Home » Allgemein

So weit die Füße tragen..!

7 September 2010 2 Kommentare

Natürlich wollen wir uns hier nicht mit dem ehemaligen, deutschen Kriegsgefangenen Cornelius Rost messen, der im gleichnamigen Roman (als Clemens Forell) von Ost-Sibirien, bis in den Iran geflohen ist.

Aber 35,0 Tageskilometer, mit 1.400 Höhenmetern im Anstieg sind wohl auch nicht ganz ohne ! Und dabei hat ursprünglich doch alles nur mit einem Scherz begonnen! Und einer Freiburger Münsterplatz-Wurst…

Von Vorne: Irgendwann einmal habe ich Claudia erzählt, dass ich früher von meiner Oma immer eine leckere Münsterplatz-Wurst bekommen habe, wenn ich – vom Marktplatz aus – mit ihr nach Hause (Freiburg West) gelaufen bin..!

Claudia grinste damals nur verschmitzt: „Würdest Du mit mir auch nach Hause laufen, wenn ich Dir eine Münsterplatz-Wurst spendiere?“, fragte sie fast beiläufig.

„Klar!“, antwortete ich etwas abwesend und ohne nachzudenken. „Versprochen..?“, wollte sie dann noch einmal bestätigt haben und spätestens jetzt hätte ich doch eigentlich schon durch ihr Grinsen gewarnt sein müssen..! „Versprochen!“, erwiderte ich statt dessen nur artig.

„Klasse..!“, meinte sie darauf hin, sichtlich zufrieden. „Da freue ich mich jetzt schon drauf..!

Erst da wurde mir klar, was ich ihr da gerade versprochen hatte und ich holte auch sofort die 50.000er Karte „Freiburg“ heraus. Und schon ein kurzer Überschlag bestätigte dann meine schlimmste Befürchtung: „Das sind ja gute 30 Kilometer..!“

Versprochen ist aber versprochen und ich bekam auch meine Münsterplatz-Wurst! Aber der Reihe nach:

Schon früh lassen wir uns von einem Freund nach Hinterzarten bringen, um von dort aus nach Freiburg zu fahren. Mit der Höllentalbahn schafft man das ganz bequem in ca. 30 Minuten und das Auto bleibt so auch einmal in der Garage.

Vom Freiburger Hauptbahnhof aus erreichen wir dann in nur wenigen Minuten den Markt am Münsterplatz, wo es sich Claudia nicht nehmen lässt, nun ihr Versprechen ebenfalls einzulösen. Sie spendiert mir meine Münsterplatz-Wurst an „Hasslers“ Wurststand. Auch meine Oma kaufte mir meine Wurst schon immer hier, damals wurde der Bratwurststand aber noch vom Vater des heutigen Inhabers betrieben. Trotzdem kommen mir hier wieder viele, schöne Erinnerungen hoch.

Gut gestärkt folgen wir dann den Reihen von Marktständen nach Osten, in Richtung Schlossberg. Noch sind wir auf einer Höhe von knapp 300m über dem Meer. Ich erwähne das nur deshalb, weil wir – bis nach Hause – auf fast 1.000m ü. M. aufsteigen müssen.

Am Schwabentor, einem der beiden alten, heute noch erhaltenen Stadt-Tore, führt der Weg links über Treppen hinauf und überquert dann die Straße. Wir folgen nun immer der roten Raute mit dem weißen „K“ (Kandelhöhenweg) und erreichen schon nach kurzem, steilen Aufstieg, den historischen „Kanonenplatz“. Von hier aus hat man einen tollen Blick zurück, auf’s Münster und die Altstadt, so wie auf die Wiehre und die südlichen Stadtteile von Freiburg. Wir schießen rasch einige Fotos, dann folgen wir dem Kandelhöhenweg „nach Hause“ – in Richtung Rosskopf, St. Peter und St. Märgen.

Breit und gepflegt, zieht er im Waldschatten kontinuierlich aufwärts, immer wieder mit kurzen Tiefblicken, auf die östlichen Stadtteilen von Freiburg: Wiehre, Oberau und Littenweiler.

Unser erstes Zwischenziel ist der Rosskopf (737m) mit seinem weithin sichtbaren Aussichtsturm. Hier stehen auch die vier Windkraftanlagen, die wir sogar von zu Hause aus sehen können.

Kontinuierlich zieht der Weg nun hinauf und wird bald schmaler. Trotz der Kühle des Morgens ist uns inzwischen ordentlich warm geworden, denn in diesem Bereich sammeln wir die meisten Höhenmeter: Auf den ersten 6,0 Kilometer schon über 450! (Vergleiche das Höhenprofil auf Garmin!)

Inzwischen kommen auch einige erste Radfahrer von hinten, die sich freundlich bedanken, weil wir sie auf den schmalen Pfaden vorbei lassen. Gerne geschehen, für uns waren das eigentlich sehr willkommene Pausen – Gelegenheit zu verschnaufen!

Trotz des fühlbaren Anstieges, zwischen Freiburg und dem Rosskopf, kann man diese Tour aber auch für warme Sommertage empfehlen. In diesem Bereich gehen wir fast ununterbrochen im Waldschatten. (An genügend Getränke denken!)

Am Rosskopf-Gipfel angekommen, treffen wir dort wieder zwei, der netten Mountainbike-Fahrer von vorhin. Während er im Schatten des Turmes einen „Platten“ flickt, hat sie diesen erklommen und genießt die Aussicht. Da Claudia (nach einem „prüfenden“ Blick hinauf) lieber ihrer Höhenangst Rechnung trägt, bitte ich Anette, so heißt die freundliche Dame, doch für ein paar Fotos oben zu bleiben. Das tut sie dann auch und ich steige ebenfalls hinauf. Von oben hat man einen grandiosen Rundblick: wir sehen Freiburg, aber auch die ganze Rheinebene mit dem Kaiserstuhl und die Vogesenkette,

Als ich mich umdrehe und Anette zeige, wo wir wohnen (ist am Horizont gut zu erkennen!) und ihr dann auch noch erzähle, dass wir von Freiburg aus nach Hause laufen, muss sie doch anerkennend lachen: „Na denn..!“

Wir geben den Beiden noch ein Kärtchen, mit unserer Internet-Adresse, dann trennen sich die Wege wieder.

Als wären wir „oben“ angekommen, (dort, wo es flacher wird!) geht es erst einmal – über sehr idyllische Pfade – in gemütlichem Auf und Ab dahin. Aber wir lassen uns davon nicht täuschen, denn wir wissen natürlich, dass wir erst auf 750m ü. M. sind. Es fehlen also noch gute 250 Höhenmeter, bis zum „Niveau unserer Haustüre“ und es wird wohl auch noch einiges zusätzlich hinzukommen, da wir ja nicht immer nur bergauf gehen. Und jeder einzelne Meter, den wir zwischendurch mal absteigen müssen, wird dann am Ende auch wieder hinzu gerechnet werden! Was soll’s..!

Zunächst kommen nun aber erst Mal die bereits erwarteten Anstiege: Hornbühl – Flaunser – Brombeerkopf. Auch wenn wir keinen dieser Gipfel direkt übersteigen müssen, es geht immer zwischen 720m und 810m auf und ab – bis wir endlich die markanten Zwiebeltürme von St. Peter sehen können.

Ab hier geht es jetzt beständig bergab, bis in das Städtchen hinein. Aber St. Peter selbst liegt ja immer noch auf 700m ü. M. und dahinter geht es noch weiter hinab, nach Oberibental. In der Talsohle werden wir dann wieder auf 664m ü. M. sein, wie wir der Karte leicht entnehmen können.

Die Höhe ist aber noch nicht einmal das eigentliche Problem: Durch St. Peter hindurch, bis nach St. Märgen sind es insgesamt 8,0 Kilometer. Aber die Strecke führt ausschließlich über Asphalt und wen wundert’s, schon nach vier Kilometern brennen unsere Fußsohlen höllisch und wir sind wirklich froh, als wir im Anstieg endlich wieder einmal über einen Kilometer Wiesenweg gehen dürfen. Ab hier kennen wir die Strecke schon, von einer früheren Tour.

Dieser Teil unserer Tour fordert ordentlich „Körner“ und Claudia fängt irgendwann an, kräftig zu flattern (Unterzuckerung). Daher machen wir oben, am Waldrand noch einmal eine kurze Rast, bevor wir zum Endspurt übergehen wollen. Wir nehmen die Rucksäcke von den Schultern und packen unsere letzten Brote aus. Auch die vier Liter Tee scheinen wir richtig kalkuliert zu haben!

Als wir weiter gehen, bin ich dann richtig froh, endlich die Zwillingstürme von St. Märgen sehen zu können. Sie liegen etwas blickgeschützt, in einer Senke und daher man sieht sie erst recht spät.

„Na, wer sagt’s denn,“ hat Claudia da auch sofort ihren Galgenhumor wieder gefunden, „schon fast zu Hause..!“ Dabei müssen wir nun zuerst einmal ganz durch St. Märgen hindurch und meine Sohlen brennen schon wieder heftig.

Dann endlich, am Ende des Städtchens, gehen wir rechts hinunter und verlassen den Asphalt. Nach dem Durchqueren eines Wäldchens erreichen wir wieder die Straße, in Richtung Thurner. Nachdem wir sie überquert haben, führt uns ein schmaler Pfad zu einem Wirtschaftsweg. Ihm folgen wir ein gutes Stück die Viehweiden hinauf. Oben dreht sich Claudia um und zeigt zurück: „Schau mal!“, ruft sie überrascht.

Als ich mich ebenfalls umdrehe ziehe ich automatisch die Kamera aus der Tasche und bringe mich in Position: die Sonne versinkt gerade im Dunst über der Rheinebene. Dieses Foto will ich unbedingt haben (Der Aufmacher dieses Artikels!).

Inzwischen haben wir die „Gipfelhöhe“ (den höchsten Punkt unserer Tour) überschritten und schwenken am Weiler Neuhäusle in den Wald ein. Hier ist es bereits recht düster, aber über den Kohlplatzweg sind es nun noch anderthalb Kilometer. Nach der Hälfte sehen wir bereits unser Haus und gehen fröhlich, Hand in Hand, die letzten Meter nach Hause. Versprechen erfüllt…

Unser Fazit: Eine echte Hammer-Tour, auf die wir uns aber lange gefreut haben! Wir würden empfehlen, anstatt sie einfach nur nachzuwandern, doch lieber die Idee als solche aufzugreifen und eine eigene „Tour nach Hause“ auszuarbeiten. Traut Euch, es ist ein Riesenspaß!

Empfohlene Karte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Kaiserstuhl, 1:50.000 ISBN-13: 978-3-89021-598-3

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]
HD-Freiburg-Kohlplatz

Größere Kartenansicht 

2 Kommentare »

  • Manu sagt:

    Huhu Ihr 2!
    Schöner Bericht. Super schöne Bilder und hey zur Abwechslung auch mal vom Papa 😉
    Freuen uns, Euch mal wieder zu sehen und schade, dass Ihr am 27.09.10 keine Zeit habt… Liebe Grüße, Manu und Dani

  • Rainer sagt:

    Kuckuck! Manchmal lasse ich mich auch von der Mama fotografieren. Aber lieber nicht zu oft – wer weiß schon, was die Kamera auszuhalten vermag..! 😉

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.