon lange! Und wenn man das dann auch noch Anfang April macht, geht man auch dem Frühling gleich noch mal ein paar Wochen entgegen.
Wir haben diese Tour (knapp 9,0 km mit ganzen 29! Höhenmetern) ohne Rucksack und Stöcke absolviert, was im Nachhinein schade war. Denn hätten wir ein Vesper und Tee dabei gehabt, dann wären wir bestimmt auch noch an einem idyllischen Pausen-Plätzchen „hängen geblieben“!

Von Freiburg aus ist die Anfahrt einfach: Über die A5 nach Riegel, dann bei Sasbach über den Rhein und am ersten Kreisverkehr ist Diebolsheim dann auch schon angeschrieben.

Als wir am Rheinkraftwerk die Staustufe überwinden (man kann direkt auf der Ile de Rhinau parken!), kocht unter uns das Wasser: das E-Werk arbeitet offensichtlich gerade mit voller Kraft! Laut Rother-Wanderführer ist das Kraftwerk selbst ebenfalls zu besichtigen und zudem auch noch eine (nennenswerte!) Kunstausstellung beherbergen.

Man möge uns verzeihen, aber das Wetter ist heute einfach viel zu schön, um in ein Gebäude hinein zu gehen – blauer Himmel und Sonnenschein!
Wir parken das Auto gleich hinter der Schleusse und folgen dann dem geteerten Weg entlang des Grand Canal d‘ Alsace. Oberhalb des Schiffs-Hebewerkes warten mehrere Frachtschiffe auf ihre Abfertigung, so dass wir ganz nahe an ihnen vorbei kommen.
Der Schiffahrts-Kanal liegt hier um einiges höher, als das eigentliche Niveau der Rheininsel. So wird weiter unten auch deutlich vor schnell steigendem Hochwasser gewarnt! Die Wege stehen dann etwa 1,80m unter Wasser, wie ein Foto auf einer Tafel zeigt! Aber das ist heute wohl nicht zu befürchten.

Wir schlendern auf dem Deich fröhlich stromaufwärts und genießen dabei die tolle Atmosphäre. Nach etwa dreihundert Meter führt links ein Schotterweg steil hinunter, zum Auwald. Dort folgt er im Schatten des Waldrandes dann ebenfalls dem Deich bis zu der Abzweigung, in knapp vier Kilometern Entfernung, die uns dann durch den Auwald hindurch führen wird, zum alten Bett des Rhein.
Aufgrund des tollen Wetters und der beeindruckenden Atmosphäre auf dem Deich, beschließen wir kurzfristig, die ganze Strecke hier oben zurück zu legen. Irgendwie werden wir da vorne dann schon wieder auf den eigentlichen Spazierweg hinunter kommen.

So schlendern wir eine knappe Stunde stromaufwärts und sehen dann unten einige Schilder am Waldrand stehen. Dort führt ein breiter Wanderweg in den Wald hinein und wir haben Glück: Auch ein schmaler Trampelpfad führt hier die steile, innere Deich-Seite hinunter.

Kaum sind wir unten angekommen, empfängt uns ein unbeschreiblicher Duft nach Frühling und unzähligen Blüten. Vergleichbar intensiv, als ob man gerade in eine Küche hinein gekommen wäre!
Während bei uns im Hochschwarzwald die Bäume zur Zeit gerade mal Knospen tragen, ist hier in der Rheinebene jetzt schon alles „offen“ und grün – phantastisch! Ein Unterschied, als ob man eben irgendwohin, in den Urlaub geflogen wäre!

Nachdem wir uns die Warnschilder angesehen haben, nimmt uns unten ein schattiger Weg auf und führt uns hinüber, zum alten (nicht schiffbaren) Rheinbett. Hier taucht man plötzlich in eine völlig neue Welt ein und uns wird schlagartig bewusst, wie „steril“ doch diese menschen-geschaffene Deichlandschaft ist, über die wir uns gerade eben noch bewegt haben! Hier unten hingegen bewegt man sich vergleichsweise direkt in einem Urwald – was für ein Gegensatz!

Links und rechts des Weges liegen Altwasser, voller Leben. Schon vom Weg aus sehen wir einige Frösche still im Wasser sitzen und als wir vorsichtig zum Ufer gehen, kommt dann erst so richtig Bewegung ins Gras: Unzählige Frösche bringen sich im Wasser in Sicherheit. Das bringt mich dazu, die im Wasser liegenden Baumstämme genauer abzusuchen: Wo es so viele Frösche hat, muss es ganz bestimmt auch Ringelnattern geben..!
Aber auch die Luft ist voller Leben. Unzählige Schmetterlinge (Pfauenaugen, Aurora-Falter und Kohlweißlinge) und Wildbienen fliegen um uns herum. Sie finden hier wohl alle noch ihren ganz natürlichen Lebensraum. Etwas weiter überqueren wir eine verrohrte Furt (kleine Brücke) und müssen ganz einfach wieder verweilen, um zu fotografieren – welch ein Idyll!

Dann lässt uns ein unglaublich intensiver Blütenduft aufmerksam werden. Hier direkt am Wegrand stehen weißblühende Büsche, die ich nicht sofort identifizieren kann: Faulbaum, oder doch Traubenkirsche? Ich vermute ersteres, bin mir jedoch nicht ganz sicher denn die Traubenkirsche hat – meiner Meinung nach – eigentlich vollere Blütenkerzen. Aber – Gott sei Dank – gibt es ja Wikipedia und so ist zu Hause dann schnell klar: Es handelt sich tatsächlich um die Traubenkirsche!

Dann erreichen wir auf der anderen Seite wieder das offene Wasser, den Rhein. Nur wenige Meter flussabwärts befindet sich ein Stauwehr und darin integriert, eine Fischtreppe. Wir sehen sie uns natürlich genauer an, können jedoch keine „Wanderer“ wahrnehmen. Vielleicht die falsche Jahreszeit um Lachse zu sehen, die es im Rhein ja inzwischen wieder geben soll?

Aber auch hier, direkt am Wehr ist alles voller Leben: Viele kleinere Zauneidechsen sonnen sich auf dem schwarzen Asphalt neben der Staustufe, während sich im Wasser Schwäne und Enten gemütlich dahintreiben lassen.
Wir schauen hinüber, aufs andere Rheinufer: Dort ist Deutschland und was die Auwälder angeht, nicht weniger schön!

Eigentlich hat man gar nicht das Gefühl, auf einer „Insel“ zu sein, und trotzdem ist – was die Natur angeht – alles anders. Man nimmt sie viel intensiver wahr – genauso, als ob sie uns hier einmal zeigen wollte, wie es sein könnte..!

Wir ziehen weiter und erreichen einige Zeit später ein rustikales Brücklein. Hier führt uns der Weg wieder vom Rhein weg, ins „Insel-Innere“. Trotzdem gehen wir die ganze Zeit am Wasser entlang. Man hat ständig das Gefühl, sich inmitten eines großen Biotopes zu bewegen. Ganz anders, als wir das sonst von unseren Exkursionen gewohnt sind.

Nicht weit vom Weg entfernt, auf einer künstlichen Insel, brütet ein Schwan. Er ist gerade dabei, sich Daunen auszurupfen, um damit das Nest auszupolstern. Als ich etwas näher an ihn heran gehe, hält er damit inne und beobachtet mich aufmerksam. Noch ein Foto, und ich ziehe mich wieder zurück. Ich möchte ihn nicht stören und schon gar nicht riskieren, den Beschützerinstinkt des Männchens zu wecken, das sich sicherlich nicht weit weg befindet.

An einer Abzweigung folgen wir dem Wegweiser des Naturschutzführers auf einen schmalen Pfad, der dem Altwasser folgt. Dabei bewegen wir uns konsequent langsam und ruhig, denn ich bin noch immer auf der Suche nach meiner Ringelnatter! Hier muss es ganz einfach welche geben und bei dem Wetter werden sie sich auch bestimmt sonnen. Und dann kann ich es kaum fassen, denn ich habe Glück: Ein sehr schönes Exemplar liegt auf einem Baumstamm im Wasser!
So bewegungslos ist sie vom Weg aus kaum auszumachen und ich habe sie nur deswegen entdeckt, weil ich jeden einzelnen Stamm ganz gezielt nach ihr abgesucht habe. So muss ich Claudia dann auch erst einmal ganz genau beschreiben, nach was sie mit den Augen suchen soll, bis sie die Natter ebenfalls sehen kann! (Die Aufnahmen sind mit dem Tele-Objektiv gemacht!)

Wir sind beide richtig happy, nur bereue ich jetzt, den Rucksack nicht dabei zu haben! In ihm hätte ich nämlich noch einen Telekonverter auf 750mm Brennweite, und auch das Stativ gehabt. So muss ich nun eben leider mit dem auskommen, was ich zur Verfügung habe: ein Zoom bis 400mm Brennweite, „frei aus der Hand“ zu schießen!

Jede Bodenerschütterung vermeidend, schleiche ich mich ganz langsam etwas näher ans Ufer heran, um das Reptil zumindest einigermaßen „formatfüllend“ zu bekommen. Ein Vabanque-Spiel – denn nur ein einziger Schritt zuviel und die Schlange wird sofort im Wasser verschwinden! Aber ich habe Glück und es gelingt mir – auch mit der reduzierten Ausrüstung – ein paar ganz gute Schnappschüsse zu bekommen. Das Glück des Tüchtigen..?
Nach jeder Serie wage ich mich noch mal etwas weiter vor, um vielleicht noch bessere Fotos zu begommen, bis es der Ringelnatter irgendwann dann doch zuviel wird: Geschmeidig gleitet sie ins Wasser und verschwindet – hoch erhobenen Kopfes – im Ufergestrüpp.

Ich rufe ihr noch ein fröhliches Dankeschön hinterher, als Claudia mich auf eine Wasserbewegung, links von uns aufmerksam macht: Eine Biberratte, eine Nutria! Und dieses Prachtexemplar zeigt nun – im Gegensatz zur Ringelnatter – überhaupt keine Scheu, obwohl es uns längst gesehen haben muss! Genüsslich und in aller Ruhe zieht sie junge Zweige zu sich herunter, um deren Spitzen abzunagen.

Ich schieße Bild um Bild und als sie sich dann ebenfalls ins Gestrüpp verkrümelt, bin ich wirklich „satt“! Zumindest was das Fotografieren angeht..!

Nach kurzer Wegstrecke erreichen wir dann wieder den unteren Weg, am Deich und schlendern auf ihm gemütlich zurück, zum Auto.
Hier fährt gerade ein Frachtkahn unten in die Schleußenanlage ein und ich gehe mit Claudia hinüber, um beim Schleußenvorgang zuzusehen. Wir sind beide ziemlich überrascht, wie zügig das vonstatten geht. Nach wenigen Minuten ist das schwere Schiff auf unserer Höhe und verlässt die Anlage stromaufwärts, wo schon das Nächste auf die Einfahrt wartet.

Wir steigen anschließend ins Auto und fahren – glücklich und zufrieden – nach Hause. Aber wir wissen, wir werden bald wiederkommen: Dann jedoch mit Telekonverter und Stativ..!
Unser Fazit: Eine wunderschöne, kleine Rundwanderung ohne nennenswerte Anstrengung. Trotzdem sollte (besonders bei Nässe) Trittsicherheit vorhanden sein! Naturfotografen kommen hier voll auf ihre Kosten! Vorsicht bei drohendem Hochwasser!
Mit Kinderwagen schwierig, Kindertrage wäre hingegen ideal! Achtung Naturschutzgebiet, Hunde bitte unbedingt an die Leine nehmen!

Rundwanderung – 8,9 Kilometer mit 29(!) Höhenmeter!

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 503 Offenburg Ortenau Kinzigtal 1:50.000

ISBN 3-89021-596-3

Empfohlener Wanderführer: Rother/Elsass ISBN 978-3-7633-4313-3
Wanderung Nr. 25

 

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2 Kommentare »

  • Julia sagt:

    Klingt toll – wenn ihr mal wieder (dann mit Stativ und erwähnter Kameraausstattung) dort seid,
    melde ich mich hiermit gleich mal als „Mitläufer“ an.

  • Volker Schwarber sagt:

    Vielleicht gehe ich heute dort noch spazieren, meine Frau und ich wollen Bärlauch sammeln, natürlich außerhalb des Naturreservats.
    Gruß, Volker

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